Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. Blochs Wochenschrift. Tüte 2V7 Kultusgemeinde erschienene Herr Kultusvorsteher Adolf Schrämet, mit stürmischem Beifall akklamiert, bringt die Grüße der Kultusgemeinde, die die hervorragende Tätigkeit des Vereines anerkennt. Ec selbst weiß seine Zustimmung zu den Zielen des Vereines nicht deutlicher auszusprechen, als indem er seinen Beitritt zu dem Verein anmeldet. (Beifall.) Herr Bernhard Hofbaner spricht dem Vorstand seinen Dank aus und rühmt besonders die meisterhafte Buch- und Kassaführung des Herrn Isidor Austerlitz. Er beantragt, dem Vorstand das Absolutorium und den Dank auszusprechen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Bei den Ersatzwahlen werden die 6 ausscheidenden Mitglieder, Herr Bernhard Schiff einstimmig, Ignatz Back, Markus Bondi, Wilhelm Kritzler und Wolf Pappenheim mit großer Majorität und Herr Jqnatz Klein mit relativer Majorität wieder-, Herr Samuel Glückselig neugewählt. In der konstituierenden Vorstandssitzung wurden Herr Leopold Kohn zum Obmannstellvertreter. Herr Wolf Pappenheim zum Schriftführer, Herr Samuel Glückselig zum Kassier und Herr Dr. Isidor Reiniger zum Vereinsleiter, die Herren Markus Bondi, Wilhelm Kritzler. Jacob Stern und Leopold Kohn zu Synagogenvorstehern gewählt. Mit Akklamation wurden die Herren Bernhard Hofbauer, Jacob Fuchs und Berthold Stroh zu Revisoren bestellt. Worte eines edlen Christen. Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: Im Hause des über 85jährigen (eoangel.) ehemaligen Militär- Superintendenten Prof. Dr. I. M. Szeberenyi fand jüngst die Feier der Wiederoermählung einer seiner Töchter, der Witwe nach einem überseeischen Gutsbesitzer, statt. Aus der hiebei gehaltenen Tischrede des Brautvaters, der gleichzeitig Präsident des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus ist, entnehmen wir folgende, von echtester Menschenliebe durchglühten Worte, die ein herrliches Vorbild für so manche Kanzelrede abgeben würden: „Nach 52^ 2 Jahren Dienstzeit, um zehn Tage näher zu den neunziger als zu den achtziger Jahren stehend, wäre es kein Wunder, wenn ich mich nach dem ununterbrochenen. fortwährenden Sich-Ermüden, aus dem das Leben fast aller Menschen besteht, müde fühlen möchte, seelisch und leiblich. Ich bin aber nicht müde: namentlich in dreifacher Beziehung will und darf ich n i e müde werden und will mir eine gewisse Jugend bewahren bis zum letzten Herzschlag! Welches ist wohl diese dreifache Beziehung? Darauf gibt die zutreffendste Antwort ein Mann von anerkannter Hoheit des Geistes aus dem Volke Israel, dem religiösesten der ganzen antiten Welt, der Mutter, die zwei Töchter gedoren Hai. das Christentum und den Islam: beide schlugen der Mutter tausend Wunden. Dieser Mann, zuerst ein feuriger Verteidiger des monotheistischen Judentums, später ein ebenso feuriger Herold und Blutzeuge des gekreuzigten Heilands, prägte folgendes Ewigkeilswort: „Nun bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen!" Als alter, oft geprüfter, aber auch unoerdientermaßen reich gesegneter, ^begnadeter Mann, Gatte und Vater, bitte ich Euch, liebes, teures Braut- und Ehepaar: werdet nie müde im Glauben, Hoffen und in der Liebe! Im Glauben -- nicht nur an die höchste, unsichtbare, unbeschreibliche, geheimnisvolle Macht, die mit rätselhafter Ordnung ihres Weltplanes, nach ewig unerforschbaren Gesetzen die Schicksale jedes Einzelnen webt und lenkt, sondern auch im Glauben an die Menschheit, was eben auch nicht leicht ist. eingedenk des bedenklichen Wortes des Königsberger Philosophen, daß er auf die Frage: ob das Menschengeschlecht eine gute oder schlimme Rasse sei, offen gestehen müsse, es sei damit nicht viel zu prahlen! Werdet nie müde in der Hoffnung, daß jene höchste A!acht nicht mehr uns auferlegt, als wir zu tragen vermögen, mittelst der in uns gelegten inneren Seelenkräfte, die, zu wunderbarer Macht