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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 236 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 14 daß er sich nie anders als sat skarättollor, was „ein Spanier von reinem Geblüt" bedeutet, unterfertigte. In Lemberg erfreute sich Chacham-Zwi einer ungewöhnlichen Sympathie nicht nur unter seinen Glaubensgenossen, sondern auch unter den Christen; nach der Überlieferung nahmen an seinem Leichenbegängnisse der Wojwode und die Spitzen der Muuizipalbehörden, wie auch zahlreiche Würdenträger teil, was in jener Zeit eine ungewöhnliche Sache war. Die Nachfahren dieser Familie bekleideten vorwiegend in polnischen Städten, wie Lemberg, Lublin, Grodno, Rabbinatswürdeu. D. K. (im Warschauer »Tygodnik Illustrowany.«) (Ueberjetzung von S. Horowitz.) Zum Todestag Sonnenthals. Ein wichtiger Gedenktag, dem wir zum erstenmale begegnen, ist diese Woche, vielleicht von Wenigen beachtet, an uns vorübergestrichen. Es ist der erste Todestag des großen Meisters Sonnenthal, der doch den meisten Leuten noch in Erinnerung sein dürfte. Ein volles Jahr ist nun verstrichen, seitdem wir die tieferschütternde Nachricht von dem Hinscheiden Sonnenthals mitten in seinem Wirken gehört haben. Schauervoll wirkte sie auf das Gemüt Aller, die ihn kannten und verehrten. Er aber verdiente auch in vollstem Maße die Anerkennungen und Verehrungen, die ihm zuteil wurden; denn er war ein seelenguter Mensch, der niemanden leiden sehen konnte, aber auch ein Mann, der einen festen Charakter besaß. Er ist Jude geblieben, obwohl sich ihm oft Gelegenheit bot, durch Bekennung einer anderen Religion eine viel höhere Stellung zu erreichen. Sonnenthal aber hielt es für eine Charakterlosigkeit sondergleichen, seinen Glauben, den er von feinen Eltern als teuerstes Gut geerbt hatte, mit den Füßen zu treten und ihn für einen anderen auszutauschen. Er hielt es sich fest vor seinen Augen, für die Religion und den Glauben seiner Voreltern, die tausende Jahre für sie gekämpft, ruhig weiter zu kämpfen. Er erzog seine Kinder als Juden, soweit es in seiner Macht lag, half den Bedrängten und tat für das Judentum, so viel er konnte, obwohl ihm dasselbe dafür nichts bieten konnte als ein kaltes Grab und an seiner Bahre eine herzerschütternde Rede, die vom Oberrabbiner Dr. Güdemann in prächtiger Weise gehalten wurde. In den spätesten Zeiten wird man sich des Mannes erinnern, der es ausschlug, Direktor der ersten deutschen Bühne zu werden, weil er seinem Glauben treu bis zum Tode bleiben wollte. Aber auch seine schauspielerischen Leistungen darf man nicht vergesien, gedenkt man des großen Meisters. Wer war nicht gerührt, wenn Sonnenthal weinte. Wer fühlte sich nicht in eine ganz andere Sphäre versetzt, wenn er Sonnenthal als König oder Feldherrn auf der Bühne sprechen hörte. Man vergaß an alles, wenn er, der große Meister, majestätisch und doch immer von Güte durchdrungen, sprach: An feinem Begräbnistage wehte eine schwarze Fahne am Giebel des Burgtheaters. Sie sollte der Trauer den Ausdruck verleihen, welche jene Stätte empfunden hatte, der er gleichsam Vater war. Und wirklich, jene Bretter, auf welchem er mehr als fünfzig Jahre wirkte, sie haben sich nur schwer von dem Schicksalsschlage, der sie getroffen, erholt. Hätte er aber seiner Fahne seines Glaubens abgeschworen, wie viel Stimmen hätten da gerufen: „Er war wohl ein großer Künstler, aber viel Charakter besaß er nicht." So mögen diese Worte ein Beispiel geben, daß . man auch als Jude die höchsten Ehren erlangen kann, ja, selbst ein Denkmal in der christlichsozialen Stadt Wien kann einem Juden errichtet werden. Wien. _ Jacques Ullmann. „Das Christus-Problem." (Aus dem „Berliner Tageblatt" vom 4. April.) Pastor Friedrich Strudel aus Bremen hielt im Beethovensaal eine Revue über den Verlauf des so überraschend lebhaften Kampfes ab, der seit den Drewsschen Angriffen um die historische Persönlichkeit Jesu geführt wird. In sehr interessanten, sachlich äußerst scharfen Ausführungen begründete Strudel seine Ueberzeugung, daß man die Lebensschilderung Jesu, wie sie im Neuen Testament vorliegt, als Dichtung ansehcn müsse, und daß die jetzt von liberal-theologischer Seite geführten Verteidigungen nur als „mit raffinierter Kunst bewerkstelligte Beschwichtigungsversuche" aufzufassen seien. Die zünftige Theologie hat es nach seiner Ansicht in erster Linie unterlaßen, die Vertrauenswürdigkeit der Urschriften zu untersuchen. Es