Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021887--19166-3044133
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 13 Dr. Vlochs Wochenschrift. Sette 327 den aufopfernden Pflichten der Mitglieder des Vereines, von der Unterstützung der Armen, von der Pflege der kranken, von den letzten Liebesdiensten, die sie den Sterbenden erweisen, sprach. Ferner legte er dem Vorstande der Chewra Kadischa ans Herz, den alten Friedhof nicht dem Verfalle zu überlassen, sondern die halbversunkenen Grabsteine wieder aufzurichten, die Grabschriften aufzufrischen, damit auch in künftigen Zeiten Besucher des Friedhofes die ihnen teuren Gräber Wiederfinden. Herr Josef Lederer besprach das verdienstvolle Wirken des zweiten Vorstehers, des Herrn Gustav Schur, der mit aller Bescheidenheit, aber desto intensiver für den Verein wirke. Nochmals ergriff Herr Dr. Sicher das Wort, dankte allen, die durch Spenden oder werktätige Hilfe den Verein unterstützen, dankte auch den Aerzten des Vereins, die die armen Kranken liebevoll und aufopfernd behandeln. Zum Schluß hatte Herr Fanta den glücklichen Einfall, das Tischgebet (Vorbeten) zu versteigern, das schließlich Herr Mohorn aus Eipel für 85 Kronen erstand, welche einem guten Zwecke gewidmet wurden. Herr Kohorn verehrte dann das Vorbeten dem Vorsteher Herrn Jakob Pick. — Der Vorsteher der Chewra Kadischa unterhielt die Anwesenden durch ernste und heitere Vorträge, bis sie den Saal verließen." Eger. .Am 8. v. M. wurde in Schüttenhofen Herr Albert S. Fürth, Seniorchef der gleichnamigen Firma in Schüttenhofen und Mitbegründer der Spiegelfabriks-Firma Fürth u. Pollak, Holzschlag, zu Grabe getragen. Er war durch sein öffentliches gemeinnütziges Wirken, durch seinen Wohltätigkeitsfinn und seine hervorragenden Charaktereigenschaften weit über die Grenzen seines Heimatsortes bekannt. Die Wertschätzung, deren er sich erfreute, gelangte beim Leichenbegängnis, zum beredten Ausdruck. Daran beteiligten sich außer der Bevölkerung von Schüttenhofen zahllose aus Nah und Fern herbeigeeilte Freunde des Verblichenen und seiner Familie, ferner der Bezirkshauptmann mit mehreren Herren der politischen Behörde und Vertretungen der sonstigen staatlichen und kommunalen Aemter, die Stadtvertretung Schüttenhofen, welcher Hecr Furth durch 33 Jahre angehört hat, der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, an deren Spitze er durch 25 lange Jahre hindurch stand, der Sekretär der Riunions Adriatic a di Sicortä in Prag, Herr Hugo Kornfeld, der Direktor der böhmischen Unionbank in Prag, Herr Sittig, die meisten Großindustriellen und Großgrundbesitzer von Schüttenhofen und Umgebung u. v. a. Holleschau. Am Samstag den 20. März feierte Herr David B e e r, Prokurist der Firma L. Beer's Wwe. Söhne, Kleider- und Wäschefabrik, Hollefchau und Proßnib, sein 25jahriges Dienstjubiläum. Bei dem aus diesem Anlaß veranstalteten Bankett hielt der Chef Herr Ludwig Beer eine Ansprache an den Jubilar, in der er ihm für seine treuen Dienste dankt und ihm ein sehr wertvolles Andenken überreichte und schloß mit den Worten, es möge ihm noch weiter vergönnt sein, viele Jahre sein Amt auszuüben. Auch mehrere Anverwandte hielten noch schöne Ansprachen an den Jubilar. Nun wurde von Herrn E ck st e i n, Reisender der genannten Firma, eine prachtvolle Standuhr enthüllt mit den Worten: „Anläßlich dieser Feier überreiche ich Ihnen, werter Herr Prokurist, diese Uhr und möge selbe Ihnen stets nur glückliche und frohe Stunden schlagen." Zum Schlüsse hielt der älteste Reisende Herr Emil Steiner eine launige Ansprache in Versen an den Jnbilar, in welchen seine ganze Karriere geschildert wurde. Klatlau. Der Landesschulrat des Königreiches Böhmen hat mit Zustimmung des Landesausschuffes den Oberlehrer an der israelitischen, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Volksschule und Lehrer an der städtischen Handelsschule in Klattau, Herrn Alexander Baum, in das Penfionsstatut der öffentlichen Lehrer ausgenommen und denselben fünfzehn Dienstjahre in Anrechnung gebracht. Binkovei. (Rabbinerwahl.) Die dieser Tage unter lebhafter Beteiligung der Gemeindemitglieder stattgefundene Generalversammlung hat Ehrwürden Herrn Lazar S ch ö n f e l d, Bezirksrabbiner in Pakrac, einstimmig