Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 10 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021884--19116-3044080- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 180 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 Wiener Spar- und Kreditgesellschaft, registrierte Genoffenschaft mit beschrankter Haftung, Wien. I. Franz Josefs-Kai 43. Die IX. ordentliche Generalversammlung findet Montag den 14. März 1910, 7 Uhr abends, im Festsaale des „Hotel Guth", II., Stephaniestraße 14, statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanzvorlage für das Jahr 1909. 2. Bericht und Antrag des Auffichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Ergänzungswahl in die Direktion und den Auffichtsrat. 5. Anträge und Interpellationen der Mitglieder. Jüdischer Sportklub „Hakoah", Wie». Der Sportklub „Hakoah", der in vier Sektionen (Fußball, Schwimmen, Fechten und Wintersport) bereits über 100 Mitglieder zählt, veranstaltet am 12. März 1910 im Saale des „Bairischen Hof" sein erstes Gründungsfest in Form einer Akademie mit anschließendem Tanz. Zu dieser haben ihre Mitwirkung in liebenswürdigster Weise zugesagt: Fräulein Lilly D e l l a r m i, Schauspielerin. Fräulein Trude Voigt, Mitglied des Theater-Kabaretts „Fledermaus", Fräulein Gerda Walde, Mitglied des Raimundtheaters, Herr Leo Ascher, Komponist, Henry Berg, Mitglied des Ronachertbeaters. Max Pallenberg. Mitglied des Theaters a. d. Wien, Ludwig Stärk, Regiffeur der Neuen Wiener Bühne, August Weigert, Mitglied der Neuen Wiener Bühne. Karten ä K 2.—, an der Kassa K 2.50 sind im Cafe Jägerhof IX., Porzellangaffe 22, Cafe Herz, I.. Rotenturmstraße, Cafe Kaiserhof, VII. Bezirk, sowie beim Sekretär des Vereines S. Weinberger, II., Rembrandtstraße 19 zu haben. Beth-Hamidrasch-Talmud-Thora, II., Malzgaffe 16. Freitag den 11. März l. I., abeni s halb 8 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Oberlehrers Jakob Koh« statt. Thema: „Denkwürdigkeiten aus der jüdischen Geschichte." (II) — Samstag den 12. März l. I.. nachmittags 3 Uhr, Vortrag des Herrn Rabbinats - Kandidaten Bela Fischer. Thema: „Unsere Targumim." Centenarfeier L. A. Frankls. Die Jüdische Toynbeehalle in Brünn hat es als ihre Pfficht angesehen, das Andenken Ludwig August Frankls anläßlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages zu feiern. Herr Dr. I. Eckstein, Advokat in Brünn, hat sich der ehrenvollen Aufgabe unterzogen, die Festrede zu halten und einige Dichtungen Frankls zum Vortrage zu bringen. In diskreter geistvoller Art trug Herr Dr. Eckstein eine kurze, übersichtliche Biographie Frankls vor, rühmte dessen Verdienste um die Publizistik, würdigte die Bemühungen Frankls um die Gründung des Blindeninstitutes auf der Hohen Warte in Wien (daher auch das Adelsprädikat „von Hochwart") und schloß mit einer eingehenden Besprechung der Dichtungen L. A. Frankls. Hierauf las Herr Dr. Eckstein die von Moritz Rappaport, Ferd. v. Saar (Grabschrist), sowie die vom Archivar Wetuer dem Dichter gewidmeten Gedichte vor und überging dann auf die Schöpfungen Frankls. Als erste rezitierte er „Die Universität", dann „Die Gedanken über-die irdische Unsterblichkeit", eines seiner „Kinderlieber", eine Auslese der epischen und der „didaktischen Gedichte" und schloß mit einer brillant vorgetragenen Szene aus Frankls unsterblichem Meisterwerke: „Der Primator". Langanhaltender Beifall dankte dem Redner für die genußreiche Stunde. A. 8. Austritte aus dem Judentum Vom 27. Februar bis 6. März 1910. Jungwirth Josefa, Fabriksarbeiterin, geb. 30. Dezember 1895, Wien — Gmünd. Kohn Julius, Geschäftsleiter, geb. 31. März 1869, Wien, IV., Grosse Neugasse 33. Kelsen Gertrude, Privatbeamtin, geb. 8. Jänner 1886, Wien, III.. Marokkanergasse 30. Poh! Adolf, Privatbeamter, geb. 8. August 