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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-06 · 18 (6.5.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 812 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 18 wiegenden Teile verwenden würde, um den Kultus in würdiger und ausgiebiger Weise zu pflegen und zum Zwecke einer wirksamen religiösen Erziehung unserer Jugend Schulen zu eröffnen. Wir wollen nun einen Verband gründen, um mit vereinten Kräften dahin zu wirken, daß unsere Gemeinde den Kuktus nicht länger durch das Wohltätigkeitswesen erdrücken läßt, sondern dem Kultus und dem Unterricht alle zur Erhaltung und Vererbung unseres heiligen Glaubens unerläßliche Sorgfalt und Pflege zuwende, daß sie die Bethausvereine als Krystallisationskerne jüdischreligiösen Lebens kräftiger als bisher fördere, damit dieselbe ,in die Lage versetzt werden, den Besuch ihrer Gotteshäuser zu erleichtern und ihren jetzt darbenden Funktionären eine standesgemäße Existenz und eine Stellung zu sichern, welche sie befähigt, in aller Unabhängigkeit von unberechtigten Einflüssen ihrem Amte zu leben. G. B ettelh eim. Professor Dr. Leopold Königstein. Der nicht nur in ärztlichen, sondern auch in Gesellschaftskreisen allseits bekannte Universitätsprofessor Dr. Leopold Königstein beging am 27. v. M. die Feier seines 60. Geburtstages. Seine außerordentliche Betätigung auf wissenschaftlichem Gebiete hat ihm den Ruf eines ausgezeichneten Gelehrten gegründet, seine unermüdliche, nie versiegende Arbeitslust für sozialärztliche Angelegenheiten die allgemeine Liebe und Verehrung seiner Kollegen in großem Maße erworben. Dr. Leopold Königstein wurde als Sohn eines Volksschuldirektors im Jahre 1850 in Mseuz (Mahren) geboren. Seine Gymnasial- und Univerfitätsstudien absolvierte er in Wien. 18/3 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert, war er durch eine Reihe von Jahren an den Augenkliniken der Professoren Arlt, Jäger, und Stellwag und gleichzeitig iw Laboratorium Brückes tätig. Er war viele Jahre hindurch zuerst Assistent, dann Leiter einer Abteilung an der Wiener Poliklinik, habilitierte.sich im Jahre 1881 als Privatdozent für Augenheilkunde und wurde im Jahre 1900 zum außerordentlichen Professor ernannt. Aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit am Wiener physiologischen Institut des Professors Brücke stammen mehrere Arbeiten, die teils in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften, teils im Graefeschen Archiv veröffentlicht wurden. Von der überaus großen Zahl wissenschaftlicher Publikationen seien besonders die „über Blennorrhoea Neonatorum" und „über die Wirkung des Kokains" hervorgehoben. Königstein war der erste, der gleichzeitig mit Koller und unabhängig von demselben die Versuche mit Kokain angestellt und diese? in die okulistische Praxis eingeführt hat. Außer den lexikalischen Arbeiten für das diagnostische und therapeutische Lexikon und für die Real-Enzyklopädie von Eulenburg erschienen noch zahlreiche Artikel anatomischen sowie klinischen Inhalts in der „Wiener medizinischen Presse", im „Zentralblatt für die gesamte Therapie", im „Archiv für Augenheilkunde", in den „Wiener medizinischen Jahrbüchern", im „Archiv für Ophthalmologie", in den „Klinischen Blättern für Augenheilkunde" u. s. w. Seine didaktische schriftstellerische Tätigkeit ist unter anderm niedergelegt in den Heften der „Wiener Klinik", „Arbeiten über Augenmuskellähmungen", „Ueber