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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-22 · 16 (22.4.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 280 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 Zum letzten Punkte der Tagesordnung „Eventualia" ergriff der Reichsratsabgeordnete Herr Dr. Heinrich Gabel (Delegierter der Ortsgruppe Lemberg) das Wort, um nach Hervorhebung der Tätigkeit der Bereinslettung verschiedene Anregungen zu geben. Es entwickelte sich ■ hierauf eine lebhafte Diskussion, an der sich außer dem Vorsitzenden und dem Sekretär noch die Herren Dr. Arnold Ascher (Delegierter der Ortsgruppe Wien II. und Vertreter der Baron Hirsch- Stiftung), Josef B. Klein (Delegierter der Ortsgruppe Wien VI.), Dr. Simon Schaff, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Lemberg (Mitglied der Vereinsleitung und Vertreter der genannten Kultusgemeinde), Siegmund Wachtel (Delegierter der Ortsgruppe Bielitz) usw. teilnahmen.^ Hierauf wurde die Generalversammlung geschloffen. Unter den Anwesenden bemerkten wir außer den früher Erwähnten die Herren: Emil Bruder, Delegierter der Ortsgruppe Linz; Dr. Fürth, Julius Granichstädten, Mitglieder des Auffichtsrates; Dr. Leo Halb er stamm, Doktor Adolf Kapralik, Dr. Edmund Kornfeld, Mitglieder der Bereinslettung; Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur Mahler, -Richard Petschek, Adolf Pick, Kommerzialrat S. Rosenzweig und Jakob S. Straßberg, Mitglieder der Vereinslettung; Alfred W a i z n e r, Delegierter der Ortsgruppe V, Theodor W a n t o ch, Mitglied der Vereinsleitung rc. In der nach dieser Versammlung stattgefundenen Sitzung der Vereinsleitung fand deren Konstttuierung statt und es wurden gewählt die Herren: Sigmund Mayer zum Obmann, Dr. Arthur Mahler, Reichsratsabgeordneter,^zum I. Obmann- Stellvertreter, Moriz Sonnenschein zum II. Obmann- Stellvertreter, Hugo Tugendhat zum Schriftführer, Doktor Edmund Kornfeld zum Schriftführer-Stellvertreter, Direktor Wilhelm Kux zum Zahlmeister, Max Frank zum Zahlmeister-Stellvertreter. In den engeren Ausschuß wurden aus der Bereinslettung delegiert die Herren: Dr. Arthur Mahler, Moriz Sonnenschein, Max Frank, Gustav Brüll, Karl Klemperer, Dr. Edmund Kornfeld, Josef I. L e i n k a u f, Josef Mandl, Richard Petschek, Adolf P i ck, David R o t t e r, Alexander S ch o r r, Richard Teweles. Hugo Tugendhat und Theodor Wantoch. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohttätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubensgenoffen nicht nur auf ein befferes materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Österreich. Wir bitten daher unsere Leser, ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten uud auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mttgliedsbeitrag beträgt jährlich K 4'—; Beitrittserklärungen find an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggaffe 4, zu richten. Die Trauung eines jüdische» Offiziers in Preuße». Landsberg a. W. (Preußen). Ein Bericht über eine hierorts seltene und eigenartige Feier, welche am 10. d. M. auf einem Gutshofe in der Nähe unserer Stadt veranstaltet wurde, wttd für die Leser Ihrer werten Zeitung von Interesse sein. Ein jüdischer Offizier in preußischen Landen, schon au sich eine auffallende Erscheinung, in der schmucken Uniform seines Regiments und den Erinnerungsmedaillen an der Brust, steht mit der Erwählten, der anmutigen Tochter eines angesehenen Gutsbesitzers unter der Chuppa. Die Eltern der Braut find Protestanten, welche eingewilligt hatten, daß ihre Tochter Jüdin werde, damit sie den Bund fürs Leben mit dem kais. kö«. Rechnungsoffizial Herrn Adolf Reichenberg aus Lemberg schließen könne. — Das junge Paar hatte sich in Karlsbad kennen und lieben gelernt und hatte in treuer Ausdauer alle Schwierigkeiten überwunden, die sich seiner Vereinigung in den Weg gestellt. Die Braut hatte in Berlin