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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Se»te 216 die goldenen Berge da — von Steuern, die der kleine Mann mehr zu zahlen hat als früher, von ungeheueren Schulden, welche zur Bestreitung, der ganz normalen Bedürfnisse entstanden, die sonst in jeder Stadt aus dem ordentlichen Budget bestritten werden. Die Kommune hat eine Reihe der lukrativsten Unternehmungen angekauft, aber nicht, um die Bevölkerung, zu versorgen, sondern Parteigänger. Die Unternehmungen wurden durch lleberfüllung mit Beamten schlechter im Erträgnis und teurer in den Preisen. Festlichkeiten im Rathause verschlangen Unsummen, aber das Asyl für Obdachlose wurde zu klein.- Die Teuerungder Lebensmittel wurde zur Katastrophe, da die Christlich-Sozialen ihre Zünfte schonen mutzten. Das ist eine allgemeine Wirkung der christlich-sozialen politischen Rettungsgesellschaft. Eine spezielle aber ist die Rettung der Führer. Kein Mensch hat etwas dagegen, datz eine politische Partei ihre Leute unterbringt, wenn sie hoch kommt. Waaber die Christlich-Sozialen getrieben haben, ist in jedem zivilisierten Staate unerhört. Sie, die Partei mit dem Befähigungsnachweis, gab die Leitung der wichtigsten und grötzten Institute den lächerlichsten Emporkömmlingen in die Hand, welche von ihrer Aufgabe so wenig Ahnung hatten, wie ein Blinder von öer Farbe. Die fettesten Sinekuren wurden besonders geschaffen, damit wieder ein wichtiger Getreuer ein warmes Plätzchen erhalte. Von den Gerüchten über die Ursachen der Mode gewordenen Kostenüberschreitungen bei grotzen Bauten gar nicht zu reden. Lueger selbst hatte reine Hände. Aber unter seiner Umgebung ^mützte Diogenes jahrelang mit der Laterne suchen, bis er ein zweites Paar solcher Hände fände. 2a, die Anbetung des Gottes ..Nimm" war überhaupt der Zweck und der Inhalt der ganzen christlich-sozialen Agitation. In diesem Punkte war die Frömmigkeit enorm, und der Gott „Nimm" der Christlich-Sozialen war stets ein außerordentlich gütiger Gott. Er hat sie alle, alle erhört, er hat sie mit Gehalten und Kapital überschüttet, er hat ihnen die Selbstkontrolle gegeben und die stumpfsinnige Geduld des Wiener Bürgers. Ja, könnte jemand einwenden, es ist eine grotze Korruption vorhanden. Aber ist nicht die aufrechte Ehrlichkeit des Stadtrats Hraba da und seiner Gruppe, welche die Gaukler und Aasgeier vertreiben wird? Darauf geben nicht wir die Antwort, sondern der offenbar von Hraba gemeinte Abgeordnete Vielohlawek, der sich im Briefkasten seines Blattes folgendermatzen vernehmen läßt: Stadlrat Hraba ist gerichtsordnungsmätzig als Mann von minderer Moral gebrandmarkt. Seine inszenierte Rede war gemein und niederträchtig und grenzenlos dumm. Unter anderen vertrottelten Behauptungen könne man auch aus den beiden auf die Qualitäten des Herrn Hraba schlietzen, datz er im Reichsrat mit lauter Schurken beisammen sitzen mützte und datz Wien auch einen türkischen Bürgermeister haben könne, nachdem es drei Jahre lang einen blinden gehabt hätte. Unter einem rechnet der Abgeordnete 'Vielohlawek auch mit Vergani ab, den er Hrabas Drahtzieher nennt. Er sagt, das „Deutsche Volksblatt" sei nie christlich-sozial gewesen, sondern Vergani habe darin immer so geschrieben, wie es sein Geschäft verlangte. Vergani bilde sich ein. einmal den Rang der „Neuen Freien Presse" zu erreichen. Dazu aber gehöre nicht nur Brutalität, sondern auch Verstand. Vergani hätte aus bekannten Gründen seine Mandate niederlegen müssen und kandidiere in den Gemeinderat mit denselben Prinzipien, mit denen er sein Blatt leite. Das „Deutsche Volksblatt" wäre bankerott geworden, wenn es nicht vom deutschen Nationalismus zu den Christlich-Sozialen