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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-29 · 17 (29.4.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
17 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Seite 295 Dr. Blochs Wochenschrift. Glaser, die Fischhändlerin, die Käsefrau, das alles ruft seine Maare mit durchdringendem Geschrei aus. Dann kommt der Schleifer; er schreit nicht, aber er schwingt mit grober Kraft eine Glocke und abwechselnd, um sich noch mehr bemerkbar zu machen, eine Riesenschnurre. Der Sesselflechter schleppt einen mit defekten Sesseln hochbeladenen Wagen und meldet seine Ankunft mit einem Gebrüll an, und wenn er nicht mehr weiter kann, stützt er fns Horn. Töne produzierend, die Steine erweichen, Menschen rasend machen können. Auf den großen Boulevards toben die Zeitungs- und Ansichtskartenverkäufer. In den Hauptstraßen bringt nicht nur der normale Verkehr mit seiner kolossalen Ausdehnung oft genug Stokkung hervor, sondern auch die verschiedenen Hausierer, die sich da mit ihrem Kram auf Tischen und Stellagen breitjmachen. Der eine veranstaltet mit seiner Ware eine Lotterie, die natürlich stets den größten Andrang von Zuschauern hat, andere haben den Stein der Weisen in einem Kravattenknopf, in einem Fleckwasser oder in einer Schuhwichse entdeckt, was sogleich demonstriert wird. An einem Tische hantiert ein Camelot mit einem heißen Bügeleisen. das er an einer brennenden Spirituslampe erhitzt, indem er unsichtbare Flecke in zerrissenes Gewand hineinbügelt. Ein Zauberkünstler weissagt die Zukunft und verteilt Planeten. Ein Athlet stemmt Gewichte, zeigt seine halsbrecherischen Künste, ein Hühneraugenoperateur operiert auf offener Straße. Und alle preisen ihre Ware und ihre Künste mit der größten Zungenfertigkeit, mitunter auch mit viel Mutterwitz an, und es gelingt ihnen stets, ein großes Publikum mm sich zu versammeln. Ruhiger benehmen sich die singenden Bettler, die gewöhnlich nachmittags die Straßen durchziehen. Da führt die Frau den blinden Mann oder umgekehrt, und eine Schar zumeist gemieteter Kinder umgibt sie: die ganze Sippe singt. Wenn sie keine Lizenz haben, so treibt sie der Anblick des Sergeant in die Flucht, und der Blinde wird plötzlich sehend. Sind aber diese wandernden Musikanten mit einer Konzession versehen, dann gibt es förmliche Konzerte in den frequentiertesten Straßen von Poris: die Menge staut sich, die Passage ist erschwert und die Wachleute stehen unbekümmert da und zählen zu den .Zuhörern. In der Weihnachts- und Neujahrswoche ist das Musizieren, der Bettel freigegeben, da singt pnd geigt und bettelt es an allen Ecken und Enden. Um diese Zeit hat der Hausierhandel auch seine kolossalste Ausdehnung genommen, indem es den Camelots und den kleinen Gewerbsleuten erlaubt ist, ihre Waren in Buden feilzubieten. Da sind die großen Boulevards und auch andere Hauptstraßen mit kleinen Buden und Tischen primitivster Art besetzt, und zwischendurch durch dieses kolossale Verkehrshindernis wälzt sich der große Menschenstrom. Man bleibt vor den Buden stehen, man lacht, man spottet, aber man kauft, und der Hausierer lebt. Und alljährlich wird diesem Verkehrshindernis ein noch längeres Leben beschieden, als ursprünglich festgesetzt wurde, indem über Bitte der jeweiligen Präsidentin der Republik die Lizenz der Hausierer um noch einige Tage verlängert wird. Nur ein Hausierer fehlt um diese Zeit im Straßenbild, das ist der flötenspielende Ziegenmilchverkäufer, der inr Frühjahr von den Pyrenäen herunterkommt und seine Ziegen, oft 8—10 Stück, in den Straßen herumführt. Wenn seine Flöte ertönt, eilen die kleinen Pariser mit ihren Schälchen auf die Straße, wo ihnen der biedere Mann sogleich die frische