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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-22 · 16 (22.4.1910) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Brochs gesinnten Förderer und Stützer. Am Leichenbegängnisse haben die weitesten Kreise aller Schichten der Wiener Gesellschaft teilgenommen und auch aus der Provinz kamen zahlreiche Männer, dem Verblichenen die letzten Ehren und einen Zoll des Dankes abzustatten. Oberrabbiner Dr. Güdemann widmete ihm einen wehmütigen Nachruf. Aus einem Briefe des Verewigten las der Redner folgende Stelle vor: „Durch die Fürsorge meiner Eltern der Notwendigkeit entzogen, um die Existenzmöglichkeit kämpfen zu müssen, materiellen Sorgen nicht ausgesetzt, hatte ich Zeit meines Lebens nur einen Leitstern vor Augen, „die Pflicht". Ich habe es als meine Pflicht erachtet, in den mir vorgeschriebenen Pfaden mit höchster Rücksichtnahme auf Mitmenschen und Mitarbeiter zu wandeln und gegenüber Jedem meine Pflicht zu erfüllen, und ich fühle, daß ich diesem Ziele niemals mit Wissen widerhandelt hätte." Dann sprach Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Proßnitz im Namen der Gemeinde Proßnitz, deren Wohltäter der Verblichene Zeit seines Lebens war. Ehre feinem Andenken! Wien. (Bethaus-Verein „M o n t e f i o r e", II. Taborstraße 38.) In der jüngst abgehaltenen Generalversammlung wurde nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes dem Vorstand mit dem Ausdrucke des wärmsten Dankes das Absolutorium erteilt und in der konstituie-, renden Vorstandssitzung die Herren I. A. Wasservogel zum Obmann, Alois Theumann zum Obmannstellvertreter, Jakob Weiß zum Kassier, Dr. Leopold B r a d y zum Schriftführer. Wilhelm Kaufmann zum Schriftführerstellvertreter gewählt. Verein „Hasomir" zur Förderung jnd. Literatur und Kunst. Die konstituierende Generalversammlung fand Samstag den 9. d. M. im Restaurant Guth unter starker Beteiligung eines aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung herbeigeströmten Publikums statt. Das rege Interesse, daß das Publikum von Ost und West, Bürger, Arbeiter, und Studenten, - im gleichen Maße bekundet, rechtfertigte die Gründung des Vereines als eine Notwendigkeit, ja geradezu als ein Bedürfnis. Durch den gelungenen Verlauf des zehnten dramatischen Abends, der Asch's Drama „Zurückgekimmen" auf die Bühne brachte, hatte das Gründungskomitee den hohen Ernst seiner Absichten und seine vielversprechenden Fähigkeiten bewiesen. Namens des vorbereitenden Komitees eröffnete Ingenieur Singer die Versammlung, welche mit Akklamation Herrn Dr. Carl Lifczis zum Vorsitzenden, Herrn stuck, techn. Gottlieb zum Schriftführer wählte. Die von der Statthalterei genehmigten Statuten wurden einhellig genehmigt. Ueber die Aufgaben und Ziele des Vereines hielt Herr Schriftsteller Bernhard Tag ein wohldurchdachtes Referat, das, weit über den Rahmen eines engen Vereinsprogramms hinausgehend, die Entwicklung und die Zukunft der jüdischen Literatur in großen Linien verkündete. Die Wahlen ergaben einstimmig folgendes Resultat: Herr I. A. Loubetzky, Schriftsteller, Obmann; Herr Bernhard Tag. Schriftsteller, Obmannstellvertreter; Herr Dr. B. Ostiller. Zahnarzt, Kassier; Herr Ing. A. Singer, I. Schriftführer; Herr Dr. Leo Goldhammer, II. Schriftführer. Dem erweiterten Ausschuß gehören an: Dr. Josef Zipser, Dr. Hugo Zuckermann, Eugen Meffinger, M. Goldschläger, Moses Hammer, Jakob Kraus und Frau Samoschtin. Dem überaus gelungenen Abend folgte eine anregende Unterhaltung, bei der stuck, techn. Gottlieb („Jüdische Kultur") die Novelle „Der Datsch" von Scholaum Aleichem las. Hierauf folgten Liedervorträge des Herrn Direktor Siegler, Fräulein Weintraub und Herrn SPiwakow, die die Gesellschaft iu animiertester Stimmung bis lange nach Mitternacht zusammenhielten. Dem Vereine traten sogleich über 80 Mitglieder bei. Gleich nach der Konstituierung trat der Verein mit einer zweiten Aufführung vor die Oeffentlichkeit. Zum Vortrag gelangten Volkslieder, von Direktor Siegler und Fräulein Weintraub mit gewöhnter Meisterhaftigkeit gesungen. Hierauf wurde „Die Neivele" von P. Hirschbein aufgeführt. Das Milieu des Stückes ist dem Leben der untersten Schichten der Ostjuden entnommen. Mendel, der Sohn eines notorischen Trinkers, sucht aus dem Sumpf sich emporzuarbeiten, wird aber immer zurückgestoßen. Immer hört er den Ruf: „Du Neivele, du riechst nach Aas." Er ist nämlich