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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-25 · 12 (25.3.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Vlochs Wochenschrift. Sette 205 Die Auskünfte, «keine Aufzeichnungen" wollen wir möglichst aus der Welt schaffen und fernerhin, wenn über einen unbekannten Armen angefragt wird, sofort ein Katasterblatt für denselben anlegen, auf welchem Zeit der Anfrage und Namen des Anfragenden vorgemerkt werden, damit wir auf eine neuerliche Anfrage wenigstens d i e Antwort erteilen können, ob über den betreffenden Fall schon von anderer und von welcher Seite Anfragen vorliegen. Wir glauben, daß durch eine derartige Antwort gewissermaßen auf einen Zusammenschluß der Anfragenden zur gemeinsamen Behandlung des betreffenden Falles hingewiesen und eine gemeinsame Aktion vorbereitet wird. Eine zweite Forderung war die der Fühlungnahme mit interkonfessionellen Vereinen. Diese konnte zu keiner regelmäßigen Berichterstattung führen, weil viele Institutionen keine Aufzeichnungen über die Konfession der von ihnen Beteilten haben. Unsere Beziehungen sind jeloch derartige, daß wir von den größeren Vereinen und auch vom Magistrat über unsere Anfragen in einzelnen Fällen sofort bereitwilligst Auskunft erhielten. Bezüglich des dritten Wunsches, es möge dahin gewirkt werden, daß jeder Unterstützungswerber nur von einer Seite over nur durch Vermittlung des bestellten Pflegers beteilt und unter dauernder Kontrolle gehalten werde, wollen wir Ihnen demnächst einen Vorschlag unterbreiten, dahingehend, jene Unterstützungswerber, welche 'Almosen von vielen Seiten in Anspruch nehmen, auf die einzelnen Vereine behufs Aufstellung von Pflegern aufzuteilen. Die Beratungen hierüber sind noch nicht abgeschlossen. Bezüglich der vierten Forderung, es ruögen Stellen geschaffen werden, in denen Petenten anstatt Almosen Arbeit angeboten wird, um dadurch Arbeitswillige von Arbeitsscheuen zu unterscheiden, können wir Ihnen zu unserer Befriedigung mitteilen, daß unsere Intervention eine solche Stelle, und zwar eine humanitäre Arbeitsstätte für Frauen vor kurzer Zeit ins Leben gerufen worden ist. Prospekte dieser Arbeitsstätte sind Ihnen beim Eintritte in den Saal übergeben worden, und wir bitten Sie, von dieser segensreichen Einrichtung ausgiebig Gebrauch zu machen, sie aber durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheit zu unterstützen. Dabei wollen Sie sich vor Augen halten, daß es zumeist unqualifizierte Arbeitskräfte find, die in derartigen Arbeitsstätten Beschäftigung suchen, wenn sie sie überhaupt suchen, denn n^ch den bisherigen Erfahrungen verweigert ein ganz unglaublich großer Prozentsatz der an die Arbeitsstätte Gewiesenen die Annahme von Arbeit und es dürfte kaum ein besseres Mittel als die Zuweisung des Petenten an diese oder eine derartige Arbeitsstätte geben, um die ehrlichen Bedürftigen von den Profeffionsbettlern zu unterscheiden. Auch der fünften Forderung, Ausgestaltung solcher Stellen behufs höherer Qualifizierung von minderbefähigten Personen wird versucht, in der erwähnten Arbeitsstätte Rechnung zu tragen, indem dortselbst die Möglichkeit geboten ist, den Schützlingen Unterweisung und Unterricht in besseren Handarbeiten zu erteilen. Es wurde endlich hervorgehoben, daß die Diskussion über die Reform der Armenpflege nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden dürfe, und Herr kais. Rat Doktor Klüger bat empfohlen — durch Bildung von Bezirkskommissionen — durch Meinungsaustausch über die Behandlung einzelner Fälle in diesen Kommissionen — und durch Aufstellung gemeinsamer Grundsätze für die Armenpflege in Versammlungen von Delegierten dieser Bezirkskommissionen — die Reform anzubahnen, respektive den Reformgedanken lebendig zu erhalten. Auch hierüber sind im Kuratorium noch keine Beschlüsse gefaßt und wir behalten uns vor. Ihnen geeignete Vorschläge zu erstatten. Sie sehen, daß die Bemühungen des vergangenen Jahres uns