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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 263 Austritte aas dem Judentum Vom 3. bis 10. April 1910. Feldmann Nathan, Goldschmiedgehilfe, geb. 9. Februar 1885 in Wien, II., Novaragasse 51. Schönfeld Dr. Bruno, Advokaturs-Konzipient, geb. 5. Juni 1881, Wien, IX., Müllnergasse 33. Szalagyi Josefa, Dr. geb. Kohn, Ober-Inspektorsgattin, geb. 30. August 1867 in Budapest, II., Valeriestrasse 44. Ulrich Josef Hermann, geb. 15. August 1888, Wien, XVI., Neulerchenfelderstrasse 25. Der k. k. Hofopersänger Herr Juan SPiwak, Wien, XVIII., Semperstraße 41, ersucht, zu konstatieren, daß er mit dem Artisten Moses Spivak aus Odessa, dessen Name sich in der Liste der aus dem Judentume Ausgetretenen vor findet, weder identisch, noch verwandt ist. Amsterdam. Ein internationales Komitee von Staatsmännern und Gelehrten unter Vorsitz des früheren Ministers de Beaufort beschloß, das Mitglied des Haager Schiedsgerichts, den - bekannten Völkerrechtslehrer Staatsrat .Asser am 19. April zu seinem goldenen Doktorjubiläum durch die Stiftungeiner Bibliothek des internationalen Privatrechts zu ehren, die einen Teil der Bibliothek der Carnegiestiftung bilden soll. Paris. Edouard C o l o n n e, der bedeutendste Musikdirigent Frankreichs, ist im 72. Lebensjahre verschieden. Es ist sein Verdienst, Berlioz (gleichfalls ein Jude) populär gemacht zu haben. London. Die Universität Edinburgh ernannte Dr. Frederic C ow e n zum Doktor der Musil „honoris causa14. Jassy. Herr Gustav G r o p p e r aus Jassy, in Wi»n wohnhaft, der 50 Jahre als Verwalter des Baron v. Waldberg wirkte, hat dem hiesigen jüdischen Hospital 6000 Francs gespendet. Ein Krankenbett wird den Namen dieses edlen Wohltäters tragen. Chicago. Professor Albert S. M i ch e l s o n. der Empfänger des Nobelpreises, ist zum Präsidenten der „American Association tor tlie Advancement ot Science14 gewählt worden. Große Nachfrage nach jüdischen Melodien. Das Zentralorgan der Sprechmaschinenindustrie, „The Talking Machine World", weist in seiner jüngsten Nummer auf die bemerkenswerte Erscheinung hin. daß seit geraumer Zeit auffallend große Nachfrage nach Platten aus jüdischer Musik herrsche. Sämtliche Fabriken tragen dieser Nachfrage Rechnung und Künstler, die in der Lage sind, die herrlichen Spnagogalgesänge, sowie jüdische Lieder zu firieren, werden stark gesucht und gut honoriert. Interessant ist die Bemerkung, daß die Absatzgebiete für solche Platten zum großen Teile Gegenden sind, in denen verhältnismäßig wenig oder gar keine Juden wohnen. Feuilleton. Iiinglingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. XXI. Ein ernstes Kapitel, das man nicht übersehen soll. Adolf Schatz hatte sich in den letzten Wochen sehr verändert. Er ließ jetzt Dawid am Abend lange auf sich warten, und wenn er endlich kam, sprach er erst eine Zeitlang nichts, sondern saß mit einem stillen Lächeln da, als wenn er in der Erinnerung etwas Schönes noch einmal durchlebte. Gewöhnlich kam er von einem seiner Protektoren, der ihn zum Abendessen behielt. Endlich begann Adolf von den Menschen, mit denen er beisammen gewesen, zu erzählen, von der Gesellschaft schöner Frauen und Mädchen, und sein Auge glänzte, wenn er ihre Anmut pries. Er gab die Gespräche, die