Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021888--19175-3044143
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 235 zum Kinsky-Regiment Nr. 47 assentieren. Wenn auch nur auf Kriegsdauer assentiert und als die Verbündeten in Paris einzogen die meisten Truppenkörper abrüsteten, zog er doch vor, sich dem Militärstande ganz zu widmen, er wurde Berufssoldat. Prüsker scheint der damals so herbe Soldatendienst besonders gefallen zu haben, trotzdem er auf seine erste Beförderung — zum Gefreiten — länger als 4 Jahre warten mußte. Indes er ward am 1. Juli 1827 schon wirklicher Feldwebel, wenn er es auch nicht annähernd ahnen konnte, er werde der erste jüdische Stabsoffizier der kaiserlich-österreichischen Armee sein. Im Jahre 1829 ging seine eingegangene Verpflichtung, die vierzehnjährige Dienstzeit, zu Ende. Es muß ihm jedoch die baldige Ernennung zum Offizier in Aussicht gestellt worden sein, denn er ließ sich am 31. August auf neuerliche 14 Jahre reengagieren und wurde in der Tat am 16. Oktober 1830 zum Leutnant ernannt. Prüskers weitere Vorrückung verlief nun normal: er rückte am 29. August 1835 in die Oberleutnantscharge vor, wurde am 1. Mai 1843 Kapitänleutnant und avanzierte schon am 16. August 1844 zum Hauptmann. Nach einunddreißigjähriger Dienstzeit wurde er mit Hoskriegsrats-Reskript Nr. 3683 vom 25. Juli 1846 mit dem normalmäßigem Betrage jährlicher 600 fl. pensioniert. Prüsker hielt es im Zivilstande nicht lange aus, denn er suchte anfangs 1847 um seine Wiederanstellung an, wurde mit Reskript vom 4. Februar 1847 ausgenommen und am 1. Juni 1848 zum Kommandanten des Veroneser Feldspitales ernannt. Hauptmann Prüsker heiratete nun das Fräulein Marie Menzl den 11. Oktober 1849 und im August 1850 erlebte er zweifache Freude: Er wurde Major bei gleichzeitiger Ernennung zum Platzkommandanten in Venedig, wo ihm mehrere Jahre nach seinem Avancement sein erster Sohn geboren wurde. Der Festungskommandant und sonstige hohe Offiziere der Garnison ehrten den Kameraden und waren Zeugen, wie der erste jüdische Stabsoffizier den Erstgeborenen nach uraltem Ritus in den Bund seiner Väter aufnahm. Prüskers Dienste waren derart, daß man in denselben ein Zeichen besonderen Vertrauens seiner Vorgesetzten erblicken konnte. Er war als Truppenoffizier durch einige Zeit auch Adjutant seines Regimentsinhabers, des Grafen Kinsky. Nach fast vierzigjähriger Dienstzeit trat er, lout allerhöchster Entschließung Sr. Majestät des Kaisers vom 28. November 1854, Sekt. I, Nr. 9322 mit dem normalmäßigen Betrage jährlicher 800 fl. in den Ruhestand, wo er dann abwechselnd in Teplitz und Prag lebte. Nun widmete er sich aber innig seinem Volke und seiner Familie. Er war nach dem Geiste der damaligen Zeit in seiner Jugend mit jüdischem Wissen genügend ausgerüstet gewesen, was ihm im Alter noch zustatten kam. So hörte man oft den alten Major so manchen talmudischen Spruch für das praktische Leben verwerten. Ein musterhaftes und nachahmenswertes Beispiel war die Pietät für seine dahingeschiedenen Eltern. Als Offizier noch pflegte er oft meilenweit in eine italienisch-jüdische Gemeinde zu fahren, um am Sterbetage des betreffenden Elternteils seinen Kadisch zu beten. Prüsker, der in des Wortes schönster und edelster Bedeutung Jude war, starb am 16. Dezember 1864 in Prag und am 18. gaben die Ehrensalven des Militärkonduktes dem ersten jüdischen Stabsoffizier den letzten militärischen Gruß. _ Ein Jude als Diplomat in Polen im XVI. Jahrhundert. Das Leben und Wirken eines jüdischen Arztes und Diplomaten, Salomon Aschkenasis bietet einen interessanten Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen im XVI. Jahrhundert. Die über ihn von jüdischen Historikern bisher veröffentlichten Nachrichten sind überaus dürftig. Jetzt hat Doktor I. Zoller in Florenz eine wertvolle Arbeit unter dem Titel: „Una lettera di Salomone Asehanasi al Granduca di Toscana (Firenze 1909)“ erscheinen lassen und verspricht, von Afchkenase selbstverfaßte Memoiren demnächst herauszugeben. Vorderhand