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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Hii -nt—- Bmat aü9 Dr. Blocks Wochenschrift. ' «eite 3iS schilderte ausführlich die zahlreichen Beziehungen, die er in Konstantinopel angeknüpft hat, führte einige der ihm von verschiedenen türkischen Staatsmännern zuteil gewordenen Antworten an, hob mit besonderer Genugtuung die aufrichtige Iudenfreundlichkeit der leitenden Persönlichkeiten der heutigen Türkei hervor und verbreitete sich schließlich über den Wunsch der Pforte, das von der. A. I. K. O. beabsichtigte großzügige Kolonisationswerk unter die moralische Patronanz der jüdischen Großgenieinden gestellt zu sehen. Als erster Diskussions-Redner ergriff der langjährige Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herr Prof. Dr. Marlin Philippson, das Wort. Das Vorhaben der A. 2. K. £>., deren anerkennendes, und fördernswertes Bestreben es sei, nicht pur für den Auswandererstrom ein neues Abflußgebiet zu schaffen, sondern zu gleicher Zeit einen Teil der Auswanderer der landwirtschaftlichen Kolonisation zuzuführen und ihn dadurch bodenständig zu machen. Was dem jüdischen Volke heute am meisten abgehe, sei das Element des Ackerbaues, dessen jede gesunde Bevölkerung notwendig bedürfe. Es handelt sich deshalb für uns Juden darum, diese große Aufgabe dort zur Verwirklich Mg zu .bringen,!wo die Möglichkeit des .Aufblühens einer landwirtschaftlichen Kolonisation in ungeahntem Maße vorhanden sei, nämlich in den unermeßlichen Ländereien der Türkei. Redner trat dann mit großer Wärme für eine Beteiligung der Großgemeinden an diesem Werke ein. Um dieser gewaltigen Aufgabe auch nur einigermaßen gerecht zu werden, dürften private Kräfte, seien sie auch noch so opferwilig, nicht ausreichen. Hier müßten vielmehr neben der privaten Wohltätigkeit größere Mächte eingreifen, vor allem die jüdischen Großgemeinden in Deutschland, wie in den anderen Ländern Europas und Amerikas. Es wäre eine moralische Pflicht der Berliner Gemeinde, die Initiative zu ergreifen und mit gutem Beispiele voranzugehen. Von diesem Gesichtspunkte aus sei es auch sehr erfreulich, daß schon jetzt den leitenden Körperschaften der A. I. K. O. eine Anzahl von hervorragenden Vertretern der Berliner und anderer deutscher Gemeinden angehören. Herr Kommerzienrat Gerson Simon, der durch Heiserkeit am Sprechen verhindert war. ersuchte Herrn Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Baginsky. seine Ansprache zu verlesen. Kommerzienrat Simon berührte hauptsächlich die finanziellen Möglichkeiten und die praktische Durchführbarkeit der Bestrebungen der A. I. K. O. Der Einzelne könne in solchen Dingen nichts erreichen, Wenige können schon etwas leisten, die Gesamtheit alles erreichen. Man müsse vor allem bedenken, daß diese Art der Wohltätigkeit die produktivste sei, die es überhaupt gebe, denn hier handle es sich nicht um eine vorübergehende Linderung von Rot und Elend, sondern um die Schaffung einer neuen Heimat und menschenwürdiger Existenz-Möglichkeiten für einen erheblichen Teil unserer unglücklichen Brüder aus den östlichen Ländern. Redner schloß mit einem kräftigen Appell an die Anwesenden, sich der A. I. K. O. als Mitglieder anzuschließen und für ihre Fonds zu spenden. Herr Geheimrat Prof. Dr. A. Baginsky knüpfte an die Ausführungen des Herrn Prof. Philippson an. Er glaubt, auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen im Gemeindeleben, vor einem allzugroßen Optimismus inbezug auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinden warnen zu müssen. Redner zollte den vom Dr. Noslig in Konstantinopel erzielten Resultaten volle Anerkennung, denn er wisse aus Erfahrung, die er selbst zur Zeit des alten Regimes gemacht, auf welche Schwierigkeiten man in Konstantinopel bei jeder politischen Mission stoße. Nun sei in der Tat der Weg für einen Ausbau der Organisation und eine erfolgversprechende Inangriffnahme ihrer eigentlichen Tätigkeit geebnet. Hierzu bedürfte es aber großer