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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 32« Nr. 19 Dr. Bkochs Wochenschrift deren Zurücknahme nicht zu bewegen. Das Bemerkenswerte an diesem Vorgehen ist, daß selbst ein Graf Szäpäry, der Begründer und Präsident der ungarlaudischen christlichsozialen Organisation, dieses Vorgehen „zu weitgehend" findet. Wenn das so weitergeht, werden die getauften Inden fich in ein eigenes Ghetto zurüöhiehen und die Gemeinde der Getauften bilden müffen. Der Streit um Jesus und die Juden. Man schreibt uns aus Berlin: Die Vereinigung für das liberale Judentum veranstaltete unlängst in der Philharmonie eine Versammlung, in der die Juden zu den Berliner Religionsgesprächeu, ob Jesus eine historische Gestalt ist. Stellung nahmen. Rabbiner Dr. Hochfeld-Berlin gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Religion kein verlorener.Posten mehr sei und wieder im Mittelpunkte der Debatten stände. Die lauten und lärmenden Proteste des Monismus hätten dem Glauben ebensowenig geschadet, wie die still ablehnende Haltung der Ethischen Kultur. Das Streben des modernen Menschen nach Verinnerlichung verheiße auch dem Judentum eine Renaissance. Rabbiner Doktor B iä ck - Karlsruhe meinte, der Streit um die Existenz Jesu berühre das Judentum wenig. Alles, was im Lhristentume gut, edel und heilig sei, finde sich bereits im Alten Testament. Die Juden sollen jede ehrliche Ueberzeugung achten, jeder Religion mit Ehrfurcht begegnen. aber den Wert des eigenen Glaubens, der „Mutter aller Religionen", nicht verkennen. Rabbiner Doktor Vogel st ein - Stettin erklärte, daß das Christentum zurzeit eine schwere Krise durchmache. Laien und Theologen erschütterten die Grundvesten des christlichen Glaubens. während das Judentum in ungebrochener Kraft dastehe. In seinem Mittelpunkte stände die Lehre. Die Person des . Stifters trete in den Hintergrund. Selbst ein etwaiger Nachweis, daß Moses nie gelebt, könnte dem Judentum nichts anhaben. Als letzter Redner bekämpfte Justizrat Blau-Frankfurt a. M. die orthodoxen Strömungen im Judentum, dessen Zukunft allein von seiner Fortentwicklung im liberalen Sinne abhänge. Karl Goldmark — Ehrendoktor. Aus Budapest, 7. d. M., wird uns telegraphiert: Auf Antrag des Seniors der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität Profesiors Josef Hampel wurde einstimmig beschlossen, Karl Goldmark anläßlich seines 80. Geburtstages zum Ehrendoktor zu ernennen. Goldmark-Feier in Keßthely. Die Stadt Keßthely trifft große Vorbereitungen zum Empsange Karl Goldmarks, der am 21. Mai dort eintrifft, um dem abends zu seinen Ehren stattfindenden Konzert anzuwohnen. Dem Konzert folgt ein „Venezianischer Abend" auf dem Plattensee mit glänzender Beleuchtung. Goldmark wird Gast des Ordenshanses der Prämonstratenser sein. Der Keßthely :r Deputation, die ihn in Wien aufsuchte, versprach der Meister, das Manuskript einer seiner namhaftesten Werke dem Plattenseemüseum schenken zu wollen. Für die Keßthelyer Feier gibt fich in den weitesten Kreisen lebhaftes Jntereffe kund; zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten haben bereits ihr Erscheinen angemeldet. Die transdauubischen Musik- und Literaturvereine entsenden Abordnungen nach Keßthely. Der Bürgermeister von New-Hork und die Missionsgesellschaft. Ein Missionsprediger wandte fich an den Bürgermeister von New-Iork mit dem Ersuchen, ihm zu erlauben, in der New-Dorker Judenstadt Misfionspredigten zur Bekehrung der Juden veranstalten zu dürfen. Der Bürgermeister lehnte das ab mit nachstehendem Schreiben: The Rev. Thomas M. Chalmers, Brooklin. Ehrwürdiger und werter Herr! Es will mir scheinen, daß die Proselytenmacherei einzelner Konfessionen und Sekten sehr oft zu weit getrieben wird. Denken Sie denn nicht, daß die Juden eigentlich schon eine gute Religion besitzen? Haben die Christen nicht ihre heilige Schrift erst von den Juden übernommen? Ist