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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 323 In der Wiener Gemeinde ist man bei Beurteilung des Unterstützungsbedarfes lediglich auf jene Ziffern angewiesen, welche das Friedhofsamt über unentgeltliche Beerdigungen bietet und die geeignet sind, wenigstens approximativ den Prozentsatz der unbemittelten Bevölkerung zu berechnen. Entgeltliche Beerdigungen: 1906 1907 1908 1909 843 845 901 965 Unentgeltliche (exklusive Ehrenklassen): 1906 1907 1908 1909 1393 1402 1433 1361 darunter Erwachsene: 803 860 909 869 Der Perzentsatz der unentgeltlichen Beerdigungen (Erwachsener) läßt den Schluß zu, daß 35 — 38% der Bevölkerung als unbemittelt bezeichnet werden müssen, wenn auch nicht der ganze Perzentsatz als unterstützungsbedürftig erscheint. Die Zahl der Todesfälle kann auch als Probe für die Nichtigkeit der schätzungsweisen Feststellung der jüdischen Bevölkerung verwendet werden, wenn die für die Wiener Bevölkerung überhaupt festgestellte Sterblichkeitsziffer in Betracht gezogen wird. Dieselbe wurde im Jahre 1900 (dem Jahre der letzten Volkszählung) mit 12'43 von 1000 berechnet. Auf Grund der oberwähnten Ziffer der Todesfälle (2254 für das Jahr 1909) betrug somit die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1909 ungefähr 181.000, was ziemlich mit der auf Grund des Zuwachscoeffizienten erfolgten Berechnung des Steueramtes stimmt. Dieser Modus der Berechnung der Population aus der Zahl der Todesfälle wird in allen Ländern geübt, welche eine amtliche Statistik der Bevölkerung nach Konfessionen nicht kennen, wie z. B. England. Es ist demnach aus dem Anwachsen der Todesfälle und der Zahl der unentgeltlichen Beerdigungen der Schluß auf ein Anwachsen der Bevölkerung und auf den entsprechenden Perzentsatz der Unbemittelten wohl begründet. Von großem Interesse für die Volkshygiene sind die Detailtabeüen, welche das Matrikelamt über die Todesfälle publiziert. Dieselben umfassen zunächst die Todesursachen. Hier fällt die große Zahl der Erkrankungen der Atmuugsorgane, des Zentralnervensystems, Herzkrankheit, krebsartige Erkrankungen und Tuberkulose auf. Es folgen sodann Tabellen über Alter, Stand, Geschlecht, sowie Beruf und Heimatsort der Verstorbenen. Vielleicht wird hier zu viel Arbeit geboten, da diese Ziffern nur dann einen Wert haben, wenn die Zahl der in den einzelnen Berufen Verstorbenen mit der Zahl der in den Berufen Lebenden verglichen werden kann. Eine Berufsstatistik der jüdischen Bevölkerung kann jedoch von einem Gemeindeamte nicht gegeben werden und wird diesfalls auf das Ergebnis der nächsten Volkszählung, welche Ende dieses Jahres stattfindkt, gewartet werden müssen. Ergänzt müßten diese Daten werden durch Details über Alter, Stand und Beruf der Eltern, bei Geburten und der Brautleute im Falle von Eheschließungen, was über Anregung auch bereits im Zuge ist. Wenn einmal in allen erwähnten Richtungen die Lücken unserer Gemeindestatistik ausgefüllt sein werden, wird es erst möglich sein, von der Struktur unserer Gemeinde, von ihrer Entwicklung und ihren Bedürfnissen ein richtiges Bild zu gewinnen. Vielleicht wird dasselbe ein anderes sein, als wir es uns gegenwärtig vorstellen und wünschen. Aber immerhin ist es besser, in das wenn auch nicht verlockende Spiegelbild der Wahrheit zu blicken, als in ein noch so angenehmes Bild der Phantasie. Die gallischen Schuten der Israelitischen Allianz z« Wie«. Dem soeben zur Versendung gelangten Jahresbericht der Israelitischen Allianz entnehmen wir über die neuen, in Galizien gegründeten jüdischen Schulen folgende kulturhistorisch bemerkenswerte