Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 Seite 196 Wie». (Todesfall.) Hier ist Herr Med. Univ. Doktor Hermann Rieß nach längerem Leiden im 74. Lebensjahre verschieden und am 15. März zu Grabe getragen worden. Der Heimgegangene war ein treuer Sohn des Judentums — von jüdischer Gemüts- und Gefühlswärme durchdrungen — in seinem „Ein Briefwechsel zwischen Professor Franz Delitzsch und Dr. Hermann Rieß", offenbarte er einen Feuereifer fürs Judentum, deffen nur ein wahrhaft edles Herz und ein reichhaltiges talmudisches Wiffen fähig ist. Der Verblichene, geboren zu Trebitfch, ein hervorragender Jünger des Kfaw Soser f. A., war nicht nur ein tüchtiger Arzt, sondern zugleich ein Muster jüdischen Strebens und ein Priester der Humanität während feiner langjährigen Praxis in Auspitz. An der Bahre hielten Leichenreden Se. Ehrwürden Herr Dr. A. S ch m i e d l, Herr Rabbinatskandidat Bela Fischer im Namen des Beth- Hamidrasch Talmud-Thora, wo der Verewigte religiös-wissenschaftliche Borträge gehalten. Dann sprachen der älteste Schwiegersohn Herr Haas, Vorsteher der Chewra Kadischa in Znaim, und Herr Dr. med. Ludwig Rieß, Sohn des Verstorbenen. Anwesend waren unter Anderen: Herr Dr. Adler, Sekretär der ist. Kultusgemeinde, Herr Amtsleiter Wilhelm Freistadt, ein Vertreter der Gemeinde Trebitsch, Herr Rabbiner Doktor B e ck, der Gemeindevorstand Herr Krakauer aus Aufpitz. Austritte aus dem Judentum Vom 27. Febrnar bis 6. März 1910. Alt Elisabeth, Private, geb 23. Februar 1886, Wien, 19. Bezirk, Barawitzkagasse 4. Czerwenka Friedrich, Direktor der Austr. Oriental. Handels A.-G. in Janina Albanien, evangel. luth. Kirche. Grün Johann, Privatbeamter, geb. 27. Juni 1882, Atzgersdorf, Wien, III., Barichgasse 12. Grün Marie geb. Peterka, geb. 11. Oktober 1885, Wien, 3. Bezirk, Barichgasse 12. Jezek Rosalia geb. Pick, geb. 1. Oktober 1849, Patzau (Böhmen), Schlossergehilfensgattin. Hohn Franziska, Bonne, geb. 9. März 1887, Krumau am Kamp, X., Gudrunstrasse 160. Spieimann Wilhemine, Privatbeamtin, II, Adambergergasse 8. Prestburg Bei der Installation des Obergefpans B a r t a l Aurel, welche am 1. d. M. stattfand, wurden auch die beiden hierortigen israelitischen Gemeinden, die orthodoxe Gemeinde unter Führung des Rabbiners Schreiber und die Religionsgemeinde unter Führung des Rabbiners Dr. Funk, huldvollst empfangen. Beiden Deputationen erwiderte der Obergespan, in seiner Stellung zum Judentums sei ihm von Jugend auf nur das Ideal Nathan des Weisen maßgebend. Die israelitische Religionsgemeinde hat in ihrer letzten Sitzung den Gehalt des Rabbiners Dr. Funk erhöht und ihm für sein Wirken die Anhänglichkeit und die Hochachtung der ganzen Gemeide protokollarisch ausgesprochen und ist anläßlich des Gottesdienstes am letzten Sabbath der Vorstand und die Gesamtrepräsentanz in der Synagoge erschienen, um Herrn Rabbiner Dr. Funk diesen Beschluß auch mündlich mitzuteilen. Agram. (Sektionschef Ar. Milan Amrus in der höheren Handelsschule). Dieser Tage stattete Sektionschef Dr. Milan Amrus der höheren Handelsschule einen Besuch ab. Um 10 Uhr vormittags erschien Dr. Amrus in Begleüung des Schulinspektors Franjo Krema, des Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer Dragutin Mondekar und der Kammerräte M. Eisner, V. Matijevic und S. Hrustic im Schulgebäude und suchte zunächst zwei höhere Klaffen auf. Sektionschef Dr. Amrus ließ eine Prüfung vornehmen und stellte persönlich an mehrere Schüler Fragen. Einen Frequentanten der Schule, Ernst Kronfeld, der auf alle Fragen mustergültige Antworten gab, belohnte Dr. Amrus mit einer Geldprämie. Bor Verlaßen der Schule richtete der Inspizierende eine Ansprache an die Schüler und ermahnte sie, fleißig zu studieren, denn das Wirtschasts- und das Handelsstudium sei für die Heranwachsende Jugend von größter Bedeutung. Nach «zweistündigem Aufenthalte verließ der Herr Sektionschef um die Mittagsstunde die Schule. Warasdiu. Am 6. d. feierte die Kultusgemeinde zu Warasdin das 25jährige Amtsjubiläum ihres verdienstvollen