Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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fit. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 343 Oedenburg (Dr. Adolf Winkler — königl. R a t.) Obergespan Dr. v. Baün brachte bei feiner erfolgten Heimkehr aus Budapest die Nachricht, daß der Soproner Advokat Dr. Adolf Winkler in Würdigung seiner Verdienste um öffentliche Angelegenheiten von Seiner Majestät durch Verleihung des Titels eines königlichen Rates ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung wurde einem Manne zuteil, der nicht nur nach einer viertelhundertjährigen segensvollen Wirksamkeit als Präsident der israel. Kultusgemeinde sich um das Emporblühen derselben verdient gemacht hat, sondern sie trifft einen Mann, der seit einer langen Reihe von Jahren sich den öffentlichen Angelegenheiten widmete und als scharfgeistiger Jurist sich stets in den Dienst der guten Sache gestellt hatte. In vielen Kreisen unserer Gesellschaft wird diese wohlverdiente Auszeichnung nur freudige Gefühle auslösen. Herr Dr. Winkler, der durch volle 25 Jahre Präses der Kultusgemeinde war, ist in Würdigung seiner Verdienste um die Förderung der Gemeindeintereffen mit einstimmigen Beschluß der Repräsentanten zum Ehrenpräses ernannt worden. Feuilleton. Iiinglingsiahrc. Roman von Hermann Blumenthal. XIX. Wenn einer eine Stelle sucht... „Ich kann Ihnen keine Beschäftigung verschaffen," sagte der Feuilletonredakteur der „Laterne", dem Dawid sein Leid klagte. Darauf führte er den jungen Mann zum Redakteur des lokalen Teils. Dieser wollte sich des notleidenden Kollegen annehmen.! „Bringen Sie mir Nachrichten, mein Freund." sagte er wohlwollend. „Ich will Ihnen jede Zeile gut. honorieren."! „Wie soll ich die neuesten Ereignisse erfahren?" fragte Dawid, der sich nicht vorstellen konnte, daß die Neuigkeiten in der Stadt gerade ihm, der einsam lebte, zufliegen sollten. „Halten Sie nur die Augen offen, mein Bester," gab man ihm zur Antwort. Von einer festen Anstellung konnte aber nicht die Rede sein. Dawid war jetzt viel auf der Straffe und hatte für alles Auge und Ohr. Aber es ereignete sich absolut nichts. Auf den vielen Spaziergängen fand er Stoff zu neuen Dichtungen, aber die Tageschronik der „Laterne" wurde dadurch nicht bereichert. Doch eines Tages hatte Dawid endlich eine Nachricht. Eine Frau hatte sich in den Donaukanal gestürzt und Dawid kam gerade hinzu, als die Rettungsgesellschaft die Unglückliche abholte. Cr erkundigte sich nach allen Einzelheiten, lief auf ein Postamt und schrieb die Notiz nieder. Als er sie dem Lokalredakteur brachte, fuhr ihn dieser an: „Wissen Sie nicht, was auf der Universität los ist? Seit einer Stunde raufen die Studenten. Die halbe totafct ist dort versammelt und Sie bringen mir eine Nachricht, die ich bereits im Satz habe!" Dawid eilte zum Franzensring. Vor der Universität waren Tausende Neugieriger versammelt. In der Aula tobte ein wüster Kampf. Dawid stellte sich dem Polizeioffizier vor und durfte den Polizeikordon passieren. Er ging die breite Freitreppe hinauf und zog die Blicke aller auf sich. Die Studenten betrachteten ihn mifftrauisch, und als er näher kam, wurde ihm von einigen das Wort „Spitzel" zugerufen. Dawid suchte in die Aula zu gelangen, doch wurde er von den Nächststehenden die Stiegen hinuntergestoffen. „Lassen Sie mich, ich bin von der Presse." rief Dawid, der sich das Benehmen der Studenten nicht erklären konnte, und suchte zum zweiten Mal vorzudringen. Doch nun packten ihn hundert Fäuste. „Endlich haben wir dich, du Schuft! Hier hast du für deine falschen Berichte," rief man ihm zu. Cr wurde in die Aula gezerrt und man haute auf ihn solange ein, bis er durch einen glücklichen Zufall wieder auf die Straffe gedrängt wurde. Erst jetzt konnten ihm die Wachleute zu Hilfe kommen... Dawid hatte lange an den Folgen dieses Studentenkrawalls zu tragen. Seine Laufbahn als Reporter war jedoch hiermit abgeschlossen. Eines Tages suchte er den Chefredakteur des „Morgen-Journals" auf, dem er den Vorfall erzählte. „Sie sind ein Poet und haben bei einer Zeitung nichts zu suchen," rief ihm dieser zu. „Ich will Ihnen in meiner Administration Beschäftigung verschaffen, bannt Sie sich in Ihren Muhestunden Ihren Arbeiten widmen können." Ein paar Tage später wurde Dawid zu Herrn Pulverberg, dem Prokuristen der Administration, bestellt. Herr Pulverberg lächelte, als Dawid ins Bureau trat. Er blickte ihn einige Minuten schweigend an. Dann sagte er: „Der Chef möchte, daff wir Sie bei uns beschäftigen. junger Mann. Bemerken will ich Ihnen gleich, daff es mir egal ist, ob Sie jemand empfiehlt oder nicht. Leisten Sie, was man von Ihnen verlangt, ist es gut. Wenn nicht, dann fliegen Sie hinaus." (Es folgte eine Gebärde nach der Tür.) Dawid wollte etwas erwidern, aber Herr Pulverberg blickte ihn unwillig an und fuhr fort: „Wir brauchen Hilfsarbeiter. Jedes Jahr stellen wir in den Sommermonaten einige junge Leute an, die unsere Rechnungen mit den Filialen abschliehen. Wir beschäftigen sie einige Wochen, vielleicht auch etwas länger — je nachdem. Eine solche Stelle wäre noch frei. Gearbeitet wird von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends — natürlich mit einer halbstündigen Mittagspause. Wir Kahlen einen Gulden für jeden Arbeitstag. Bei uns herrscht Pünktlichkeit wie beim Militär! Die Kündigungsfrist beträgt einen Tag." Dawid war enttäuscht. Der Chefredakteur hatte ihm eine Stellung versprochen. Wie sollte er bei dieser Arbeitszeit auch künstlerisch schaffen können? Das sagte er Herrn Pulverberg. Doch dieser geriet in Zorn und schrie: „Glauben Sie. daff wir Ihretwegen neue Einrichtungen treffen werden, wo uns die Arbeit über den Kopf wächst?" Etwas ruhiger fuhr er fort: „Sie könnten schon morgen eintreten, aber so ohne weiteres kann ich Sie nicht anstellen. Sie müssen sich erst einer Prüfung unterziehen lassen." Dawid dachte über die traurigen Aussichten, die sich ihm hier boten, nach. Wie beschämend war das alles! Und obendrein konnte er jeden Tag die Stelle verlieren. „Soll ich den Chef der Hilfsarbeiter zur Prüfung herbringen lassen?" fragte Herr Pulverberg. Dawid erklärte sich bereit, und bald darauf trat ein kleiner, dicker Herr ins Zimmer. „Hier, mein lieber Herr Schmied, stelle ich Ihnen einen jungen Menschen vor, den der Chef bei uns gerne beschäftigt sehen möchte." sprach der Prokurist. „Er ist bereits von allem unterrichtet, nehmen Sie, bitte, die Prüfung vor."