Mitteilungen: Der von uns im Vereine mit der Baron Hirsch-Stiftung gegründete Kindergatten in Chrzanow fand unter der einheimischen Bevölkerung den größten Anklang; auch die otthodoxen Kreise vertrauen ihre Kinder demselben an. Dem die Aufsicht führenden Damenkomitee gehört, wie wir bereits in den „Mitteilungen" erwähnten, die Frau des chaffidischen Rabbiners Jgra an. Die Folge des gesteigetten Vettrauens der Bevölkerung ist die Zunahme der Einschreibungen, so daß man bereits daran denkt, eine zweite Abteilung unter einer zweiten Lehrerin zu aktivieren. Der Kindergatten wird gegenwättig von 17 Knaben und über 40 Mädchen besucht. Ende November wurde eine Prüfung veranstaltet, der auch der k. k. Schulinspektor beiwohnte, der sich besonders günstig über die Führung der Schule, die Fottschritte und das gute Aussehen der Kinder äußerte. Unser Sekretär hatte Gelegenheit, im Oktober vorigen Jahres den Kindergarten zu inspizieren; obwohl er unangemeldet in Chrzanow eingetroffen war, war er in der Lage, nachdem er dem Unterrichte der Hauptlehrerin und des Religionslehrers beigewohnt hatte, zu konstatieren, daß die Anstalt dank der Umsicht und aufopfernden Wirksamkeit der Frau Dr. Helene Berggrün vorzüglich eingettchtet ist. Die Kinder waren alle sauber und nett und haben ebenso wie ihre Lieder in der (polnischen) Landessprache auch hebräische Segenssprüche vorzutragen gewußt. Die von uns in Budzanow ins Leben gerufene moderne Volksschule fand anfänglich Anklang bei der Bevölkerung und hatte sich auch des Wohlwollens der Staatsbehörden zu erfreuen. Nach Eröffnung wurden 63 Schüler eingeschrieben, die Zahl ist während des Schuljahres auf 68 gestiegen. Auch die Resultate find durchaus zufriedenstellende. Es liegen Berichte über Schulvifitationen seitens des k. k. Bezirksschulinspektors und des Kreisschulinspektors der ' Baron Hirsch-Stiftung vor. Der Herr Bezirksschulinspektor sprach ausdrücklich seine Zufriedenheit mit der Leitung der Schule aus. Auch Herr Kreisschulinspektor Sperber' erklärte die Erfolge des Unterttchtes für günstig und hob besonders hervor, daß „die Kinder gut eingeschult seien, sich an die herrschende Ordnung gewöhnt haben, die Unarten und Unsitten, deren sie vom Hause eine Menge mitgebracht haben, allmälig abstreifen". Es wird jetzt neben der Schule ein Schulgarten errichtet und die älteren Kinder werden zu den gesundheitsfördernden Gartenarbeiten herangezogen. In den Abendkurs, der erst Anfang November eröffnet wurde, schrieben sich anfangs dreißig Schüler ein; diese Zahl stieg bis Dezember auf 46 Teilnehmer, die in zwei Abteilungen (Analphabeten und solche, die bereits lesen und schreiben können) unterttchtet werden. Dagegen wurden bei der Aktivierung einer einklaffigen jüdisch-polnischen Volksschule in Ol es ko ganz außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. Hauptgegner war der dort ansäffige, weltfremde Rabbi Herr Mendel Eichenstein, dessen aufrichtige Frömmigkeit und gute Absicht wir zu bezweifeln keine Veranlassung haben, wenn auch seine Anhänger sich gegen die Freunde der Schule am Orte, gegen den Vermieter des Gebäudes und die Eltern der Schüler teilweise unzuläffiger Mittel bedienten. Der Rabbi setzte zunächst seinen ganzen Einfluß in Bewegung, um die Eröffnung unserer Schule zu verhindern. Erst durch das Eingreifen maßgebender Persönlichkeiten, besonders die Intervention des Reichsratsabgeordneten Dr. Gold bei den galizischen Behörden und nach eingehenden persönlichen Verhandlungen unseres Sekretärs Herrn Doktor Kaminka mit dem Präsidium des Landesschulrates in Lemberg

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