Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette S29 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 13 tet und wirkt segensreich. Die Zöglinge, Knaben und Mädchen im Alter von sieben bis achtzehn Jahren, stehen unter der vortrefflichen Leitung der Lehrerin Fräulein Auguste Müller, werden in allen Handfertigkeitsarbeiten, in Anschauungslehre, und, soweit es ihr geistiger Zustand erlaubt, in literarischen Gegenständen unterrichtet. Gegenwärtig befinden sich unter dem Schutze der Anstalt 23 jüdische Zöglinge. Alljährlich findet eine Ausstellung der von den Zöglingen verfertigten Arbeiten statt. Ein Zeugnis, wie geschickt die Kinder in manuellen Dingen sind. Ein Hauptaugenmerk des Vereines ist darauf gerichtet, die Kinder erwerbsfähig zu machen und der Vereinsvorstand darf auf die erfreuliche Tatsache Hinweisen, daß er nach dieser Richtung schon günstige Resulatte erzielt hat. Auch in hygienischer Beziehung ist der Verein für seine Schützlinge stets bedacht. Unter der Leitung der Lehrerin gehen sie täglich spazieren; zweimal wöchentlich werden sie in der Anstalt gebadet und im Sommer genießen sie die Wohltat eines Landaufenthaltes, wo sie unter der Leitung der Hilfslehrerin vier Wochen in guter Luft und vollständiger Verpflegung sind. Der Erfolg davon ist, daß die Kinder alle sehr gut aussehen und der Gesundheitszustand im Heim ein vortrefflicher ist. Das ganze Jahr hindurch erhallen bie Kinder, welche täglich frühmorgens gebracht und abends abgeholt werden, vollständige Verpflegung in der Anstalt, und die Vereinsvorsteherinnen sind bestrebt, das Wohl dieser Zöglinge zu fördern. Allerdings, soll der Verein seine Aufgabe vollständig erfüllen, so mühte er in der Lage sein, die schwachsinnigen Kinder in einem eigenen I n t e r n a t zu erziehen. Die Schaffung eines solchen Internates wäre ein segensreiches Werk, welches alle edlen Menschenfreunde unterstützen sollen. Freunde echter Humanität, welche diese in ihrer Art einzige jüdische Institution näher kennen lernen wollen, sollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einmal die Anstalt zu besuchen. Es ist dies die ..Heimstätte für schwachsinnige Kinder, des Frauen-Wohltätigkeitsvereines „Providentia"", II., Er. Stadtgutgasse 29. Funktionärinnen: Ehrenpräsidentin: Frau Honora Krall, Besitzerin des Goldenen Berdienstkreuzes. Präsidentin: Frau Bertha N e u m a n n, XVIII., Hasenauergasie 30; L Vizepräsident!»: Frau Dr. Mathilde H erzl, I., Wipplingerstraße 21; II. Vizepräsidentin: Frau Oberlandesgerkchtsrat Rosa Löwner. I.. Parkring 2; Schriftführerin: Frau Anna Brandt. III.. Radetzkystraße 6; Kassierinnen: Frau Dr. Carl Hecht. IX., Maria Tberesienstraße 19 und Frau Dr. Rosa A n t s ch e r l i ch. VI.. Barnabitengaffe 9; Koutrollorin: Frau Dr. Ernestine T h eumann. I., Neutorgasie 6. Vorsteherinnen: Frau Johanna Abelles; Frau Bertha Adelberg; Frau Bertha Adler; Frau Ludowika Brecher; Frau Marie Haas; Frau Bertha Nußbaum; Frau Dr. Antonie P a s s a u e r; Frau Dr. Ernestine Bein; Frau Pauline Stransky; Frau Jenny Theumann; Frau Sidonie Wolf. Wie«. Der »Verein der Sabbathfreunde" hielt am 27. März d. Iseine erste ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Vereines, Herr Moritz Relsenburg, begrüßte die Versammlung und wirst in Kürze einen Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr. Auf Antrag des Revisors Herrn EliaS Weiß wurde dem VereinSvorstande unter lebhaften Beifallskundgebungen das Abiolutorium einstimmig erteilt. Es wird nun an die Wahl des Vorstandes und der beiden Revisoren geschritten. Die auSgelosten Mitglieder des Vorstandes, die Herren Bondi, Bischofswerder. Austerlitz, Löwy, Hirschler, sowie die Revisoren Herr EliaS Weiß und Herr Adolf Rosenthal werden einstimmig wiederaewählt. In der hierauf folgenden Diskussion gab Herr Bernhard Hofbauer seiner Befriedigung Ausdruck über den gedechlichen Fortgang des Vereines, wies auf die glänzend arrangierten Vorträge des Vereines hin und beantragte schließlich, Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann für seine im Vereine der Sabbathfreunde äbgehaltene Vorlesung „lieber den Sabbath", den wärmsten Dank auszusprechen. Dieser Antrag wurde einstimmig genehmigt. Herr PorgeS bemerkte, daß auch dem Vereinsvorstande für seine uneigennützige, aufopferungsvolle Arbeitsleistung der Dank zu votieren sei (Bravo!