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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 335 gesichts der kräftigen, Unterstützung, die jüdische Mitglieder diesem Vereine schon in den ersten Jahren seines Bestandes angedeihen ließen, eine schreiende Ungerechtigkeit. Es wird daher unter den jüdischen und den dem einseitigen Intoleranten konfessionellen Standpunkte abholden Mitgliedern eine starke Bewegung organisiert, welche bereits greifbare Formen angenommen hat. Man wird in der nächsten Generalversammlung gegen die nicht zu rechtfertigende Zurücksetzung jüdischer Bewerber energisch Stellung nehmen und die berechtigten Ansprüche der jüdischen Mitglieder, in dem Vereine nicht als Mantitv negligeable betrachtet zu werden, mit größter Entschiedenheit vertreten. Gewiß ist von wirtschaftlichen Fragen die Verquickung mit politischen und konfessionellen Momenten strenge ferne zu hqlten: dies und nur dies allein erwarten wir aber auch von dem leitenden Ausschüsse des Konsumvereines, in welchem hochangesehene Mitglieder jüdischer Konfession ihre eminente Arbeitskraft in den Dienst dieser gemeinnützigen Sache stellen. Wir verlangen: Keine Zurücksetzung aus konfessionellen Gründen. Zu diesem Verlangen sind wir berechtigt, und kein Zweifel, wir werden es auch durchzusetzen wissen. Alliance Jfraölite Universelle. Die „Alliance Jsraölite Universelle" feiert in diesem Monat das fünzigjährige Bestehen. In allen Synagogen Deutschlands ist am letzten jüdischen Feiertag in Predigten und Ansprachen der „Alliance" und ihres Wirkens mit rühmender Anerkennung und mit Dank gedacht worden. In Berlin und in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands wird in nächster Zeit noch eine besondere nicht synagogale Feier stattfinden. In Paris haben die Festveranstaltungen eine bedauerliche Verzögerung erfahren müssen, da der Präsident der „Alliance Jsraelite Universelle" Herr Leven erkrankte. Man wird in Paris eine Nachfeier im November veranstalten. Die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraelite Universelle" hat ihre Mitglieder zum 29. Mai zu einer außerordentlichen Tagung berufen und zu dieser alle Lokal-Komitees eingeladen. Für die Pariser Feier war eine Teilnahme aus allen Ländern in Aussicht genommen. Auch an Herrn Oscar S. Strauß, den Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, war eine Einladung ergangen, auf die Herr Strauß mit folgendem Schreiben antwortete: Amerikanische Gesandtschaft Konstantinopel, 20. April 1910. An den Präsidenten der „Alliance Jsraölite Universelle" Herrn N. Leven Paris. Sehr geehrter Herr! Ich habe Ihre Einladung zu den Feierlichkeiten und Versammlungen erhalten, die im kommenden Mai zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Begründung der „Alliance Jsraölite Universelle" stattfinden sollen. Wenn meine amtlichen Pflichten meine Abwesenheit von hier zu jener Zeit gestattet hätten, so wäre es mir eine große Freude, der bedeutsamen Jubiläumsfeier beizuwohnen. Wer mit der Lage unserer Glaubensgenossen in diesem Weltteil vertraut ist, muß Bewunderung fühlen für die Größe des Werkes, das die „Alliance" geschaffen hat, indem sie unseren Glaubensgenossen Erziehung und; moralische Hebung zuteil werden ließ und ihre wirtschaftliche Lebenshaltung erhöhte. Ich habe die Schulen und andere Institute besucht, die die „Alliance" hier, in Salonik, in Smyrna und vielen Orten eingerichtet hat und kann aus eigener Anschauung Zeugnis ablegen für das große und edle Werk, das die „Alliance" geschaffen hat und zu schaffen fortfährt. Die „Alliance" ist für die Juden des Orients Schirm und Schutz. Den Schutz, den die Regierungen der verschiedenen Staaten ihren christlichen Landesgenoffen angedeihen laffen, den gewährt die „Alliance" den Juden. Ich habe eine Anzahl junger Leute gesehen, die in den Schulen