man geführt hatte, wieder und belehrte Dawid, wie man sich in einem Salon zu benehmen habe. Das erste Mal fühlt man sich wie auf dem Glatteis und wagt kaum einen Schritt vorwärts zu machen, aber dann kommt die Routine und man ist wie zu Hause. Für einen Schriftsteller ist dieser Verkehr unbezahlbar. Man hat Anregungen und kann die besten Verbindungen anknüpfen." Adolf konnte dieses Leben so gut schildern und Dawid hörte ihm gerne zu. Er wußte bald, wie die vornehme Welt ihre Tage und Abende verbringt, und Adolf konnte ihm nichts Neues mehr sagen. Immer war von gutem Essen und wunderschönen Frauen die Rede, und diese Gespräche wurden Dawid auf die Dauer langweilig. Hatte denn Adolf sonst für nichts Interesse? Dawid wollte ihn ablenken und begann über Literatur zu sprechen. Doch da ließ sich Adolf die Zeitungen bringen, in die er sich mit Eifer vertiefte. Ab und zu warf er noch ein paar Worte hin, sonst war es für den Rest des Abends still zwischen den Beiden. Adolf hatte setzt Geld und konnte den Gönner spielen. Manchmal lud er Dawid ins Restaurant ein und Dawid war schwach genug, anzunehmen. Sonst kümmerte er sich um den Freund wenig, und Dawid mußte oft genug ein Manuskript ungelesen nach Hause bringen. — Eines Tages hatte Dawid seine erste Ghettoerzählung vollendet. Erinnerungen aus seiner Kindheit waren in die Handlung verflochten. Diese Arbeit, die eine Welt von Stimmungen barg, war ihm lieb geworden und nun wollte er Adolfs Urteil hören. Adolf hatte nur eines auszusetzen: das Milieu war jüdisch. „Nein. Dawid. damit dürfen Sie mir nicht kommen," sagte er. „Aber warum soll man nicht auch eine jüdische Erzählung schreiben können?" fragte Dawid. „Wir haben in der Literatur den Roman des Jslandfischers und den Roman des deutschen Bauern. Ich kenne in meiner Heimat Charaktere, die eigenartig und psychologisch interessant sind." Aber Adolf unterbrach ihn unwillig. „Ein für alle Mal will ich Ihnen etwas sagen: Schreiben Sie. was Sie wollen, aber verschonen Sie mich mit diesem Judenschmerz. Ich kann nun einmal Ihren polnischen Juden kein Interesse abgewinnen." Adolf nahm die Zeitung zur Hand. Für heute war die Unterhaltung zu Ende. Doch das nahm ihm Dawid nicht übel. Das Schlimmste war, daß Adolf seine politische Ueberzeugung gewechselt zu haben schien. Er schrieb jetzt für liberale Blätter, nannte sich „Sozialpolitiker" und bekämpfte die Sozialdemokratie. Als ihm einige junge Leute aus dem Verein Vorwürfe machten, begann er, das Cafe zu meiden. Aber Dawid lieble ihn zu sehr, um auf feinen Verkehr ganz verzichten zu können und so fanden lick die Freunde nach einem heftigen Wortwechsel wieder zusammen. Dawid hielt Adolf noch nicht für verloren und zur gegebenen Zeit wollte er mit ihm ein ernstes Wort sprechen. Die Beiden trafen sich jetzt in einem Kaffeehaus in der Porzellangnsse, in dem sie keine Bekannten hatten. Als Dawid eines Abends ins Cafe kam, fand er Adolf mit dem Durchlesen von Korrekturen beschäftigt. Er erwiderte Dawids Gruß und vertiefte sich wieder in seine Arbeit. Dawid ließ sich eine Zeitung bringen, las aber nicht, sondern beobachtete Adolf heimlich. Adolf blickte von Zeit zu Zeit auf. lächelte und rieb sich vergnügt die Hände. Endlich faltete er die

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