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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Gelle 245 Oskar Blumenthal und der Midrasch. Oskar Blumenthal, der geistreiche Spruchdichter, hat ein neues „Buch der Sprüche" veröffentlicht, in welchem er gesammelt, «was ihm geraunt hat die hastende Zeit, was ihm dem rauschenden Leben entquoll, was ihm geflüstert hat Freude und Groll"; aber auch dem alten Schrifttum der Juden, der „blühenden Haggada", scheint er manch schönen Gedanken, manch weisen Spruch entlehnt zu haben. Dies scheint er besonders in dem Kapitel „In morgenländischer Tonart" getan zu haben, in einem Kapitel, in welchem der Dichter durch seine große Sprach- und Reimkunst besonders brilliert. Wie sehr es ihm gelungen ist. den alten Wein in neue Schläuche zu gießen, möge durch folgendes Gedicht bezeugt werden. Anfang und Ende. Geschlossen sind der Neugeborenen Hände Zur Faust gepreßt: Als hielten sie des Glückes vollste Spende Unlösbar fest. Doch offen streckt sich ausgespreizt ins Leere Des Toten Hand: Nichts folgt von allem, was die Welt gewähre, Zum Grabesrand. Wie schlicht und einfach klingen dagegen die Worte der Urquelle, des Midrasch r. zu Koheleth 5, 14, die wir im Urtexte hier wiedergeben: bs naiba maiöp jn vt abu?1? xn aixwa n-xa '"i d®2 ’sn mawa jn vt a^iV.n ja *ibb3 xvwai lbma •>:« xw 'bw lba abirn aiba ntn abiyn ja 'nbn: xb "laiba Im Namen R. Meirs wurde gelehrt: Wenn der Mensch zur Welt kommt, sind seine Hände geballt, als wollte er sagen: Die ganze Welt gehört mir, ich nehme sie in Besitz; und wenn er von der Welt scheidet, sind seine Hände ausgespreizt, als wollte er sagen: Ich habe nichts von dieser Welt behalten. FK. Handwörterbuch der deutschen Sprache von Dr Daniel Sanders. Neu bearbeitet, ergänzt und vermehrt von Dr. I. Ernst Wülfing. Achte Auflage, erste der Neubearbeitung. Acht monatlich erscheinende Lieferungen zu je Mark. 1.—. Vollständig im Frühjahr 1910, geheftet Mark 8.—, gebunden Mark 10.—. Lieferung 2 und 3. Der Bonner Privatgelehrte Dr. I. Ernst. Wülfing erweist sich hier als der Berufene, dieses längst eingebürgerte Standard-book aller deutschen Schriftsteller den modernsten Anforderungen des Sprachschatzes anzupassen, um so in einem neuen schmucken Gewände den alten Freund von neuem unentbehrlich zu machen. Für die Beispiele aus der klassischen Literatur wird jeder Leser dankbar sein. Den. ganzen Reichtum der deutschen Sprache lernt man aus diesem Buche erst so recht kennen und schätzen. Es bietet mehr als ein Nachschlagebuch und Hilfsmittel, es ist eine fesselnde Lektüre für Jung und Alt. IV. Mlncbas' Israel al Maslcbtas Eruwin von Rabbiner Israel Reich in Bätorkesz (Ungarn), Teil I. Ungarn ist noch immer das Land, worin bis auf den heutigen Tag der Talmud eingehend gelehrt, sein Studium eifrig und gründlich gepflegt wird, und wohl die meisten Rabbiner der Gegenwart haben an diesen Pflanzstätten der talmudischen Disziplinen das Fundament ihrer rabbinischen Bildung gelegt. Dort sitzen sie, jene wahren, waschechten Talmide Chachamim in ihrer stillen Klause, gebeugt über die Folianten des Talmud, und schaffen sich das ideale Gegengewicht gegen das rein utilitaristische, materielle Treiben der Welt, die für sie nur in der Perspektive der Daleth Amoth schel Halacha existiert. Unter den 63 Traktaten des Talmud gehört „Eruwin" zu denjenigen, die am wenigsten studiert und bearbeitet werden, weil die darin aufgeschichtete Materie — das Verständnis über die Bildung der eigenartigsten Begriffe geometrischer Raumgebilde, insoweit sie für das Sabbathverbot in Betracht kommen — eine derart schwierige ist, daß nur der ganz besonders gewiegte Kenner des Talmud sich an diesen spröden Stoff heranwagt, um die verstandesmäßige Abstraktion der Flächenvorstellung auch ohne das sinnlich Gegebene klar zu veranschaulichen. Umso anerkennenswerter ist es, daß der gelehrte Verfasser in mühevollem, emsigen Streben sich diesesmal auf ein Gebiet begab, wo die Wege nicht ganz abgetreten sind, und uns — wie er in der Einleitung sagt — das Ergebnis einer zehnjährigen Arbeit in seinem Werke niederlegt. Es ist naturgemäß hier unmöglich, auf die Fülle des Gebotenen näher einzugehen, doch halte ich es als Pflicht, wenigstens durch eine allgemeine Besprechnng die Fachgenoffen auch außerhalb Ungarns auf dieses großartige Werk aufmerksam zu machen; ja, ohne den Pinsel in den Schönfärbetopf zu tauchen, erkläre ich rückhaltlos, daß nach meinem Dafürhalten seit Jahrzehnten kein solch gründliches Buch zur Erklärung eines Talmudtraktates auf dem Büchermarkt erschienen ist. Der Verfaffer gehört zwar nicht der modernen Schule an, die nur die historisch-kritische Methode anerkennt, aber auch jene