Oberkantors Wilkowitsch. Um II Uhr begann die Feier im hellbeleuchteten Tempel. Als der Jubilar, geführt vom Gesamtausschusse, die geweihten Hallen betrat, stimmte der Chor ein brausendes „Boruch habboh!" an. Der Festgottesdienst wurde mit Ma towu eingeleitet, worauf der Psalm: Mi jaale behar adonaj vom Jubilar mit Chor und Orgelbegleitung kunstgerecht vorgetragen wurde. Herr Qberrabbiner Dr. E r n st hielt eine Predigt, in welcher er, ausgehend vom Psalmentexte: Smiroth hoju li chukecho, die Bedeutung des Gesanges im jüdischen Gottesdienste hervorhob. In der Wohnung des Jubilars erschien das Chorpersonal und überreichte ihrem Meister einen Lorbeerkranz. Nach der Tempelfeier fand eine Festsitzung im Gemeindesaale statt. Es sprachen Herr Vorsteher Adolf P l a ch t e im Namen der Kultusgemeinde, die Herren Direktor Samuel P l a ch t e und Löwe nst e i n für die Chewra Kadischa, Frau Wilhelm Deutsch für den Frauenverein, Herr Oberrabbiner Dr. E r n st in launiger Weise das harmonische Verhältnis zwischen Rabbiner und Kantor betonend, Herr Oberkantor Rendi-Agram im Namen des kroatisch-slavonischen Kantorenvereines, Herr Julius Schwarz für das Festkomitee und der Bruder des Jubilars Herr Oberkantor Armin Wilkowitsch- Eger, wobei sämtliche Redner Ehrengeschenke überreichten. Zum Schlüsse dankte der Jubilar gerührt für alle Huldigungen. Die kroatischen Zeitungen widmeten dem Jubilar spaltenlange Artikel, in welchen sie Oberkantor Wilkowitsch als hervorragenden Gesangskünstler und Musiker feiern, welcher sich einen Denkstein in der Musikgeschichte Kroatiens für ewige Zeiten legte. Im Tempel sangen auch die Gesangvereine, deffen Solist und Ehrenmitglied Herr Wilkowitsch ist. Es liefen hunderte von Telegrammen, Briefen und Ehrengeschenken ein, darunter ein sehr herzlich gehaltenes Schreiben von Herrn kais. Rat Oberkantor Singer-Wien, Oberkantor Bauer-Wien, Oberkantor Katschmarow-Nagy Kanizsa, Präses Zuckerwann-Eger rc. rc. Es verdient hervorgehoben zu werden, d^ß die Rede des Oberkantors Rendi, der mit Oberkantor Meisl-Karlstadt die Wünsche der kroatisch-slavonischen Kollegen übermittelte und dem Jubilar einen silbernen Pokal überreichte, einen ungemeinen Beifall erregten und mit einer Applaussalve von den Anwesenden beantwortet wurde. Teschen. Unser überaus verdienstvoller Oberkantor Herr Wolfgang Poborsky scheidet aus eigener Initiative nach einer 35jährigen, ersprießlichen und erfolgreichen Wirksamkeit aus seinem Amte. Dem verehrten Manne, dem infolge seiner ausgezeichneten Tätigkeit allgemeine Sympathien entgegen gebracht wurden, folgen diese Kundgebungen nunmehr auch auf seinem weiteren Lebenspfade des Ruhestandes mit dem Wunsche, daß es dem Herrn Oberkantor Poborsky gegönnt sein möge, die Früchte seiner Wirksamkeit in Ruhe und Frieden noch viele Jahre genießen zu können. Viele Anhänger. Feuilleton. IiingUngsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. XVI. Die Flucht aus -er Wirklichkeit. Nun war Adolf wieder in Wien. Gleich am ersten Abend war er mit Dawid zusammen. Sie schwärmten durch den Prater, bis die Lichter ausgelöscht wurden und dann ging es noch in ein Cafe Sie hatten einander so viel zu erzählen. Adolf war lustig und voll Zuversicht. Von den Plänen, die ihn beschäftigten, wollte er vorläufig nicht sprechen. Dawid solle nur kurze Zeit Geduld mit ihm haben, meinte er — er werde sicher über etwas erstaunt sein. . . . Drei Wochen nach dieser Unterredung hatte Dawid tatsächlich eine Ueberraschung: Adolf hatte den Ministerpräsidenten in einer hochwichtigen politischen Angelegenheit interviewt. Das Interview erschien in einer Wiener Wochenschrift und erregte Aufsehen. So stand Adolf mit einemmale mitten im politischen Leben. Bald gab er seine Stelle auf und widmete sich ganz der Journalistik. Er hatte die verläßlichsten politischen Nachrichten und manche behaupteten, daß er seine Informationen vom Ministerpräsidenten selbst bekomme. Adolf war nun auf dem besten Wege, sein Ziel zu erreichen und Dawid war froh darüber. Ihm selbst ver-