unserem Ziele nur wenig, aber doch etwas näher geführt haben. Aber glauben Sie uns, nicht an Arbeitsfreude, nicht an dem Festhalten der uns vorschwebenden Richtung, nicht an gutem Willen und nicht am nötigen Fleiße hat es gefehlt. Das Gebiet der Armenpflege jedoch ist derart ungangbar, derart steril, daß in demselben nur ungemein schwer das Saatkorn der Modernisierung aufgehen kann. Sie alle und auch wir hängen so sehr an dem gewohnten, althergebrachten System, daß selbst bei theoretischer Zustimmung zu den Ideen der Reform — und die haben Sie ja alle gegeben — sobald es zur praktischen Arbeit kommt, die Mitwirkung fast aller Faktoren unterbleibt und das Zusammengehen versagt. Es ist ja richtig, traurige Erfahrungen in einzelnen Fällen blieben Ihnen allen, die Sie in der praktischen Armenpflege stehen, nicht erspart. Sie sind häufiger, wesentlich häufiger als die erfolgbringenden Bemühungen und da ist es kein Wunder, wenn unter der Schar der Hilfsbereiten die Zahl jener immer größer wird, welche sagen, es ist schade um unsere Bemühungen, sie sind erfolglos, sie werden es immer bleiben. Da nun der Zuzug neuer hilfsbereiter Menschen — ich meine solcher, die auch arbeiten wollen, sehr gering ist, bleiben für die Einzelarbeit, für die intensive Bearbeitung jedes einzelnen Falles immer weniger Arbeitswillige. Und doch kann nur in der Einzelarbeit ein großer, dauernder Erfolg gefunden werden. Wenn Sie fragen, warum aber sind die Erfolge so gering und so selten? Nach unserer Ueberzeugung können sie nicht viel besser sein, solange viele, viele Vereine und noch mehr Privatwohltäter außerhalb unserer Organisation stehen und solange auch an solche Unterstützungswerber, für die bereits Pfleger bestellt sind, direkte Almosen verteilt werden, denn durch diese direkte Beteilung wird dem Pfleger förmlich in den Rücken gefallen. Wie kann ein Pfleger, der es ernst nimmt, sich bei dem Armen durchsetzen, wie kann er erziehlich wirken, wie kann er verhindern, von dem Petenten ausgelucht und hintergangen zu werden, wenn der Petent sieht, daß er trotz Pfleger und trotz angeblichen Zusammenschlusses noch immer neben der vom Pfleger zugewiesenen und selbstverständlich karg zugewiesenen und sogar an gewisse Arbeits- und sonstige Bedingungen geknüpften Unterstützung auch noch anderweitig, wo er anklopft, viele offene Türen'findet, daß er Almosen erhält, die mit keinem erziehlichen Eingriff und mit keiner Beschränkung seiner Freiheit verbunden sind. Er wird geradezu ermuntert, den Pfleger zum besten zu halten. Ich sehe ganz gut ein, daß viele Menschen das Bedürfnis haben. Armen, die sich an sie wenden, nicht nur zn helfen, sondern ihnen auch persönlich zu helfen, ja direkt zu geben. Dies könnte ja in Gottes Namen ruhig geschehen, aber die Meldung über dies direkte Geben an die Zentralstelle sollte doch gewiß nicht unterlassen werden und die Zentralstelle könnte oder vielmehr sie müßte diese Meldung sofort dem bestellten Pfleger bekannt geben, damit dieser in der einheitlichen zielbewußten Führung der ihm übertragenen Angelegenheit nicht gestört werde. Wir betrachten es nicht nur als unsere Aufgabe, sondern wir wurden hiezu auch ans Ihrer Mitte reichlich angeregt, auf eine möglichste Vereinheitlichung der einzelnen Unterstützungszweige, auf gemeinsame Tätigkeit der gleichartigen Institutionen hinzuarbeiten. Nach dieser Richtung haben wir zwei Aktionen eingeleitet. Für den 21. Oktober v. I. hatten wir die Kinderbekleidungsvereine eingeladen, sich über ein einheitliches Vorgehen in diesem Zweige der Wohltätigkeit auszusprechen. Die Debatte war eine äußerst lebhafte und brachte eine Fülle von Anregungen seitens der Teilnehmer. Die vorgeschrittene Bekleidungssaison hat es noch nicht zur Ausführung der Grundsätze kommen lassen, welche von einem gewählten Komitee ausgestellt wurden, doch wird die Frage weiter behandelt werden müssen. Einen sehr praktischen erfreulichen Erfolg hatte diese Einberufung insoserne sofort, als