Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 16 (22.4.1910)
- Date
- 1910-04-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 Sette 275 Dr. Blochs Wochenschrift. endlich der große Friedensstifter, ausse sebolanm, ^vero äek sebolanrn entstehen, und daß in diesem großen Friedensschlüsse die Rechte und legitimen Interessen unserer Glaubensbrüder in allen Sprach- und Wirtschaftsgebieten gewahrt werden, ist eine der wichtigen Aufgaben, deren großer Teil auch der „Union" zufallenwird. Es ist ja schon ein großer Gewinn, daß wir offen von unseren Interessen sprechen und öffentlich darüber verhandeln, so wie andere Interessengruppen religiösen oder wirtschaftlichen Charakters. Es ist aber noch ein notwendiges Ziel unserer Tätigkeit, daß anerkannt werde, daß die Zugehörigkeit zum Judentum ebenso ehrenvoll, und, wenn man darin geboren wurde, ebenso selbstverständlich ist, wie bei jeder anderen gesetzlich anerkannten Konfession — und daß es ebenso ein officium nobile ist, sich der Sache seiner Glaubensgenossen anzunehmen, wie der aller anderen Staatsbürger — nicht nur zur Erhaltung des bürgerlichen Friedens, sondern in jedem wohlverstandenen Interesse des Staates und seiner Völker, dem wir als treue Staatsbürger mit Leib und Seele angehören, aber mit der Devise: „Allen Gewalten Zum Trutz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen, Rufet die Arme der Götter herbei!" (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Vorsitzender Präsident Mayer dankt dem Festredner für seine glänzenden Ausführungen. Wir dürfen uns freuen, einen solchen Mann zu besitzen, der sein reiches Können und Wissen in unseren, in den Dienst der Judenschaft stellt. Der Präsident erklärt weiter, einer Herzenspflicht genügen zu wollen, indem er die beiden hier anwesenden überlebenden Gründer der „Union", Dr. Bloch und Dr. Pins, wärmstens begrüße und ihnen den Dank der Versammlung zum Ausdrucke bringe. Die Versammlung ehrt die beiden Gründer durch Erheben von den Sitzen und rauschenden Beifall. Nunmehr erstattet Sekretär Fleischer im Namen des Vereinsvorstandes den offiziellen Dank an alle jene Männer, welche als Mitglieder der Vereiusleitung, als Vortragende, als Mitarbeiter an den Vereinspublikationen, als freiwillige Anwälte des Rechtsschutzbureaus und als Vertrauensmänner an den Aufgaben der „Union" in den letzten 25 Jahren mitgewirkt haben. Herr Vizepräsident kais. Rat A n n i n g e r vervollständigte diesen Dank durch den Ausdruck der rückhaltlosen Anerkennung für das Vereinsbureu und insbesondere für den Sekretär und Leiter des Rechtsschutzbureaus Herrn Siegfried Fleischer, welchem die Versammlung eine spontane Ovation bereitete. Hierauf sprach Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner, der den tiefsten Grund des Antisemitismus auf den Klerikalismus zurückführt. Es muß sich die Anschauung zur allgemeinen Geltung durchringen, daß die Juden Staatsbürger und Menschen seien wie alle Anderen. Demgegenüber aber müssen auch Juden den Standpunkt einnehmen, daß sie keine Sonderrechte für sich verlangen, sondern nur das gleiche Recht mit allen anderen Staatsbürgern verlangen. In dieser Anschauung habe sich Redner stets mit den leitenden Männern der „Union" begegnet, welchen er zu ihrem Jubiläum seine herzlichsten Glückwünsche darbringe. Herr Gemeinderabbiner Dr. E. David überbrachte dem jubilierenden Vereine in längerer Rede die Glückwünsche des Rabbinats. Abgeordneter K u r a n d a spricht dem Vereine, mit dem er sich vollkommen eins fühle, gleichfalls seine innigsten Glückwünsche aus. Er werde, wann und wo immer es notwendig sei, für die Rechte der jüdischen