Schinder. In diesem Kampfe geht er zugrunde. Gespielt wurde vorzüglich. Wer erwartet hatte, eine Aufführung einer jüdischen Singspieltruppe zu sehen, war auf das Angenehmste enttäuscht. War schon die Gesamtleistung eine zufriedenstellende und lobenswerte, so verdient doch das fesselnde Spiel der Damen Siegler, Weintraub und Weinberger und der Herren Siegler, Aschkenasy und Podzameze besonders hervorgehoben zu werden. Wien. Hochgeehrter Herr Redakteur! Wie seit mehreren Jahren, so bitte ich auch heuer, meine Klagen über den Zustand des Tempels in der Seitenstettengaffe in Ihrem werten Blatte gntigst aufzunehmen. Bor Kurzem hatte ich Jährzeit. Ich kam Wochtnschrift. ß«tte*83 abends zum Tempel, da waren im Torweg Papierfetzen, Glassplitter und Orangenschalen verstreut umhergelegen, und als ich am andern Tag in der Früh wiederkam, da lagen dieselben lieblichen Dinger auf demselben Platz. Beim Eintritt innerhalb der Flügeltür kam der entsetzliche, pestilenzartige Gestank mir entgegen, wie er sich nur dort bildet, wo seit Jahrzehnten keine gründliche Lufterneuerung stattgefunden hat. Die sogenannten Fenster in der Kuppel des Hauses waren wie gewöhnlich bumsest zu. Wahrscheinlich weil einstens einmal im Winter ein kalter Tag war, da wurden sie geschloffen, und später war die Mühe zu groß, um dieselben wieder einmal zu öffnen. Ueber die sonstigen Zustände im Tempelgebäude, betreffend Sicherheit und Hygiene zu sprechen, unterlasse ich, denn ich bin bereits müde des Wiederholens. Nutzen tut es ohnehin nichts, der Vorstand liebt es, selbst die inständigsten Bitten „vornehm" zu ignorieren. Von dem Bau eines würdigen neuen Tempels hört man auch nichts mehr. Bester kann es nur werden, wenn die Gemeindemitglieder selber die Angelegenheit in die Hand nehmen und auf Mittel sinnen, den unwürdigen und schädlichen Zuständen im alten Gebäude ein Ende zu bereiten. Albert Mandelbaum. Wie». (Beth-Hamidrasch Talmud-Thora, II., M a l z g a s s e 16.) Samstag den 23. April 1910 findet nachmittags 3 Uhr ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bola Fischer statt. Thema: Die Pessach-Hagada in Mischna und Talmud. Wien. (Wiener Bet-Hamidrasch, II. Bezirk, Ferdinandsstraße 23.) Samstag den 23. d. M., 11 bis 12 Uhr vormittags wird Herr Lektor Dr. S. Rubin im obgenannten Lokale einen halachischen Vortrag halten. Thema: Der Chamezverkauf historisch und juristisch beleuchtet. Weltverband jüdischer Frauen. Bezugnehmend auf die Notiz in Nr. 13 dieses Blattes vom 1. April d. I. fordern wir alle israelitischen Frauenvereine in Oesterreich-Ungarn auf, sich mit der „Union of jewish women“ direkt in Verbindung zu setzen. Die „Union" sucht direkten Verkehr mit den israelitischen Fmuenvereinen, um sich über Petentinnen zu informieren und will in allen Fällen Vereinen gern Auskunft erteilen, wenn sie sich für stellensuchende Bewerberinnen an fie wenden wollen. Diesbezügliche Anfragen find zu richten an „Mrs. Cohen, 59. Gloucester Place, Portman Square, London IV.“ Sehr erwünscht wäre ein jährlicher Beitrag der Vereine von K 10.—. Doch stehen auch solchen Vereinen Auskünfte zur Verfügung, die diesen Beitrag nicht bieten können. Beitrittserklärungen find ebenfalls an obige Adresse zu richten. Es ist im Jntereffe unserer im Ausland zu plazierenden Mädchen und Frauen gelegen, wenn die Frauenvereine in innigem Kontakt mit der „Union" treten. Als Delegierte derselben fungiert in Wien Frau Zosefine Paul-Schiff, IV., Alleegaffe 20, welche Mädchen und Frauen — nicht Vereinen — die sich an fie wenden, bereitwilligst mit Rat und Tat beisteht. Austritte aus dem Judentum Vom 10. bis 17. April 1910. Eisler Marie, Modistin, geb. 9. März 1888, Wien, XX., Helhvagstrasse 5. Erdös Gisela, geb. Messinger, geb. 1. November 1887, Zombor, IV., Johann Straussgasse 38. Erdös Heinrich, Chemiker, 16. Dezember 1885, Szeged, IV., Johann Straussgasse 38. Heller Alfred, Ober-Buchhalter, geb. 6. Oktober 1888, Wien, VI., Gumpendorferstrasse 153. Korn Johanna, Verkäuferin, geb. 13. November 1874, Brünn, II., Rueppgasse 18. Lachner Flora, Private, geb. 13. Oktober 1890, VIII., Kochgasse 29. Müller Heinrich, Lehrling, geb. 27. März 1896, Wien, II., Untere Augartenstrasse 31. Steinberg Maivine, Opernsängerin, geb. 6. November 1886, Troppau, XV., Turnergasse 31. Wolf Helene, Private, geb. 18. Juni 1861, Wien, I., Jasomirgottstrasse 4.

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