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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-06 · 18 (6.5.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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fcetit 318 Dr. Blochs Wochenschrift. > Nr. 18 schloß er die Augen und ließ sich hinabgleiten. Er hörte noch viele Glocken läuten und vernahm wie aus weiter Kerne das Murmeln betender Juden. — Zu den Füßen des Korporals sank in dumpfem Fall eine leblose Masse hin. * * Aron hatte vom Regiment ein Telegramm ^bekommen, daß Dawid schwerkrank sei. Er ahnte das Entsetzlichste, doch durfte er seine Besorgnisse nicht laut wer,-, den lassen, denn Lea war verzweifelt und wollte mit ihm in die Garnisonsstadt reisen; es kostete ihm Mühe, sie davon abzuhalten. Drei Stunden verbrachte er voll Unruhe im Eisenbahnkoupee, und als er die Stadt erreichte, lief er gleich zur Kaserne. Er stieß viele Leute an, und so mancher Fluch wurde ihm nachgesandt. Wie verfolgt eilte er durch die Gassen. Bor dem Kasernentore mußte Aron stehen bleiben, denn das Regiment rückte eben in Parade aus. Jetzt trat auch das Musikkorps aus dem Tore und begann einen Trauermarsch zu spielen. Aron erkannte, daß vor ihm ein militärischer Leichenzug ging. Er trat zum Wachtposten und fragte, wen man zu Grabe trage. „Einen jüdischen Soldaten aus Palechov" lautete' die Antwort. Aron stammelte den Namen seines Sohnes und der Soldat nickte zustimmend. Aron schkie auf und konnte sich nicht von der Stelle bewegen. Das Regiment mit der Leiche Dawids entfernte sich indes immer mehr. Da ermannte sich Aron und lief dem Zuge nach. Wie traurig spielte die Musik! Sie paßte ganz zu seiner Stimmung, lullte die Gedanken ein und wiegte sie in Vergessenheit. Den Kopf zur Erde geneigt, folgte er den Soldaten und Tränen rannen in seinen Bart. Plötzlich erwachte er aus seiner Betäubung. Der Zug war stehen geblieben und die Musik verstummte. Einige Minuten war es still, dann durchbrauste ein Trompetenstoß die Luft. „Jetzt legen sie ihn in die Erde!" hörte Aron neben sich sagen. Mit der Kraft der Verzweiflung stürzte er vorwärts; aber die Soldaten standen wie eine Mauer. „Was wollen diese fremden Menschen hier?" schrie es in ihm. „Herr der Welt, warum nimmt man mir auch meinen toten Sohn?" Das Zeichen zum Aufbruche wurde gegeben und bei frohen, lustigen Klängen kehrte das Regiment von der Grabstätte zurück. Die Augen traten Aron aus den Höhlen, als er die jauchzende Musik vernahm. — Mit einem Mal lachte er auf, warf den Hut zur Erde und hob den Kaftan in die Höhe — und neben dem Zug. einherjagend, tanzte er johlend und singend den Weg bis zur Kaserne. Und die Musik war voll Lust und Jubel — denn der Soldat darf an den Tod nicht denken! Vor dem Tore der Kaserne fiel Aron zusammen. Der Arme hatte den, Verstand verloren. Ende. Literatur. Prof. Dr. 8. M-qbaum, Predigte» IV., V. und VI. Teil. Berlin 1909/10. M. Poppelauer. Die drei Bände enthalten Predigten zum 4. und 5. Buche Mose und zu den Festen, sowie einige Gelegenheitsreden. Wie erklärlich, gipfeln auch manche der nicht unter die „Kasualreden" eingereihten Predigten in einer besonderen Aktualität, wie Könitz, DreyfuS, Chinafeldzug, Zionismus nsw. Im weiteren Sinne aktuell, zeitgemäß sind sie aber alle. Sie lassen empfinden, was dem Bestand des Judentums heute nottut und schöpfen aus seinem Schrifttum Rat und Mittel, die Schäden zu heilen. In jeder Zeile offenbart sich die Meisterschaft, die den früheren Predigtbänden Mahbaums eigen ist. Ja, es will uns scheinen, als zeige sich hie und da ein noch feinerer Schliff des leitenden Gedankens und eine noch schlagendere Kraft der Beweisführung. Korach, wie er um recht materieller Zwecke willen auf der einen Seite den Frömmler, auf der andern den Freigeist spielt; die Töchter Zelofjchads als Muster gegen die Tanfsucht, die, „den Namen des Vaters" schwinden macht, der selbst oft darin nichts Tadelnswertes ff ldet; die Begründung der Strafe für den „widerspenstigen Sohn" u. v. a., das sind Kabinetstücke homiletischer Kunst und gereifter rhetorischer Klarheit. Familie und Gotteshaus als Schatz- und Rüstkammer Israels, sind die Hauptthemen, die in den Sabbathpredigten die abwechslungsreichste Behandlung ersah en. Die Festpredigten gelten den religiösen Idee«, die den kiazelren Festen zugrunde liegen. Obwohl Maybaum sich als deutscher Prediger im Ausdruck oft an das Herkommen der Pastoealrhetorik hält — ja gerade dadurch umw wirksamer —, bringt