Pupillarreaktion" und in Pen Lehrbüchern: „Prattische Anleitung zum Gebrauch des Augenspiegels", „Anleitung zur Brillenbestimmung", Behandlung der häufigsten und wichtigsten Augenkrankheiten", „Die neueren augenärztlichen Heilmittel" «. f. w. In letzter Zeit erschien eine große Anzahl von Arbeiten auf dem Gebiete der Serologie. Ein reiches Arbeitsfeld von wissenschaftlichen Publikationen hat Königstein durchschritten, einen ergiebigen Boden sozialärztlichen Wirkens gesät. Königstein kennt das Wohl und das Wehe der praktischen Aerzte und greift überall dort ein, wo es gilt, ärztliche Interessen zu vertreten- Ein großes Verdienst hat sich Königstein um die Einigung aller Aerzte in Wien auf wirtschaftlichem Boden ohne Unterschied der Parteistellung erworben und durch sein kollegiales Wesen, durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, durch die Kraft seines Wortes ist ihm unter seinen Kollegen eine führende Rolle zugefallen. Er ist Obmann des Vereines der Aerzte im I. Bezirke, er ist der Vorsitzende der. Obmännerkonferenz, Delegierter des Reichsverbandes österreichischer Aerzteorganisationen, Vorstandsmitglied der wirtschaftlichen Organisation der Aerzte in Wien. Auch auf dem Gebiete der Humanität hat Königstein Vieles und Ersprießliches geleistet und bekleidet in einer großen Anzahl humanitärer Institutionen die Stelle eines emsigen Mitarbeiters. — Anläßlich seiner 60jährigen Geburtstagsfeier veranstaltete die „Aerztliche Standeszeitung" eine Festnummer, welche dem'Jubilar an dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett überreicht werden wird. Sie enthält das wohlgelungene Porträt des beliebten Arztes sowie die Bilder des Rrichspräsidiums des Vorstandes der Aerztekammer und aller Obmänner der ärztlichen Vereine, bringt ferner Beiträge sozialärztlichen Inhalts von den Kollegen W. Bienenstock, Charas, O. O. Fellner, Finger, H. Grün und wissenschaftliche Publikationen von den Fachkollegen Primarius Bondi (Brünn), Professor Ehrmann, Professor Freud, Professor Herzfeld (Wien), Dozent Hirsch (Prag), Professor Goldzieher (Budapest), Dozent Poffek (Graz), Augenarzt Purtscher (Klagenfurt), Dozent Schmeichler (Brünn). Auch ein Baustein! Ein Tausend-Kronen-Beitrag des Herrn Alexander Scharr, zur Bildung eines Jubiläumsfonds für die „Oesterr.-Jsrael. Union". Anläßlich der Vierteljahrhundertfeier der „Oesterreichifch- Jsraelitischen Union" hat Herr Alexander Scharr an den Vereinsvorstand ein herzliches Gratulationsschreiben gerichtet, welches bei der Festversammlung zur Verlesung gelangte. In diesem Schreiben hat Herr Alexander Scharr die dankenswerte Anregung gegeben, die von der „Union" eingeleitete Sammlung für den Rechtsschutz-Reservefonds weiter auszugestalten und einen dauernden Jubiläumsfonds von Kr. 100.000 zu bilden. Aus dem erwähnten Schreiben mögen folgende Stellen einer weiten Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden: „Dieser schöne, „gute" Sonntag, der 17. d. (2Vte '22), ist ein hochbedeutsamer Fest- und zugleich auch ein seltener Ruhetag für unseren rastlos tätigen und nimmer ruhenden Verein, bestgeeignet zur Rückschau über das zurückgelegte erste Vierteljahrhundert seiner erfolgreichen Tätigkeit, im ständigen Kampfe ums Dasein und ums Recht unserer bedrängten und vom Genüsse der staatsbürgerlichen Rechte verdrängten Glaubensgenossen. Der bedeutsame Abschluß des vergangenen ersten Vierteljahrhunderts unserer „Union", ladet uns aber