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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-25 · 12 (25.3.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 208 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 ten die Schülerinnen der hiesigen Klosterschule — Mädchen reiferen Alters bereits — dem Rabbiner, daß die Präfektin des Klosters die jüdische Religion schmäht. Ein Mädchen berichtete, daß ihnen stets heilige Legenden erzählt werden, es jedoch sich mit Widerwillen abwendet und diesen Erzählungen keine Aufmerksamkeit schenkt. Als die Präfektin sie nun einmal zur Rede stellte mit den Worten: „Warum verhältst du dich denn eigentlich so kühl den heiligen Erzählungen gegenüber?" da erwiderte ihr das Mädchen: „Weil es mir, Ehrw. Schwester, im Herzen weh tut, daß Sie unsere Religion beschimpfen und verspotten!" Die Präfektin antwortete jedoch: „Es ist nur Wahrheit, was ich Euch erzähle." Auf die Frage des Rabbiners, worin denn eigentlich die Schmähungen der Präfektin bestehen, erzählten die Mädchen, daß den Schulkindern erzählt wird: D i e I u - den brauchen zu den Passahfeiertagen zur Herstellung der Mazzoth Ehristenblut, wie solches auch jetzt zur Einweihung eines neuen Tempels in Daruvar benötigt wird, die Juden könnten nicht selig werden — sie kämen allesamt in die Hölle u. dgl. m. All dies wird den Kindern im Beisein der jüdischen Schuljugend erzählt und diese so der Verachtung der Mitschülerinnen preisgegeben. Nun wandte sich Se. Ehrw. Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Frankfurter mit einer energischen Eingabe an die kgl. Landesregierung in Agram, in der er die strenge Bestrafung der Präfektin forderte. Ist es nun unerhört — so fährt der Korrespondent fort —, daß schon in der Schule auf solche Weise der Judenhatz in die Herzen der Jugend eingepflanzt wird, so ist es geradezu beschämend, datz sich jüdische Eltern finden. die ihre Kinder einem Institute zur Erziehung anvertrauen, in dem das Judentum der Verachtung preisgegeben wird. Karlsbad. Löbliche Redaktion! Die Unterzeichneten bitten um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Es ist unwahr, daß „sämtliche Vereine Karlsbad die Juden ausgeschlossen haben." Von den nahezu 200 Vereinen unseres Ortes haben sich allerdings einige wenige, es dürsten ihrer kaum mehr als drei sein, in früheren Jahren arisch erklärt — die traurige Zeitströmung machte eben vor unseren Toren ebensowenig Halt, wie vor den anderer internationaler Kur- und Reiseorte in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz — aber die Ausschließung der Juden aus sämtlichen Vereinen Karlsbads ist eine glatte Erfindung. Ebenso unwahr ist es, daß die Juden zu den Veranstaltungen und Unterhaltungen hierorts nicht eingeladen werden, sie werden fast alle unterschiedslos eingeladen. Die bedauerliche gesellschaftliche Trennung zwischen Christen und Juden ist in Karlsbad nicht schlimmer als anderwärts. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben ist in unserem Orte derzeit vollständig friedlich und ruhig. Karlsbad, am 18. März 1910. Adolf R o s e n f e l d Dr. I. Ziegler Vorsteher-Stellvertreter. Rabbiner. Die Wahlen zur Jerusalemer Munizipalität. Am 28. Februar wurden die Wahlen zu der Jerusalemer Beladie (Stadtrat) abgeschlossen, die für die jüdische Bevölkerung ein günstiges Resultat ergaben. Von den fünf gewählten Gemeinderäten sind 2 Mohammedaner und 3 Juden. Der ganze Gemeinderat besteht aus 10 Mitgliedern. Die jüdischen Gemeinderäte sind: Dawid Jellin, hebräischer Schriftsteller und Lehrer am Seminar des Hilfsvereins, gewählt mit 392, Rachmin Misracht, gewählt mit 385 und Josef Eljascher, gewählt mit 367 Stimmen. Da die Zahl der jüdischen Wähler insgesamt zirka 300 betragen hat, so haben, wie aus dem Wahlresultat hervorgeht, auch nichtjüdische Wähler für die jüdischen Kandidaten ihre Stimmen abgegeben. Die gewählten 2 nichtjüdischen Vertreter des Gemeinderats, Hussein el Husseni und Ibrahim Regib, sind bekannte, liberal