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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-18 · 11 (18.3.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 190 Dr, Nlochs Wochenschrift. Nr. 11 Rivalin austreten könnte. Mt dem Ankauf dieser gewissermaßen im Zentrum gelegenen Kolonie würde auch der erste Schritt getan für die Expropriation des umliegenden, weitausgedehnten ländlichen Klostergebietes, so daß sich auf dieser Seite der Stadt binnen kurzem ein ganzer großer, jüdischer Stadtteil erheben könnte. Mehr und dringender als er es schon ftüher und heute mit den vorstehenden Worten getan, kann der Unterzeichnete die schleunige Realisierung des vorgeschlagenen Ankaufes dieser reizenden Kolonie der jüdischen Allgemeinheit eigentlich nicht mehr ans Herz legen und sei es ihm schließlich nur noch gestattet, nach einer ihm durch eine Zuschrift aus Ungarn neuerdings gekommenen Anregung darauf hinzuweisen, wie der Ankauf und die Besitzergreifung dieser Häuserkolonie von jüdischer Seite jetzt so in die Wege geleitet und verwirklicht werden könnte, daß dadurch auch zugleich die Ausführung seines anderen Projektes, der Gründung eines Schwesternheims in Jerusalem, eine kräftige Förderung und dauernde Sicherstellung erfahren würde. Wie eingehends schon betont, braucht der Unterzeichnete auch über den auf dem Gebiete der allgemeinen Krankenpflege in Jerusalem herrschenden großen Notstand hier nicht mehr viel Worte zu verlieren. Genüge es darum und sei es gestattet, wiederholt es auszusprechen, daß man es nur auf das Lebhafteste beklagen und bedauern kann, daß die sonst und mit Recht so hochgerühmte und viel bewunderte jüdische Barmherzigkeit und Opferwiüigkeit sich leider noch nicht gedrängt gefühlt hat, für eine schon fast unerträglich gewordene Notlage auch nur einigermaßen Linderung und Abhilfe zu schaffen. Daß in einer Stadt wie Jerusalem mit annähernd 80.000 Einwohnern, wo gerade infolge eiueZ solchen allgemein aufs lebhafteste und schmerzlichste empfundenen Mangels das Heer der verschiedenartigsten Krankheiten niemals ab-, sondern stetig zuunr.mt, für die Privatpftege absolut gar keine beruflich ausgebildete Krankenschwestern zur Verfügung stcheu, das ist doch in unserem Jahrhundert, wo sich'durchs die großen Anstrengungen der protestantischen und katholischen Mission jetzt selbst die Wilden in Zentralafrika und in der Südsee der Segnungen einer verständigen und hingebenden Krankenpflege erfreuen, ein geradezu unerhörter Zustand. Es wäre daher wahrlich wohl an der Zeit, daß sich die allgemeine jüdische Wohltätigkeit des schmerzlichen und traurigen Loses ihrer vom Schicksal weniger begünstigten Glaubensgenossen und Mitmenschen ernstlich erinnern würde. Allen denen aber, bei welchen ein solcher guter Wille jetzt wirklich und ernstlich vorhanden ist, möchte der Unterzeichnete mit seinem heutigen erneuert-n Appell einen Weg zeigen, auf dem sie nicht nur den Postulaten der Religion und Humanität, sondern zu gleicher Zeit auch den nationalen Aspirationen genügen. Zn diesem Zweck, d. h. zur g l e i ch z e i t i g e n Erfüllung einer solchen religiös-ethischen und nationalen Mizwah, schlägt nämlich der Unterzeichnete heute vor uud richtet seinen dringenden Appell an alle diejenigen semer verehrten Leser und Leserinnen, in deren Herzen sowohl nationales Empfinden als auch religiössittliches Pflicht- und Verantwortungsgefühl gegenüber der Not und Verlassenheit ihrer Glaubens- und Volksgenossen lebendig sind, daß sie durch einmalige freiwillige größere Schenkungen, durch Stiftungen und Vermächtnisse, sowie durch allgemeine Sammlungen und Beiträge den sofortigen Ankauf dieser schönen Häuserkolonie in Jerusalem ermöglichen und zwar unter solchen Bedingungen, daß der Ertrag derselben an Wohnungsmiete für alle Zeiten