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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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oc.te LoO Dr. Blochs Wochenschrift. Rr. 1» lich irre machen. Um aber seiner Intelligenz und Einsicht den letzten Rest zu geben, mutzte die italienische Regierung gerade jetzt an Luzzatti übergeben werden. Ist sich denn Italien seiner Pflichten gegen die schwarze Internationale. gegen die Antisemiten und Klerikalen nicht im mindesten bewutzt? Der König Italiens fordert Rutzland mit seinen Ansiedlungsrayons, Rumänien mit seinen Fremdengesetzen, die Regierungsantisemiten Preutzens, die Christlich-Sozialen mit ihrem ganzen Lügenkompler auf das schärfste durch eine wahrhaft unerhörte Tat heraus. Als ob niemals jemand gesagt hätte, datz die Juden ein verkommenes, unehrliches, korruvtes Volk sind, das man im Staate dulden, aber niemals anstellen dürfe, das blotz Pflichten und Unrecht zu tragen habe, — wird ein Jude mehr sogar als ein preutzischer Gardeleutnant. als ein österreichischer Hochschulprofessor, er wird der Steuermann einer Großmacht auf dem ersten Platze hinter dem König. Um diese verblüffende Tatsache aber zur Revolution zu machen, ist Luzzatti nicht blotz Jude, sondern sogar Freimaurer. Statt ihn aber nach christlichsozialen Begriffen richtig zu behandeln, das heitzt in Schwefelsäure aufzulösen und ihm einen russischen Pogromhelden als Wutki zu überlassen, machen Volk und Presse Italiens vor dem Vertrauensmann des Königs zpegen seines Könnens und Charakters eine tiefe Verbeugung. Was kann man aber auch in einem Lande erwarten. das in der Haupt- und Residenzstadt des Königs und Papstes den Juden und Freimaurer Nathan als Bürgermeister duldet und nun, nach der Ernennung Luzzattis, mit einer sensationellen, historischen Doppelironie Jahrzehnte antisemitischer Propaganda widerlegt. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. - Der Wahnsinn wäre auch zu grotz, wenn drahtlose Telegraphie und Antisemitismus, Aviatik und christlicher Sozialismus gleichschreitend das ganze zwanzigste Jahrhundert ausfüllen sollten. Die Menschenhetze mutz Zurückbleiben. ermatten, umsinken. Eine Zeitlang konnte der Antisemitismus bestehen, weil er dem in der grotzen sozialen Entwicklung zurückgedrängten kleinen Mann den Sündenbock für die Gehässigkeit und die Hoffnung auf Rettung gab. Aber der Lärm ist verstummt. In stillerem Nachdenken sieht die Gefolgschaft, datz nicht der Tod der Juden, nicht die Rettung des Mühldorfer Ehrenbürgers und Millionärs Vergani ihre Zukunft sind, sondern das Leben der Kultur und die Rettung des Fortschritts auf allen Gebieten. Nun kommen auch noch die Beispiele, um den Gedanken jener Leute Anschauungsunterricht zu geben, die unter christlich.-sozialer Führung zwar nicht zum versprochenen Wohlstand und zur Ehre, dagegen aber unter den klerikalen Absolutismus gekommen sind. Hraba—Roosevelt—Luzzatti, das sind weite Breschen in der Ghettomauer, mit der uns christlich-soziale Brutalität einschlietzen wollte und durfte. Nur müßte man den Kopf des Volkes erheben und ihm die Breschen zeigen. Dazu wäre die freisinnige Partei berufen. Aber der große Moment findet ein Geschlecht von zaghaften, mit einem kümmerlichen Besitz zufriedenen Menschen. Die Wähler müssen flügei sein als ihre Führer, müssen bei den kommenden Gemeindewahlen den freisinnigen Besitzstand wahren. aber dann' mit den Kandidaten und Komitees ein ernstes Wort reden. Weg vor allem mit Kliquen und mit den Männern mit getauftem Charakter, die ihre Schwäche schon durch die Flucht verraten haben. Wir müssen ganze Männer haben. Die Verlegenheiten der Antisemiten wachsen, ihre Mauern bröckeln ab. Nun aber weg mit der Sorte freisinniger Wiedereroberer, welche beim Schall der Posaunen von Jericho bestimmt selbst umgefallen