Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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fce.t« 238 Dr. Blochs Wochenschrift. jlt. 14 dem gänzlichen Schweigen der Geschichte über die Herkunft eines so mächtigen Kernes jüdischer Bevölkerung im Innern Polens scheint ihm der Schluß nicht allzu gewagt. daß ein großer Bruchteil davon Chasaren sei. Auch die kleinen Gemeinden der Karaim in der Krim und Südrußland sind Juden: er hält diese nicht für Nachkommen der Chasaren, sondern für Einwanderer aus dem byzantinischen Reich. Schon der alte Reisende Johann Schillberger fand dort „zweierlei Juden", also offenbar Karaim und Talmudjuden. Sie germanisierten sich dann, als aus Deutschland gelehrte Rabbiner zu ihnen flüchteten, und es entstand ein eigener jüdisch-deutscher Dialekt. Zwei verschiedene Rassen bestehen, Dr. A. Weißbach hat dies auch ethnographisch genau erwiesen. Ein südlicher, spanisch-orientalischer Typus und ein nördlicher. hei den polnischen Juden, der von den Chasaren herstammt. Dies ist nach unserem Verfasser die plausibelste Lösung^ Die Hypothese des Verfassers ist mit großer Vorsicht aufgestellt und reichlich begründet. Er führt aus den maßgebenden Quellen und gelehrten Werken alles buchstäblich an, um dem Leser das eigene Urteil zu erleichtern. Er wendet sich auch zunächst an den allgemeinen, gebildeten Leser und gibt die Frucht seiner eigenartigen Auffassung in aller Anspruchslosigkeit, ohne „unter die Gelehrten" gehen zu wollen. Seitherige Forschungen haben ja auch wieder neues auf diesem Gebiete beigebracht. Jedenfalls ist er ein selbständiger Denker, und sein Gedanke durchaus beachtenswert. Das schöne Buch ist ein Denkmal hohen geistigen Strebens über die Grenzen des Berufes hinaus und wird den Vielen, die den trefflichen Mann geschätzt haben, ein wertes Andenken sein. H e v e s i. (Aus dem „Wiener Fremdenblatt".) Korrespondenzen Vizepräsident Dr. Gnstav Kohn. Wie bereits gemeldet, vollendet Vizepräsident Dr. Gustav Kohn sein siebzigstes Lebensjahr, aus welchem Anlaß er den Gegenstand imposanter Ehrungen bildet seitens der Wiener jüdischen und eines großen Teiles der nichtjüdischen Bevölkerung. Dr. Gustav Kohn, erster Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, Mitglied des k. k. Landesschulrates für Niederösterreich, dem diese Ehrungen anläßlich seines 70. Geburtstages zugedacht find, kann sich des seltenen Glückes rühmen, in allen Schichten der Wiener Bevölkerung gleich beliebt und populär zu sein. Dr. Gustav Kohn entstammt einer alten frommen Prager Familie, ist von Beruf Advokat, als welcher er eine Zierde des Wiener Barreaus ist. Den Traditionen seines Elternhauses folgend, wandte er sich in jungen Jahren dem jüdischen öffentlichen Leben zu und beschäftigte sich hauptsächlich mit jüdischen Schulfragen, sowie mit der Modernisierung der jüdischen Armenpflege. Zahlreiche jüdische Schöpfungen verdanken ihm seine Entstehung, bezw. Förderung. Er gehört zu den Gründern des österreichischen israelitischen Gemeindebundes, dessen Präsidium er angehört, und ist der eifrigste Verfechter der jetzt geplanten autoritativen Gesamtorganisation der Judenschaft Oesterreichs. Ebenso begründete er die Zentralstelle für jüdisches Armenwesen in Wien, dessen Präsident er ist. Der siebzigste Geburtstag Dr. Gustav K o h n s fiel eigentlich auf den 30. März. Infolge Ueberbürdung im Amte erkrankte Dr. K o h n vor einigen Wochen und so wird die eigentliche Jubelfeier am 9. April in den Synagogen Wiens und am 10. in der Wohnung des Gefeierten stattfinden. Unter den zahlreichen Ehrungen sei besonders eine große Wohltätigkeitsstiftung erwähnt, die der Bethausvorstand, dessen Präsident Dr. Gustav Kohn gleichfalls ist, im Vereine mit seinen Verehrern auf den Namen des Jubilars errichtet. Im Jahre 1885 wurde