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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 234 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 14 fortgesetzter Millionendiebstähle vorgenommen. Generale stehen an der Spitze dieser Verbrecher und Großfürsten sind auch schon dort gestanden. Diese schweren Diebe und die Adeligen, welche in den Petersburger Orgien das Blut der Steuerzahler und des Bauern verschlemmen, müssen natürlich den Blick des Volkes von sich ablenken, öffnen ein Ventil für die Wut der Betrogenen in der Judengasse. Es ist kein Kampf, den Stolypin mit den Pogroms gegen die Revolution führt, es ist Buschräubergefecht der Korruption um ihre Existenz auf Kosten der Juden. Stolypin hat kein Wort des Bedauerns über die Pogroms verloren, was doch die kleinste moralische Pflicht eines Mannes wäre, der die innere Staatsgewalt in Rußland zu führen hat. Das zeigt deutlich, was die russischen Juden zu erwarten haben und die europäischen Staaten zu verhindern hätten, wenn ihre Kulturmission, die sie in Afrika und China betätigen, nicht eine Lüge wäre. Sie ist es aber. Und wenn schon das Promemoria der Juden keinen anderen Sinn hätte, so sollte es doch mit diplomatischer Höflichkeit diese Tatsache seststellen. Das die moralische Seite der Frage. Die materielle ist eine kräftige Antwort der Juden auf die sicher bald kommenden Pumpversuche der russischen Regierung. Und eine kräftige Unterstützung jeder Bewegung, welche die russischen Juden aus ihrem Kerker befreien kann. Au dieser Stelle aber sollen den fleißigen Sekundanten der Lüge, den antisemitischen Blättern, ihre Finten abgefaugeu werden. Im Anhänge zu Stolypins Ausführungen behaupten sie jetzt, daß nicht nur in Rußland, sondern überall der Kampf gegen die jüdische Revolution geführt werden muß. Ihnen gegenüber zeigen wir auf das politische Bild, das jetzt gerade die Kulturwelt, nicht das von den Muschiks aufgefressene Rußland bietet. In Preußen kämpfen die Junker Polizeischlachten gegen das Volk. Die Konservativen Spaniens stürzten das arme Land in Revolution und Krieg. Die Putschversuche der französischen Klerikalen lassen den Staat nicht zur Ruhe kommen. Die englischen Lords wälzen alle Steuern vou sich ab und bürden sie dem Volke auf. Die amerikanischen Trustmagnaten erwürgen die Bürger. Lauter judenreine Kreise jener Volksführer und Jünger des Gottes Mmm, zu dem unsere Antisemiten beten. Sie zerstampfen die Erde, sie treten die Ideale mit Füßen, sie saugen die Länder aus. Revolutionäre aber sind die Juden, wenn sie Brot haben wollen und unter dem Beifall der Antisemiten antwortet mau ihnen mit Pogroms. Vom Aabrmarkt des Lebens. An die jüdische» Wähler des ersten Wahlkörpers der Innere» Stadt! Im Laufe der nächsten Wochen wird der erste Wahlkörper der Inneren Stadt sieben Gemeinderäte zu wählen haben. Nahezu siebzig Perzent der Wähler des ersten Wahlkörpers in -diesem Bezirke sind Juden. Dieser Umstand, sowie die bekannte Tatsache, daß die gegenwärtige Majorität des Gemeinderates ihren wirtschaftlichen und politischen Kamps bekanntermaßen gegen die Juden führt, würde es wohl erklärlich machen, wenn die jüdischen Wähler verlangen würden, daß entsprechend ihrer Zahl zumindest fünf Juden aus diesem Wahlkörper in den Gemeinderat entsendet werden. Nichtsdestoweniger wollen wir im Interesse einer einmütigen, friedlichen Wahl auf diesen Standpunkt nicht beharren und auch solchen nichtjüdischen Kandidaten gerne unsere Stimme geben, deren Freisinn sich schon bisher bewährt hat und auf deren Unterstützung die jüdischen Wähler in ihrem wirtschaftlichen Kampfe gegen die antisemitische Majorität im Gemeinderate