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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 828 Dr. Blochs Wochenschrift. Rr. 19 ethischen Zwecke der Chewra zu fördern?! Von diesem Gesichtspunkte aus hat der Vorstand vor einigen Zähren über Anregung unseres Präses. Herrn Salo Cohn, die Bildung zweier Fonds beschlosien: Des Fonds zur Unterstützung verarmter Vereiusmitglieder, welcher derzeit K 43.600.— beträgt, aus dessen Zinsenertragnissen verarmte Mitglieder der Chewra-Kadischa in diskreter und möglichst ausreichender Weise unterstützt werden; ferner des Fonds zur würdigen Bestattung verarmter Vereinsmitglieder im Betrage von K 10.000.—, dessen Zweck aus seinem Namen ersichtlich ist. Leider ist es nicht möglich gewesen, in den vergangenen drei Jahren diese Fonds zu stärken. Es wäre vielleicht der Erwägung wert, ob nicht diese beiden Fonds, oder zumindest der für Unterstützung bestimmte, durch alljährlich von vornherein festgesetzte Zuwendungen aus den Einkaufs- und Mitgliedsgebühren sukzessive vermehrt werden könnten. Nach Ausdruck des Dankes an die Mitglieder und Förderer der Chewra schließt der Bericht mit folgenden Worten: „Ich bitte Sie, meine Herren, die Sie durch Ihr Erscheinen bei der Generalversammlung Ihrem Interesse. für die Chewra-Kadischa, dieser ältesten jüdischen Vereinigung, Ausdruck gegeben haben, nach Kräften dazu beizutragen, daß unsere Bruderschaft neue Gönner und Förderer erhalte; denn nur durch das einträchtige Zusammenwirken Vieler kann die Chewra- KoLischa ihrer hohen Aufgabe, zur Linderung des menschlichen Elends beizutragen, gerecht werden. Dazu erbittet sich der Vorstand Ihre Hilfe, Ihre tatkräftige Mitwirkung!" Der Bericht wird mit lebhafter Beftiedigung zur Kenntnis genommen. Präsident Salo Cohn fügt diesem Bericht hinzu, daß sich seit 64 Jahren das Vermögen des Vereines von zirka 36.000 auf rund 400.000 Kronen erhöht habe. Dieser Betrag sei trotz seiner ansehnlichen Höhe doch nicht als bedeutend zu bezeichnen, wenn man in Erwägung ziehe, daß schon im Jahre 1320 eine Chewra in Wien bestanden habe. Er hebt weiters hervor, daß mit der Prüfung und Erledigung der einlaufenden Unterstützungsansuchen ein aus dem Vorstande gewähltes engeres Komitee, bestehend aus den Herren Breitner, Kann, Klein, Otto, Simon und Steiner, betraut sei und dieser Aufgabe in wahrhaft hingebungsvoller Weise obliege; er könne nicht umhin, auch an dieser Stelle diesen Herren für ihre — wie bereits vom Vertreter der Kultusgemeinde Herrn kais. Rat Kauders erwähnt wurde —■ unter schwierigen Verhältnissen ausgeübte Tätigkeit den wärmsten Dank auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Ebenso fühle er sich verpflichtet, jenen Mitgliedern, welche den Vorstand in der Erfüllung seiner Pflicht, bei Leichenbegängnissen mitzuwirken, unterstützen, den herzlichsten Dank auszusprechen. (Zustimmung.) Der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, hält sodann folgende Ansprache: „Es hat bereits Herr kaiserl. Rat Kauders, welcher von mir mit der Vertretung des Kultusvorstandes bei dieser Versammlung betraut wurde, den Empfindungen Ausdruck gegeben, welche im Kultusvorstande, in der ganzen jüdischen Gemeinde für unsere älteste jüdische Vereinigung, für die Chewra-Kadischa, herrschen. Der Kultusvorstand läßt auch keinen Anlaß vorübergehen, ohne seinem Interesse für die Chewra-Kadischa werktätig Ausdruck zu geben und wiederholt hat das Präsidium aus den ihm zur Verteilung überwiesenen Spenden und Legaten — so auch erst in den jüngsten Tagen — relativ bedeutendere Beträge der Chewra-Kadischa zugewendet. Die warmen herzlichen Empfindungen entspringen der Stellung, welche eine solche Vereinigung einnimmt, zu allen Zeiten und in allen jüdischen Gemeinden eingenommen hat; die Chewra-Kadischa ist, wie doch ihr Name besagt, das Band, das uns Juden umschlingt, ist die Urzelle, aus der die jüdische Gemeinde entstammt, der Grundstein, auf dem die jüdische Gemeinde aufgebaut ist. Sie ist eine religiöse Vereinigung, eine Stammesvereinigung, eine auf den Urbeginn unseres Volkes zurückreichende verwandtschaftliche Verbindung nach dem Grundsätze „Chawerim kol Jisroel", den auch die jüdischen Allianzen in ihren Publikationen an der Stirne tragen. Daß jede jüdische Gemeinde, daß auch die Wiener Kultusgemeinde den Bestand und das