steht fest, daß diese ersten Schriften sich in ungemein vielen Punkten widersprechen und erst durch redaktionell-kirchliche Aenderungen allmählich einander genähert wurden. Das Neue Testament stellt ferner nur eine Auslese der Urschriften dar; man kennt außerdem ihre Verfasser nicht, weiß aber sicher, daß es nicht Augenzeugen waren. Ein tiefer Riß klafft zwischen den Briefen und den Evangelien, ja auch die Synoptiker selbst sind nicht einig. Wie seltsam ist es, um einzelne Beweise für die spätere Entstehung herauszugreifen, daß der Name Christus sich so selten in den Paulinern findet, daß der Wanderapostel so tiefgründige theologische Lehren zu entwickeln vermag, andererseits die irdische Mission Jesu, die ungeheuer wirkungsvoll im Kampf sein mußte, gar nicht verwendet. Es gibt schlechterdings keine Erklärung für die Tatsache, daß Paulus keine Kenntnis vom historischen Jesus verriet. Und dasselbe gilt im Grunde von der ganzen Briefliteratur. Die Geschichtlichkeit der Evangelien selbst wird durch ihren ausgesprochenen Wundercharakter, durch die Verzeichnung der lokalen Verhältnisse, endlich durch die deutliche dogmatische Tendenz verdächtigt. Wer das Wunder leugnet, wie die liberalen Theologen es tun, muß das aus lauter Wundern zusammengesetzte älteste Evangelium, das Evangelium des Markus, glatt als Legende bezeichnen. Man denke weiter etwa an die Fülle falscher Namen, Ortsbezeichnungen wie Nazareth, Kapernaum, Golgatha finden sich sonst nirgends in der zeitgenössischen Literatur. Die Leidensgeschichte wimmelt von sachlichen Unrichtigkeiten. Der Hahn konnte nicht „dreimal krähen", denn den Priestern war es verboten, Hühnerzucht zu treiben. Todesurteile konnten nur am Tage ausgesprochen werden, am Festtage durfte man nicht Gericht halten. Und schließlich fehlt auch jede Erklärung für das Todesurteil selbst. Denn daß sich jemand für den Messias hielt, war in den Augen der Juden sicherlich kein todeswürdiges Verbrechen und daß der Hohe Rat Christus dem verhaßten Pontius Pilatus auslieferte, genau so unmöglich, als wenn heute etwa Sozialdemokraten einen Anarchisten dem Berliner Polizeipräsidenten denunzieren würden. Widersinnig ist auch die ganze Judas-Gelchichte. Wenn in unserer Zeit ein Dramatiker in dieser Weise einen Verrat auf der Bühne darstellen wollte, würde man ihn erbarmungslos auspfeifen. Es unterliegt nach Strudels Meinung keinem Zweifel, daß die alttestamentarische Literatur, besonders der Prophet Sacharja, die Bausteine zur Komposition der Jesuspaffion geliefert habe. Der Held wird gleichsam auf die Ausführung jenes ihm in allen Einzelheiten bekannten Programms der alten Weissagungen festgelegt. Sein Leben mußte sich so abrollen, wie es dort verkündet wurde. Hinter den einzelnen Darstellungsgruppen des Neuen Testaments stehen sicherlich gewaltige Persönlichkeiten, Dichter von überragender Bedeutung. Aber mit der Schilderung der irdischen Laufbahn Jesu steht es wie mit der — Florabüste. Ihr Kunstwerk ist so groß, daß er einen Bode täuschen konnte. Jndess n, als man das Wachs und die übrigen Bestandteile genau untersuchte, mutzte man sehr bald einsehen, daß die historische Echtheit eben doch nur Schein war. Rembrandts „Jüdischer Student". Der New-Aorker Millionär Otto H. Kahn, der jüngst erst das Porträt von Franz Hals und seiner Familie für zwei Millionen Kronen erworben hat, hat soeben ein weiteres Gemälde für 700.000 Kronen angekauft. Es ist dies Rembrandts „Jüdischer Student", der sich bisher in der Sammlung des russischen Kunstliebhabers Paul D e l a r o w befand. Ehrung eines jüdischen Weltreisenden. Der berühmte Gelehrte Dr. Aurel Stein ist jetzt nach der Rückkehr von seiner zweiten asiatischen Reise zum Doktor der Universität Cambridge ernannt worden. Gelegentlich der Ueberreichung des hierüber ausgestellten Ehrendiploms richtete der Festredner an Dr. Stein eine lateinische Ansprache, in der er in ungemein schmeichelhaften Ausdrücken die wissenschaftlichen Verdienste Dr. Steins pries. Er hob insbesondere die Werke Dr. Steins über das Gebirgsgebiet des Indus und seine hochbedeutsamen Entdeckungen im Wüstensand begrabener Städte hervor, seine Forschungen im chinesischen Reiche, die von ihm aufgefundenen alten Bücher, ganz besonders aber die Bildnisse von Herkules, Minerva und Amor, die das British Museum Stein verdankt, dem „unermüdlichen, hochbegabten und überaus gelehrten Asienforscher"

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