Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 204 Dr. Blochs Wochenschrift. - Nr. 12 Ligen, energischen Kampf beginnen, alle möglichen Mittel in Anwendung bringen, um die Emanzipation der Juden durchzusetzen. Im Zusammenhänge damit müßte ein Fond geschaffen werden, nicht nur. um die Bewegung selbst zu fördern, sondern um auch solche Vorkämpfer zu unterstützen, die infolge ihres Kampfes von den rumänischen Machthabern in den Ruin getrieben werden. Ich brache diese Anregung aus meiner inneren Ueberzeugung heraus, daß die rumänischen Juden gezwungen sein werden, ihr Problem selbst zu lösen, genau so, wie die russischen Juden das ihrige. Die direkte Einmischung Außenstehender macht die Situation nur schlimmer, indem das Vorurteil gegen die Juden nur noch gestärkt und der Klage, daß die Juden das Ausland gegen ihr Vaterland aufhetzen, Vorschub geleistet wird. Die Juden sind nicht die einzigen, die in Rumänien unterdrückt werden, 51/2 von den sechs Millionen Einwohnern werden gleichfalls von dem kleinen Häuflein Oligarchen, die das Land regieren, mißhandelt. Die rumänische Frage ist keine ausschließliche Judenfrage. Es ist ein Kampf der Masse gegen eine Klasse, es ist ein heftiger, noch lange nicht mit all seiner Wucht ausgesprochener Kampf einer Nation gegen ihre Unterdrücker, in welchem die Judenfrage bloß ein Inzident bildet. Und diesem Kampfe dürfen sich die rumänischen Juden auch dann nicht entziehen, wenn sie sich schon außerhalb des Bereiches der Zuchtrute befinden." Landesco ist schließlich überzeugt, daß eine organisierte Kampagne zum gewünschten Ziele führen müsse und erklärt sich bereit, die Schaffung einer solchen Organisation für Amerika in die Hand zu nehmen. Der Komponist der südafrikanischen Nationalhymne. Die südafrikanische Negierung hat vor einiger Zeit eine Preiskonkurrenz für die beste Melodie für eine südafrikanische Nationalhymne ausgeschrieben. Von den eingelaufenen 146 Preisarbeiten hat diejenige eines Juden Berthold Kapolowitz den ersten und eine zweite Arbeit desselben Komponisten den zweiten Preis davongetragen. Das Urteil der Jury lautete dahin, daß die Musik der Preisarbeit hervorragend im Stile, in der Konzeption und Ausführbarkeit ist und alle Eigenschaften besitzt, um bald die beliebte Nationalhymne zu werden. Kapolowitz ist von Beruf Ingenieur, ist jedoch der Verfasser mehrerer Musikwerke, die auch auf dem Kontinent bekannt sind. Die neue Nationalhymne wurde bereits jüngst anläßlich eines südafrikanischen Sängerfestes in Johannesburg unter großem Beifalle der Zuhörer gespielt und gesungen. Die Zentralstelle für das jüdische Arurenmesen in Wien. Am 21. März. l. I. fand im Sitzungssaale der Israel. Kultusgemeinde die sotzungsgemäße II. ordentliche Delegierten-Versammlung der Zentralstell: für das jüdische Armenwesen statt. Die Wiener israel. WohUätigkeits- und Humanitäts-Institutionen waren durch ihre Delegierten vertreten. Auch eine große Anzahl von Privat-Wohltätern und Ehrengästen nahm an der Versammlung teil. Dem Berichte des Kuratoriums, welcher zustimmend zur Kenntnis genommen wurde, ist zu entnehmen, daß die Leitung der Zentralstelle ihrer Aufgabe, die Wiener jüdisch-konfessionelle Armenpflege auf eine zeitgemäße Gri ndlage zu stellen, mit regem Eifer und zäher Ausdauer oblag und die propagierten, als zweckmäßig anerkannten Bestrebungen allmählich auch in der Praxis Eingang finden. Kuratoriums-Vizepräsident Herr Dr. Rudolf Th. S ch 0 r st e i n eröffnete in Vertretung des nach einer überstandenen Krankheit in Rekonvaleszenz befindlichen, derzeit im Süden weilenden Kuratoriums- Präsidenten, Herrn k. k. Landesschulrates Dr. Gustav K 0 h n, die Versammlung mit der Begrüßung der zahlreich erschienenen Delegierten, Privat-Wohltäter und Ehrengäste, welche, die einleitenden Worte des Vorsitzenden lebhaft akklamierend, dem allverehrten Herrn Doktor Gustav Kohn eine spontane Sympathiekundgebung bereiteten. Der Vorsitzende gab der Erwartung Ausdruck, aus dem regen Jntereffe der Anwesenden für den Gegenstand der Tagesordnung der weiteren Entwicklung der Zentralstelle günstige Auspizien stellen zu dürfen. Rach Uebergang zur Tagesordnung erstattete der Schriftführer des Kuratoriums, Herr Heinrich M e n d l, den Bericht über die bisherige Tätigkeit und beleuchtete mit großer Sachkenntnis in formvollendeter Darstellung die Aufgaben der Zentralstelle in ihren verschiedenen Belangen. Der Vorsitzende sprach dem Referenten für seine ausgezeichneten Ausführungen unter lebhaftem Beifalle der Versammlung den Dank aus. ' Nach Erstattung des finanziellen Berichtes durch den Vorsitzenden ergriffen zum Tätigkeitsberichte des Kuratoriums aus der Mitte der Versammlung das Wort Herr Salo Lemberger (Verein Donauperle) und Frau kaiserl. Rat Johanna