die Aufnahme in die jüdische Glaubensgemeinschaft erwirkt, damit die Ehe nach jüdischem Ritual vollzogen werde und die religiöse Weihe erlange. Ter feierliche, religiöse Trauakt fand am 10. April d. I. in Wozhollander im Hause der Brauteltern, nach vorangegangener standesamtlicher Trauung — streng nach dem jüdischen Ritual statt. Die Trauungszeremonie wurde vom hiesigen Rabbiner Dr. Elsaß vollzogen, der in seiner ergreifenden Ansprache das Paar an seine Pflicht mahnte, und die Braut als „Schwester" willkommen hieß, welche besonders dazu berufen sei, kraft ihrer Erziehung und ihrer gewonnenen Erkenntnis die Verkennung und die Vorurteile zu beseitigen und zu zerstreuen, welche die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen trennen und scheiden. Die Trauungsfeier hatte nicht nur die Beteiligten tief ergriffen, sondern auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck gemacht. Für den Fernstehenden war es ein wahrhafter Kiddusch Haschern, den dieser Akt und die Art der Feier auf dem Gutshofe eines preußischen Gutsbesitzers hervorgerufen. Das Jubiläum der Alliance iw Orient. Das fünftigjährige Jubiläum der Pariser „Alliance Jsraelite Universelle" wird im Orient, wo die Alliance ihre wichtigste und bleibendste Tätigkeit entwickelt, als Festtag der Juden betrachtet. Jede Gemeinde, in welcher sich eine Alliance-Schule befindet, rüstet zu einer solennen Jubiläumsfeier. So hat die jüdische Gemeinde in Salonichi bereits das Festprogramm festgesetzt. Die diesbezüglichen Beschlüsse lauten : Der jüdische Gemeinderat wird den Tag des fünfzigjährigen Jubiläums als einen Feiertag des Judentums proklamieren, an welchem sämtliche Geschäfte und Kaufläden geschlossen bleiben, wie an einem anderen arbeitsfreien Festtag. Der Festgottesdienst wird in der großen Talmud-Thora- Synagoge abgehalten. Am Tage der Feier wird unter großer Parade der Grundstein zu einer jüdischen Volksschule gelegt werden. Nachmittags findet ein Festzug von 2500 jüdischen Schulkindern statt, der sich durch die wichtigsten Straßen der Stadt bewegen wird. Hierauf ein großes Dankbarkeitsfest der Kinder in einem großen öffentlichen Garten rc. Die Judeugesetzgebung in Rußland. Berlin. Wie dem „Tageblatt" aus Petersburg telegraphiert wurde, wird in den nächsten Tagen in der Duma ein Antrag, betreffend die Aufhebung des jüdischen Anfiedlungsrayons eingereicht werden. Daraufhin hat die extreme Rechte beschlossen, einen Gegenentwurf zur Beratung zu stellen, der die Veranstaltung eines moralischen Pogroms größten Stils bedeutet; denn er hat die völlige Entrechtung der Juden zum Ziele. In dem Entwürfe wird den Juden der Besuch aller privaten wie staatlichen Mittel- und Hochschulen untersagt. Ferner sollen Juden keine Aerzte-, keine Advokaten- und keine Lehrerdiplome erhalten, keinen Handel betreiben und keine Immobilien besitzen. Es soll ihnen weder erlaubt sein, Herausgeber oder Redakteure von Zeitungen zu sein, noch Eigentümer von Fabriken oder Druckereien, noch irgend einen öffentlichen Dienst zu bekleiden. Vom Heeresdienst sollen sie unter allen Umständen ausgeschloffen werden. Es wäre also genau dasselbe und einfacher, wenn vorgeschlagen würde, den Juden einfach das Leben zu verbieten. Massenflucht der jüdischen Bevölkerung aus Kischeuew. Jassy. Viele jüdische Familien mit ihren Frauen und Andern find aus Kischenew hier angekommen und berichten übereinstimmend, daß die „Schwarzen Hundert" neuerdings Anstalten treffen, Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung zu inszenieren. Bewaffnete Banden durchziehen die Stadt und halten an den öffentlichen Plätzen, unter den Augen der Polizei, die blutrünstigsten Hetzreden gegen die Juden. Auch von der Kanzel werden Pogrome gepredigt und das Volk wird aufgefordert, während der kommenden jüdischen Osterfeiertage die Juden zu massakrieren.

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