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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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feilte 264 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr 15 Papiere zusammen und steckte sie in die Tasche. Jetzt begegnete er dem Blick Dawids! > „Von mir erscheint nämlich eine Broschüre über „Neu-Oesterreich", sagte er. „Es ist meine Antwort an die Herren Sozialdemokraten!" „Ich kann mir denken, was drin steht", sagte Dawid ernst. „Ich will nicht wiederholen, was die Anderen von Ihnen sagen, aber jetzt glaube ich selbst, daß Sie für Geld Ihre Gesinnung verkaufen könnten." „Sie sind ein Phantast", sprach Adolf und machte ein überlegenes Gesicht. „Wer gibt mir etwas für meine Ideale? Ich gehe den Weg, den ich für richtig halte. Das ist alles! Ich glaube an das Leben! Können Sie mir daraus einen Vorwurf machen? Wenn Sie Geld haben, dann sind Sie wer. Sie brauchen im Leben keine bösere Empfehlung. Ich habe mich schwer genug zu dieser Weltanschauung durchgekämpft und Sie sind ebenem Schwärmer geblieben. Liebermann war genau so." „Von Liebermann sollen Sie nicht sprechen", rief Dawid erregt und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Regen Sie sich nicht auf, mein Lieber! Nun wir wollen sehen, wer von uns Beiden weiter kommt, ich oder Sie! 3m übrigen brauche ich niemand, der mich konitrolliert." „Sie haben Recht", sagte Dawid und erhob sich. „Ich war der letzte, der bei Ihnen aushielt. Von heute ab sind wir geschiedene Leute." » Dawid zahlte und verließ das Lokal. . . Der Abend war kaum angebrochen und in den Straßen war das Leben so laut, wie am Tage. Dawid ging der Inneren Stadt zu. Die Aufregung legte sich in ihm und er empfand nur Schmerz, wenn er an die Unterredung zurückdachte. Nun hatte er Adolf verloren. Wie einen Bruder hatte er ihn geliebt, doch jetzt, wo der Erfolg kam, zeigte er seine wahre Natur. Dawid dachte daran, wie sich Adolf in der letzten Zeit bei der Kaffeehaustür immer schnell von ihm verabschiedet hatte. Adolf wollte sich mit ihm nicht auf der Straße zeigen, denn Dawids Kleider waren etwas abgetragen. Dawid hatte es wohl gemerkt, aber er verzieh ihm diese Aeußerlichkeit. Doch was sich heute zwischen ihnen begab, war so beschämend, daß er es nie würde vergessen können. Er wollte nach Hause, aber seine Gedanken waren traurig und er konnte sie nicht zur Ruhe zwingen. Jetzt wollte er sich noch ausmalen, daß er auch Hedwig, verlor. Es war so furchtbar, aber das reizte ihn gerade: Er hatte sie seit Monaten nicht gesehen. Es war Sommer und er lebte einsam in einem Gebirgsdorfe. Aber sie schrieb ihm während dieser Zeit. Es waren so stille Briefe: von ihrem inneren Leben erzählte sie ihm und so wußte er, was ihre Gedanken beschäftigte. Dazwischen kam ein Satz, ganz versteckt, der ihm wie eine Liebkosung, schien: wie ein warmer Hauch, der die Wange streift. Er mußte zwischen den Zeilen zu lesen verstehen, und da stand: „Ich bin Ihnen gut! Ich sage es nicht, denn weiß ich, ob ich mich nicht täusche?" Er antwortete zärtlich: „Zu allen Stunden des Tages denke ich an Sie. Ich zähle die Tage, bis wir wieder zusammen sind—". Und es gefiel ihr. daß er so offen sprach. Wenn er sich im Freien glücklich fühlte, mahnte ihn stets eine leise Trauer an sie, die ferne war und nicht mit ihm genießen konnte. Doch nun war er wieder nach Wien gekommen und jetzt saß er ihr in der kleinen Konditorei, die sie auf ihren Wanderungen entdeckt hatten, gegenüber. Draußen sank der Abend und die Blätter wirbelten im Winde. Jetzt sagte Hedwig etwas, was ihn sehr traurig stimmte. So ganz unerwartet sprach sie von Abschiednehmen. Dann atmete sie auf, froh darüber, daß sie den Mut zu Worten gefunden, denn gewiß trug sie es schon lange in schwerem Kampfe mit sich. Als sie sein Gesicht sah, taten ihr die