Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021887--19168-3044135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 33S Den Tag. vergesse ich nie. Hoffnung habe ich mir keine gemacht. Ich dachte mir, daß sie mich zum Kaffee behalten wird. Mehr wollte ich Nicht. Nur den Nachmittag in Gesellschaft verbringen! Es kam anders! Das sie zwei erwachsene Töchter hat, wühle ich nicht. Alle drei sind sie schön, und die Mutter sieht nur wie die ältere Schwester der Mädchen aus. Und ähnlich sind sie einander auch alle drei, und die Mädel von einander gar nicht zu unterscheiden. Sehr nett waren sie zu mir und ich sollte doch jeden Sonntag tommen. Alles gefiel mir dort: das Haus, die Einrichtung, in erster Linie natürlich die Frauen. Jedes ihrer Worte war mir heilig und meine Anschauungen patzte ich ganz den ihren an! Die ganze Woche waren meine Gedanken nur bei ihnen. Wär' es doch bei den Sonnlagsbesuchen geblieben!" Liebermann hielt einen Augenblick inne, nippte von dem Wein und fuhr dann fort: „Mit der Zeit wurde ich ihr täglicher Gast und bald gab es nichts mehr, was mich sonst interessiert hätte. Nichts wutzte ich als: Heute ist es eine Gesellschaft, morgen ein Konzert und übermorgen eine Fahrt ins Freie. Es war wie ein ewiger Feiertag! Nun kannst du dir denken, was kommt! Kurz, eines Tages machte ich die Entdeckung, datz ich in alle drei verliebt bin. Lange kämpfte ich mit mir, um diese unglückliche Leidenschaft los zu werden. Fort wollte ich und alles vergessen, aber ich war zu schwach — und blieb. Ich wäre in Verlegenheit, wenn du mich fragen würdest, welche ich eigentlich liebte. Alle drei erschienen mir eben als ein Wesen. Plauderte ich mit Emmy, Am sie mir als die Begehrenswerteste vor, satz ich an Helenes Seite, war sie es. der meine Seele entgegenjauchzte — und war ich mit der Tante allein, berauschte mich ihre reife Schönheit dermatzen, datz ich vor ihr auf die Knie hätte fallen mögen. Es begann eine Zeit furchtbarer Leiden für mich. Ich durfte mich nicht verraten, aber wenn ich mich von ihnen verabschiedete, schlich ich noch lange um das Haus und eine grotze Sehnsucht erfüllte mein Herz. Da kam die erste grotze Enttäuschung. Emmy verlobte sich und ihr Verlobter kam täglich ins Haus. Wie Hatzte ich diesen Menschen!-Ich schickte mich schließlich drein. Kurze Zeit nach Emmys Hochzeit verlobte sich aber auch Helene — und nun mutzte ich meine Liebe und all' meine Illusionen auf die Tante allein übertragen. Meine Gefühle hatten nun ein bestimmtes Ziel." Liebermann stützte den Kopf in die Hand und schwieg einige Minuten. Dawid sah regungslos vor sich hin und liefe seine Zigarette ausgehen. „Was ist da noch weiter zu erzählen", fuhr Liebermann mit leiser Stimme fort. „Ich liebte siz leidenschaftlich und verlor jede Macht über mich. So kam. was kommen mutzte. Es war vor einigen Tagen, am Hochzeitsabend Helenes. Wir satzen unbeachtet in einem Winkel, die Musik und ihre Lustigkeit machten mich trunken. Ich konnte nicht anders, als ihr zu Fützen fallen. — — Sie Hefe mich aber gar nicht zu Worte kommen. Empört und bebend vor' Zorn wies sie mir die Tür. Nun war es vorbei." Liebermann trank das Glas Wein auf einen Zug und sah über den Rand desselben Dawid an. „Verstehst du. datz man so etwas nicht verschmerzt?" fragte er. Düwid nickte nur. „Siehst du, jeden erreicht sein Schicksal! Den Einen packt es da. den Andern dort." „Ja, aber was sollen wir tun", fragte Dawid. „Was wir tun sollen? Es gibt ein Mittel!" Dawid sah ihn fragend an. Da zog Liebermann einen kleinen Revolver aus der Tasche und hielt ihn Dawid hin. Dawid erschrak und packte den Arm Liebermanns. „Das wirst du doch nicht tun, Heinrich? Nicht wahr, du solltest mich blotz erschrecken?" „Werde ich nicht?" Liebermann lachte bitter und legte die Waffe neben sich unter die Serviette. Dann rief er den Kellner und bezahlte. „Du sollst