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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 324 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. lfc war es möglich, diese Hindernisse vorläufig zu beseitigen. Am 6. Dezember v. I. erhielten wir endlich vom k. k. galizischen Landesschulrate die provisorische Bewilligung zur Schuleröffnung für das laufende Jahr, da die „Unterbringung der Anstalt laut des.Berichtes des k. k. Bezirksschulrates in Zloczow vom 16. September 1909, Z. 3710, den hygienischen Anforderungen nicht vollkommen entspricht". Diese Einschränkung hatte den Anschein einer Konzeffion an die schulfeindlichen Chaffidim, denn es liegen uns übereinstimmende Berichte verschiedener Persönlichkeiten, darunter des Herrn Kreisschulinspektors Engländer der Baron Hirsch-Stiftung in Tarnow und Schulleiters Kelhoffer in Saffow, vor, wonach das von uns mit großen Kosten adaptierte Schulgebäude unter den vorhandenen Lokalitäten das geeignetste ist und daß nach Möglichkeit alles geschehen ist, um allen gesetzlich begründeten, hygienischen Anforderungen zu entsprechen. Nichtsdestoweniger werden wir nach Schluß des Schuljahres alles aufbieten, um den behördlichen Wünschen zu entsprechen. Nach der offiziellen Eröffnung der Schule wurden zunächst nicht mehr als sieben Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren eingeschrieben; die guten Erfolge des Unterrichtes überzeugten schließlich auch einen großen Teil der anfangs feindseligen Bevölkerung und nach Ablauf von nur zweieinhalb Monaten war die Zahl der eingeschriebenen Knaben bereits auf 15 gestiegen. Die Schule wurde am 11. März vom k. k. Bezirksschulinspektor inspiziert, der sich mit den Erfolgen voll und ganz zufrieden erklärte. Einem an den Schulen der Baron Hirsch-Stiftung seit Jahren eingeführten Gebrauche folgend, haben auch wir an die armen, unsere Schule besuchenden Knaben Wintermäntel und Schuhe verteilen lassen. Am 16. Jänner konstituierte sich über unsere Anregung in Olesko unter dem Vorsitz des Herrn Apothekers S. Rothenberg, des langjährigen Vorkämpfers der Bildungsfreunde, ein Schulkomitee, welchem Angehörige aller Bevölkerungskreise angehören, darunter auch zwei Chassidim. Wir hoffen, daß es uns dadurch gelingen wird, die Schule zu einer besonders gedeihlichen Entwicklung zu bringen. Der Rabbi hat allerdings, in unversöhnlicher Gegnerschaft der Schule gegenüber verharrend, unser an ihn gerichtetes, sehr entgegenkommendes, in hebräischer Sprache verfaßtes Schreiben, worin wir ihn einladen, selbst in das Aufsichtskomitee einzutreten, abschlägig beantwortet. Der Wert unserer Schule für die jüdische Bevölkerung Oleskos geht aus einem Schreiben des Vorsitzenden des Lokalkomitees hervor. Es heißt darin: „Wir können nur stolz sein, auf der ganzen Linie gesiegt zu haben, und außer der Genugtuung, die wir haben, ein so edles Werk zustande gebracht zu haben, finde ich gar keine Worte, um dem löblichen Vorstande für seine unendliche Mühe und Ausdauer im Namen der armen Schulbedürftigen und in meinem von ganzen Herzen zu danken. Schon jetzt sagen die Anhänger des Rabbi, die gegen das Zustandekommen der Schule gearbeitet haben: „Wir können nichts mehr tun, da wir sehen,, daß 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung die Schule haben wollen" ... Ich kann also dem löblichen Vorstande zu diesem Werke nur gratulieren und wünschen, daß er in solch' finsteren Nestern, wo aber die Bevölkerung nach etwas Wissen lechzt, Schulen eröffnen möge." Außerdem wurde in Olesko von uns ein Abendkurs für Analphabeten, die dem schulpflichtigen Alter bereits entwachsen find, unter der Leitung unseres Schulleiters ins Leben gerufen. Bei Eröffnung schrieben sich in diesen Kurs 7 Personen im Alter von 14 bis 28 Jahren, darunter auch einige Verheiratete, ein. Der Kurs bestand in wöchentlich 6 Unterrichtsstunden, u. zw. Lesen und Schreiben in deutscher und polnischer Sprache und Rechnen. Die Zahl der Frequentanten dieses Kurses ist in der Zeit vom 6. Dezember v. I. bis zum 16. Februar l. I. von 7 auf 28 gestiegen. Laut den uns vorliegenden Berichten find die Erfolge des Unterrichtes auch hier sehr zufriedenstellende; der beste Beweis hiefür liegt wohl in der mit Rücksicht auf die kurze Zeit des Bestandes so bedeutend gestiegenen Zahl der