wären. Die Entstehung dee Oest. Asr. Union. (Zum 25-jährigen Jubiläum ihres Bestandes.) Unter den zahlreichen jüdischen Institutionen, welche ihr Entstehen der Initiative und Propaganda der „Oest. Wochenschrift" verdanken, ist der Verein „Oesterreichisch- Israelitische Union" die älteste, grötzte und bedeutendste, die nunmehr daran geht, das Fest ihres 25jährigen Bestandes zu feiern. Indem wir diesen Verein aus diesem Anlatz herzlichst begrüßen, mögen nachstehend aus seiner Entstehungsgeschichte einige Daten zusammengestellt werden. Im ersten Artikel der ersten Nummer der „Oest. Wochenschrift" hat unser Herausgeber sich mit folgendem Appell an die Wiener jüdische Oeffentlichkeit gewendet : „ ... Wohlan denn, lernen wir von unseren Gegnern! Raffen wir uns zu einer grotzen, entschlossenen Tat auf: Bilden wir einen jüdischen Bürgerverein zur Verteidigung unserer arg bedrohten politischen und sozialen Rechte! Mögen patriotische Männer des Judentums zu einer gemeinsamen Beratung und zu einem einträchtigen Handeln zusammentreten, um den schweren Gefahren zu begegnen. Das Zusammentreten eines solchen Vereines wäre von segensreichen Folgen.. Zum Schlutz dieses Artikels heitzt es wiederum: „Die Mutlosen, die Erschlafften, die Zaghaften und Feigen mögen ruhig unsere Reihen verlassen. Das jüdische Gesetz hat für den Deserteur nicht den Tod. sondern den moralischen Schimpf als Strafe gesetzt, und der alte jüdische Heerführer hatte die gesetzliche Pflicht, vor Beginn der Schlacht den versammelten Scharen zuzurufen: „Wer furchtsam ist und schwachen Herzens, der kehre um und verlasse das Lager." Jene aber, welche die heiligsten und erhebendsten Erinnerungen der Jugend aus ihrer Brust nimmermehr reitzen, die viertausendjährige, ruhmumstrahlte Fahne nicht verräterisch verlassen mögen, an sie ergeht in ernster Stunde der Mahn- und Weckruf: „Auf zur Arbeit, zur Abwehr, gur Verteidigung"." („Oesterr. Wochenschrift" Nr. 1, 1. Jahrgang, 15. Oktober 1884.) In Nr. 3, vom 7. November 1884, erschienen zwei Artikel: „Jüdische Bürgervereine". Einer dieser Artikel, aus der Feder des Professors Gerson Wolfs, israelitischen Religionsschulinspektors in Wien, suchte der Idee entgegenzutreten. Ein zweiter Artikel aus der Feder des Schuldirektors Schütz in Czernowitz verteidigte den Gedanken der Bildung eines Vereines mit Begeisterung. Am 24. April 1885 fand die erste Beratung statt. Wir reproduzieren nachstehend den Bericht aus Nr. 14 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 10. April 1885: Das Programm, mit welchem die „Oesterr. Wochenschrift" ins Leben getreten, hat in allen Kreisen des Judentums allmälig Anhängerschaft gewonnen und wir sind nunmehr so weit, daß ernstliche Schritte unternommen werden zur Realisierung dieses Programmes.' - Samstag den 4. d. M., 7 Uhr Abends, fand im Saale der Restauration Kühner zu Wien ein privater Gedankenaustausch zwischen mehreren angesehenen Männern der hiesigen Gemeinde, aus den verschiedensten Gesellschafts- und Berufskreisen, über jüdische Angelegenheiten statt. Es waren anwesend der Reichsratsabgeordnete Dr. Bloch, die Hof- und Gerichtsadvokaten Herren Dr. Zins und Dr. Elbogen, Universitätsdozent Dr. Grünfeld, Med. Dr. Pilz, die Bankiers S. G. Fischel, B. Kanitz, G. H. Singer, der Amtsrichter Dr. Kohn u. A. Nach einer zweistündigen, sehr lebhaften Debatte wurde nahezu einstimmig der Beschluß gefaßt, die Gründung eines jüdischen Vereines in die Hand zu nehmen und für denselben Propaganda zu machen, eines Vereines, deffen Aufgabe es sein soll, ein gemeinsames, zielbewußtes politisches Handeln in allen das Judentum betreffenden Fragen herbeizuführen, auf die Verbesserung des Religionsunterrichtes, die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte innerhalb des

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