Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 16 (22.4.1910)
- Date
- 1910-04-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 284 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 Kremfier. Am 18. April wurde hier Rabbiner Dr. Josef B u r st i n im 40. Lebensjahre zu Grabe getragen. Rabb. Dr. Frankl- Grün hielt ihm einen ergreifenden Nachruf im Anschlüsse an den 1. Vers des Wochenabschnittes, der vom Tode der Söhne Ahrons erzählt. Im Namen des Rabbinerverbandes sprach Rabbiner Doktor Freimann-Holleschau aus dem Herzen kommende Worte. Als Vertreter der Gemeinde Hradisch sprach der Nachfolger Burstins, Dr. Zwick. Am Schlüsse nahm der Schwager des Hingeschiedenen, Rabb. Dr. Spira- Ostrau, im Namen der Familie Abschied und dankte dem Vorstande, welche dem fremden Rabbiner ein Ehrengrab anwies und so die Thora ehrte. Anwesend waren der Vorstand und der Gymnasialdirektor von Hradisch. Der Schwiegervater Rabbiner Dr. Tauber in Prerau war durch Unwohlsein zu erscheinen verhindert. Deutschbrod. Am 14. d. M. ist Herr Moriz Bauer, Industrieller aus Deutschbrod, plötzlich in Triest verschieden. Er war Gründer und vieljähriger Präsident der hiesigen „Chewra- Kadischa". Unter ungemein zahlreicher Beteiligung fand Sonntag das Leichenbegängnis auf dem hiesigen israelitischen Friedhöfe statt. Das letzte Geleite gaben ihm außer seiner Witwe, Söhnen und Schwiegertochter, Brüder und Schwestern unzählige nahe Verwandte von Nah und Fern. Unter den Trauergästen erschien von der hiesigen Bezirkshauptmannschaft der Herr k. k. Statthaltereirat und k. k. Statthalterei-Sekretär, der Herr Bürgermeister mit den Stadträte», der Herr k. k. Gymnasial- Direktor mit mehreren Herren Professoren, Deputationen von den Kultusgemeinden und Beerdigungs-Bruderschaften Jglau, Humpoletz, Hlinsko, Svetla und Czaslau, eine Deputation vom Jndustriellen-Klub aus Jglau mit ihren Präsidenten. Die Kultusgemeinde und Beerdigungsbrüderschaft aus Deutsch- Brod erschien zur letzten Ehrung des Verblichenen vollzählig. Im Trauerhause und am Friedhofe widmete Rabbiner H. Singer dem Heimgegangenen wehmütige Worte der Erinnerung. Am offenen Grabe verabschiedete sich Direktor Max L i l l i n g, der in dem Verblichenen seinen langjährigen guten Nachbar und edlen Gönner verliert, im eigenen Namen und hielt dann als Vizepräses im Namen der „Chewra-Kadischa" einen warmen Nachruf. Im Namen der Beamten und Arbeiter des Verewigten verabschiedete sich Direktor Roubicek. Unsere „Chewra-Kadischa" wird dem teueren Verblichenen ein treues gesegnetes Andenken bewahren. Lg. Mährisch-Ostrau Wie das „Ostrauer Tageblatt" vom 6. April meldet, fand vom 2. bis 4. April dortselbst die achte Jahresversammlung des „Oest. polytechnischen Vereines in Wien" statt. Außer zahlreichen Mitgliedern des Hauptvereines waren die Bezirksvereine von Aussig, Karlsbad, Brünn, Bielitz, Prag, Graz, Reicheuberg, Pilsen vertreten, ebenso der Zweigverein der Eisenbahningenieure in Wien und der Polytechnische Verein in Berlins In der am Sonntag stattfindenden Hauptversammlung hielt Ingenieur Immanuel Friedmann aus Wien, ein Sohn des verewigten Lektor Me'ir Friedmann s. A., einen Vortrag mit Demonstrationen über das Thema: „Die autogene Schweißung mit Wasserstoff-, Acetylen- und Diffousgas". Der Vortragende brachte sehr interessante Schweiß- und Schneideversuche an Metallen zur Demonstration, welche mittels des von ihm propagierten Diffousgas bei größter Betriebssicherheit und geringster Explosionsgefahr ausgeführt werden können. Alle Fachgenoffen folgten mit Interesse den äußerst anregenden und lehrreichen Darbietungen des Vortragenden. Humauitäts-Verein „Chewra-Kadischa" in Friedek-Mistek. Am 10. April l. I. veranstaltete der Vorstand des Humanitäts- Vereines „Chewra-Kadischa" Friedek-Mistek das Brudermahl Ehewr«- Sude, eingeleitet durch einen feierlichen Gottesdienst« Nach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder in den Sitzungssaal der