Fröhlich, Vizeprästdentin des „Frauenhort". Ersterer setzte in längerer Ansführung die schwierige Aufgabe auseinander, welche die Mitglieder des Kuratoriums als Pioniere der Armenpflege in anerkennens- und dankenswerter Weise übernommen haben, und appellierte an die Versammlung zur tätigen Mitarbeit. Frau kaiserl. Rat Fröhlich gab einige Anregungen in Bezug auf die Ausgestaltung des Zentral-Armen- Katasters. Zum Punkt „Wahlen in das Kuratorium" gab der Vorsitzende bekannt, daß die Mandate der Herren Max Frank, kaiserl. Rat Dr. S. Krüger, Direktor I. Mautner, Heinrich M e n d l und der Damen Emilie Weiß und Rosa Zifferer in diesem Jahre ablaufen und für diese erledigten Mandate in der Delegierten- Versammlung Neuwahlen erforderlich sind. Hiezu ergriff Frau Katharina Kohn (Brigittenauer israel. Frauen-WohltätigkeitS-Verein) das Wort und führte aus, daß die genannten Personen, welche in selbstloser Weise unter Aufopferung von Kraft, Zeit und Mühe an die Spitze des großen Reformwerkes sich gestellt haben, den Dank der Allgemeinheit mit der Bitte verdienen, ihre Mandate neuerdings zu übernehmen. Frau Katharina Kohn stellte den Antrag, die sämtlichen genannten Herren und Damen per aeelamationsw für die satzungsgemäße Dauer von zwei Jahren in das Kuratorium wiederzuwählen. Dieser Antrag wurde einhellig angenommen. Nach Erledigung der Tagesordnung schloß der Vorsitzende die Versammlung unter dem Ausdrucke des Dankes an die Erschienenen für die der Sache förderliche Beteiligung. Nachstehend reproduzieren wir das interessante Referat des Schriftführers, Herrn Heinrich M e n d l, seinem vollen Wortlaute nach: Wir haben im März v. I. die Ehre gehabt. Ihnen bei Erstattung des Tätigkeitsberichtes jenes Programm zu entwickeln, von dessen Durchführung wir eine rationelle Ausgestaltung der Armenpflege erwarten. Die Forderungen, welche dieses Programm umfaßte, waren mannigfache. Ich möchte mir erlauben, diese Forderungen in Kürze anzuführen und im Anschluß ay jede einzelne bekanntzugeben, welchen Weg wir eingeschlagen haben, um ihrer Erfüllung näher zu kommen. Es sollte vor allem der Anschluß aller Vereine und privaten Wohltäter — behufs Ausgestaltung des Katasters — an die Zentralstelle herbeigeführt werden. Nach dieser Richtung sind folgende Fortschritte zu verzeichnen; der Zentralstelle angeschlossen sind derzeit: 52 Vereine gegen 44 im Vorjahre, also p l u s 8 und 31 Einzelpersonen gegen 1 im Vo fahre, also plus 30. Die Zahl der Katasterblätter über Bedürftige beträgt zirka 12.000 gegen 6300 im Vorjahre, also plus 5700. Im abgelaufenen Jahre sind 2332 Anfragen gegen 540 im Vorjahre bei uns eingelaufen und wir konnten über 1542 Pententen gegen 350 im Vorjahre genaue Auskunft erstatten, wahrend über 790 Pententen zur Zeit der Anfrage noch keine Aufzeichnungen vorhanden waren. Wenn ich sage, wir konnten genaue Auskünfte erstatten, so kommt dies der Wahrheit nicht ganz nahe. Denn noch fehlen uns auf allen Blättern die Aufzeichnungen über die Unterstützungen jener zahlreichen Wohltäter, die der Zentralstelle nicht angehören, sowie jener, die trotz der Zugehörigkeit zur Zentralstelle es unterlassen, ihre Unterstützungen zu melden. Es fehlt leider auch insbesondere auf Seiten der Privatwohltäter das Verständnis für unsere Intentionen, womit vielleicht nur gesagt sein soll, daß wir selbst unsere Ideen nicht genügend propagieren. Mehrere Privatwohltäter haben unsere Intentionen so aufgefaßt, daß sie ihre gewöhnlichen Beitragsleistungen für jene Vereine, denen sie angehören, in Summa an uns bezahlen wollten, damit wir den einzelnen Vereinen die auf sie entfallenden Anteile überweisen. Also die Etablierung einer Art von Clearing-Verkehr. Dies mußten wir, als unseren Satzungen nicht entsprechend, ablehnen. Dagegen hat die Idee der Zentralisation, die Idee kompletter Hilfeleistung in einzelnen Fällen, bei anderen Wohltätern, wenn auch nur vereinzelt, Wurzel gefaßt und so hat Herr Ernst Wolf anläßlich seines Familienfestes außer deu Spenden, die er verschiedenen ihm befreundeten Vereinen zukommen ließ, also ohne Beeinträchtigung dieser Vereine Kr. 2000.— gewidmet, mit der Bestimmung, es mögen daraus entsprechend große Spenden in solchen Fällen vorgeschlagen werden, in welchen zufolge eines Krankheitsfalles die Existmz einer Familie gefährdet erscheint. Es waren dies 20 Fälle von 25 — 300 Kr., wofür. wir Herrn Wolf besten Dank sagen. Von einer anderen Seite sind 3000 Kr.*) gewidmet worden, mit der Bestimmung, daraus solche Aktionen zur Herstellung von Existenzen zu unterstützen, welche von (der Zentralstelle angehörigen) Institutionen unternommen werden. Dies sind gewiß unseren Ansichten entsprechende, gute Erfolge. *) Nach Mitteilung des Vorsitzenden, Spende der Herren Heinrich und Fritz Mendl.