aber, um den Lebenslaus dieser interessanten Persönlichkeit zu schildern, können wir nur die hie und da in zeitgenössischen Quellen zerstreuten Notizen benützen. Auf diese Weise erfahren wir, daß Salomon Aschkenafi, ein Urahn des gegenwärtig in Lemberg wirkenden Universitäts- Professors Simon Afchkenase, im Jahre 1520 in Udine, in Venetien, geboren wurde. Er hat höchstwahrscheinlich eine überaus sorgfältige Erziehung genossen — wenigstens kann man dies aus den schmeichelhaften Titeln, die ihm von den größten polnischen Rabbinen, wie vom Krakauer Rabbiner Jserles und dem Lubliner Lurje, wenn sie feiner erwähnen, verliehen wurden, schließen. Aus Jserles Worten ist leicht zu erraten, daß Aschkenafi gleichfalls ein guter Talmudist war : der Krakauer Rabbiner nennt ihn nämlich in seinen Responsen nicht anders als „Rabbi Salomon Doktor". Im Jahre 1549 kam Aschkenafi mit dem Hofstaat der Königin Bona Sforza nach Polen. Hier — nach dem Zeugnis des Rabbiners Lurj^ — interessiert er sich für die Juden Polens nnd „erteilt ihnen treue ärztliche Hilfe". Im Jahre 1558 finden wir ihn in Krakau als Leibarzt des Königs Sigmund August; auf diese Zeit bezieht sich auch die Erwähnung über ihn in Jserles Responsen. Aber Aschkenafi begnügte sich nicht mit der bloßen Medizin; andere, seiner geistigen Rührigkeit und Fähigkeiten mehr entsprechende Gebiete lockten ihn an, nämlich politische und diplomatische Angelegenheiten, auf deren Feld er Beweise von Ueberlegung und Brauchbarkeit lieferte. Als man nach Sigmund Augusts Ableben zur Wahl eines neuen Königs schritt, entwickelte Afchkenase in Gemeinschaft mit dem französischen Gesandten Bischof Montluc eine weite Agitation, um Heinrich Valese auf den polnischen Thron zu erheben. Als diese seine Bemühungen von einem erwünschten Erfolg gekrönt wurden, verließ Afchkenase aus unbekannten Gründen Polen und begab sich nach Konstantinopel, wo er den Posten eines Hausarztes des Sultans und des Großvesiers Mahomet Pascha bekleidete. Aber vorwiegend befaßte er sich auch hier mit politischen Angelegenheiten und. der Ueberlieferung nach war er „des Sultans Äuge und Ohr". Während des cyperischen Krieges spielte er in den Politischen Unterhandlungen zwischen der hohen Pforte und der Republik Venedig, wohin er im Jahre 1574 offiziell zur Ratifizierung des Friedens geschickt wurde, eine erstklassige Rolle. Und in dieser Zeit eben erwies er der polnischen Angelegenheit ungewöhnlich wichtige Dienste. Der französische Gesandte in Venedig ber'et sich nämlich damals mit ihm im vollen Vertrauen anläßlich der beabsichtigten und im Voraus gut erwogenen Flucht des Königs Heinrich aus Polen. Aschkenafi war mit dem Benehmen des von ihm unterstützten Prätendenten auf dem polnischen Thron sehr unzufrieden. Und als der französische Gesandte im weiteren Verlauf ihm die kühnen Aspirationen seines Königs entdeckte, der angeblich mit Hilfe des französischen Heeres aus Polen eine Statthalterei und französische Provinz machen wollte, antwortete Aschkenafi in größter Entrüstung, daß die Polen nie darauf eingehrn werden, und im Falle diese frechen Absichten in die Tat umgesetzt werden sollten, er die Türkei veranlassen werde, gegen diese Aspirationen entsprechende Maßregeln zu ergreifen. Und mit diesen Worten lähmte Aschkenafi die eingeleitete Aktion der Franzosen. Im Jahre 1572 begegnen wir Aschkenafi wieder auf dem politischen Schauplatz; er führt nämlich zwischen der Pforte und Spanien Unterhandlungen, um einen früheren Friedensvertrag auf acht Jahre zu verlängern. Aschkenafi starb im Jahre 1600 und wurde in Konstantinopel beigesetzt. Im folgenden Jahrhundert spielten Salomon Aschkenasis Nachkommen eine hervorragende Rolle unter der polnischen Judknheit. Einer von ihnen war der bis zum heutigen Tage berühmte Lemberger Rabbiner Zewi Afchkenase, „Chacham- Zwi" genannt. Er war einer der größten Rabbiner, aber auch in jeder Beziehung ein wahrer Aristokrat. Es ist charakteristisch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.