Worte leid und sie hätte es gerne wieder gut gemacht. So nahm sie seine Hand und drückte sie und lächelte ihm zu. Doch er fühlte, wie ihre Hand in der seinen zitterte und empfand ihre Zärtlichkeit jetzt nicht als Wohltat. Es wäre , besser, wenn sie hart und rücksichtslos gesprochen hätte, denn das hätte ihn ein wenig gegen sie aufgebracht. Er saß da und blickte sie nur an. Nun mußte er etwas sagen. Sie wartete darauf und sein Schweigen schmerzte sie. Er sollte ihr einen Vorwurf machen, denn das würde sie zum Widerspruch reizen. Was schadete es. wenn er bei ihr im falschen Lichte stand? Aber kein Wort kam über seine Lippen und schweigend sah er auf die gelben Vaumzweige draußen und auf die leeren Tische vor dem Hause. Dann gingen sie. Als sie vor Hedwigs Hause waren, reichte er ihr die Hand und sagte einige Sätze, wie sie ihm gerade in den Sinn kamen. Sie stand einen Augenblick still, als wenn sie noch sprechen wollte, und ging dann ins Haus. Doch als die Tür hinter ihr ins Schloß fiel, mußte er sich an die Mauer lehnen, denn er fürchtete, umzufallen. Dann ging er wankend durch die Straßen und der Schmerz bohrte in ihm. Aber es war m wenig, denn er konnte noch aufrecht gehen. Hinwerfen müßte es ihn, daß er Mitleid mit sich selbst empfinden könnte... - — Dawid war zu Hause angelängt. Seine Ausmalungen halten ihn so ergriffen, daß er sich aufs Sofa setzte und zu weinen anfing. Er weinte um etwas, das er verloren hatte! Hedwig lebte nur in seiner Phantasie, und wenn er wollte, konnte sie morgen wieder auferstehen — aber seine Träume hatten so helle Farben, daß er sie von Erlebnissen nicht unterscheiden konnte. (Fortsetzung folgt.) gitaafct«. Biblische Zeitfragen, gemeinverständlich erörtert. Ein Broschürenzyklus, herausgegeben von Prof. Dr. I. Nikel-Breslau und Prof. Dr. I. Rohr-Straßburg, Zweite Folge. Heft 11: Euringer, Die Chronologie der biblischen Urgeschichte (Gen. 6 und 11). — Preis 50 Pfg. Subskriptionspreis für die zweite Folge (12 Hefte) 5,40 Mark (pro Heft 45 Pfg.). Das II. Heft befaßt sich mit der dornenreichen Frage der Chronologie der biblischen Urgeschichte und zwar vor allem mit dem Problem: „Was behauptet die hl. Schrift in betreff des Alters des Menschengeschlechtes?" Das erste Kapitel legt die zunächst in Frage kommenden Stellen der Genesis in Uebersetzung aus dem Urtexte vor. Das folgende Kapitel berechnet aus den Daten des hebräischen Textes, des sog. Masoratextes (MT), das Alter des Menschengeschlechtes. Resultat: Adam ist nach den höchsten Zahlen 4146 Jahre, nach den niedrigsten 4126 Jahre vor Christi erschaffen worden. Zieht man für Exod. 12, 40 und für III. Kön. 6, 1 die Zahlen der LXX in Berechnung, dann ermäßigen sich diese Ziffern noch um 215 + 40 255 Jahre. Aber die Zahlen der Urgeschichte, speziell die Ziffern der Sethiten- und der Semitentafel weichen sowohl im Lamaritanus als auch in der LXX so sehr vom MT ab, daß die ursprünglichen Zahlen erst ermittelt werden müffen. Daher folgt in Kapitel 3 und 4 die Vorlage des Materials und eingehende Würdigung desselben, unterstützt durch Tabellen. Als Resultat verzeichnet S. 23: Alle Fehlerquellen in Rechnung gezogen, übersteigt die vorchristliche Periode nach den Angaben in der Bibel in keinem Falle 5000 Jahre. Die Jahre sind entweder Sonnen- oder Mondjahre. — Damit stimmen aber die bisherigen Resultate der Prosanwissenschaften durchaus nicht überein. Diesen Einwendungen ist Kapitel 6, den Ausgleichungsversuchen seitens der Apologeten- und Exegeten Kapitel 6 gewidmet. Dasselbe, zweite Folge, Heft 12: Hehn, Der israelitische Sab bath. — Preis 50 Pfg. Der Sabbath ist die wichtigste religiöse Institution des Alten Testaments, die bis heute das charakteristische Merkmal des Judentums bildet und samt der siebentägigen Woche aus dem Alten Bunde

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