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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-22 · 16 (22.4.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 272 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 „Jetzt aus diesem Gemache geh heraus und versammle das Volk an meiner Bahre — sei ein König, ein Vater Deines Volkes — und lehre es glauben und vertrauen!" Sie schaute ihn mit einem Blick unendlicher Liebe an: „Küsse mich, mein Sohn", hauchte sie, „mein Ende naht!". Und während seine heißen brennenden Lippen sich auf die erkaltenden der Mutter legten, hauchte sie mit ihrem letzten Atemzuge: „Es gibt einen Gott!" So erzählte einst die Mutter den lauschenden Kindern. Sie schauten sie an mit ihren Hellen Augen, in denen sich die Sonnenstrahlen spiegelten. Frühling wars draußen! Die ganze Welt war in Blütenduft und Sonnenschein getaucht. Ueberall ein Knospen und Keimen — ein Werden und Sichentfalten, ein Blühen und Jauchzen, voll Lebensfreudigkeit und Hoffnung! Seit jener frommen Andachtsstunde in frischer Frühlingspracht sind Jahre vergangen. Die Kinder lauschen nicht mehr den Märchen der Mutter, ihre Augen blicken nicht mehr so freudig und klar. Sie sind getrübt während der mühseligen Wanderung durch die heiße Sommersonnenglut des Lebens. Tastend, gleich Blinden, führt sie das Schicksal rauhe, dunkle Pfade. Ahnungslos stehen sie plötzlich am Abgrund — blind gehen sie an ihrem Glück vorüber — blind werfen sie sich dem Unglück in die Arme. Sie wissen nicht, was die nächsten Augenblicke ihnen bringen! Dunkel liegt der zurückgelegte Weg hinter ihnen, dunkel in nebelhafter Ferne winkt ihnen die Zukunft. Wie arm sind die Menschenkinder, wie freudlos! Doch in das Dunkel ihres Erdenwallens hat ein gütig Geschick ihnen ein Licht auf den Lebensweg mitgegeben — Augen, die für sie sehen, die die ihren mit Licht und Glanz erfüllen. In ihrer sonnigen ungetrübten Kindheit blicken sie in Sterne, die in unendlicher opferfreudiger Liebe sie umfassen. Sie sehen in die Mutteraugen; sie fühlen die weiche liebkosende Berührung sanfter Mutterhände. Sie hören eine teure Stimme, die wundersam ihr Ohr berührt, die sich unvergeffen in ihr Herz, in ihre Seele einprägt. Diese treuen Mutteraugen — sie lehren die blinden Menschenkinder sehen — sie lehren sie glauben und vertrauen — sie erziehen sie mit sorgender Liebe — sie beten für sie mit ihrem Herzblut — sie jubeln und lachen mit ihnen — sie weinen und klagen — sie trösten und richten auf! Der Blick des Mutterauges, das Wort aus ihrem Munde — es sind die Leitsterne, die die blinden Menschenkinder führen. Sie hören sie zu allen Zeiten, an allen Orten, mahnend, tröstend, ermutigend und belebend! Nicht allen Menschenkindern ist das Glück beschieden, von treu sorgender Mutterhand geleitet zu werden. Doch ihr Vermächtnis gehört allen. Es ist die Religion, der Glaube an eine gütige Vorsehung, das kindliche Vertrauen, daL uns durch sie ins Herz gepflanzt. Was uns der teure Mund in frühester Kindheit offenbart, das leuchtet als strahlendes Licht in unserem Herzen auf, das macht uns sehend, wenn Nacht und Dunkel uns umgeben, wenn Unglück und Mißgeschick unsere Kraft zu brechen droht! Der Glaube an Gottes nie endende Liebe, das Vertrauen auf seine Hilfe, das Festhalten an seinen Geboten, die Betätigung im Leben deffen, was er geheißen, das tiefe religiöse Gefühl, das wir erben von unserer Mutter — das ist das Licht, das uns die dunklen Pfade des Lebens erleuchtet — selbst wenn die sorgenden Mutteraugen fich schließen für immer, so schwebt doch ihr Geist und ihr Wort um uns! Wir sind nicht verwaist — nicht einsam — nicht trostlos und verlassen! Wir finden in uns den rechten Halt und die Kraft, weiter zu schreiten im Leben, würdig zu dulden, unbegrenzt zu hoffen und dankbar zu empfangen, was aus der Hand des Schicksals uns kommt! Was eine sorgend zärtliche Mutter dem Kinde ist, das ist die Mutter Religion der Menschheit! Ihr Wirken und Walten hört nicht auf und wer auf ihre