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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-22 · 16 (22.4.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 379 ist, von jenen, denen man durch seinen Austritt einen Faustschlag ins Geficht gegeben, denen man damit gesagt hat, „ich will mit euch nichts zu tun haben", ein Mandat zu verlangen. Deswegen habe ich es mit großem Vergnügen vernommen, daß sich zwei Männer gefunden haben, die in jeder Beziehung unser volles Vertrauen verdienen; der eine, Herr Gemeinderat Herold, hat durch 19 Jahre als Gemeinderat diesen Bezirk vertreten und niemals Anlaß gegeben, an seiner freisinnigen Gesinnung zu zweifeln. Und auch der zweite Kandidat, Herr Stein, scheint mir nach dem, was er heute gesprochen, in jeder Beziehung die Gewähr zu bieten, daß er die Erwartungen, die wir in ihn setzen, voll und ganz rechtfertigen wird. Dr. Z i p s e r begrüßte es mit besonderer Genugtuung, daß sich endlich einmal die Wählerschaft aufraffe und sich selbst ihre Kandidaten bestimmt. Aus denselben Gründen, wie wir vom jüdischen Standpunkte gegen die Kandidaturen Neumann und Fürth sind, muß man auch gegen M a aß entschieden austreten, zumal es allgemein bekannt ist, daß er in seiner öffentlichen und privaten Tätigkeit antisemitische Sympathien bekundet, daß somit seine liberale Gesinnung nicht ganz zweifellos ist. Der Resolution der „Oesterr.-Jsrael. Union" schließt er sich vollinhaltlich an. Zum Schluffe wurden die Kandidaturen der Herren Gemeinderat Alfons Herold und Fabriksbefitzer Josef Stein von der Versammlung einhellig angenommen, die Kandidatur Rudolf M a a ß mit erdrückender Majorität abgelehnt und das Komitee fortschrittlicher Bürger beauftragt, einen dritten selbständigen Kandidaten in Vorschlag zu bringen. Bei der hierauf stattgefundenen Sitzung des Wahlkomitees, wurde der Obmann desselben ersucht, sich mit Herrn Hofrat Dr. M a r es ch ins Einvernehmen zu setzen und ihn zur Annahme der Kandidatur zu bewegen. Nachdem Herr Hofrat Dr. M a r e s ch jede ihm zugedachte Kandidatur entschiedenst uns endgiltig ablehnte, beschloß das Komitee nach langer Beratung, Herrn Max Frank zu kandidieren. Galizischer Hilfsverein. Sonntag den 10. April d. I., halb 11 Uhr vormittags, fand die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien in den Räumen des Israelitischen Humanitätsvereines „Wien" B'nai-B'rith, IX., Univerfitätsstraße 4, statt. Den Vorsitz führte der Präsident des Vereines Herr Sigmund Mayer. Nachdem dieser die Versammlung eröffnet und die Anwesenden mit herzlichen Worten begrüßt hatte, teilte der Sekretär Herr Dr. Wilhelm L ö w y die eingelangten Begrüßungen und Entschuldigungen mit. Im Anschlüsse daran hielt er dem Mitgliede des Schiedsgerichtes Herrn Dr. Alois Klemperer, dessen Leichenbegängnis gerade zu dieser Stunde stattfand, einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Er bemerkte darauf, daß infolge dieser Leichenfeier eine große Anzahl jener Personen, die hier anwesend zu sein berechtigt wären, der Versammlung ferne blieben. Mit Rücksicht darauf, daß der I. Teil des gedruckten Jahresberichtes für das letztverfloffene Jahr sich bereits seit längerer Zeit im Besitze der Vereinsmitglieder befindet, konnte er sich darauf beschränken, bloß die Hauptergebnisse der Vereinstätigkeit im Jahre 1909, ferner einige Daten über die Bildung neuer Ortsgruppen, dann über die Einnahmen und Ausgaben des Vereines uttb die Bewegung in seinem Mitgliederstande mitzuteilen. Wir erwähnen aus diesem Berichte, daß durch die Tätigkeit des Hilfsvereines im Jahre 1909 in verschiedenen Industrien rund 4300 ausgebildete Arbeitskräfte und Schülerinnen tätig waren, die einen Jahresverdienst von X 393.000'— erzielten. Gegenüber dem Jahre 1908 hat die Zahl der Arbeitskräfte und Schülerinnen um rund 750, der Jahresverdienst um rund X 95.000'— zugenommen. Im Jahre 1909 konstituierten sich 5 Ortsgruppen, und zwar 4 in Galizien (Grodek, Nadworna, Szczerzec und Tarnow) und eine in Wien, im XXI. Gemeindebezirke. Dazu kommt die Wiederbelebung