und Kraft in uns entwickelt, ausgebildet werden können, um das Leben von innen heraus zu verschönern, zu verklären! Und werdet, meine geliebten Kinder, nie müde in Liebe! Was heißt lieben? Beglücken - und daraus das eigene 'Glück erringen! Es gibt tatsächlich kein anderes Glück. Freude von unzerstörbarer Dauer, als das durch uns einem geliebten Wesen bereitete Glück! Wenn ich auch nur einen Menschen, ein mir nahes Wesen glücklich, zufrieden machte, werd' ich beiter, ja lächelnd sterben können, soweit es die letzte Krankheit erlauben wird: sterben und doch unsterblich leben, nicht kosmisch das ist nur wenigen Großsternen des Geistes bestimmt , aber im Andenken des, oder gar der Wesen, deren Glückseligkeit ich gefördert oder gar begründet habe! " Zur Eröffnung der jüdische» Museen in Krakau. In nächster Zeit wird in Krakau das jüdische Museum eröffnet werden. Das Krakauer jüdische Museum wird zu den wertvollsten und reichhaltigsten Sammlungen dieser Art gehören. Dies läßt sich aus den bei der Krakauer Kultusgemeinde für das Museum bereits erliegenden Gegenständen schließen. Besonders intereffant wird die Handschriftenabteilung sein. Das 'Museum besitzt bereits die Originalien der Judevpatente der polnischen Kaiser und Könige: Sigmund August, Sigmund III., Jan Kazimierz, August und Stanislaw August. Alle diese kaiserlichen Handschreiben beziehen sich auf die Rechte der Juden in Polen und tragen die eigenhändige Unterschrift der betreffenden Landesfürsten. Besonderes Interesse erweckt, ein Gesetzentwurf über die Juden, der dem Landtag hätte vorgelegt werden sollen. Der König machte verschiedene Korrekturen und Randbemerkungen, strich die ganze Einleitung zum Gesetze und verfaßte eine andere Einleitung. Außerdem befindet sich schon im Besitze des Museums eine große Anzahl historischer Dokumente, die die Unterschriften der Krakauer Wojwoden und anderer höherer königlicher Beamter tragen. Diese Aktenstücke werfen ein neues Licht auf das wirtschaftliche und soziale Leben der Juden jener Zeit und liefern auch neue Daten zur Geschichte der Stadt Krakau. Unter diesen Akten befindet sich auch einer, durch welchen die Grenze zwischen Krakau und der Judenstadt Kazimierz genau bezeichnet wird. Ferner wichtige Zuschriften des Papstes Mischkowsky aus den Jahren 1627—1638, Urteile der Wrßvoderigerichte aus den Jahren 1609—1617. Ein wichtiges Dokument für die Geschichte der Krakauer Judengemeinde bildet der Akt aus dem Jahre 1791, durch welchen die zwischen der Krakauer Judengemeinde und dem Vorsteher des Auguste^ orden obschwebenden Geldangelegenheiten geregelt wurden. In der Dokumentensammlung befindet sich auch eine Kopie der Bulle Papst Paulus aus dem Jahre 1595, in welcher der Papst die Juden gegen die Ritualmordbeschuldigung in Schutz nimmt. Hierzu kommen noch alte Protokolle aus dem 16. Jahrhundert in hebräischer Sprache. Unter den zahlreichen Gebetbüchern fällt ein sehr kleines Exemplar in Silber gefaßt auf, auf welchem die polnischen Adler in Silber gestochen fichtbar sind. Ueberaus reichhaltig ist die Sammlung synagogaler Gebrauchsgegenstände in Silber, Holz und Elfenbein aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, deren Provenienz aus Venedig, Deutschland und Polen nachgewiesen ist. Verbreitung der Blutbeschutdigung durch eine Klosterprä-- fettin. Die letzte Nummer der in Osiek erscheinenden ,,/i doosta Smotra" bringt folgenden Bericht aus Daruvar (Slawonien): Seit längerer Zeit bereits geht hier das Gerücht um, daß ein fremder Jude hier eingetroffen sei, der es versucht, zwecks Einweihung, des hier zu erbauenden Tempels sich Christenblut zu verschaffen. Dienstmädchen erzählten es ihren Herrinnen rc„ so kam es auch dem Nabbinate zu Ohren. Alles Recherchieren war jedoch vergeblich die Quelle des Gerüchtes war nicht zu erforschen. Gegen Ende des vergangenen Monates, auf dem Heimwege vom Iugendgottesdienste am Sabbath, erzähl-