zu ihrem Oberrabbiner gewählt. Jüdischer Volksgesangverein „Harmonia" irr Tarnow. Zur Pflege musikalischer Kunst und Kultur bildete sich hier ei» jüdischer Volksgesangverein „Harmonia" dessen Statuten durch die Statthalterei genehmigt wurden. In der ersten Generalversammlung im Oktober 1909 wurden die Herren M. U. Dr. Josef S ilbiger zum Präsidenten, Apotheker Adler zum Vizepräsideuten und i» den Ausschuß Inspektor Engländer, Chiel Perlstein, Doktor M e u a s ch e, B e i t s ch und Attermann gewählt. Nach Ueberwindung mancherlei Schwierigkeiten begann der Verein unter der Leitung eines Instruktors seine Tätigkeit. Zur ersten Probe erschienen vierzehn Personen. Allmälig wuchs die Zahl der stimmbegabten Mitglieder mit jedem Tage, so daß der Chor im Dezember 1909 die Zahl von 120 erreichte, Samstag den 13. März 1910 ertönte zum ersten Male im hiesigen „Sokolsaale" der prächtige jüdische Chor, als gälte es, vor dem versammelten Publikum ein Examen seiner Fähigkeit abzugeben. Es muß anerkannt werden, daß dieses Examen geradezu glänzend ausfill. Die außerordentlich genau und rein ausgeführten polnischen und hebräischen Gesänge übten auf die Zuhörer einen mächtigen Eindruck aus, der zu frenetischen Beifall hinriß Das reichhaltige Programm des „Harmonia"-Konzertes enthielt unter Anderem zwei Trio .von Beethoven und Mozart für Klavier (Frau Dr. Helene Sil big er). G i.je (Herr Münz) und Harmonium (Herr F e i w i s ch i s), deren Ausfüh ung auf künstlerischer Höhr stand; eine überaus schone, stylvoll ausgeführte Suite von Goldmark für Violine (Herr Münz) und Klavier (Frau Doktor Helene S ilbiger); Schubert's Lieder und eine herrliche Ballade von Löwe, die Dr. Georg Daniel mit seiner klangvollen, metallischen Stiorme von wunderbarer Farbe vortrug. Das Konzert der „Harmonia" hat einen hübschen, moralischen und materiellen Erfolg erzielt und der beträchtliche Reinertrag wird die Existenzbasis bilden für diesen kulturellen Posten der hiesigen Juden. Auszeichnung eines jüdischen Kaufmannes. Aus Budapest wird gemeldet: Dem Chef des hiesigen Großhandlungshauses, Mö- ^dern & Breitner, Herrn Sigmund L. Breitner, wurde vom Kaiser der Titel und Charakter eines königl.-ungarifchen Hofrates verliehen. Der Ausgezeichnete hat feit Jahrzehnten im geschäftlichen, gesellschaftlichen und humanitären Leben der ungarischen Hauptstadt eine führende Rolle inne und hat sich auf all' diesen Gebieten namhafte Verdienste erworben. Besonders als Wohltäter erfreut sich Herr Breitner eines wohlbegründeten guten Rufes. Die von ihm errichteten verschiedenen Stiftungen repräsentieren einen Wert von nahezu einer Million Kronen. Herr Breitner gehört dem Vorstande der Pester jüdischen Gemeinde und Chewra Kadifcha an und wurde wiederholt vom Kaiser ausgezeichnet. 400 irregeführte ruffische Emigranten. Washingtoner Blätter enthalten die Mitteilung, daß der russische Gesandte von 400 russischen Emigranten aus Honolulu ein dringliches Bittschreiben erhallen habe, in welchem diese bitten, nach Hause befördert zu werden, da sie es in den dortigen Zuckerplanlagen nicht länger aushalten. Die Auswanderer erzählen, daß sie von Agenten dahin gebracht wurden, wo sie jetzt förmlich wie Sklaven behandelt werden, während man ihnen vor ihrer Abreise die glänzendsten Versprechungen gemacht hatte. Generalanwalt Rufus Jsaacs neuerliche Auszeichnung. Wie „Daily Telegraph" meldet, wurde der erst jüngst zum Generalanwabt ernannte königliche Rat Rufus Isaaks von König. Eduard in den Ritterstand erhoben. Malmö. In dieser Woche fand die Generalversammlung des schwedischen Friedensvereines, Ortsgruppe Malmö, statt. Herr Rabbiner Dr. Wohlstein, welcher Vorstandsmitglied des Vereines ist. hielt einen Vortrag über „Alexander der Große und die Friedensidee" und behandelte dieses Thema in orgineller und geistvoller Weise. Der Vortrag erntete reichen, wohlverdienten Beifall, der sich am beredtesten in der spontanen Einladung äußerte, welche der anwesende Vertreter des Gut- Templerorden, der viele Tausende MUglieder zählt, an den Redner richtete, bei der demnächst stattfindenden Feier einen Vortrag halten zu wollen und versprach er, der ehrenvollen Einladung Folge zu leisten. G.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.