eine Delegierte des Vereines Settlement den jüdischen Vereinen die Ausstattung für 20 Kinder zur Verfügung stellte, und es konnten Kinder, die von den Vereinen mangels der erforderlichen Mittel abgewiesen worden waren, nachträglich aus dieser Spende beteilt werden. Die zweite Aktion hat sich darauf bezogen, ein einheitliches Vorgehen jener Vereine und Institutionen welche sich mit der Krankenpflege befassen, herbeizuführen. Das Kuratorium bat im Vereine mit den Vertretern der israelitischen Armenanstalt, der Chcwra-Kadischa. des Vereines „Osten", des Vereines „Bikur Chmlim" und des isr. Spitales in einer größeren Anzahl von Sitzungen eine Enquete über die Angelegenheit des Kranken-Unterstützungswesens abgehalten. Es wurde nicht nur eine Reihe von Leitsätzen über die notwendigen Verbesserungen aufgestellt. sondern es wurde auch ein praktischer Erfolg nach 2 Richtungen erzielt. Erstens ist eine ständige Evideuzhaltung der in den Krankenanstalten befindlichen jüdischen Kranken organisiert, welche den Zweck hat, für die Abdirigierung derjenigen Kranken Vorsorge zu treffen, von denen man annimmt, daß sie voraussichtlich nach Verlassen des Krankenhauses die Wohltätigkeit zum Zwecke der Abreise in Anspruch nehmen dürften, und soll diese Vorsorge rechtzeitig, solange sie noch im Spitale sind, erfolgen. Der Vorteil, der aus dieser Aktion für sämtliche Wohltätigkeitsvereine sich ergibt, ist in die Augen springend, denn Sie alle haben die Wahrnehmung gemacht, daß bisher derartige Arme Wochen-, auch monatelang nach der Entlassung aus dem Spital die Wohltätigkeit aller Vereine in Anspruch genommen haben, daß sie von allen Seiten nacheinander Reisegeld erbettelten, ohne eine Reise anzutreten und daß sie schließlich den vorübergehenden Aufenthalt zu einem dauernden, Sie alle belästigenden und belastenden umgestaltet haben. Sie werden aber für die Zukunst, wenn ein Spitals entlassener sich um Reisegeld oder um Unterstützung an Sie wendet, denselben an die geschäftsführende Zentralstelle weisen können, allerdings wird es oft notwendig sein, daß Sie zur Unterstützung des einzelnen Falles einen gewissen Betrag beisteuern, was ja auch jetzt geschieht, aber Sie werden sicher sein, daß dieser Betrag dem Petenten wirklich nur zu dem Zwecke und unter Kontrolle des Verlassens von Wien ausgefolgt werden wird. Zweitens wurde in der erwähnten Enquete betont, daß insbesondere der Zuzug solcher fremder armer Kranker, die nicht unbedingt einer Spitalsbehandlung in Wien bedürfen, die aus Gegenden kommen, wo gute Spitäler ohnehin bestehen, verhindert werden müsse, da die Wiener Wohltätigkeitsanstalten nicht einmal den Anforderungen der ansässig:n Armen genügen können und da die Krankenanstalten fremde Kranke ohne Vorausbezahlung nicht aufnehmen. Die Teilnehmer der Enquete haben an den Knltusvorstand das Ansuchen gestellt, für die Verbreitung einer in diesem Sinne gehaltenen Warnung „vor Zuzug" in der Provinz Sorge zu tragen. Auch die Arbeiten dieser Kranken-Enquete sind nicht abgeschlossen, und selbst, wenn sie es sein werden, wenn es gelungen sein wird, ein gemeinsames, einheitliches Vorgehen in diesen und anderen Zweigen der Armenpflege zu erzielen, dann wird noch die große Arbeit übrig bleiben, alle diese Zweige zu einem gemeinsamen, einheitlichen Vorgehen bei Behandlung der einzelnen Fälle zu bringen. Es muß endlich eine Zentrale bestehen, die einer notleidenden Familie die Hilfe aller in Betracht kommenden Institutionen auf einmal zugänglich macht, um auf einmal gründliche Abhilfe zu schaffen, im Gegensatz zur jetzigen Art der Armenpflege, wo der Bedürftige sich durch verschiedene Zweige derselben nacheinander durchbetteln muß, wo ein Zweig vom anderen nichts weiß, wo es besonderer Fürsprache bedarf, einen Kranken im Spital unterzubringen, und wo beispielsweise, während der Ernährer im Krankenhause ist, sich um die hungernde Familie kein Mensch kümmert. Es ist

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