Fonds, die in erster Linie von allen unseren wohlhabenden Glaubensgenossen, d. h. durch private Wohltätigkeit aufgebracht werden müssen. Eines schließe aber das andere nicht aus. Seien erst auf privatem Wege recht ansehnliche Summen zusammengebracht, dann werde auch der Weg, den Herr Pros. Philippson befürwortet hat, mit Erfolg betreten werden können. Die großen jüdischen Gemeinden würden sich der wichtigen Aufgabe, welche an die Iudenheit herantritt, nicht entziehen, und dann werde wohl auch die Berliner Gemeinde nicht zögern, die Führung in dieser Angelegenheit zu übernehmen. Herr Prof. Dr. Rosin bekannte sich ebenfalls als begeisterten Anhänger der Bestrebungen der A. 2. K. O. Er sei voll Enthusiasmus für das von der jungen Organisation geplante Werk in die Versammlung gekommen. Die A. 2. K. O. habe eine große Aufgabe richtig angefaßt, und ein wichtiger Teil der vorbereitenden Arbeiten sei, dank den Unterhandlungen Dr. Nossigs mit der Pforte bereits erledigt. Er (Redner), kenne die traurige Lage der Iuden in Rußland. Rumänien und Galizien zum Teil aus eigener Anschauung. Noch viel betrübender als die politischen Verfolgungen und das ökonomische Elend lei die intellektuelle und moralische Degeneration der Heranwachsenden Iugend. Hier sei es dringende Pflicht der Gesamtjudenheil, ohne Unterschied der politischen, nationalen und religiösen Anschauungen, einzugreifen. Angesichts eines solchen Werkes, wie das von der A. 2. K. O. geplante, müßten alle trennenden Momente im Iudentum beiseite geschoben werden. Hier gelte es. einmütig an der Verwirklichung einer großen Aufgabe mitzuarbeiten, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben. Herr Doktor Hirsch Hildesheimer schilderte in längeren temperamentvollen Ausführungen den Ernst der gegenwärtigen Situation und hob hervor, daß wir uns vor einem höchst bedeutsamen historischen Moment befinden. Einerseits spitze sich die traurige Lage unserer Brüder in den Ländern ihrer Verfolgung dermaßen zu. daß neue Katastrophen fast unabwendbar scheinen. Andererseits bestehe die Gefahr, daß nahezu das einzige, jedenfalls aussichtsreichste Abflußgebiet für die jüdischen Auswanderer, nämlich der türkische Orient, von anderen Völkern und Stämmen, die die Situation besser und rechtzeitiger auszunützen verstehen, in Besitz genommen werden könnte. Die jüdische Gesamtheit dürfe nicht die Verantwortung auf sich laden, eine so verheißungsvolle Rettungsmöglichkeit in einem wichtigen Augenblick unserer Geschichte versäumt zu haben. Redner, seit Iahrzehnten einer der tätigsten Vorkämpfer auf dem Gebiete der jüdischen Orient- Kolonisation, schildert die günstigen Erfahrungen, die man bisher mit der jüdischen Kolonisation namentlich in.Palästina gemacht hat. und betonte zum Schluß: Der hervorragendste Charakterzug im jüdischen Volke, der zu seiner Erhaltung in allen Stürmen und Nöten der 2ahrtausende vielleicht am meisten beigetragen hat, war stets sein unverwüstlicher Optimismus gewesen, der aus seinem nimmer wankenden Gottvertrauen erwuchs. Ein weitausschauendes; unüberschätzbar bedeutsames Werk solle unternommen werden. Aengstliches Düfteln und Wägen führe nie zum Ziele; tatkräftiges Handeln mache das unmöglich Geglaubte möglich. Gehen wir mutig ans Werk, und wir werden, auch wenn ihm das Gelingen versagt bleibt, jedenfalls das beruhigende Bewußtsein haben dürfen, in entscheidungsreicher Stunde das Unfrige getan zu haben. In magnis voluisse sat est. Nachdem noch Herr Rechtsanwalt Dzialoszynski eine lebendige, beifällig aufgenommene Schilderung einiger jüdischer Dörfer, die er auf einer Orientreise besuchte, gegeben hatte, konnte der Vorsitzende den Versammelten die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Veranstaltung auch einen ausgezeichneten pekuniären Erfolg für die A. 2. K. O. gebracht habe, da eine Reihe namhafter Spenden für ihre Fonds gezeichnet und etwa siebzig neue Mitglieder mit Iahres-Beitragen von 20 bis

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