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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-06 · 18 (6.5.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 314 Nr. 18 t Dr. Blochs Wochenschrift. Die Austreibung von 1200 jüdischen Familien aus Kiew. werke zu retten und für die englische Nation zu erwerben. Von den Spendern des letzten Jahres waren die meisten Juden. So z.B.Mar Rosenheim, Oppenheimer, Alfred A. D e P a r s, Julius Spier. Der Ehrensekretär dieses englischen Nationalfonds ist Sir Isidore Spielm a n n. Budapest. Vergangene Woche ist dem hervorragenden Gelehrten Dr. Bernhard Munkacsi eine Ehrung zuteil geworden, wie bis nun nur wenigen jüdischen Gelehrten. Den genannten Gelehrten hat nämlich die ung. Akademie der Wissenschaften zu ihrem ordentlichen Mitgliede gewählt. Munkäcsi, der in seiner Wissenschaft, der vergleichenden finnisch-ugrischen und speziell der ungarischen Sprachwissenschaft, der Erste ist, Redakteur zweier wissenschaftlicher Zeitschriften, der auch im Auslande gut gekannten und geachteten, größtenteils in deutscher Sprache erscheinenden „Revue Orientale" und der „Ethnographia", ist ein auch über großes jüdisches Wissen verfügender, begeisterter, glaubenstreuer Jude, der seit zwanzig Jahren als Schulinspektor der Pester israelitischen Gemeinde ungemein viel für das jüdische Schulwesen, besonders den Religionsunterricht, getan hat. Seinem unermüdlichen Wirken, seiner segensreichen Leitung ist es zu verdanken, daß der Religionsunterricht an den hiesigen Schulen nach einem mustergültigen Lehrplan von gelehrten und begeisterten Religionslehrern versehen wird und datz die Gemeinde hervorragende Institutionen für. die Pflege des jüdischen Wissens ins Leben gerufen hat. Nun hat die Akademie der Wissenschaften ihn, aus den das ungarische Judentum schon bis nun stolz war und dem die Akademie erst vor einigen Jahren für seine wissenschaftlichen Werke den „Erotzen Preis" zuerkannt hat, noch dadurch geehrt, datz sie ihn zu ihrem ordentlichen Mitgliede gewählt hat. Munkäcsi ist seit Gründung der Akademie (also seit 80. Jahren) der dritte Jude, der ordentliches Mitglied der Akademie ist. Neue Spenden des Herrn Moser. Die „N. I. K." meldet aus Jerusalem: Herr Moser hat neuerdinas auch dem im Entstehen begriffenen hebräischen Gvmnasium in Jerusalem einen Beitrag von ROOO Frs. zukommen lassen. Diese Schule wird zur Zeit von IS Kindern in verschiedenem Alter besucht, die von 3 Lehrern Unterricht erhalten. Durch den Beitrag des Herrn Moser hofft die Schule in die Lage zu kommen, noch zwei tüchtige Lehrkräfte — es fehlt insbesondere ein Lehrer für die ^naturwissenschaftlichen Fächer — heranzuzieben und dadurch noch größeres Vertrauen zur Anstalt in denjenigen jüdischen Familien Jerusalems zu erwecken, die ihre» Kindern eine Mittelschulbildung angcdeihen laffen wollen. Heber 20 jüdische Kinder befinden sich in katholischen und protestantischen Mittelschulen in Jerusalem, die zweifellos das hebräische Gymnasium bevorzugen werden, wenn hier ein geordneter Unterricht erteilt werden wird. Auch dem Jerusalemer Beth-Am bat Herr Moser 10C0 Frs. gespendet. Herr Moser suchte während seines Jerusalemer Aufenthaltes sich gründlich mit dem jüdischen Leben dieser historischen Stadt bekanntzumachen und scheute keine Mühe, wenn es nur galt, etwas neues zu sehen. Er und seine Frau erwarben hierbei aufrichtige Sympathie weiter Kreise, wie dies bei der Abschiedsfeier, die ihnen zu Ehren der Verein Kinor-Zion veranstaltete, deutlich zum Ausdruck kam. Der Feier wohnten die zurzeit in Jerusalem weilenden Gäste Dr. Paul Nathan. Doktor Katz (Syndikus der Simonstiftung in Hannover), E. M. Lilien. Dr. Zlocisti u. v. a. bei? Institut für jüdische Musik in Jerusalem. Der , N. I. K." meldet man aus Jerusalem: Der durch Kompositionen wie durch originale literarische Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Musik bekannte Kantor und Gesanglehrer Abraham Zwi Ben-Jehuda eröffnete in Jerusalem eine Musikschule. Herr Ben-Jehuda, ein geborener Jerusalemite, bat auch in Europa Musikstudien getrieben. Als Palästinaer hatte er Gelegenheit, nicht