Stimme hört, der findet den rechten Weg in den Jrrgängen des Lebens, den führt sie durch Nacht und Dunkel mit ihrer siegenden Liebe in die Höhen des Lichtes. Sie laßt uns nicht alt werden! Sie laßt unsere Kraft nicht schwinden! Sie treibt immer neue Blüten und reiht sie dem Strauß des Lebens an. Sie umgibt uns mit ihrem Duft und mit ihrer Weihe. Sie läßt unsere Augen wie Kinderaugen klar und hell in innigem Verständnis und in tiefer Liebe schauen. Leitet sie uns mit ihrer zärtlichen Mutterhand, dann sind wir geschützt und das Leben, das harte, ergreift uns nicht so rauh in seiner ganzen Schwere und Unvollkommenheit. Wir sehen durch ihre Augen, die ewiges Licht strahlen, wie Kinder, die in dem Mutterauge ihre reine unschuldige Seele wiederfinden! Naht nun in den sonnigen Frühlingstagen das schöne Fest, das wir der Mutter Religion zu Ehren feiern, so möge der Glaube an ihre Macht, an ihren Segen in uns von neuem lebendig werden! Möge sie uns grüßen, wie ein lieb verklärtes Mutterauge, möge sie in ihrer nie endenden Opferfreudigkeit, die nur der einer Mutter gleicht, uns blinde Menschenkinder sehend machen, möge das ewige Licht, das sie erstrahlt, uns Herz und Seele erhellen und uns zu glücklichen, heißersehnten Zielen führen! Das 35 jährige Jubiläum der „Orsterr.-Israelitischen Uniou". Mit stolzer Genugtuung darf die „Oesterr.-Jsrael. Union" auf den Verlauf ihres 25 jährigen Jubelfestes zurückblicken. Die Anwesenheit vieler notablen Persönlichkeiten der Wiener Judenschaft bei der Festversammlung, die schriftlichen Sympathiekundgebungen, welche dem jubilierenden Vereine aus allen gesellschaftlichen Kreisen der Residenz, von zahlreichen Knltusgemeinden ganz Oesterreichs und selbst von vielen hervorragenden Juden des Auslandes zugegangen sind, geben Zeugnis von dem Ansehen und der Wertschätzung, welche sich diese große Körperschaft durch ihre umfassende Wirksamkeit für die bedrängten und verfolgten Juden erworben hat. Im Festsaale des Niederösterreichischen. Gewerbevereines hatte sich zur Festversammluug ein ebenso zahlreiches als distinguiertes Publikum eingefunden, so daß der weite Saal die Zahl der Erschienenen kaum zu fassen vermochte. Unter den Anwesenden befanden sich die Reichsratsabgeordneten Dr. O f.n e r, K u r a n d a, Dr. Mahler und Doktor S t r a u ch e r, die Gemeinderäte Dr. Mittler und Dr. Hein, der erste Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n mit den Mitgliedern des Kultusvorstandes Max Frank, Dr. Markus Spitzer, kaiserl. Rat K a u d e r s, Univ.-Prof. Doktor S. Ehrmann, kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Samuely, Adolf S ch r a m e k und Kommerzialrat Simon, die Rabbiner Dr. David, Dr. Rosen mann, Dr. Kaminka und Dr. G e l b h a u s, Ministerialreferent Kustos Doktor Frankfurter, die kaiserlichen Räte Schefstel und R u z i ö k a, Dozent Dr. M. H a j e k, die überlebenden Gründer des Vereines Dr. Bloch und Dr. Pins, Oberkantor Bauer, der Geschäftsführer des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, Dr. Theodor W e l t s ch, die Kultusvorsteher Schwager aus Linz, kais. Rat R e i k aus Friedet, F i s ch l aus Klosterneuburg, Schnabel aus Pohrlitz, ferner zahlreiche Delegierte von Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche und v. a. Briefliche und telegraphische Glückwünsche hatten gesendet: der Präsident der Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. Ed. Sueß, Herrenhausmitglied Alois Neumann, die ehemaligen Abgeordneten Dr. Kronawetter, Noske, Doktor Max Menger und Wrabetz, die Reichsratsabgeordneten Dr. Adolf Groß und Doktor Gabel, Oberrabbiner Doktor M. Güdemann, Hofrat Prof. Dr. A. Pollitzer, David Ritter von Gutmann, Bergrat Max Ritter von Gutmann, Karl Auspitz von Artenegg, Direktor Dr. Hammerschlag, Maxim. Paul-Schiff, Edmund Richetti von Terralba, die kaiserlichen Räte Paul Lemberger, Wien, und Leopold Bechert, Saaz, Univ.-Prof. Dr. Rofenblatt aus Krakau, Dr. H. Fialla aus

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