eingeschwenkt hätte. Die Verdienste Verganis hätten darin bestanden, datz er. Millionär geworden wäre. rltr. m Aber, Herr Vielohlawek. Wer wird gleich so viele Mitteilungen über seine besten Mitarbeiter machen? Wir finden es für ein bitteres Unrecht, datz man Vergani nicht kandidieren lätzt. Nach den Vorwürfen, chie sich Hraba und Vielohlawek gegenseitig machen und die sich je zwei beliebige Christlich-Soziale machen könnten, gehört Vergani auf dieselbe Bank mit den anderen Parieileuten. christlich-sozialen Volksreitern. Anbetern des Gottes Nimm. Da sollte wohl jemand dreinfahren und Wien von diesen Individuen befreien! Auf der liberalen Kandidatenliste für die nächsten Gemeindewahlen steht eine ganze Reihe von lächerlichen, abgestandenen Jubelgreisen. ... Allgemeine Indische Kolonisations- Organisation. Der harmonische Verlauf, sowie auch der befriedigende materielle Erfolg der bisherigen kleinen Propaganda-Versammlungen, über welche in Ihrem Blatte wiederholt berichtet wurde, veranlatzte die Freunde und Förderer der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation, eine ähnliche Veranstaltung grötzeren Stils für Sonntag, den 20. März in Berlin einzuberufen. Die Einladung ging von einem aus etwa 30 in der jüdischen Oeffentlichkeit wohlbekannten Persönlichkeiten bestehenden Komitee aus. Es zeichneten u. a. die Herren Siegmund Bergel, Prof. Dr. Blaschke, Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal, Dr. Isidor Ginsberg, Stadtverordneter Rechtsanwalt Dzialoszynski, Dr. Hirsch Hildesheimer, Iustizrat Dr. Marim. Horowitz, Prof. Dr. Kalischer, Chefredakteur Isidor Landau, Rudolf Masse, Geh. Regierungrat Dr. Pieck, Prof. Dr. Marlin Philippson, Iustizrat Plonsker, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Proskauer, Landtagsabgeordneter Rosenow, Stadtverordneter Louis Sachs, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Senator, Kommerzienrat Gerson Simon, Oskar Tietz. Iustizrat Bertold Timendorfer. Dem so zusammengesetzten Komitee entsprach denn auch die Beteiligung seitens des Publikums. Der grotze Kaisersaal im „Hotel Adlon" war bis auf den letzten Platz von angesehenen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Berlins gefüllt. Als Vertreter des Präsidiums der A. 2. K. O. eröffnete Herr Dr. Isidor Ginsberg die Versammlung mit einer Vegrützung der Erschienenen und mit einigen warmen Dankesworten an zahlreiche Freunde der A. 2. K. O., die am Erscheinen verhindert waren, jedoch in Zuschriften ihrer lebhaften Sympathie für die Bestrebungen der jungen Organisation Ausdruck verliehen und ihre Bereitwilligkeit erklärt hatten, an der Verwirklichung derselben milzuwirken. Der Vorsitzende referierte sodann eingehend über die Lage der osteuropäischen Judenheit, über das Bestreben der bisherigen Immigrationsländer, England und Amerika, die jüdische Einwanderung möglichst einzudämmen, über die Notwendigkeit eines neuen Abfluß gebietes für den immer mehr anschwellenden Emigrantenstrom, über die Perspektiven, die sich hierfür in der zu einem modernen Verfassungsstaat umgewandelten, toleranten und judenfreundlichen Türkei eröffnen, und schlietzlich über die Auf-, gaben, die sich die Allgemeine Jüdische Kolonisations- Organisation auf diesem Gebiete gestellt hat. Nach diesen mit lebhaften Beifall aufgenommenen Ausführungen berichtete der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschüsses, Herr Dr. Alfred Nossig, über s eine im Aufträge der A. 2. K. O. in Konstantinopel geführten Verhandlungen mit der türkischen Regierung und dem jüngtürkischen Komitee. welche die aus früheren Mitteilungen bereits bekannten günstigen Ergebnisse gezeitigt haben. Redner

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