mit Zuversicht zählen können. Wogegen wir und mit uns jeder charakterfeste Wähler jedoch mit allen Mitteln ankämpfen müssen, ist die Zumutung, daß uns Kandidaten aufoktroyiert werden, die dem Judentume in der einen oder anderen Form den Rücken gekehrt haben. Wir können unsere Stimmen unmöglich Männern geben, die ihre Glaubensgemeinschaft schnöde verlaffen und die daher nicht die moralische Kraft besitzen können, eine große Wählerklaffe zu verteidigen, die wegen eines Glaubens Ungerechtigkeiten erdulden muffen, den sie selbst verleugnet haben. Mit aller Energie aber werden wir gegen einen der Kandidaten ankämpsen, der, trotzdem er bei der letzten Wahl von den Juden als Jude gewählt wurde, dann im Besitze des Mandates esnicht mehr mit seiner Würde für vereinbar hielt, im Judentume zu verbleiben. Wir haben hier die Meinung des überwiegenden Teiles der jüdischen Wähler zum Ausdrucke gebracht. Wir sprechen die Hoffnung und den Wunsch aus, daß das Zentralwahlkomitee bei der Vornahme der Kandidaturen diesen berechtigten Wunsch auch berücksichtigen möge, da nur in diesem Falle eine friedliche und einmütige Wahl gesichert werden könnte. Mehrere Wähler. * * Ein Wähler des I. Bezirkes schreibt uns außerdem: Eine etwaige Zumutung, Renegaten und Täuflinge zu wählen, bedeutet eine freche Provokation der jüdischen Wählerschaft, die man bereits für derart demoralisiert hält, daß man ihr alles bieten und jede Charakterlosigkeit von ihr erwarten darf. Dem gegenüber erkläre ich, daß, wenn man ernstlich versuchen wollte, einen derartigen Gewissenszwang seitens der sogenannten „Liberalen" und „Freisinnigen" gegen uns auszuüben, ich eher noch einem ehrlichen „Christlich- Sozialen" meine Stimme gebe. Deswegen soll man dafür sorgen, daß eine Kandidatenliste ehrlicher Juden und rechtschaffener Christen ausgegeben wird. Eventuell sollte ein eigenes Komitee mit dieser Aufgabe sich befassen. Hochachtungspoll 6. Die Juden in der österreichischen Armee. Von Moritz Frühling. I. Major Simon Prüsker, der erste jüdische Stabsoffizier. Der letzte Akt des gigantischen dreiundzwanzig Jahre dauernden Dramas, der ereignisreichen napoleonischen Epoche, neigte dem Abschlüsse entgegen. Noch einmal leuchtete des großen Korsen Glücksstern auf, als er am 16. Juni 1815 in der mörderischen Schlacht von Ligny die Preußen zum Rückzuge zwang, um zwei Tage später — bei Waterloo — dem unerbittlichen Geschicke endgiltig zu unterliegen Der Sieg des Franzosenkaisers bei Ligny verbreitete sich mit Blitzesschnelle durch ganz Europa und nach allen Richtungen der Windrose stoben die Kuriere der verbündeten Armeen auseinander — gegen die eigenen Lande hin — mit den Ordres: immer mehr Soldaten anzuwerben und auf den Kriegsschauplatz nachzuschicken. Der Klang der Werbetrommel verrichtete Wunder! Die lange noch nicht emanzipierten jüdischen Bürger verwandelten fich — kaum eingekleidet — in voll- und gleichwertige Soldaten und viele Hunderte strömten aus allen Gauen des Kaiserstaates herbei, um die Lücken der altehrwürdigen österreichischen Truppenkörper zu füllen, in deren Reihen mitunter Väter und Söhne, in den Schneefeldern Rußlands, in Polen, Deutschland, den Niederlanden, in Frankreich und Italien fochten und von denen viele in diesem weiten Raume zwischen dem Mittelländischen Meere und dem Niemen, der Seine und der Adria ihre kalten Gräber fanden. Unter den Freiwilligen der Prager Juden schwor in jenen Junitagen auch der damalige Handlungsgehilfe Simon Prüsker seinen Fahneneid. Im Jahre 1797 zu Prag geboren, kaum 18 Jahre alt, ließ er fich am 22. Juni als exproprlis Gemeiner

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