Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 18 (6.5.1910)
- Date
- 1910-05-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 313 Israel. Hilfsverein „Maskil el Dol". Der seit 36 Jahren in den Wiener westlichen Bezirken segensreich wirkende Hilfsverein „Maskil el Do 1" hielt am 26. April d. I. seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Präsident Herr Samuel Mohr konnte in dem eingehend erstatteten Geschäftsberichte auf ein überaus erfolgreiches Wirken des Vereines Hinweisen, der dank der Förderung, die seine Bestrebungen seitens der israel. Kultusgemeinde Wien, aber auch seitens der Vorstandsmitglieder, insbesondere durch die rührige Vizepräfidentin Frau Dr. Grunwald und Herrn Siegfried Kallich und auch der Frau Kommerzialrat Laura Taussig fanden, im abgelaufenen Jahre geradezu Außerordentliches leisten konnte. Ueber Antrag des Vereinsmitgliedes Herrn Ludwig Spitzer wurde dem scheidenden Vorstande der Dank votiert und insbesondere Herrn Präsidenten Mohr und der Vizepräsidentin Frau Dr. Grunwald, Frau Hermine Trietsch, sowie dem scheidenden Vizepräsidenten Herrn Hermann Weinberger für die hervorragenden Verdienste aus Anlaß der veranstalteten ertragsreichen Wohltätigkeits- Vorstellung, ferner an Frau kais. Rat Strach, Frau Leopoldine Schick, Frau Dr. Frank und Frau Kirschmann, sowie den Herren Börsenrat Beer, Isidor Duschinsky und Isidor G e h l b a r t der Dank und die Anerkennung der Generalversammlung votiert. Bei den vorgenommenen Wahlen erschienen einstimmig Herr Sam. Mohr zum Präsidenten, Herr Siegfried Kallich zum Vizepräsidenten, Frau Rabbiner Dr. Grunwald zur Vizepräsidentin, Herr Isidor Gehlbard zum Schriftführer, Frau Dr. Frank zur Schriftführerstellvertreterin, ferner Herr Isidor Duschinsky zum Kassier, Frau Leopoldine Schick zur Kasfierstellvertreterin und die Herren Börsenrat Beer und Siegfried Dörfler zu Kontrolloren gewählt. Dem Vorstande gehören außerdem noch an die Damen: Klara Fürberger, Olga Langfelder, Berta Kirschmann, Stefanie Strach, Hermine T r i e t s ch und Frau Doktor R a d i n g e r, sowie die Herren Leopold L ö w y, kaiserl. Rat S t r a ch und Moriz T r i e t s ch. Neue Eimvanderungsverordnungen in Kanada. Wie uns vom Bureau der ..Israelitischen Allianz zu Wien" mitgeteilt wird, bestehen seit einigen Wochen neue Bestimmungen für die Einwanderung in K,an.ada, wonach jeder Emigrant, der in der Zeit vom 1. März bis zum 30. Oktober eintrifft, zur Landung nur dann zugelassen wird, wenn er den Besitz eines Barbetrages von 25 Dollar (125 Kronen) und der Fahrkarte bis zum Ziele seiner Reise Nachweisen kann. Bon größeren Familien muß für jedes Familienmitglied, das älter als 18 Jahre ist, der Besitz von je 25 Dollar, und für jedes Äinb im Alter von 5—18 Jahren der Besitz von 12V2 Dollar nachgewiesen werden. Wer in der Winterzeit (vom 1. November bis Ende Februar) in einem kanadischen Hafen eintrifft, muß einen Geldbetrag in doppelter Höhe, d. i. 50 Dollar für jeden Erwachsenen und 25 Dollar für jedes Kind besitzen. Ausnahmen können von den Einwanderungsbeamten zugelassen werden für Personen aus den westeuropäischen Ländern, welche beweisen, daß sie am Ziele ihrer Reise sichere Arbeit oder eine Stelle haben werden. Diese Vergünstigung ist aber für die osteuropäischen, besonders russischen Einwanderer nicht zulässig. Ebenso kann von den Einwanderungsbeamten vom Nachweis des Geldes abgesehen werden, wenn der Emigrant von ganz nahen und gutsituierten Verwandten übernommen wird (Frauen und Kindern, Brüdern und Schwestern, die zu dem sie ernährenden Familienoberhaupt reisen). Es ist .aber den Beamten die Vollmacht gegeben, auch in solchen Fällen Einwanderer