der Ortsgruppe Neusandez (Galizien). Dagegen mußte die Ortsgruppe Zolkiew (Galizien), in Abschlag gebracht werden. Zu Ende des Jahres 1909 zählte der Verein im ganzen 50 Ortsgruppen, von denen 8 in Niederösterreich, 1 in Oberösterreich, 22 in Böhmen, je 4 in Mähren und Schlesien und 12 in Galizien bestanden. Diese Ortsgruppen umfaßten 3745 Mitglieder und Spender, um 71 mehr als im Jahre 1908; die Zunahme an Mitgliedern hatte 464, die Abnahme 393 betragen. An Mitgliedsbeiträgen gingen im Jahre 1909 Kronen 32.121'40, an Spenden X 742 66 ein. Die Mitgliedsbeiträge blieben hinter dem Vorjahre um X 784 67 zurück — hauptsächlich aus dem Grunde, weil eine Ortsgruppe mit der Einsendung der Mitgliedsbeiträge im Rückstände ist — die Spenden waren um K 173 09. höher. Wir müffen jedoch bemerken, daß zwei größere Spenden in dem früher angeführten Betrage nicht enthalten find, weil ihnen eine besondere Zweckbestimmung anhaftet, und zwar die Spende des Herrn Alexander Scharr in Wien, in vierperzentiger ungarischer Kronenrente im Nominalbeträge von X 18.000'—, die dem Vereine zur Gründung einer Vorschußkaffe in einem Orte Galiziens übergeben wurde, ferner die Spende der Frau Rosa H e r s ch in Meran in vierperzentiger österreichischer Kronenrente im Nominalbeträge von X 500.—, die der Verein anläßlich des Ablebens seines gewesenen Ausschußmitgliedes Herrn Dr. Wilhelm H e r s ch, des Gatten der Spenderin, zum Zwecke der Stärkung seines Fondsvermögens erhalten hat. Noch vor seinem Ableben hatte Herr Dr. Hersch seinen Jahresbeitrag durch Erlag von Silberrente fundiert; ebenso das Mitglied Herr Jakob Kann in Wien, der zu diesem Zwecke bei der Kultusgemeinde zur Anschaffung von Renten einen Betrag von X 400'— bar für den Verein erlegte. Die Gesamteinnahmen des Vereines beliefen sich im Jahre 1909, nach Abrechnung dieser besonders erwähnten Zuflüsse, auf X 49.061'29; sie waren also um X 2797'66 höher, als im Vorjahre. Die Gesamtausgaben beziffern sich mit X 53.289 93. das ist um X 655'29 niedriger, als im Jahre 1908. Im Jahre 1909 waren also die Ausgaben um X 4228'64 höher als die Einnahmen. Nach dieser Ausführung erstattet der Obmannstellvertreter des Ausfichtsrates Herr Ferdinand L ö w y Bericht über die Gebahrung der Vereinsleitung und beantragt, ihr das Absolutorium zu erteilen, ein Antrag, der einstimmig angenommen wurde. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt, und zwar: In die Vereinsleitung die Herren: Gustav Brüll, Dr. Edmund Kornfeld, Josef I. Leinkauf, Leopold L o u r i 6, kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Kommerzialrat S. Rosenzweig, D. Rotte r, Alexander S ch o r r, Kommerzialrat Max Schweiger, Moriz Sonnenschein, Hugo Tugendhat, Theodor W antoch, sämtlich aus Wien; Dr. Hammerschlag, Prag; S. von Horowitz und Dr. Simon Schaff, Lemberg und Direktor Alois Schwarz, Mähr.-Ostrau; in den Äuffichtsrat die Herren: Julius G r a n i ch st ä d t e n, Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Dr. Leopold K o h n, Ferd. L ö w y, Wilhelm Pappenheim, Dr. Isidor Samuely, S. Steiner, sämtlich aus Wien; endlich in das Schiedsgericht die Herren: kais. Rat Wilhelm A nn i n g e r, Michel Benies, Dr. Julius B e r m a n n, Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Dir. Alexander Hecht, Dr. Albert Kuh, Leopold Sachs, kais. Rat Dr. Alfred Stern, Julius Wolf, Josef Zucker. Zu bemerken ist, daß die in die Vereinsleitung gewählten Herren nur den dritten Teil dieser Körperschaft ausmachen, da alljährlich bloß eine Drittelerneuerung stattfindet. Der Vorsitzende ergriff hierauf das Wort, um die Verdienste des bisherigen I. Vizepräsidenten Herrn Adolf Pick, der wegen Mangel an Zeit auf eine Wiederwahl verzichtet hatte, hervorzuheben und den Antrag zu stellen, ihm für seine hervorragende Tätigkeit, aber auch dafür, daß er sich bereit erklärt hat, der Vereinsleitung und dem engeren Ausschuffe weiterhin anzugehören, den Dank auszusprechen. Dieser Antrag wird unter Beifallsbezeugungen genehmigt.

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