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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 239 »Franz Josef-Frauenhort", Frau K a d i s ch von der israelitischen Volksküche, Frau Dr. Weiß und Frau Vizepräsidentin Kohn vom Brigittenauer Frauenvereine, Frau Präsidentin Laura Goldschmidt vom Vereine „Zuflucht", Frau Dr. Krenberger vom Hietzinger Frauenv.'reine, Frau G r ü n w a l d, Frau Laura T a u s s i g vom XV. Bezirke, Frau Hofrätin Emilie K ü h n e l t, Frau Frankel-Sch eiber, Frau Direktor Regine U l l m a n n, Herr Heinrich Mendel, Kurator der Zentralstelle sür jüdisches Armenwesen, nebst einer großen Anzahl von Mitgliedern und Gästen. Die Präsidentin Frau Klara Klärmann, umgeben von den beiden Vizepräfidentinnen Frau Sofie Deiches und Frau Helene Deutsch und den Vorstandsdamen Bien, Bachshez, Brecher, Brüll, Halpern, Strach, Schweinburg, Miller, eröffnete die Festsitzung, indem sie die zahlreich erschienenen Gäste aufs Herzlichste begrüßte. Dann verlas die Schriftführerin des Vereines Frau Netty Schweinburg den Rechenschaftsbericht, aus welchem zu entnehmen ist, daß der Verein im Jahre 1870 von der edelsinnigen Frau Esther B i ck s. A. gegründet wurde und aus kleinen Anfängen dank dem unermüdlichen Eifer der Frau Präsidentin und des jeweiligen Vorstandes und der opferfreudigen Unterstützung weiterer Kreise sich zu einem Mitfaktor unserer Humanitätspflege hinaufgeschwungen hat. Im Jahre 1900 erweiterte der Verein seine Tätigkeit, indem er dem damals gegründeten Verbände zur Unterstützung armer, israelitischer Wöchnerinnen mit einem namhaften Jahresbeiträge beitrat. Der Rechenschaftsbericht, welcher ein umfassendes Bild von der segensreichen Tätigkeit des Vereines im Verlaufe der vierzig Jahre von 1870 bis 1910 entwarf, machte auf die Anwesenden einen sichtlich erhebenden Eindruck. Sodann erfolgte der Bericht der Revisoren, in deren Namen Herr S. Deiches ergänzend hervorhob, daß der Verein seit seinem Bestände an 140.000 Kronen vereinnahmte, zirka 118.000 Kronen an würdige Petenten verteilte, zirka 12.000 Kronen an Spesen und Gehalte verausgabte und überdies einen Fonds von zirka 10.000 Kronen in pupillarficheren Effekten und Losen bei der k. k. Priv. Oesterreichischen Kreditanstalt für Handel und Gewerbe in Wien auf den Namen des Vereines deponierte. Das Absolutorium wurde der Vereinsleitung einstimmig votiert. Ueber Antrag mehrerer Mitglieder wurden Herr Präsident der Kultusgemeinde Wien, Dr. Alfred Stern, als Protektor aller humanitären Institutionen unserer Gemeinde, dann auch die Präsidentin des Vereines, Frau Klara Klärmann, in Würdigung ihrer unvergänglichen Verdienste um den Verein, von der Generalversammlung einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Es sprachen dann namens der Stadtgemeinde Wien Herr Gemeinderat Dr. Oskar Hein, welcher im Aufträge des Herrn Vizebürgermeisters Dr. Neumayer dem Vereine die Glückwünsche überbrachte. Namens der israelitischen Kultusrepräsentanz gratulierte in geistreicher Rede Herr Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer. Dann sprachen die Rabbiner Dr. David und Doktor T a g l i ch t, die Damen Rosa Z i s f e r e r, Kohn, Fanny Freund, welche insgesammt dem Vereine ihre Glückwünsche entboten. Bei der sodann vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurden sowohl die abtretenden Mitglieder, als auch die zur Neuwahl vorgeschlagenen Damen Fanny Freund, Frau Dr. Herzberg-Fränkel, Frau Anna Kätscher und Frau Klara P i n e l einstimmig gewählt. Mit einem Hoch auf Se. Majestät dem Kaiser, das edle Vorbild jeglicher Wohltätigkeit, wurde die Festversammlung geschloffen. Die ungarländischen Zionisten bei dem Ministerpräsidenten. Eine aus fünfundzwanzig Mitgliedern bestehende Deputation der ungarländischen Zionistenorganisation erschien dieser Tage beim Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary, um die Genehmigung ihrer vor Jahren eingereichten Statuten zu erlangen. Der Präsident der Organisation Dr. Bela Oesterreicher hob in seiner Ansprache hervor, daß die Statuten der Zionisten nur in Ungarn noch nicht genehmigt seien und wies darauf hin, daß die Ziele dieser Vereinigung gegen keinerlei staatliche und konfeffionelle Jntereffen gerichtet seien. Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary erklärte, daß ihm die zionistische Bewegung nicht fremd sei und daß er wisse, daß dieser Bewegung in anderen Ländern keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, weshalb er gern geneigt sei, die Angelegenheit einer raschen und günstigen Erledigung entgegenzuführen. Hierauf ließ sich der Ministerpräsident die Mitglieder der Deputation vorstellen. Berlin. Herr Rabbiner Dr. Stein in Worms ist von seiner Gemeinde, mit Genehmigung des Großherzoglichen Kreisamtes, zum Ehrenrabbiner ernannt worden. Auch alle Vereine, denen Herr Dr. Stein während feiner langen und gesegneten Amtsführung angehört hat, voran der Zweigverein der Alliance Jsraelite Universelle in Worms, haben Herr Dr. Stein zu ihrem Ehrenpräsidenten gewählt. Der Großherzog von Hessen hat dem Rabbiner anläßlich des Abschlusses seiner amtlichen Tätigkeit das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen. Der russische Adelskongreß für die Entrechtung der Jude». Aus Petersburg wird berichtet: Auf dem hier tagenden sechsten Adelskongreß ist der russische Adel aufgefordert worden, einen neuen grandiosen Judenpogrom zu veranstalten. Der Berichterstatter in der Judenfrage, Pantschulidsew, schlug vor, zum Schutze des russischen Staatswefens sollen die Juden von der Wehrpflicht ausgeschlossen und ihnen der Eintritt als Freiwillige ins Heer verboten werden. Man solle ihnen den Besuch sämtlicher Hochschulen untersagen, Juden, auch getaufte, von den Semstwoversammlungen ausschließen, aus den Stadtämtern entfernen, nie als Geschworene verwenden, ihnen die Advokatur verschließen u. s. w. Alle diese Vorschläge wurden mit der größten Begeisterung ausgenommen. Weitere Beschlüsse der Rabbinerkommiffion. Von den letzten Beschlüssen der in Petersburg tagenden Rabbinerkommiffion find besonders zwei von Wichtigkeit: 1. Kinder, an denen die Beschneidung nicht vorgenommen wurde, können in jüdischen Geburtsmatriken nicht eingetragen werden, da die Circumcifion die Betreffenden als Juden bezeichne. 2. Die Juden können auch nichtjüdische Vornamen annehmen. Die Transkription biblischer oder talmudischer Vornamen ins Ruffische wird genau festgesetzt. Eine Deputation der Rabbinerkommiffion bei Stolypin. Aus Petersburg wird berichtet: Ministerpräsident Stolypin empfing Dienstag eine aus sechs Rabbinern, dem Vorsitzenden Baron David G i n z b u r g und P o l i a k o f f bestehende Deputation der Rabbinerkommiffion. Baron Ginzb u r g stellte dem Ministerpräsidenten die Mitglieder der Deputation vor und erstattete den Bericht über die bisherige Tätigkeit der Rabbinerkommiffion. Stolypin gab der Ansicht Ausdruck, daß die Arbeiten zu langsam vorwärtsgingen und daß zu viel debattiert werde. Bezüglich des Beschlusses betreffend die „geistlichen" Rabbiner bemerkte der Ministerpräsident, daß die Regierung von der Existenz dieser Rabbiner Kenntnis besitze, aber ein Auge zudrücke, da unter ihnen, „auch viele ehrenwerte Männer seien". Sehr angelegentlich erkundigte sich Stolypin, ob die langen Debatten nicht daher rührten, weil die Rabbinerkommisfion sich etwa mit Politik befaßt. Als Baron G i nzb u r g dies entschieden verneinte, meinte Stolypin: „Ich habe auf Ihren politischen Takt gerechnet, Herr Baron, als ich Sie zum Vorsitzenden der Tagung ernannte." Hierauf führte P o l i a k o f f in ausgezeichneter Rede die triste Lage der eigentlichen, geistlichen Rabbiner an und bat, den Rabbinern das

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