vernünftig sein. Heinrich", redete Dawid auf Liebermann ein. „Glaube mir, du wirst es vergessen. Latz nur erst ein paar Monate darüber hinweggehen. Nein, du hast kein Recht dazu!" „Ich Hab' kein Recht, sagst du? Ich sollt' kein Recht haben, ein Ende zu machen, wanns mir patzt?" „Und denk' an deine Eltern!" ,>An die dacht' ich eben. Die haben ihren Krämerladen in diesem schlesischen Nest und plagen sich schwer. Und ich bin ihre Hoffnung." Er lachte bitter. „Aber ich kann ihnen nicht helfen! Ueber so was kommt man nicht hinweg." Sie erhoben sich und Liebermann wollte die Waffe einstecken. Dawid liefe es aber Nicht zu und es entspann sich ein Kampf zwischen den Beiden. Dawid drückt: Liebermann auf den Sessel nieder und suchte ihm den Revolver zu entwinden. Aber Liebermann war der Stärkere. Er hielt Dawid mit der einen Hand fest, richtete plötzlich die Waffe gegen sich und drückte los. Dann fiel er vom Stuhl und die Leute liefen zusammen. (Fo tietzung folgt) jitawbur. A de Faucigny-Lucinge, Rachel et son temps. 3. ed. Paris 1910, Emile-Paul, Editeur, 100 rue du Faubourg St. HonoriL Dieses Buch eines begeisterten Verehrers der Kunst und Persönlichkeit der groben Tragödin konnte kein wirksameres Relief finden, als den neuerdings wiederholten literarischen Versuch, die Rachel als Ausbund wüstester Leidenschaften zu zeichnen. Je energisches die Sucht, sie zu karikieren, desto leuchtender erhebt sich dieses aus den Urteilen der bedeutendsten Zeitgenoffen der Rachel, sowie aus ihren eigenen vertraulichen Aufzeichnungen geschöpfte wahrheitsgetreue Charakterbild ab. Besonders lesenswert sind die Stellen über die bisher wenig bekannten Bemühungen der Familie Aubaret in Montpellier, die Seele der Rachel für den katholischen Himmel zu retten. Ihr Verhalten gegen diese taufwütigen Freunde bildet ein Kabinettstück feiner Frauenpolitik. R. Max Wittert. Dante Alighieri und seine Zeit. Eine Einführung. Ornamentaler Schmuck von Erich Grüner, ^Einband von Richard Grimm-Sachsenberg. Geheftet K 3.—. gebunden K 3.—. Was an diesem Buche von vornherein einnimmt, ist die klare, deutliche und verständliche Ausdrucksweise, die es jedermann möglich macht, sich mehr und mehr in D mte zu vertiefen. E» ist einzigartig in seiner Weise und Darstellung geschrieben; einzigartig in seiner Weise, als bisher ein solches Buch noch nicht erschienen ist; gründlich in seiner Darstellung, als es sich nicht nur mit dem Dichter beschäftigt, sondern in gleicher Weise die Geschichte Italiens, die Bedeutung Dantes für die italienische Sprache, seine Stellung zu Kaiser und Papst im Kampfe der Guelfen und Ghibellin, sein Streben nach einem vor der Kirche unabhängigen Reich vor uns aufrollt. Und auch die mittelalterlichen spekulativen Wiffenschaften find nicht vergessen: Die Scholastik isr eingehend und ohne alles fremdwortlichg Beiwerk geschildert. Wir lernen die verworrenen Verhältniffe der Republik Florenz und ihre verhängnisvolle Wirkung für Dante, die Geschichte des Florentiner Dombanes und die Gesellschaft Flagellantenbrüder kennen, um dann über die Bedeutung der »Göttlichen Komödie" aufgeklärt zu werden. ,, 3ameä Fenimore Cooper. Lederstrumpf-Erzahlungest in der ursprünglichen Form. Band I: „Der Wildtöter". Paul Casftrer'S Verlag. Berlin W. 10. Preis elegant gg&unbdt Mk. 3.80 Dieses Buch ist durch Bearbeitungen und flüchtige Uebersetzungen langsam um seinen großen literarischen Ruf gekommen und zu einer bloßen Jndianer-Kolportage-Geschichte herabgesunken. Hier kommt es wieder zu Ehren. Die vorliegende Herausgabe, die'eine Wiederherstellung deS Original-Lederstrumpfe» hedeutet, wurde von dem rühmlichst bekannten Uebersetzer, Dr Karl Federn, besorgt. Die Vorrede schrieb Dr. Krickeberg, Assistent am Völker-Museum Berlin. Den Buchschmuck übernahmen drei 8er berühmtesten modernen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.