zugleich auch zur ernsten Vorschau ein, über das Weitere und Zukünftige ernstlich vorsorgend nachzudenken. Und da sollte es mir gestattet sein, bei diesem wichtigen Anlasse mit einigen Worten einer bestgemeinten Anregung Ausdruck zu leihen. Unbestritten und anerkanntermaßen bedeutet unsere Rechtsschutzorganisation für die österreichische Judenheit eine unerläßliche, traurige, aber wahre Notwendigkeit. Ein Kind unserer traurigen Zeit, hat sie ihre Entstehung und ihren Bestand der Not — der Judennot — zu verdanken. Dieser bewährte Rechtsschutzverein, der heute auf ansehnliche Erfolge eines Vierteljahrhunderts zurückblickt, der in der Erfüllung seiner statutarisch übernommenen Aufgaben schwere Kampfarbeit zu leisten hat, um unser gutes, verfassungsmäßiges Recht täglich und stündlich zu erkämpfen, er war oft durch Mangel an Mitteln in wichtigen Aktionen beengt und gehemmt. Denn auch so ein ständiger Rechtskampf braucht Geld, ja, dreimal Geld! In einer Zeit, wo bei uns in Oesterreich die Deutschen in kaum elf Monaten eine Nationalspende von nicht weniger als Kr. 2,000.000 für den Deutschen Schulverein, die Polen an sogenannten Grunwaldspenden Kr. 1,300.000 und die Tschechen für die Llaties SüolskL Kr. 1,200.000, alldies für national-patriotische Schutz- und Trutzvereine spielend leicht aufgebracht haben, sollten aach wir uns diesen Opfersinn zum Beispiel nehmen. Im aufgedrungen steten Kampfe ums Recht und ums Dasein, da sollte es uns — wie ich glauben und hoffen will — nicht schwer fallen, durch opferwillige Spenden einen verhältnismäßig kleinen Schutzfonds von Kr. 100.000 zu bilden, dessen Z nsenertrag dazu zu dienen hätte, das Schutzwerk der „Union" zu alimentieren, zu fördern und aktionskräftiger zu machen. Zu diesem Jubiläumsfonds steuere ich Kr. 1600 4°/, Rente bei, welche ich bei meiner demnächstigen Heimkehr persönlich überreichen werde. Ich schließe für heute mit einem herzlichen Zurufe an unseren 25jährigen Jubelverein: Glückauf! An die weitere Arbeit des zweiten Vierteljahrs und e^rts!" Wien-Fünfhaus. In der XIV. ordentlichen Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereines fürdie w e st l i ch e n Bezirke, die unter reger Beteiligung der Mitglieder Dienstag den 26. v. M. im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Turnergasse 22, stattgefunden hatte, wurde mit besonderer Befriedigung aus dem Schulbericht die Mitteilung ausgenommen, daß im abgelaufenen Vereinsjahre 234 Knaben und Mädchen mit bestem Erfolge in der Vereinsschule unterrichtet worden sind. Einstimmig wurde beschlossen, den Lehrern Herren Mesner und Teltsch den besonderen Dank des Vereines schriftlich auszudrücken. Die kläglichen Lokalverhältnisse wurden von verschiedenen Rednern wiederum einer Kritik unterzogen, der von Seite des Vorstandes mit dem Hinweis auf seine jahrelangen vergeblichen Bemühungen bei der israelitischen Kultusgemeinde begegnet wurde. Allgemein wurde anerkannt, daß diese Frage für die religiöse Ausbildung der jüdischen Jugend der betreffenden Bezirke von höchster Bedeutung ist. Die Kultusgemeinde war durch die Herren S. Mohr und Inspektor Dr. Lau gf e l d e r, die Chewra Kadischa durch Herrn N e u f e l d vertreten. Die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes, die Herren Ehrwürden Rabbiner Dr. Grün Wald, Ignaz Sonnenfeld, Isidor Gehlbard, Abraham Fischer und kais. Rat Hermann St rach wurden wiedergewählt.

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