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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ifnteressen des Audentums. °0- ... — -0q? u. ft. Vofisxarftaffensmt Clearing*» IDerftebr Wr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IS.lt, Hahngaffe Nr. 15. 5 Telefon Nr. 14.847. oO - - - Qo Wien, 1. April 1910 Erscheint jeden Freitag. ■ Brief-Adresse: Wie». IX/i, Hahngaffe 15. ® Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OO — ...TjO Bepi0»j»ref« für Vefirrrrikh: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal- H tene Petttzeile 24 Heller. of> ■ —rOo Inhalt: Leitartikel: Der Gott Nimm. — Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation. — Vom Jahrmarkt des LebenS: Der italienische Ministerpräsident Luzzatti. Juden in der Diplomatie. Ableben eines jüdischen Senators. Komponist Richard Mandl. Ableben eines berühmten Weltschwimmers. Alte jüdische Münzen im British Museum. Die Juden in Böhmen. Die „B'aai Brith" in England. Zwei Rabbinersöhne. Die Akklimatisierungsfähigkeit des jüdischen Stammes im Mittelalter. — Korrespondenzen: Ein jüdisches Fürsorgeheim für schwachsinnige Kinder. Verein znr Abwehr des Antisemitismus. Wien. Walhalla des Oedenburger Museums. Prag. Salzburg. Deffau. Berlin. Die erste Jahrzeit nach Baron Harare de Ginsburg. Die wichtigsten Beschlüffe der Rabbinerkommission. Die ersten jüdischen Zöglinge der türkischen Offiziersschule. Jüdische Gemeinderäte in Alexandrien. Präfident Tast und die russische Paßfrage. — Vermischtes. — Feuilleton: Jünglingsjahre — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Wir ersuchen unsere gesrkätzien Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich des in der heutigen Nummer beigelegten Postenlag- Scheines bedienen - Vre Administration der „Oesterr. Wochenschrift". Der Gott Uimm. Ein Christlich-Sozialer hat über Christlich-Soziale die Wahrheit gesagt. Nach dieser Feststellung müßte man den Inhalt der Rede gar nicht angeben, die Stadtrat Hraba in einer christlich-sozialen Arbeiterversammlung in Meidling gehalten hat. Nur weil die Ausdrücke gar so treffend sind, sollen sie an dieser Stelle wiederholt werden. Dabei sei die Pikanterie festgestellt, daß sich Ehren- Vergani in den Spalten seines Ritualmordblattes stets mächtig, aufregte, wenn wir den Christlich-Sozialen die Kritik der Tatsachen entgegenhielten, und daß er stets die Meinung vertrat, man solle unserem Vorgehen ein Ende machen. Wir waren aber niemals so scharf als dieser Stadlrat Hraba, dessen Ausführungen im „Deutschen Volksblatt" mit vielem Behagen abgedruckt werden. Hraba plaudert aus den stadtbekannten Geheimnissen des Wiener Rathauses aus, daß sich um das Sterbebett des Bürgermeisters herum ein Konsortium von Aasgeiern unter Führung eines Abgeordneten gebildet habe, das es schon nicht mehr erwarten konnte, die Beute zu teilen. Diese Leute hätten eine Menge neuer Stellen, darunter die eines Oberkurators für ihre Mameluken, schaffen wollen. Es sei ihnen darum zu tun, die finanzielle Machtfülle der Stadt in ihre Hände zu bekommen, denn bei der Gemeinde Wien läßt sich sehr viel in Nebengeschäften herausschlagen. Die Herren hätten keine Ahnung, wie verhaßt und verachtet sie schon in seinem (Hrabas) Kreise wären. Auch Dr. Lueger hätte diese Leute verachtet. Diese politischen Gaukler könnten den Dr. Neumayer nicht als Bürgermeister brauchen, weil er ein Charakter und kein Streber sei. 2m Landtag sei eine ständige Kontrolle nötig, denn verschiedene Landesausschüffe seien Erekutive und Kontrolle in einer Person, und das heiße, den Bock zum Gärtner machen! Die Leute hätten einen Humanitätswolkenbruch über das Land gebracht, um einige leere Knopflöcher zu füllen, sie hätten den Steuerträgern beim Bau der Kliniken, der Irrenhäuser, des Versorgungsheims das Geld aus der Tasche gezogen. Die Wählerschaft solle sich aber von niemandem mehr irreführen lassen. Es gebe Antisemiten, welche Wölfe im Schafspelze sind und zu einem Gotte „Nimm" beten. Herr Stadlrat Hraba hat ausgezeichnet gesprochen. Er gab so ungefähr einen Abriß der ganzen christlichsozialen Herrschaft, unter welcher Wien seit Jahren seufzt. Diese Christlich-Sozialen sind ausgezogen, um das Volk vor dem jüdischen Einfluß zu retten. Diese Rettung ist in jeder Beziehung glänzend gelungen. Vor den Juden sind die Wiener gerettet, dafür dürfen sie den niederösterreichischen Bauern 85 Prozent der Ausgaben bestreiten und sich dafür im Landtag von ihnen kommandieren lassen. Vor den Juden ist Oesterreich gerettet, aber die Klerikalen und die für die obersten Stände privilegierten Adeligen haben soviel dreinzureden, wie in den schönsten Konkordatszeiten. Die Schule bis zur Universität hinauf ist vollständig, in klerikalen Händen. Die staatlichen Berufe sind überfüllt mit Leuten, bei denen es genügt, wenn sie ihre religiöse Pflicht in der Kirche erfüllen, statt der amtlichen in der Kanzlei: Selbstverständlich hinken wir bei diesem Befähigungsnachweis des Beichtzettels dem Fortschritt der anderen Reiche kaum nach. Das christlich-soziale Muster der Gesinnungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit ist in der ganzen Politik eingerissen und bringt das Räderwerk des Staates in jedem Augenblick zum Stehen. Das ist die moralische Rettung. Aber erst die materielle! Dem kleinen Mann wurden von der christlichsozialen Agitation goldene Berge versprochen. Heute sind

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