nicht auch das Neue Testament ausschließlich von Juden geschrieben worden? War nicht Jesus ein geborener Jude, also von jüdischer Raffe — wenn ich dies mit gebührender Ehrerbietung erwähnen darf! Haben wir Christen nicht Vieles, ja sogar das Meiste, was wir besitzen, erst von den Juden empfangen? Warum also diese mühselige Arbeit, um die Juden erst zu bekehren? Das Bekenntnis des Juden an einen einzigen lebendigen Gott datiert aus der Dämmerung der Geschichte, hat sich während unendlicher Generationen durch Ueberlieferung fortgesetzt und bildet eine ununterbrochene Tradition durch den Gang der Weltgeschichte. Ich lehne es darum ab, Ihnen zu gestatten, in. den Straßen der dichtbevölkerten Judenbezirke Missionspredigten abzuhalten, zu dem Zwecke, um Proselyten zu gewinnen. Sie würden die Juden unnütz belästigen und mehr Schaden stiften, als Gutes tun. Wie viel Juden haben Sie denn bis jetzt bekehrt? M. G. Gaynor, Bürgermeister, New-Iork. Die „New-Aorker Times" vom 22. April 1910 publizierte das vorstehende Schreiben des Bürgermeisters, ebenso eine Zuschrift der Vertreter der New-Dorker Judenschaft an den Herrn Bürgermrister, welche dem edelgesinnten Manne dafür danken, daß er ihnen Belästigungen und Widerwärtigkeiten durch seinen Takt und seine Klugheit erspart hat. M. H., k. k. Kommerzialrat. Mark Twain über die Juden. Der kürzlich verstorbene amerikanische Humorist Mark Twain, faßte die Fragen, die er behandelte, nicht immer, von. der leichten, humoristischen Seite auf. Verschiedene Aufsätze ernsten Inhalts bezeugen, daß der große Humorist über alle Tagesfragen ernst nachdachte. Im Septemberhefte 1889 des „Harpners Magazine" kam er in einem längeren Artikel auch auf die Judenfrage zu sprechen und die folgenden, in dem genannten Aufsatze zum Ausdrucke gebrachten Ansichten bekunden, daß Mark Twain auch dieser Frage auf den Grund gegangen ist. Er schrieb: „Wägt man die Vorzüge und die Mängel beider Seiten ehrlich und genau ab, so hat der Christ kein Recht, für sich in Bezug auf gutes Bürgertum eine Superiorität über den Juden in Anspruch zu nehmen." „Ich bin überzeugt, daß in Rußland, Oesterreich und Deutschland neun Zehntel des Judenhasses von der Unfähigkeit der Christen, mit dem Durchschnittsjuden in Geschäftssachen zu konkurrieren . . . ." Den Juden gab er folgenden Rat zur Bekämpfung des Judenhasses: „Bildet Freiwilligentruppen, bestehend aus lauter Juden, und wenn dre Trommel schlägt, so gehet los und stellt euch in die Front. In der Politik organisiert eine Macht, vereinigt euch und machet von eurer entscheidenden Stimme Gebrauch, wo ihr könnt. Wo ihr es nicht könnt, erwirket so gute Bedingungen als nur möglich." Der Artikel schloß mit den Worten: „Alles ist sterblich, nur der Jude nicht, alle Kräfte vergehen, nur der Jude bleibt. Wo liegt das Geheimnis seiner Unsterblichkeit? ....," Das Testament des Sanherib. In Verbindung mit der Nachricht über die jüngst erfolgte Entdeckung eines aus der Zeit Sanheribs stammenden historischen Zylinders, der sich nunmehr im British-Museum befindet, weist ein englisches Blatt darauf hin, daß das genannte Museum auch das Testament des Königs Sanherib besitzt. Die Tontafel, auf: welcher der letzte Wille des berühmten Herrschers aufgezeichnet ist, besteht aus sieben Zeilen in schöner affyrischer Schrift. Die von Sayce besorgte Uebersetzung der Inschrift lautet: „Ich, Sanherib, König der Nationen, König von Assyrien, habe überlassen Ketten aus Gold, Lager von Elfenbein, einen Becher aus Gold und überdies auch Kronen und Ketten, all die Reichtümer, die aus Mengen von Kristall, einem anderen wertvollen Edelstein, ein und einhalb Manch, zwei und einhalb Kibi, je nach ihrem Gewichte, meinem Sohne Esashaddon, der nachher meinem Wunsche entsprechend Assur-Ebil-Mukin-Pal genannt wurde; ebenso die Schätze des Tempels von Amuk und Nebo-Jrik-Erba. . . . . .

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