Staatsbürger mit all seiner Kraft eintreten. Es sprachen noch die Herren Dr. Bloch und Oberlehrer R i e s e n f e l d, worauf Herr Dr. O r n st e i n, der mittlerweile den Vorsitz übernommen hatte, zur Erledigung der übrigen Punkte der Tagesordnung überging. Als ein Zeichen des besonderen Vertrauens der Generalversammlung für den Vorstand beschließt diese von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes Umgang zu nehmen und denselben lediglich in der „Monatschrift" zu publizieren. Ihrer Trauer um die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder, insbesondere des langjährigen Beirates der „Union" und Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t, sowie des Kultusvorstehers Herrn Emil Horner und des Herrn Sigmund Mandl, welche die Rechtsschutztätigkeit in eifrigster Weise gefördert haben, gibt die Versammlung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck und beauftragt das Präsidium, diese Trauerkundgebung dem Protokolle eiuzuverleiben. Sodann erstattet Herr Ignaz Simon den Bericht der Revisoren, beantragt, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen und Herrn Josef Fuchs für die musterhafte Führung der Vereinsbücher den Dank auszusprechen. Die Anträge werde angenommen und sodann an Stelle des ausscheidenden Dozenten Dr. M. H a j e k, welchem für seine verdienstvolle Mitwirkung der herzlichste Dank ausgesprochen wird, der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Gottlieb Schur in den Vereinsvorstand gewählt. Die Herren Julius Granichstädten und Richard T e w e l e s wurden in ihren Funktionen auf weitere drei Jahre bestätigt. * -r- -i- Am Abende des Festtages fand in dem mit der Büste Fischhofs und den Bildnissen der Präsidenten der „Union" geschmückten Saale des „Hotel de l'Europe" ein Festbankett statt, an welchem der gesamte Vereins Vorstand, die Reichsratsabgeordneten Dr. Ofner, Dr. Mahler und Dr. Straucher, Gemeinderat Dr. Hein, die Kultusvorsteher Max Frank, Professor Dr. Ehrmann, kais. Rat Kauders, kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Markus Spitzer und Doktor Samuely, Rabbiner Dr. Gelbhaus, die Kultusvorsteher Schwager aus Linz und Fischl aus Klosterneuburg und zahlreiche Vereinsmitglieder und deren Damen teilnahmen. Den Reigen der Toaste eröffnete Präsident Sigmund Mayer mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Vizepräsident Dr. O r n st e i n leerte sein Glas auf die Gründer der „Union" und auf jene Mitglieder, welche durch volle 25 Jahre dem Vereine angehören. Dr. Samuely sprach in tief empfundener Weise auf die anwesenden Ehrengäste, kais. Rat Anninger widmete seinen launigen Spruch den Damen, Dr. Hönigsmann feierte in begeisterten Worten die Verdienste der freiheitlichen Presse. Die Abgeordneten Dr. Straucher und Dr. Mahler besprachen die verschiedenen Parteiströmungen innerhalb der Judenschast, welche jedoch alle das gemeinsame Ziel haben, die volle Gleichberechtigung der Juden im Staate zu erlangen, und leerten ihr Glas auf das Gedeihen der „Union"^ welche allen Parteiströmungen freie Bahn gewähre und in welcher sich die Anhänger der verschiedensten Richtungen in dem Allen gemeinsamen Bestreben finden. Dr. Bloch betonte, daß die „Union" in ihrer Ausdehnung und Entwicklung gewiß eine andere sei als der bescheidene Verein, den er vor 25 Jahren gründen geholfen, daß aber in ihrem Wesen und ihrem Wirken die „Union" von heute dieselbe sei wie vor einem Vierteljahrhundert. Sekretär Fleischer erhob sein Glas in einer vielseitige Ausblicke gewährenden Rede auf das Wohl der vier ausgezeichneten Männer, welche während der Zeit seiner Amtsführung einander im