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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ar. 15 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 253 Der Vorsitzende sprach dem Redner für den an Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Vortrag im Namen der Versammlung, warme Worte des Dankes aus und erklärte den Verein „Oeft.-Isr. Union" für konstituiert. Die fortschreitende Entwicklung, welche der Verein im Laufe dieses langen, schicksalsreichen Zeitabschnittes genommen, den Einfluß, den er in den verschiedensten Epochen seiner Entwicklung nach innen und außen ausgeübt, je nach der Individualität seiner hervorragenden Präsidenten, zeichnet in scharfen Umrissen eine von dem Verein zu seiner Jubiläumsfeier soeben publizierte Festschrift, welche gleichzeitig als Einladung zu der Sonntag, den 17. April d. I., um 10 Uhr vormittags, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, zu veranstaltenden Fe st Versammlung ausgesendet wird. Die Festrede hat in dankenswerter Weise Herr Unwersitätsprofessor Dr. S. E h r - mann übernommen. Die Juden in der österr.-rmgar. A;rrree. Von Moritz Frühling. II. Der Jude Gabriel Weiß und der Renegat Friedrich Homberg. Wie eine Profanation muß es anmuten, daß neben dem ehrenwerten Namen des Majors Gabriel Weiß auch der des dieselbe Charge erklommenen Renegaten Friedrich Homberg genannt wird. Allein die Wertung dieser beiden Zeitgenossen militärische Karriere mit gleichem zeitlichen Beginn, paralleler Bahn und gleichem zeitlichen Abschlüsse ist von psychologischem Interesse. Gabriel Weiß ist im Jahre 1799 in Veszprim (Ungarn) geboren und studierte Medizin. Am 16. Jänner 1821 trat er als Unterarzt beim Garnisons-Spital zu Padua ein, wo er nur bis zum 1. März verblieb, von da bis zum 1. Juli beim Mantuaner Garnisons-Spital Nr. 4 und endlich bis zum 31. März 1822 beim Garnisons-Spital Nr. 11 in Pavia, an welchem Tage er mit Abschied und mit einer dreimonatlichen Friedensgageabfertigung entlassen wurde. Der ärztliche Beruf scheint Weiß nicht zugesagt zu haben, er wollte Berufssoldat werden. Drei Wochen nach seiner Entlassung, am 20. April 1822 ließ er sich neuerlich assentieren, diesmal als Gemeiner auf 8 Jahre beim Infanterie-Regiment Nr. 44, absolvierte die Unteroffiziersstufen und wurde am 16. April Fähnrich. Im selben Jahre wie Weiß, nur um mehrere Monate später, denn am 29. Oktober 1822 ließ sich der 1806 in Wien geborene Student Friedrich Homberg zum Prinz Albrecht von Sachsen Infanterie-Regiment Nr. 11 als expropriis Gemeiner assentieren und avancierte schon am 1. August 1828 zum Fähnrich, war also bereits um drei Jahre früher Offizier als Weiß. Letzterer wurde am 15. September 1834 Leutnant und wartete auf die nächst höhere Oberleutnantscharge 8 Jahre bis zum 16. Juli 1842. Homberg hingegen entsprechend seinem Range, avancierte am 1b. Mai 1831, also auch nah dreijähriger Fähnrichsdienstzeit, zum Leutnant und wäre bei normaler Zuwartung im Jahre 1839 Oberleutnant geworden. Er zog es jedoch vor, das Tempo zu beschleunigen, ließ sich am 6. Februar 1836 taufen und avancierte mehrere Tage später, am 10. März richtig zum Oberleutnant. Diese Streberei wurde durch die Ironie des Zufalls wieder ausgeglichen. Auf den Kapitänleutnant wartete diesmal Weiß nur 6 Jahre, bis zum 1. Juni 1848, Homberg aber 9 Jahre bis zum 16. Dezember 1845 und die kriegerischen Ereignisse dieses Jahres hoben dieses synchronistische Verhältnis vollends auf, indem Homberg am 11. April, Weiß 16. August in die Hauptmannschargen vorrückten. Weiß machte mit seinem Regimente den Feldzug 1848/49 in Italien mit, wird in der Geschichte