Vorliebe für „geistvolle Wörtchen" oder für den sophistischen Ehiluk ist ihm abhold. Man greife welche Partie immer heraus, die Erklärungen sind stets geistvoll, zeigen durchwegs von gesundem Urteil, die Analogieschlüsse sind auF logischer Gedankenarbeit aufgebaut und wenn der Verfasser mit der scharfen Sonde haarspaltender Dialektik in das feste Gefüge des gesamten Stoffes eindringt, so tut er es an der Schnur einer einheitlichen Idee und fast überall ist die Scheidung der geistreich-sensationellen Kombination von dem völlig Erwiesenen oder doch einleuchtend Begründeten klar gemacht. Eine Ausstellung wäre nur dahin zu machen, daß der Verfaffer viel zu viel vorausfetzt, sonst hätte er unbedingt über die vielfach neuen Begriffe in Eruwin in seiner Einleitung Aufklärung gegeben. Ebenso muß ich meiner Verwunderung Ausdruck geben, daß Herr Rabbiner Reich sein Werk erst zur Begutachtung versendet und die sogenannten Haskamoth veröffentlicht. Das Werk lobt den Meister zur Genüge und wer so den Talmud zu „lernen" versteht, ist Autorität genug, um auf diese Huldigungsschreiben Verzicht leisten zu können. Pilsen im Monat Adar II 5670. Rabbinerstellvertreter Dr. Link. I. L. Rabinowitsch, Religionslehrer und Kantor in Boskowitz „Führer in der Sprache der Bibel". (Genesis) 'ans na®a “p-nnrt srtpn Selbstverlag des Verfassers. Preis broschiert Kr. 1.—. Ich kann dieses fleißige, sorgsame Werk nur auf das Wärmste allen Freunden der heiligen Sprache und unserer Religion empfehlen. Man steht der bescheidenen Arbeit nicht an, daß sie auf Grand eingehenden Studiums der einschlägigen traditionellen und modernen Literatur entstanden ist. So fremd auch manche der übersetzten Stellen anmutet, der eingeweihte Kenner wird die Quelle herausfinden und sehen, daß der Verfaffer gute Wahl getroffen hat. Er war auch vorsichtig in der Wahl seiner Berater und Korrektoren. Brody und Günzig sind tadellose Garanten. Schon diese Tatsache allein genügt zur besten Empfehlung. Der Verfasser legt hier den ersten Teil einer Arbeit vor, die vollendet in 900 der heiligen Schrift entnommenen Versen den ganzen Sprachschatz der Bibelrestlos erschöpfen. Dabei ist Alles zusammenhängende biblische Geschichte und durch die eingefügten Glossen auch Religionslehre in gedrängter Kürze. Schon vor der Drucklegung habe ich mich von der Originalität und Erfolgsicherheit dieses Buches überzeugt, dessen Wert mit der Zeit erkannt werden wird. Wer die kümmerlichen Erfolge der Schulen aller Kategorien auf dem Gebiete des Hebräischen kennt, wird ein solches Hilfsbuch mit wahrer Freude begrüßen, auch wenn es nicht fehlerfrei ist. Die Bibelschulen sollten es sofort einführen. Ich kenne keinen kürzeren und besseren Weg, als den von Rabinowitsch so geschickt eingeschlagenen, auf welchem die hebräische Sprache rasch und gut erlernt werden könnte. Wir vergeuden unnütz Zeit und Kraft genug. Man sollte, wo es denkbar und möglich ist, dieses Buch benützen. Jn der Hand vernünftiger Lehrer kann es zum erfolgreichsten Werkzeug werden. Die beigebenen Lexika und grammatischen Tabellen sind auf Grund strenger Wissenschaftlichkeit gearbeitet und methodisch durchdacht. Es ist ein wahres Kunststück gewesen in 900 Versen das zu leisten, was der Verfaffer geleistet hat. Dr. D. F e u ch t w a n g. Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 54. Jahrgang, Heft 1/2. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Braun. Neue Folge. 18. Jahrgang. Jänner-Februar 1910. Breslau. Koebner'sche Verlagsbuchhandlung. — Inhalt: Josef Meißl: Ein Memorandum der ruffifchen Regierung. Samuel Klein: Bemerkungen zur Geographie des alten Palästina. S. Horowitz: Der Sifre sutta nach dem Jalkul und anderen Quellen. (Schluß.) Samuel Kraus: Israel ein einziges Gebilde auf der Welt. Isert Rösel: Die Reichssteuern der deutschen Judengemeinden von ihren Anfängen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts^ (Fortsetzung.) Dr. Herzog: Die „Wortvertauschungen" im Kitab al Luma des Abulawid MervLn Jbn Ganuh und in den Schriften Abraham Jbn Esra's. (Schluß.) B e s p r e ch u.n g en : Philippsohn Martin Neueste Geschichte des jüdischen Volkes^ Von M. Freudenthal. Ignaz Zollschan: Das Rafsenproblem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage. Von A. Crzellitzer. Mitteilungen über die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Rabbiner Dr. Raphael Breuer. Die fünf Megilloth, übersetzt und erläutert. Fünfter Teil. Esther. Frankfurt a. Main, Verlag von A. I. Hofmann, 1910. Heinrich Pollatschek. Erinnerungen aus den Jahren 1869—1871 während meines Aufenthaltes in Amerika. Prag. 1910. Druck und Kommissionsverleger Richard Brandeis.

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