der Alliance erzogen worden find und sich zu nützlichen Führern ihrer Glaubensgenossen entwickelt haben. Ohne die Vorteile, die die Schulen der Alliance bieten, würden sie in derselben unglücklichen Lage verblieben sein, in der sich die Mehrzahl ihrer Brüder befindet. Vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit, mich in Salonik aufzuhalten. Ich besuchte dort Ihre Schulen und traf die Vorsteher der Gemeinde bei einer Beratung an. Ich war bestrebt, sie von der dringenden Notwendigkeit zu überzeugen, ihren spanischen Jargon abzulegen, dessen Ersetzung durch die Landessprache ich empfahl. Auch die Pflege der französischen Sprache legte ich ihnen ans Herz, damit sie aus ihrer Absonderung herauskämen und die Aufklärung der Gegenwart sich zunutze machten. Ich bemühte mich, ihnen auseinanderzusetzen, welch.- Ironie der Geschichte darin liege, daß sie die Sprache ihrer spanischen Bedrücker bewahrten in einem Lande, das ihren Vorfahren Schutz und Zuflucht bot. Die Arbeit, die die Schulen der „Alliance" in dieser Richtung geleistet haben, kann nicht genug anerkannt werden. Aber es bleibt noch so viel zu tun übrig, daß es mir eine große Genugtung sein würde, wenn das, was ich angeführt habe, sei es auch nur in geringem Maß, zum Gedeihen und zur Entwicklung des Alliancewerkes beitragen könnte, das für unsere bedrückten Brüder im Osten ein Gottesgeschenk und ein Segen geworden ist. Dieses Werk macht den Ruhm und die Ehre des fünfzigjährigen Jubiläums der vornehmsten Gemeinschaft aus, die mir so sichtbarem Erfolg für die Hebung der Söhne und Töchter Israels gewirkt hat. Es ist mein Wunsch, Ihnen, dem ehrwürdigen Präsidenten der Alliance, der Sie so viele Jahre Ihres Lebens dieser großen Sache gewidmet haben, und Ihren Kollegen, die Versicherung meiner aufrichtigen Hochachtung und höchsten Wertschätzung auszusprechen. Oscar S. Strauß. Ein Ghetto für getaufte Juden. Man schreibt aus Budapest: Schlechte Zeiten sind über die getauften Juden aller Länder gekommen. Sie find ungebetene Gäste in den Vereinen der bürgerlichen Klassen, wie auch in den Klubs der Aristokraten. Die Aufdringlichkeit einer solchen getauften Jüdin hat jetzt die aristokratische Gesellschaft von Budapest, die in dem vornehmen exklusiven „Parkklub" vereinigt ist, in Aufruhr versetzt. Dieser Klub der oberen Zehntausend war von jeher das Ziel der Sehnsucht streberischer Juden. Bisher ist noch keinem Juden, mit Ausnahme eines Rothschild, der Eintritt in den Parkklub gelungen. An der Spitze des Damenkomitees dieses Magnatenklubs stand bisher die Gattin des gewesenen Ministers Baron Ernst Daniel. Gegen diese Dame richtete sich nun der Sturm der jüngeren Parkklub-Generation. Ihr Verbrechen war auch ungeheuer. Ihr Sohn Baron Tiberius Daniel heiratete eine Tochter des Araber Spiritusfabrikanten und gewesenen Kultuspräsidenten Daniel Neumann de VegvLr, nachdem Frl. Neumann die Taufe genommen hatte. Die junge Baronin nennt nicht nur einige Millionen ihr eigen, sondern steht auch im Rufe einer außerordentlich schönen, geistreichen Frau. Ihre Schwiegermama, Frau Baronin Ernst Daniel, glaubte nun es wagen zu können, ihre Schwiegertochter die infolge der Taufe nunmehr auch in geordneten konfessionellen Verhältnissen lebte, zur Aufnahme in den Parkklub zu empfehlen. Die Aufnahme wurde auch in einem günstigen Momente „durchgesetzt". Die jungen Lords und Ladies fühlten sich durch diese „Einschmuggelung einer Jüdin" überrumpelt und demonstrierten damit, daß die „Schwiegermama der Jüdin", Frau Baronin Ernst Daniel, bei der jüngsten Vorstandswahl nicht mehr in den Vorstand gewählt wurde. Diese Haltung der Mitglieder des Parkklubs führte nun zu einer ganz eigenartigen Krise. Der Präsident des Klubs, Graf Paul Szäpäry, hat seine Demission gegeben und ist zu

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