Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021886--19144-3044110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 206 Dr. Blochs Wochenschrift. nt. 12 dies gerade so, als wenn ein Stellensuchender erst den Nock, dann die Schuhe usw. bekäme und sich' daher nie vorstellen kann, weil er eben nie den ganzen Anzug auf einmal bekommt. Für wichtig halten wir es auch, eine Rcchtsschutzabteilung einzuführen, welche allen Wohltätigkeitsvereinen und Institutionen zu dem Zwecke zur Verfügung steht, um die verantwortlichen Kreise, die Berufenen, die zuständigen Gemeinden zur Hilfeleistung in einzelnen Fällen heranzuziehen. Denn es geht nicht gut an, daß die gesamte Wohltätigkeit für Juden nur von Juden ohne Jnansvruchnahme der Verpflichteten ausgcübt werde und daß das konfessionelle Moment in der Wohltätigkeit allein maßgebend sei. Diese Einführung erfordert aber, sowie alles, was bisher gesagt wurde, einen intensiven Zusammenschluß. Und solange Sie sich nicht entschließen, ich meine auch die, d e hier sein sollten, vor jeder Beteilung, ja vor jeder neuen Recherche im Zentralkataster anzufragen, ob der betreff nde Petent bereits bekannt ist, o b für ihm ein Pfleger bestellt ist, o b und welche Unterstützung er bisher empfangen hat, solange Sie, wenn ein Pfleger bestellt ist, nicht nur im Wege des Pflegers geben, sondern s e l b st neuerlich Recherchen und neuerliche Mühe aufwcnden, solange kann und wird keine Ordnung, keine Verbesserung im Armenwesen möglich sein. Wir appellieren deshalb neuerdings au Sie, wrnden Sie allen Einfluß in den Kreisen, in welchen Sie verkehren, auf, damit j e d e r, der Almosen verteilt, sich der Zentralstelle anschließe, aber nicht nur in dem Sinne, um dieselbe in ihrem Bestehen durch Geldbeitrag zu unterstützen, sondern hauptsächlich in dem Sinne, um sie zu befähigen, ihre große Aufgabe zn vollführen, und in.der Erkenntnis, daß die Durchführung dieser Aufgabe nur dann möglich ist, wenn ein reich ausgestatteter Kataster besteht, in welchem alle Unterstützungen eingetragen erscheinen, w-rl ein solcher allein die Grundlage für jede gemeinsame Tätigkeit bilden kann. Korrespondenzen 70. Geburtstag des Herr» Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn. Am 30. März d. 3. vollendet Herr Dr. Gustav Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat. Mitglied des k. k. mederöstcrceichischen Landesschulrates, erster Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien und Präsident des Bethausoorslandes. fein 70. Lebensjahr. Herr Dr. Gustav Kohn hat sich in diesen und vielen anderen Ehrenstellungen in jahrzehntelanger, hingebungsvoller Arbeit hervorragende Verdienste um die israelitische Kultusgemrinde Wien, um unsere Glaubensgenossen in Oesterreich und um das allgemeine Wohl erworben. Er weiht seine unermüdliche selbstlose Tätigkeit und liebevolle Sorge der Erhaltung und Entwicklung aller Institutionen, die unserem Gottesdienste, den Unlerrichtszwecken, der Unterstützung von Armen, Kranken, Witwen und Waisen gewidmet sind. Der Bethausvorstand hat daher die Anregung gegeben, daß die Freunde und Verehrer dieses mit großer Herzenscüte, mit liebenswürdigem Wesen und vornehmer Gesinnung ausgezeichneten Mannes anläßlich seines 70. Geburtstages ihre Gefühle aufrichtiger Sympathie und dauernden Dankes in würdiger Weise zum Ausdrucke bringen durch Gründung einer „Dr. Gustav Kohn-WohltLiigkeits-StifLring". deren spezieller Zweck von dem Gefeierten bestimmt werden soll. Wir können mit Recht erwarten, daß diese Art der Ehrung, die dem Wesen und der Persönlichkeit des Jubilars wohl am besten entspricht, in den weitesten Kreisen unserer Stadt Anklang finden wird. Wir bitten, sich an dieser Ehrung Dr. Gustav Kohn's durch einen Beitrag beteiligen zu wollen. Die Unterzeichneten Mitglieder des vorbereitenden Komitees nehmen Beiträge entgegen. Kais. Rat Leopold Langer, Bai guter, I. , Kärntncrring 1, (Obmann des Komitees.) Karl Freund, Privatier II, Praterstraße 70. Rudolf Kohn, Klavierfabrikaut, I, .Hlmmcipfortgaffe 26. Adolf Schrämet, Kohlen 6v gro8-tzändler, k u. k. Hoflieferant, II., Novaragaffe 