Gedeihen der Chewra-Kadischa mit wärmstem Interesse verfolgt und fördert, erachte ich als ein Gebot der Selbsterhaltung. Aus den gleichen Empfindungen heraus entstand in den letzten Tage« unter den Juden Wiens eine machtvolle Bewegung welche dahin zielte, m kräftiger Weise jene von uns zu weisen, welche sich ans unserer Gemeinschaft losgelöst, uns in Zeiten schwerer Bedrängnis verlassen haben und nichtsdestoweniger das Bedürfnis fühlten, nufere Vertretung in öffentlichen Körperschaften zu führen, und von uns Vertrauensmandate verlangten. Der Kampf, den wir ausgenommen, war ein Kampf des jüdischen Solidaritätsgefühles, der Sieg, den wir erfochten, ein Sieg des Gedankens unserer Gemeinsamkeit, unseres brüderlichen Zusammenhaltens und auch des Ehrgefühles. Ich als Präsident der Kultusgemeinde konnte und durfte bei einer solchen Bewegung, bei einem solchen demonstrativen Proteste gegen die leider so verbreitete Abfallsbewegung nicht abseits stehen, ich fühlte mich in meinem Gewissen verpflichtet, hier voranzugehen, und wenn sich im Laufe dieser Bewegung Situationen ergaben, in denen meine entschiedene Stellungnahme von der einen oder anderen Seite mißliebig gedeutet werden konnte, so mußte ich dies über mich ergehen lassen, unbeirrt dem Ziele zustrebend, das wir alle vor Augen hatten. Daß in dieser Sache, Dank unserem festen Zusammenhalten, ein so schöner Erfolg erzielt wurde, ist mit ein Verdienst unserer, das Gemeingefühl wachhaltenden Verbindungen und Vereinigungen und so auch der Chewra-Kadischa, welche — wenn auch an dieser Bewegung unmittelbar nicht beteiligt — durch die Pflege des Gemeinsamkeitsgefühles zur Hebung des jüdischen Bewußtseins seit einer langen Reihe von Jahren in hohem Maße beigetragen hat. Ich wünsche aus vollem Herzen, daß die Chewra-Kadischa blühe und gedeihe im Interesse unserer Gemeinde und der gesamten Judenschaft." (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Präsident Salo Cohn dankt dem Präsidenten für seine ausgezeichneten Ausführungen, ebenso für sein mannhaftes Auftreten im verflossenen Wahlkampfe in der Inneren Stadt; er gibt dem Wunsche Ausdruck, daß es der Vorsehung gefallen möge, den Präsidenten in unverminderter Kraft noch lange der Gemeinde zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Die Versammlung erhebt sich einmütig und bereitet dem Präsidenten Dr. Alfred Stern eine stürmische Ovation. Vereinsmitglied Herr Dr. Ignaz Weiß ergreift das Wort, um unter Anerkennung der bedeutenden Leistungen der Chewra- Kadischa einige Anregungen zu gebender bespricht in eingehender Weise die verschiedenen Zweige der Tätigkeit des Vereines, z. B. der Erteilung von Unterstützungen und Kurbeiträgen, der Verabfolgung von Medikamenten, Bandagen rc., und wünscht in dieser Beziehung mancherlei Reformen. Zur Durchführung derselben stelle er sich gerne dem Vorstande zur Verfügung. Vereinsmitglied Herr Beer erklärt, daß er zum erstenmale einer Generalversammlung der Chewra-Kadischa beiwohne, daß er aber von dem erstatteten Bericht derart begeistert sei, daß er sich vornehme, mit aller Kraft dahin zu wirken, der Chewra-Kadischa neue Mitglieder und Förderer zuzuführen; denn er finde, daß im Hinblicke auf die Aufgaben der Chewra-Kadischa die Anzahl ihrer Mitglieder eine viel zu geringe sei. Er gibt die Anregung, für ein Jahr die Entrichtung einer Aufnahmsgebühr zu sistieren und verspricht sich hievon einen bedeutenden Zuwachs an Mitgliedern. Präsident Salo Cohn dankt dem Vorredner für seine warmherzigen Ausführungen und erklärt, die Anregung dem Vorstande zur Beratung zu unterbreiten. Vereinsmitglied Herr Jaques K a r p e l e s ersucht den Vorstand, dafür zu sorgen, daß in der Zeremonienhalle am Zentralfriedhofe sämtliche an dem betreffenden Tage stattfindenden Leichenbegängnisse in geeigneter Weise verzeichnet werden. Zum Punkt 3 der Tagesordnung: „Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern", beantragt Herr Dr. Bloch die statutengemäß aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Moriz Breitner, Jakob Kann, Jgn. Klein, Leopold Otto und Samuel Steiner wieder zu wählen und die Wahl per acclamationem vorzunehmen. Der Antrag, per acclamationem zu wählen, wird angenommen und werden sodann die obgenannten Herren einhellig wiedergewählt.

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