denkende und judenfreundliche Männer. Zum ersten Mal erreicht durch diese Wahl die jüdische ottomanische Bevölkerung Jerusalems eine ihrer Zahl annähernd entsprechende Vertretung im Gemeinderat. Die neuen Mitglieder der Kommune haben eine vierjährige Amtszeit vor sich. Zum Ras il Beladie (Bürgermeister) ist Hussein el Husseni, der sich allgemeiner Sympathien erfreut, gewählt worden. Die „Frankfurter Zeitung" erfährt aus Jerusalem : Seit geraumer Zeit werden von hier Berichte hinausgesandt, die anscheinend eine Hetze gegen die Juden inszenieren sollen. So wird berichtet, daß seit der Proklamation der türkischen Verfassung die Einwanderung der Juden in Palästina eine ganz enorme sei. Zu Tausenden kämen sie aus Persien und zu Hunderten mit den Schiffen aus Odessa an. Vier Fünftel der Bevölkerung Jerusalems, gegen 100.000 Seelen, seien mosaischen Glaubens. Im wesentlichen sei Jerusalem eine jüdische Stadt geworden. Handel und Banken seien allein in den Händen von Juden. Ueber hundert jüdische Schulen gebe es allein in Jerusalem, und Synagogen schössen im ganzen Lande wie die Pilze hervor. In Jaffa, Tiberias und anderen Orten zähle die jüdische Bevölkerung angeblich nach Zehntausenden. Das und noch mehr tischten ihren Lesern Londoner Zeitungen auf und deutsche Blätter halten nichts Eiligeres zu tun, als diese Nachrichten zu reproduzieren. Es ist aber nichts anderes als eine stark tendenziös gefärbte Uebertreibung der Tatsachen. Tatsache ist, daß von sechs Einwanderern fünf enttäuscht das Land wieder verlassen. Palästina hat keine Industrie, sein Handel ist unentwickelt, der Konsum überhaüpt unbedeutend. Die Einwanderer, zum weitaus überwiegenden Teile unbemittelte Leute, greifen aus Mangel an anderer Beschäftigung zur Feldarbeit. Der Tagelohn ist gering, der Äkklimatisationsprozeß schwer. Tatsache ist ferner, daß Jerusalem alles in allem überhaupt weniger als 100.000 Einwohner hat. Der verschwindend geringste Teil davon, etwa 300 Familien, sind Juden, die aus Persien stammen. Was die anderen Städte betrifft, so hat Jaffa bei einer Gesamtbevölkerung von 45.000 Einwohnern gegen 6000 Juden, Tiberias der Gesamtbevölkerung nach 5000 Menschen mit 2000 Juden. Weder die Ebene Esdrelor befindet sich in jüdischen Händen, noch dehnen sich die jüdischen Kolonien bis zur ägyptischen Grenze aus. Somit sind alle Nachrichten aus der Luft gegriffen. Man könnte das übergehen, wenn man nicht deutlich die Absicht merkte, die türkische Regierung gegen die Juden verstimmen zu wollen. Das wird aber hoffentlich nicht geschehen. Die „Jüdische Central-Bibliothek" in Jerusalem. Dw Verwaltung der «Jüdischen Eentral-Bibliothek" in Jerusalem veröffentlichte dieser Tage eine kleine Schrift, betitelt: «Die Jüdische Central-Biblioth^k. in Jerusalem, ihre Entstehung und Entwicklung". Beim Durchlesen dieser Schrift gewinnt man einen intereffanten Einblick in den Werdegang eines hervorragenden jüdischen Kulturwerkes Neu-Palästinas. Aus geringen Anfängen hervorgegangen, hat sich diese Institution in kaum zwei Dezennien zu einem bedeutenden Kulturfaktor entwickelt. Mit ihren 32.000 Bänden ist die Bibliothek ein ergiebiger Born geworden, der den geistigen Boden Jerusalems und des übrigen Palästina befruchtet. Mit Hilfe der zahlreichen wissenschaftlichen Werke des Instituts kann auch hier auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft erfolgreiche Arbeit geleistet werden. Sowohl die Rabbinen als auch die modernen Gelehrten, die Studierenden der Jeschiboth wie diejenigen der modernen Schulen entnehmen dieser Bibliothek ihre Hilfsmittel für ihre Studien und wiffenschastlichen Arbeiten. Besonders reichhaltig ist die Hebraica- Sammlung, die mit ihren 20.677 Bänden, darunter vielen Jncunabeln und seltenen Ausgaben, den entsprechenden Sammlungen der größten Weltbibliotheken an die Seite gestellt werden kann. Hervorgehoben zu werden verdient die 680 Exemplare zählende Sammlung der Agada- Werke.

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