21. Kais. Rot Leopold Sachs, I., Augustinerstraße 6. Dr. E. Münz, Hof- und Gerichtsadvokut, I, Notcnturmstraße 13. Wien. Am 16. d. M. fand zur Feier des 70jährigen Bestandes des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten unter dem Vorsitze des Kommerzialrates Leopold Simon eine Generalversammlung statt, welcher eine Anzahl Delegierter von Behörden und Korporationen anwohnten. Nachdem Herr Kommerzialrat L. Simon die gls Vertreter verschiedener Körperschaften erschienenen Herren namentlich begrüßt hatte, erstattete der Schriftführer. Magistralssekretär im Ruhestände, Herr Dr. Wilhelm Loewy, den Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Dezennium 1900 -1909, dem wir u. a. entnehmen, daß seit dem Bestände des Vereines 5848 Zögl'iTce zu Gehilfen freigesprochen wurden. Hierauf ergriffen die Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Hofrat Franz Migerka, Carl Reise nleitner als Vertreter der R.-Oesterr. Handels- und Gewerbe »ammer, Carl Reichert als Vertreter des R.- Oesterr. Gcwerbeoereines, ferner der Gemeinderat Dr. v. Dorn und der Sekretär der Oesterr.-Jsr. Union, Herr Siegfried Fleischer, das Wort, um das segensreiche Wiik'N des Vereines hervarzuheben und ihm weiteres Gedeihen, zu wünschen. Der ehemalige Vereinszögling Herr S. Friedmann sprach der Vereinsleitung seinen Dank aus und richtete an die anwesenden Zöglinge den Appell, d:m Vereine stets Ehre zu machen. Auf Antrag des Herrn Dr. Wechsberg wurde der gegenwärtige Vorstand wiedercewählh der sich folgendermaßen zusammensetzt: Präsident Leopold Simon, Vizepräsident Dr. Richard Reis, Schriftführer Dr. Wilhelm Loewn, Vorstandsmitglieder: Albert Brand eis, Wilhelm Hirsch, Leopold Langer, Edmund Melcher, Adolf Reumann, Felir Reifer, Leopold Sachs, Adolf Straßmann und Julius Stern. Zum Schluffe erhielten 10 Zöglinge wegen guter Aufiührung ln der Lehre und in der 'Schule Prämien. Unter den Anwesenden bemerkte man noch die Witwen der ehemaligen Vereinspräsidenten, Frau Rosa Ziflerer und Frau Helene Horner, ferner die Herren: Vereinsspiritual Moritz Antscherl, Dr. Adler, S. B r o d (Verein zur Hebung der Gewerbe), Franz G a l e u (Zentralverein für Lehrlingsunterbringung), Dr. Lieben, Landtagsabgeordneter Cornel Spitzer, Dr. Marius Spitzer, Isidor Spira (Gremium der Wiener Kaufmannschaft), Zentral - Eewerbeinspektor R. von Stach und Dr. Sch nepp (Tempelverein für den IX. Bezirk). Generalversammlung des Adasi Jisroel (Schiffschnl) II., Gr. Schiffgasse 8. Am 13. d. I. fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Adaß Jisroel unter ungewöhnlich starker Beteiligung statt. Der große Saal des Beth Hamidrasch konnte die Erschienenen kaum fassen. Der Obmann Herr Philipp Back, ein 84jähriger Greis, dessen stattliche Erscheinung sehr sympathisch begrüßt wurde, eröffnete die Versammlung, indem er für das zahlreiche Erscheinen mit bewegten Worten dankte. Er widmete den verstorbenen Mitgliedern Ellenbogen, Reiß und Frau Lasus, der Mutter des Hofrates Lasus, ehrende Nachrufe, die die Versammlung stehend anbörte. Den Jahresbericht erstattete Herr Wolf Pappenheim. Tie Tätigkeit des Vereines erstreckt sich auf alle Gebiete des jüdisch-orthodoxen Lebens. Besonders hob er die Tätigkeit des Vereines in Bezug auf den Unterricht in der Thora hervor. Mehr als 200 Kinder erhalten unentgeltlichen, gründlichen Unterricht in der Bibel, mehr als 50 Kinder in der Gemora. Dank den Bemühungen des Herrn Wilhelm Kritzler fand dieser Zweig auch Unterstützung außenstehender Kreise. Das Budget, das derzeit 56.000 Kronen betrögt, ist vollständigen Gleichgewichts, mehr als 5000 K flössen davon an Vereine und an Armcnbeteilung ab. An der lebhaften Diskussion, die sich daran schloß, müssen besonders die vorzüglichen Ausführunaen des Herrn Arnold Rosenfeld, die formvollendete Rede des Herrn Jacob Fuchs, in der er dem Vorstand sein uneingeschränktes Lob ausspricht, sowie die anerkennenden Worte des meisterhaften Redners Josef Schaalman hervorgehoben werden. In ausgezeichneter Rede gab Herr Nasch sehr beherzigenswerte Anregungen. Der in Vertretung der