Besucher. Mit Rücksicht auf die Erfolge der Schulen haben wir in Aussicht genommen, im September d. I. eine, vielleicht auch, zwei fernere Schulen an noch zu bestimmenden Orten zu eröffnen. Der Verein „Machsike Limud" in Krakau richtete an uns ein umfangreiches Gesuch, in welchem auf einen in unseren »Mitteilungen" von Jahre 1908 angeführten Beschluß unseres Vorstandes Bezug genommen wird, wonach die Allianz „solche Schulen, die im vollen Maße das Vertrauen der religös-gesinnten Bevölkerung genießen, zugleich aber den modernen Anforderungen entsprechen, nach Möglichkeit zu unterstützen beabsichtigt." Es heißt dann in der Eingabe bezeichnenderweise wörtlich: „Wenn Sie für das konservative, somit streng-religiöse Judentum etwas tun wollen, müssen Sie das Moderne aus dem Programm wegtassen, denn die zwei Begriffe religiös-konservativ und modern schließen einander aus. Es lehrt uns die Geschichte unserer ruhmreichen Vergangenheit, daß der seinerzeitige moderne griechische Geist unseren heiligen Tempel und mit ihm unsere politische Macht leider zum Falle brachte. Wir konservativen Juden finden in unserer heiligen „Thora und in den Büchern und Werken unserer Weisen solche unerschöpfliche Quellen des Wissens und der Moral, daß wir zu den sogenannten modernen Wissenschaften, welche immer weitere Schichten der Gesellschaft ergreifende Verderbnis der Sitten und einen geradezu erschreckenden Niedergang der Moral schufen, nicht greifen können und wollen (!). Der Modernismus, welcher die heiligen Regeln der Ehe abzuschaffen sich anschickt, die natürliche Liebe predigt und für die Sinnlichkeit keine geschlechtlichen Grenzen setzt, erinnert uns lebhaft an die Zeiten der Sündflut, welche das ganze Menschenmaterial vernichten mußte, auch an die Zeiten von Sodom und Gomorrha, es ist dies somit kein Fortschritt, nur ein Rückschritt von mehreren tausend Jahren. Wir konservativen, wirklich religiösen Juden halten an den Satzungen unserer heiligen Thora und des Talmud fest und sind bestrebt, solche Anstalten zu gründen, welche unsere Jugend auf den Weg des richtigen und wahren Gottesglaubens wieder zurückführen und die Folgen der sogenannten modernen Erziehung von ihr abzuwenden geeignet sind." Es folgt dann das Ersuchen, dem von dem Petenten gegründeten Verein eine Subvention zu bewilligen, was wir natürlich bei aller Hochachtung vor den religiösen Bestrebungen der Einsender ablehnen mußten, während wir andererseits dem orthodoxen Verein „Jssud Beth Sefer Jwri (Zydowskie Tow. szkoly ludowej)", der eine konzessionierte Volksschule in Krakau mit umfassenden hebräischen und dabei auch deutschem und polnischem Unterricht erhält, gerne eine Subvention bewilligt haben. Verschiedenen, nach den gepflogenen Erhebungen ersprießlich im Interesse des Schutzes und der Erziehung der Kinder der armen jüdischen Bevölkerung wirkenden Vereinen und Komitees in Galizien, wie dem von der Rabbinerin Frau Dora Lewin in Sambor geleiteten Verein „Ochronka" und ähnlichen Unternehmungen werden von uns Subventionen bewilligt. Im Zusammenhang mit der sozial-ethischen Aktion für Galizien steht ferner die von uns im vorigen Jahre dem Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchenhort in Wien mit Rücksicht auf die zahlreichen galizischen Mädchen, die im Institut einen Berufe zugeführt werden, in der Höhe von 1570 Kronen bewilligte Subvention. vom Jahrmarkt des Lebens. Erster Wiener Konsumverein. Der Erste Wiener Konsumverein hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einem Unternehmen größten Stiles entwickelt. In sämtlichen Bezirken befinden sich Verkaufsstellen .dieses Vereines. Er besitzt Weinkellereien, eine eigene Bäckerei und Kaffeerösterei, Holz- und Kohlenlager und der Warenumsatz dieses Konsumvereines erreichte im Jahre 1909 eine Höhe von Mehr als 17 Millionen Kronen. Er zählt zu seinen Mitgliedern die Hausfrauen aus den besten bürgerlichen Kreisen und unter dessen Mitgliedern sind ungefähr 10.000 Juden. Der Erste Wiener Konsumverein beschäftigt derzeit 653 ständige Bedienstete, und zwar: an Komptoirpersonal 36, in den Verschleitzmagazinen und in den übrigen Abteilungen 617 Personen. Unter allen diesen Angestellten befindet sich aber kein Jude. Diese Einseitigkeit ist an-

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