zur Unterhaltung eines Schwesternheim s be st im mt b leib e n s o ll. g Die höchsten und wichtigsten jüdischen Interessen stehen mit den Vorschlägen und Aufforderungen des Unters zeichneten in Jerusalem uud Palästina auf dem Spiele, für» deren Vernachlässigung und Mißachtung die Zukunft die gegenwärtige Generation einmal zur Verantwortung ziehen und vor ihren Richterstuhl laden wird. Wer die für den Ankauf der Kolonie und das dadurch sicher gestellte Schwesternheim nötige Summe von 200.000 Franks für sich allein oder im Namen seiner Familienangehörigen oder Verwandten allein spenden wollte, nach dessen Namen würden beide genannt werden zu bleibendem gesegneten Gedächtnis seiner Person und seiner edelmütigen Stiftung. Wer immer zu der Kauf- und Gründuugsfumme wenigstens 300 Franks beiträgt, dessen Name wird zur Erinnerung seiner guten Tat auf einer Steintafel über einem der Zimmer verewigt werden. Außerdem sollen aber die Namen aller Wohltäter auch derer, welche zur Erreichung des höhen und guten Zweckes weniger zu leisten imstande sind, in irgend einer angemessenen Weise dem Gedächtnis der Nachwelt zur Ehrung und Nacheiferung ihres edlen und hochherzigen Beispiels dauernd lebendig erhalten werden. ^~. c . c Phrl. Kleferndorf Dozent in Jerusalem. Korrespondenzen. Der 70. Geburtstag des Vizepräsidenten der isr. Kultnsgeweiude k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn. Die zahlreichen Freunde und Verehrer des I. Vizepräsidenten und Landesschulrates Dr. Gustav .Kohn rüsten sich, sein nahe bevorstehendes 70. Wiegenfest feierlich zu begehen. Die große Popularität, die er in allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft seit Jahren genießt, die Verehrung, die ihm mit allem Fuge Alt und Jung entgegenbringt, sowie seine, . tatsächlichen. hohen Verdienste . um die wichtigsten Belange des jüdischen Gemeindelebens, dem er durch Jahrzehnte nahezu seine ganze Arbeitskraft uneingeschränkt rastlos widmet, lassen es begreiflich erscheinen, daß alles sich bemüht, dem verehrten Vizepräsidenten zu diesem Ehrentag ein Zeichen der Huldigung darzubringen. Am 15. d. fand im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde eine gemeinsame Sitzung des Bethausvorstandes der Isr. Kultusgemeinde für den I. und II. Bezirk, statt, um über die festlichen Veranstaltungen aus Anlaß dieses Jubeltages zu beraten und Beschlüsse zu fassen. An dieser Beratung haben aber auch über^ Initiative des Kultusvorstehers und Obmannes des Tempelvereines „Am Volkert", Herrn Adolf Schramek, sämtliche Obmänner, beziehungsweise Obmannstellvertreter der Tempelvereine Wiens teilgenommen. Die Diskussion war eine sehr eingehende und lebhafte und bot ein Bild allgemeiner Verehrung für den Jubilar. Es wurde beschlossen, in sämtlichen jüdischen Gotteshäusern an einem und demselben Tage einen feierlichen Festgottesdienst zu Ehren des Jubilars abzuhalten und zur dauernden Erinnerung an diesem Tag eine „D r. Gustav K o h n - S t i f t u n g" ins Leben zu rufen, um allen Freunden und Verehrern dieses seltenen Mannes Gelegenheit zu geben, an der reichlichen Ausgestaltung dieser Stiftung sich zu beteiligen. Zu diesem Behufe wurde aus der Versammlung ein Komitee bestellt, bestehend aus den Bethausvorstehern Karl Freund, Rudolf Kohn, kais. Rat Leop. Langer, Hof- und Gerichts-Advokat Dr. E. Münz und Adolf Schramek. Nähres über diese Stiftung und das Programm der zu veranstaltenden Feierlichkeit bringen wir in. der nächsten Nummer. Prag. (Aus der israel. Gemeinderepräsentanz.) Kürzlich fand im großen Sitzungssaale des neuen Rat- Hauses eine ordentliche öffentliche Sitzung der Repräsentanz Anstatt. Am Präsidium die Herren Dr. Rosenbacher, Doktor ABendiener und kaiserl. Rat Haurowitz. Der Vor-

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