zurückzuweisen, wenn nicht die volle Gewißheit darüber zu erlangen ist. daß die den Einwanderer abholenden Verwandten imstande sind, für ihn zu sorgen. Im allgemeinen sind in Kanada nur Landarbeiter erwünscht und Einwanderer, die die Tendenz haben, sich in Städten zusammenzudrängen (was leider zumeist bei den Juden der Fall ist), nicht gerne geduldet. Wien. (Jüdische Gärtner.) Wir erhalten folgende Zuschrift: „Geehrte Redaktion! Bei der am 20. April abgehaltenen öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes hat Herr Kultusvorsteher Dr. Samuely die Anregung gegeben, die Gemeinde möge jüdische Gärtner aus der Gartenbauschule in Ahlem bei Hannover zur Pflege der Gartenanlagen am Zentralfriedhofe anstellen. Es freut mich, daß mein vor einer Reihe von Jahren wiederholt gestellter Antrag nunmehr von einem Vorstandskollegen spontan aus genommen wird. Die Durchführung wäre deshalb sehr wünschenswert, weil wir in der Wiener Gemeinde wohl große Summen für gärtnerische Arbeiten ausgeben, aber keinjüdischer Gärtner eristiert, welchem dieser Verdienst zugewiesen werden könnte. Die Gemeinde hat den alten Währinger Friedhof mit einem großen Kostenaufwand - über 20.000 Kronen, die teils durch freiwillige Beiträge, teils durch Stiftungserträgnifse bestritten wurden - in eine gärtnerische Anlage umgewandelt. Die Arbeiten mußten einem nichtjüdischen Gartenarchitekten übertragen werden — weil ein jüdischer Kompetent nicht vorhanden war. Nach Vollendung der Anlage habe ich die Anstellung eines jüdischen Gärtners beantragt, welchem die Pflege der Anlage hätte übertragen werden sollen. Dieser Gärtner hätte nebenbei auch den Blumenhandel betreiben können, wie es der Gärtner des benachbarten christlichen Friedhofes tut. Mein — wiederholt gestellter — Antrag wurde jedoch abgelehnt und die Kosten der Erhaltung der Gartenanlage (jährlich 3000 Kronen) gehen, einem jüdischen Gärtner verloren. Hoffentlich wird dem Anträge des Vorstandskollegen Doktor Samuely ein besseres Schicksal zuteil. Hochachtungsvoll Kultusvorsteher Dr. A. Berge r." Czernewitz. (Die jüdischen Mittelschüler und Ministerpräsident Luzzatti.) Die jüdischen Mittelschüler von Czernowitz richteten an Luigi Luzatti anläßlich seiner Berufung zum Ministerpräsidenten ein Schreiben, in welchem sie ihm ihre Sympathien ausdrückten und ihrer Freude darüber Ausdruck gaben, daß er als Jude auf diesen hohen Posten berufen wurde. Wenige Tage darauf langte an einen der Schüler folgendes Telegramm ein: „Vifs remerciments de votre Souvenir. (Wärmsten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.) Luzattü" Paris. (Goldene Worte.) Der frühere Präsident der Vereinigten Staaten Roosevelt hat hier vor den Studierenden der Sorbonne eine Vorlesung über Bürgerpflichten gehalten, wobei er ausführte, die beste Probe für die Freiheitsliebe in einem Lande sei wohl die Art, wie die Minoritäten behandelt würden. Jede Verfolgung sei unmoralisch. Raum für eine gesunde Entwicklung sei nur da vorhanden, wo Meinungsverschiedenheiten in religiösen, politischen und sozialen Fragen vorhanden seien. Viele Völker seien am Fanatismus und der Unduldsamkeit zu Grunde gegangen. — Präsident Roosevelt kommt demnächst auch nach Deutschland. Vielleicht findet er auch Gelegenheit, unseren herrschenden Parteien diese Grundsätze einzuprägen. Die Juden könnten davon nur gewinnen als eine der bedrückten Minoritäten. Juden als Kuustfammler und Kunftförderer. Der soeben erschienene Jahresbericht der englischen „National Art Collections Fund" klingt wie ein Hohnlied auf den Kunstsinn der Juden. Das Institut, das erst jüngst Holbeins „Prinzessin von Mailand" erwarb, hat den Zweck, die bedeutendsten älteren Kunst-