er den wohltuenden Gegensatz des Inhalts zur Geltung. In den Neujahrsredcn, wo die Gefahr am nächsten, kein Bombast, keine Leere. keine internationale Salbaderei, sondern überall Positives, überall Judentum und keine Trän-nseligkeit, sondern lebenskräftige Zuversicht. Wie tief empfunden in den Jim-Kipp trreden die Schilderung der Vorbereitung jür den Jon ha-din im altjndischen Haus, wie sinnig Szenen aus der Biographie Moses und seiner Nachfolger in dem erhabenen Prophrtenamt gewählt, in den Laubhütteufestbetrachtungen die Verpflichtung aller Mitglieder der Familie zu religiösem Zusammenwirken und die meffmnische Sendung Israels gewürdigt! Am weitesten in d n Vordergrund tritt der Jsraelgedanke in den Peffach- und Schebuothpredigten, die den letzten Band füllen. U-berall werden die weltgeschichtliche Eilösungssendung und die Israel daraus erwachsenden Pflichten betont und gegen den Abfall mit einer Entschiedenheit gekämpft, die den sonst so durchaus mild und versöhnlich gestimmten Ton grell durchbricht, im Ganzen eine Lektüre, die n cht nur dem Fachgenoffen Belehrung und Anregung bringt, sondern ebenso dem Laien genußreiche, weihevolle Stunden bereitet. Da Maybaum diesen dem Andenken Abraham Geigers gewidmeten VI Band ,als Abschluß „der ersten Serie" seiner Predigten bezeichnet, dürfen wir hoffen, daß er uns recht bald mit einer weiteren beschenkt. E. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Doktor M. Gr unwal d. Xlll. Jahrgang, 2. Heft. Wien 1910. Josef Schlesinger. 52 S. Inhalt: Ad. Löwinger: Der Schatten in Literatur und Folklore der Juden. (Schluß). — Sch. Ochser: Der Pinkas der Gemeinde Kuttenplan. (Schluß.) — S. Beilin - A. Marmorstein: Jüdische Sprichwörter und Redensarten aus Rußland. (Fortsetzung.) — Bücherschau. Adolph Kohut, Finanzgrößen und große Finanzen. Berlin 1910. Finanzverlag Alfred Neumann. Was die Leser dieses Blattes an dem Buch am meisten anziehen dürfte, ist die übersichtliche Zusammenstellung von biographischen Daten und Anekdoten über die Rothschilds, über das Verhältnis Bleichröders und Oppenheims (Köln) zu Bismarck und zur preußischen Politik und die Würdigung des genialen Walter Rathenan. Auch Bernhard Dernburg, dem ein ganzes Kapitel gewidmet wird, steht als Judenstämmling dem jüdischen Interesse nicht fern. Das lesenswerte Buch enthält außerdem „Persönliche Erinnerungen an Adolf v. Hansemann", Besprechungen der wirtschaftlichen Theorien des Dollarkönigs Graham, des Professors Simmel und Ausführungen über russische, japanische und chinesische Finanzfragen. W. L. Geiger, Die deutsche Literatur und die Juden. Berlin 1910. Georg Reimer. M. 6, geb. M. 7. Was Geigers Wesen und Arbeiten durchgehends kennzeichnet, ist eine Geradheit, die unbeirrt den Weg verfolgt, den einznschlagen reife Ueberlegung empfohlen hat. So war es kein geringes Wagnis, an der ersten deutschen Universität über den Gegenstand dieses Buches Vorlesungen anzukündigen, und eine bewundernswerte Kunst, sie mit Erfolg zu halten. Einige Kapitel des Buches sind in Zeitschriften erschienen, aber im Zusammenhang erfreuen sie von Neuem. Reuchlin, Mendelssohn, Herder, Goethe, Schiller, Börne, Rieffer, Veit, Auerbach, Franzos und andere einschlägige Themen werden mit erschöpfender Gründlichkeit in klassischer Form durchgeführt. Das Buch läßt den Wunsch nach recht baldiger Fortsetzung rege werden. R. Die Quelle. Die Mainummer der „Quelle", welche Ferdinand Kürnberger gilt, wird durch die berühmten Sprüche Theodor Storms „An meine Söhne" eingeleitet, denen sich ungedruckte Beiträge der Wiener Dichter Ernst Redlich, Ernest Fabri, Alfons Petzold und Otto Meixner anreihen. Sodann folgen: der seltene Aufsatz Kürnbergers „Wien im Spiegel des Sarges" mit dem bisher unveröffentlichten Bilde des Dichters, Aphorismen von Berthold Braun und Karl Anzengruber, die ergreifende Novelle „Heckenröschen" von Annie Leitich und der mit drei Bildern gezierte Aufsatz C. v. Chatelains über den berühmten Maler Alfred Rethel. In der Rubrik „Neue Lyrik" finden wir Beiträge von Stephan Milow, Robert Reinhard, Franz Herold und Regierungsrat Freund. Den Schluß des Heftes bilden die 7. Fortsetzung von Milows Erzählung „Verlorenes Glück", die gegen Karl May und die Schundliteratur gerichtete Rubrik „Gegen den Strom", Bückerbesprechungen und die reichhaltige „Heitere Ecke". Verlag Wien. III., Heumarkt 7. Jahresabonnement 4 Kronen f.anko bei direkter Zusendung. _

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