Ziegenmilch hineinmelkt. Der aber geht zur Sonnenwende in seine Heimat zurück und in den Straßen von Paris fehlt dieses liebliche Idyll. So ist es mit dem Hausierhandel in Paris bestellt, davon leben zahllose Eristenzen, die sonst verkommen und verderben würden. Und trotzdem dieser Hausierhandel so oft ein unschönes Bild zeigt und sich so oft in beängstigender Weise breitmacht, ein einsichtsvoller Gemeinderat, eine humane Regierung denkt nicht daran, durch ein Gesetz gegen den Hausierhandel Hunderte von Familien brotlos zu machen. Paris, im Jänner 1910. Korrespondenzen Aus der öffeutlichen Plenarsitzung des israel. Kultnsvorstandes vom 20. April 1910 unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 726 Uhr Abends. Der Präsident eröffnete die Sitzung und konstatierte Beschlußfähigkeit. Im Einlauf befindet sich: Einladung der Alliance Israelite Universelle in Paris zur Teilnahme an dem 50jährigen Stiftungsfest der Allianz. Mitteilung der theol. Lehranstalt von der Neukooptierung der Herren Dr. Leopold Kohn und Abraham Epstein in das Kuratorium. Dankschreiben des Ehepaares Philipp Nasch für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seiner goldenen Hochzeit. Zur Tagesordnung ergreift das Wort der Finanzreferent der Ijr. Kuttusgemeinde. Herr Kultusoertreter Mar Frank, zur Erstattung seines Berichtes über den Rechnungsabschluß für das abgelaufene Finanzjahr: Sehr geehrte Herren! Ich beehre mich, Ihnen hiemit den Bericht über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1909 vorzulegen. Die gesamten Einnahmen betrugen K 3.028.118 67, die Ausgaben, einschließlich der im Voranschlag pro 1909 eingestellten Darlehensrückzahlungen und Friedhofsannuitäten per K 36.38987, beziffern sich insgesamt auf K 2.895.829 67, so daß sich ein Gebahrungsüberschuß von X 132.288'91 ergibt. Es sei mir schon an dieser Stelle der Antrag gestattet, den eben ausgewiesenen Ueberschuß zur fast vollständigen Bedeckung des vorjährigen Defizits per K 175.848*55 zu verwenden. Bevor ich dazu übergehe, den für unsere Gemeinde auf jeden Fall hocherfreulichen, so überaus günstigen Abschluß im Detail zu diskutieren, soweit dies im Rahmen eines Referates über bereits vollzogene Tatsachen statthaft ist, möchte ich im Vorhinein davor warnen, aus dem vorliegenden Ergebnis allzuweitgehende, optimistische Schlüffe zu ziehen. Denn darüber dürfen wir uns keineswegs täuschen, daß nicht nur gute und vorsichtige Verwaltung allein, sondern auch eine Reihe günstiger, im seinerzeitigen Voranschlag unmöglich vorauszuahnender Zufälligkeiten mitgewirkt haben, um das vermutete Defizit in einen nicht unbedeutenden Ueberschuß zu verwandeln. Wir find also noch weit entfernt davon, etwa mit Sicherheit daraus rechnen zu können, daß wir nunmehr Reservefonds für unsere, fast nicht weiter aufschiebbaren großen Ausgaben für die Erwerbung eines neuen Friedhofes und für den endlichen Aufbau eines neuen würdigen Amtshauses sammeln können. Im Gegenteil, wir müssen es als besonders günstig betrachten und Jeder, der nicht als bloßer Laie, ohne tiefe Sachkenntnis, die Verhältnisse ansieht, wird mir darin sicher beipflichten, daß wir allen Grund haben, damit zufrieden zu sein, wenn die mageren und die fetten Jahre wenigstens mit einander abwechseln. Das Fazit ist dann eine glatte Rechnung, und allerdings kann ich mit Freude schon den Umstand allein, daß wir das chronische Defizit vermeiden können, als einen vollen Erfolg ansehen, der wohl selbst von unseren Gegnern wird anerkannt werden müffen. Wenn anstatt des budgetmäßigen Fehlbetrages von ca. X 83.000 ein Gebahrungsüberschuß vonca. K 132.000 resultiert, so kann ich dies, ohne allzusehr ins Detail zu gehen,

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