-Rufe) und wurde schließlich über Antrag des Schriftführers Herrn Moritz Nasch, welcher Herr sich der Propaganda nach Außen und dem Arrangement der Vorträge widmete, den Vorstandsmitgliedern und Herrn Nathan P o l l a k, welcher sich um die Geschäftsführung des Vereines hervorragende Verdienste erworben hat, endlich dem II. Obmannstellvertreter Herrn Isidor Löwy für seine besonders der Stellenvermittlung gewidmeten Tätigkeit der spezielle Dank ausgesprochen. Die Herren Pappenheim und Nasch wiesen auf die nennenswerten Erfolge hin, die der junge Verein bereits aufzuweisen hat. Es wurde das verdienstvolle Mitwirken jener Herren hervorgehoben, die vor einem zahlreichen Publikum am VortragStische erschienen, so der Herren: M. A. L o e b und Jakob R o s e n h e i m, Frankfurt a. M. und Rabbiner Jak. Hoffmann in Kostel. Ferner wurde an den gerade in Berlin versammelten Delegiertentag der deutschen «Sabbathfreunde" ein Begrüßungstelegramm abgesandt. Herr Nathan Pollak gibt dem Wunsche Ausdruck, daß speziell diejenigen Firmenchefs, deren Betriebe am Sabbath ruhen, von der Stellenvermittlung des Vereines ausgiebigen Gebrauch machen. Er beantragte die Herausgabe einer Liste sämtlicher koscheren Speisehäuser m allen größeren Städten, sowie die Drucklegung eines Vereinskalenders. Herr Porges machte sich zur Mitarbeiterschaft bei der Herausgabe des geplanten Kalenders erbötig. Nachdem noch Herr Lettner über die Tendenzen des Vereines gesprochen, dankt der Vorsitzende im eigenen, als auch im Namen der übrigen Vorstandsmitglieder den Anwesenden für ihr Erscheinen und erklärt die erste ordentliche Generalversammlung für geschlossen. II.r. Groß - Enzersdorf. (Ein K u l t u s st e u e rprozeß vor dem Verwaltungsgerichtshofe.) Am 16. April d. I. findet die Verhandlung über die Beschwerde der israelitischen Kultusgemeinde in Groß-Enzersdorf vor dem Verwaltungsgerichtshofe wegen einer von den k. k. Behörden annullierten Steuervorschreibung statt. Der Sachverhalt ist folgender: Der Landwirt Julius Koritschoner in Raasdorf, der auch eine Stadtwohnung in Wien hat, wurde von .der genannten Kultusgemeinde mit einer Kultussteuer belegt. Sämtliche Zustellungen nach Raasdorf wurden vom dortigen Bürgermeisteramte ordnungsmäßig an Herrn Koritschoner zugestellt. Gegen die Steuerleistung für das Jahr 1907 hatte derselbe nicht einmal rekurriert. Erst im Jahre 1908 focht er das Recht der Kultusgemeinde Groß-Enzersdorf zur Vorschreibung einer Kultussteuer an. Die Kultusgemeinde wird bei der mündlichen Verhandlung durch den Kultusvorsteher Herrn Heinrich Reichsfeld vertreten sein, lieber die Entscheidung, welche für die österreichischen Kultusgemeinden von prinzipieller Wichtigkeit sein wird, werden wir seinerzeit berichten. Walhalla des Oedenbnrger Museums. Das staatliche Provinzialmuseum in Oedenburg hat den mittleren Rundsaal für Porträts von berühmten Söhnen des Komitats gewidmet. Im Ganzen wurden nur 7 Personen dieser Ehre gewürdigt, darunter nur zwei Lebende, Ludwig von D o c z i und Professor Moriz Benedikt in Wien. Ein von Fräulein Wilhemine Bock gemaltes treffliches Porträt Benedikts, das den Gelehrten im mittelalterlichen Kostüm seines Glasgower Ehrendoktorats vorstellt, hat vorige Woche in diesem Ehrensaal Aufstellung gefunden. UebrigenS dürften außer dem berühmten Staatsmann Grafen Szechenyi Doczi und Benedikt die einzigen sein, welche mit vollem Recht als Komitatsangehörige zu betrachten sind, während die 4 anderen gefeierten, Haydn, Liszt, H y r t l und B e n e d e k, zufällig als Beamtenssöhne im Komitat geboren sind. Prag. (ZentralvereinzurPflegejüdischer Angelegenheiten.) Die Serie seiner im heurigen Jahre besonders erfolgreichen Veranstaltungen hat der Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag am 33. v. M. mit einer Veranstaltung zugunsten seiner Handwerkersektion aufs Wirksamste abgeschlossen. Ein überaus zahlreiches, erlesenes Publikum füllte den geräumigen Prunksaal des „Hotel Central", in welchem Herr Prof. Dr. Max Eisler aus Jglau „über j ü d i s ch e K U n st u n d I o z e f Israels" unter gleich-