israel. Kultusgemeinde. DerObmann Marcus Kuffler begrüßte die erlchienenenVereinsmitglieder und brachte sodann eine Huldigungsansprache für Seine Majestät den Kaiser zur Verlesung, worauf die Versammlung ein nicht enden wollendes Hoch auf Seine Majestät den Kaiser ausbrachte. Während der Tafel brachte der Obmann einen Toast auf die Kultusgemeinde und Kultusvorstand aus, inbegriffen der jüdischen Stadtverordneten der Städte Friedek-Mistek und erwähnte anerkennend die hervorragenden Leistungen des Kultusvorstandes kaiserl. Rates Herrn Mois Reik, Jur. Dr. Lamberg, k. k. Kommerzial- und Kammerrates Herrn Jacob Muuk und Herrn Sigmuud Wechsberg aus Friedland. Rabbiner Dr. Drobinzky sprach einen begeisternden Toast auf die „Chewra-Kadischa" aus. Herr Jur. Dr. Lamberg auf Rabbiner Herrn Dr. Dobriuzky. Es sprachen noch die Herren Wilhelm Fried über Entwicklung und Werdegang unserer Kultusgemeinde, ferner Kultusvorsteher kaiserl. Rat Alois Reik, Julius Wnlkan, Herr Sigmuud Wechsberg. Herr Heinrich Löw, dann Herr Kommerzial- und Kammerrat Jacob Munk, der das Wirken der „Chewra-Kadischa" besprach und hiebei betonte, daß auch von unseren christlichen Mitbürgern das Wirken dieses Vereines lobend anerkannt wird, und erwähnte die Tatsache, daß die beiden städtischen Sparkassen der Städte Friedek- Mistek die „Chewra-Kadischa" mit namhaften Subventionen bedacht haben. Der Rabbiner feierte das Andenken unseres leider früh verstorbenen Ehrenpräsidenten und Kultusvorstehers Hermann Löw, dessen Andenken bei der hiesigen Bevölkerung eine ehrende pietätvolle Erinnerung ist. Der Name Hermann Löw bedeutet hier ein Programm edler Handlungen. Das Fest verlief in animierter, heiterer Stimmung. Alle anwesenden Herren sprachen den Wunsch aus, daß von nun an nicht wie bisher jedes dritte Jahr, sondern jedes Jahr eine Chewra-Sude zu veranstalten sei. Kattowitz. Der seit einiger Zeit bestehende „Israelitische Jugendbund" hat nun einen Singverein gegründet, dem über Hundert jüdische Damen und Herren beitraten; es werden ausschließlich Werke jüdischer Komponisten zur Aufführung gebracht. Zum Dirigenten wurde Herr Oberkantor Singer gewählt, der am 9. Mai den Chor erstmalig in einigen alt-hebräischen Gesängen vorführen wird. Feuilleton. IiingUngsjahre. Roman von Hermauu Blumenthal. XXII. Dawid refft in die Heintat. Fast vier Monate hatte sich Dawid vergebens um eine Stelle bemüht. Nun kamen die heißen Sommertage und er mußte jede Hoffnung auf einen Verdienst aufgeben. Für den Herbst war er zum Militärdienst einberufen worden, und jo beschloß er, schon jetzt nach Hause zu fahren. In Wien hielt ihn nichts mehr und er freute sich darauf, der Nahrungssorgen für kurze Zeit enthoben zu sein. Markus begleitete ihn zum Bahnhof. Es war ein sonniger Morgen und der Himmel zeigte sein schönstes Blau. Ein frischer Lufthauch wehte und in den Straßen war Leben und Fröhlichkeit. Sie hatten eine volle Stunde Zeit und glngen in den Wartesaal, um sich bei einem Glas Bier noch einmal Mszusprechen. „Nun reisen Sie in die Heimat," sagte Markus. „Wie beneide ich Sie!" „Müssen Sie die Ferien in Wien verbringen?" fragte ihn Dawid. „Ja, wohin soll ich? Sie kommen doch mit Ihren Ellern aus, aber ich kann mich mit meinem Vater garnicht verständigen. Er ist fanatisch fromm und hält inich für einen Abtrünnigen. Meine Studien sind ihm verhaßt und auch dem Zionismus steht er feindlich gegenüber. Es ist eine traurige Geschichte, und ich habe nur Aerger, wenn ich nach Hause komme. Aber es ist noch etwas anderes, das mich von der Reise zurückhält. So oft ich hinkomme, erlebe ich eine Enttäuschung. Vielleicht stelle ich es mir zu schön vor! Diese Menschen dort leben wie unter einem Druck. Sie wagen es nicht, den Kopf zu erheben, als wenn sie die Sonne blenden würde. Das macht mich so traurig!" „Bedenken Sie, unter welchen Verhältnissen sie dort leben müssen," sagte Dawid. „Der Zionismus sollte sich die Aufgabe stellen, die Jugend zu freien Männern zu erziehen."