Dr. Gustav K o h n in den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde gewählt und gehört seit seit 1897 dem Präsidium desselben an. Er ist seit vielen Jahren der Vertreter der jüdischen Konfession im k. k. Landesschulrate und Besitzer des Ritterkreuzes des Franz Joseph- Ordens. In der allgemeinen Politik schloß sich Dr. Kohn der Freisinnigen Partei an, die ihn zu ihrem Ehrenmitgliede ernannte. Besonders beliebt hat sich Dr. Gustav Kohn durch den demokratischen Geist gemacht, in dem er das Wohltätigkeitswesen der Wiener Kultusgemeinde leitet. Ein wahrer Vater der Armen, ist er stets hilfbereit, wo Hilfe nottut, und es mag für das Wesen des Jubilars bezeichnend sein, daß er zahlreichen Armen und Hilfsbedürftigen, bei denen er eine Scheu vor der Oeffentlichkeit voraussetzt, dadurch entgegenkommt, daß er die Besprechungen mit ihnen nicht im Gemeindebureau, sondern in seiner Privatkanzlei erledigt. Die Vereine entgegengesetztester Richtung haben sich schon früher beeilt, ihn zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Auch in nichtjüdischen, besonders in Regierungskreisen genießt Dr. Gustav Kohn wegen seines selbstlosen. biederen Charakters großes Ansehen. Wir erhalten folgende Mitteilung: Der Festgottesdienst anläßlich der Feier des 70. Geburtstages des I. Vize-Präsidenten der israel. Kultusgemeinde Wien und Präsidenten des Bethausvorstandes, Landesschulrates Dr. Gustav Kohn, findet Samstag den 9. d. M., halb 9 Uhr vormittags im Seitenstettentempel statt; der Empfang der Gratulations-Deputationen findet Sonntag den 10. d. M., von 10 bis 1 Uhr in der Wohnung des Herrn Dr. Gustav Kohn, IX., Hahngasse 25 statt. Um Kollisionen zu vermeiden, empfiehlt es sich, daß jene Körperschaften, welche Deputationen entsenden, dies Freitag d e n 8. d. M. oder Samstag, den 9. d. M. von 3 bis 5 Uhr nachmittags in der Wohnung des Herrn Bethausvorstehers S. A. Wasservogel, II., Ferdinand sst r a ß e 4, I. S t o ck, anmelden, um hinsichtlich der Reihenfolge des Empfanges Bescheid entgegen zu nehmen. In sämtlichen israel. Tempeln und Synagogen wird Samstag ein feierliches Gebet für den Jubilar verrichtet werden. * * * Anläßlich des 70. Geburtstages des Vize-Präsidenten Herrn Dr. Gustav Kohn benützte der Spitalsseelsorger Herr L. Smolensky beim Mussaph-Gottesdienste im Bethause des k. k. Allgemeinen Krankenhauses die Gelegenheit, die Verdienste dieses Mannes, besonders auf dem Wohltätigkeitsgebiete, in sinnreicher Rede vor den Patienten, die das Bethaus füllten, klar zu legen. Im Beihause waren unter Anderen anwesend: Operateur Dr. Max Schönfeld, der in Ausübung feiner beruflichen Tätigkeit im Krankenhause sich befand, Herr Witrofsky als Delegierter der Bezirksvertretung im IX. Bezirk, Herr Amtsleiter I. Braun u. v. A. Alle diese Herren spendeten je 10 Kronen für die Dr. G. K o h n-S t i f t u n g. Vierzigjähriges Jubiläum des Israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereiues für Hansarme in Wien. Am 22. März d. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die Festgeneralversammlung genannten Vereines in Anwesenheit eines überaus zahlreichen distinguierten Publikums statt. Anwesend waren: Herr Gemeinderat Dr. Oskar Hein als Vertreter der Gemeinde Wien, Herr Kultusvorsteher Doktor Markus Spitzer als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde, die Herren Rabbiner Dr. Bauer, Dr. David, Dr. K a m i n k a, Dr. T a g l i ch t, Vizepräsident Hofrat Rapaport, Herr Kultusvertreter Frank, Herr kais. Rat Lieben, Herr kais. Rat Krüger vom Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort, Herr Direktor Heller vom israelitischen Blindeninstitut, Frau Präsidentin Ziffer er und Vizepräsidentin Johanna Fröhlich vom Vereine „Frauenhort", Frau Doktor Herzl von der „Providentia", Frau Dr. Frisch au er vom