feines Truppenkörpers mehrmals ehrend genannt, und wurde am 16. August 1854 mit 700 fl. normalmäßig, mit gleichzeitiger Verleihung des Major-Charakters pensioniert. Homberg brachte es auch nur bis zum Majorsrang, obzwar er erst im Jahre 1864 in den Ruhestand übertrat. Beide zeitgenössischen Kameraden kamen, der eine mit, der andere ohne Weihwasser am erreichbaren Ziele an. Während nun Major Gabriel Weiß in den Chroniken seines Volkes einen ehrenwerten Platz sich zu sichern bestrebt war und hierin seine höchste Auszeichnung sah, wurde der Major Friedrich Homberg schon im September 1858 dekoriert — mit dem Ritterkreuz des päpstlichen Pius-Ordens. Als aber ein Jahr später die unglückseligen Schatten von 1859 aufzogen und der Kanonendonner von Magenta und Solferino erdröhnte, fand so mancher brave Offizier Gelegenheit, sich ein Ritterkreuz zu erkämpfen, diesmal ein solides, österreichisches. Und da wurde vom 11. Regiment, in dem — wie erwähnt — Major Homberg diente, für besondere Tapferkeit bei Melegnano mit dem Eisernen Kronen-Orden III. Klasse ausgezeichnet ein Offizier, dessenNamen imJudentume so vornehmen Klang hat und dessen Adelstitel der Geschichte seines Volkes entlehnt ist. Der Hauptmann und nachmalige Major ad honoresTheodorJerusalemEdler vonSalemfels, geboren 1831 in Prag. Vom Anbrmarkt des Lebens. Jüdische Renegaten als Gemeinderats-Kandidaten iw ersten Wahlkörper der Inneren Stadt. In der jüdischen Wählerschaft der Inneren Stadt herrscht allgemeine Erbitterung und Entrüstung darüber, daß die sogenannten Liberalen und Freisinnigen, ungeachtet aller Warnungen und eindringlichen Mahnungen, keinen Anstand nehmen, zwei Renegaten der jüdischen Wählerschaft als Kandidaten für den Gemeinderat im ersten Wahlkörper der Inneren Stadt zu präsentieren. Selbst liberale und freisinnige Juden, welche orthodoxer Neigungen und Liebhabereien durchaus unverdächtig sind, erklären dieses Gebühren offen als eine Insulte, welche der jüdischen Wählerschaft zugeschleudert wird. Dieses nicht weiter zu charkterifierende Vorgehen kann unmöglich ohne Konsequenzen bleiben. Mehrere jüdische Mitglieder des Zentralwahlkomitees, wie zum Beispiel kais. Rat Wilhelm A n n i n g e r, Bernhard H o f b a u e r, Dr. Isidor S a m u e l y, Dr. G. Stransky u. A. haben bereits ihren Austritt offiziell angemeldet. Dienstag abends fand im »Hotel de France" eine sogenannte Wahlbesprechung der Wähler des ersten Wahlkörpers des ersten Bezirkes statt. Die Herren Renegaten haben sich zu dieser Versammlung als Leibgarde eine Anzahl deutschnationaler Studenten mitgebracht. Doch wagte man angesichts der zutage getretenen Erbitterung der jüdischen Wähler nicht den Versuch, über die Kandidatur abzustimmen. Einer der zwei vielberufeneu Kandidaten, Herr Dr. Wilhelm N e u m a n n, betonte in seiner Ansprache, daß er eine zwiefache Taufe bereits empfangen habe: Die erste „eine Wassertaufe", als er aus dem Judentume zum Christentume übertrat, und nunmehr empfange er auch die Feuertaufe! Feuertaufe wohl deshalb, weil er sich den Juden zum Trotz einem Wahlbezirk mit zwei Drittel Majorität jüdische Wähler als Kandidat aufdrängt und durchsetzt. Der Ton, in welchem dieser Herr mit den jüdischen Wählern zu sprechen beliebte, mußte die ohnehin herrschende Empörung nur noch steigern. Sein Kollege, Herr Dr. Emil Ritter von Fürth, bot in seiner Ansprache ein erbarmenswürdiges Bild geistiger Unzulänglichkeit und Ohnmacht. Es ist nicht zu verwundern, daß Leute von solch fragwürdiger Kapazität in den Wiener Gemeinverat so wenig ausrichten und bei der herrschenden

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