bloß die synagogalen und weltlichen Gesänge der Aschkenasim und Sefardim, sondern auch die der Jemeniten, der marokkanischen, persischen und bucharischen Juden zu studieren und miteinander zu vergleichen. Nicht minder eifrig befaßte er sich n,it den chassidischen Melodien, wie überhaupt mit der orientalischen und slavischen Musik. Da er mit von eingehenden Sachkenntnissen getragenem Eifer daran geht, den jüdischen Gesang in Jerusalem zu pflegen und zu entwickeln, so ist ihm ein voller Erfolg in seinem Unternehmen zu wünschen. Der 28. April war die letzte Galgenfrist: an diesem Tage mutzten 1200 jüdische Familien als „nicht wohnberechtigt" aus Kiew ausgewiesen werden. Die sämtlichen Gesuche und Interventionen der lokalen Behörden, sowie des Börsenkomitees, der christlichen Hausbesitzer, der Kaufmannschaft und anderer wurden nicht einmal geprüft. Die Panik, die in Kiew herrscht, ist unbeschreiblich. Damit die Ortspolizei bei der Ausweisung nicht etwa allzu mild vorgehe, ist für die Vollstreckung des ministeriellen Urteils ein neuer Modus ersonnen worden. Die Stadt ist eigens in vier Rayons geteilt, von denen jeder einem besonderen Beamten des Gouverneurs unterstellt ist. Diesen Beamten stehen Gendarmerieabteilungen zur Verfügung, die die Ausweisung in aller Strenge zur Ausführung bringen sollen. Damit die Ausgewiesrnen nicht etwa nach Kiew zurückkehren, werden an den Bahnhöfen und Dampferstationen besondere Wachen aufgestellt. Die Ortspolizei, durch das Mißtrauen der Zentralregierung gekränkt, rächt sich nun ebenfalls an den Juden. Die Jagd auf etwaige Nichtwohnberechtigte wird Tag und Nacht mit dem größten Eifer geführt. Auch die Wohnberechtigten haben darunter zu leiden, das hat aber freilich gegenüber der Not und dem Elend der der Ausweisung Verfallenen nichts zu bedeuten. Szenen aus dem Mittelalter .erlebt man jetzt in Kiew. Als aber die Petersburger Zeitschrift „Nowy Woschod" sich erkühnte, diese Szenen wahrheitsgemäß zu charakterisieren, wurde ihr Erscheinen auf Grund der Bestimmungen des außerordentlichen Schutzes vom Stadthauptmann sofort inhibiert. Die Wahrheit sticht ja in die Augen und das Schreckensregiment in Rußland kann die Wahrheit nicht vertragen. In ganz Rußland wird jetzt auf die „nicht Wohnberechtigten" Juden Jagd gemacht, auch in "dem ihnen zugewiesenen Ansiedlungsrayon selbst. Von den Dörfern im Ansiedlungsrayon werden sie in die .überfüllten Städte getrieben. Eine Intervention Englands? Der „N. I. K." wird aus London von ihrem dortigen Berichterstatter gemeldet: Mr. D. L. A l e r a n d e r, K. E., als Vertreter des Board of Deputies, und Mr. Karl St eitau er, L. C. C., als Vertreter der Anglo Jewish Association (Mr. Montesiore war durch Krankheit verhindert, die Körperschaft, deren Präsident er ist. persönlich zu vertreten), sprachen diese Woche beim Minister des Auswärtigen vor und ersuchten ihn, sich bei der russischen Regierung zu verwenden, um die bevorstehenden Ausweisungen der Juden aus Ki ew rückgängig zu machen. Das Foreign Office soll die Herren sehr freundlich empfangen und seine tief empfundene Sympathie mit den 1500 unglücklichen Familien in Kiew ausgedrückt haben. Es soll sich auch, wie ich erfahre, diesbezüglich an den englischen Botschafter in St. Petersburg gewendet haben. Man erwartet hier ein sehr günstiges Resultat dieser Verwendung, die sehr würdig und energisch gewesen sein soll. Die erste jüdische Lehrerin in Australien. Vorige Woche starb in Sidney in hohem Alter die Witwe des verstorbenen königlichen Rates Philipp S. Solomons, der lange Jahre hindurch Oberstaatsanwalt in Fiji, Australien, war. Frau Solomons war die erste Jüdin, die noch auf Grund des älteren australischen Schulgesetzes zur Schulleiterin an einer öffentlichen Schule ernannt wurde. Die Verstorbene war die älteste Tochter des vor vielen Jahren verstorbenen P. C. C o h e n, in bestem Hause im Jahre 1828 das erste jüdische Minjan in Australien abgehalten wurde. Die Ehe Mr. Cohen's mit seiner gleichfalls bereits verstorbenen Frau im Jahre 1830 war die erste jüdische Ehe in Australien.

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