1883, Prag, X., Alxingergasse 21. Stransky Moriz, geb. 27. Jänner 1872, Wien, XVI., Brunnengasse 19. Battelau. Hier starb Frau Emma Stern, Tochter des berühmten Rabbiners Jsak Pollatschek, der in Neu-Cerekve vierzig Jahr.' das Amt eines Seelsorgers ausübte; sie war die treue, hingebungsvolle Gattin des Grabsteinhändlers Ignaz Stein, der auch viele Jahre- Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde war. Die besondere Wertschätzung, derer sie sich erfreute, zeigte sich bei dem Begräbniffe am Sonntag. Se. Ehrwürden, der Neuhauser Rabbiner Dr. Schwenger hielt ihr einen Nachruf im Trauerhause, worauf die Leiche zum Tempel getragen wurde, woselbst Herr Dr. Schwenger in böhmischer Sprache die edlen Tugenden der Entschlafenen pries. Pohrlitz. Am 6. März 1910 verschied hier nach längerem Leiden im Alter von 90 Jahren Frau Therese Bader« Die Verblichene war die Gattin des Herrn Abraham Bader, der durch eine lange Reihe von Jahren Mitglied der hiesigen Kultusgemeindevertretung und Obmann der Tempelverwaltung war, und die Mutter des in weiten Kreisen bekannten Herrn Wilhelm Bader, des derzeitigen Beirates der hiesigen Kultusgemeinde. Unter allgemeiner Beteiligung der hierortigen Bevölkerung wurde die Dahingeschiedene am 8. d. M. zur ewigen Ruhe bestattet. Bei diesem Anlasse wurden als Kranzablösungsspenden für fromme und wohltätige Zwecke gespendet:' Familie Moriz Bader, Wien, 10 X; Heinrich Bauer 10 K; Maximilian Bauer 10 K; David Schild 5 X; Familie Oberlehrer Bader 5 X; Max Seidl 5 K; Familie Seidl 20 K; Familie Spitz 10 K; Familie Wilhelm Bader 60 X; Herr und Frau Dr. Bodansky, Mähr.-Schönberg 20 X; Hugo Bader 10 X; Louis und Max Haas 5 X; zusammen 170 X. Prefiburg. Das am 27. v. M. im Festsaale des Hotels ..König von Ungarn" in Preßburg vor einem alle Räume füllenden Publikum veranstaltete Konzert des unter der rührigen Leitung des Dirigenten Kijewski stehenden jüdischen Männergesangsveremes Schir-Chadasch stand, wie alle früheren Veranstaltungen dieses Vereines, auf der Höhe künstlerischer Darbietungen. Die erste Piece: „Festlied" von Halevy, wurde vom Männergesangsverein in glänzender Weise vorgetragen. Besonderen Beifall fanden die von Herrn Oberkantor Kopfstück aus Nagy-Szombat zum Vortrage gebrachten Solo-Einlagen. Hierauf folgte die große Arie aus der Oper „Die Jüdin", gesungen von Herrn Oberkantor M. Matyas aus Wien; auch diese künstlerische Leistung fand ungeteilten Beifall. Herrlich war die nächste Nummer: Das vom Männerchor vorgetragene Lied von Astholz „Jägerlust", in welchem Herr Hermann Reich aus Wien mit einer solchen Virtuosität das Solo sang, daß das Publikum durch nichtendenwollenden Beifall den Künstler zu neuen Zugaben zwang. Für die Heiterkeit sorgte der stets gelungene Vortragsmeister Professor Naschär mit seinem Vortrage über den Jargon und den Witz. Es folgte noch die Romanze aus der Oper „Hugenotten", gesungen von Herrn Matyas, sowie der Adaun Aulom von Sulzer, gesungen vom Männerchor mrt dem Solo von Herrn Matyas. Gewissermaßen die Piece de resistance war das von den Herren Reich und Matyas meisterhaft vorgetragene Duett aus „Faust", das die Anwesenden zu frenetischem, minutenlang anhaltendem Beifall begeisterte. Besonderes Lob verdient die Klavier- und Harmoniumbegleitung des Kapellmeisters Herrn Ernst Flecker. Sowohl den Künstlern und Vortragenden und besonders dem Dirigenten des Vereines Schir-Chadasch wurde für das äußerst gelungene Arrangement des Abends, der in allen seinen Teilen animiert verlief, allseitig der Dank ausgesprochen. O Tnra (Ungarn). In-unserer an der mährisch-ungarischen Grenze gelegenen Gemeinde verschied am 27. Februar 1910 Frau Johanna Busztin geb. Haas im Alter von 83 Jahren. Die Verblichene erfreute sich, ebenso wie ihr vor zehn Jahren verstorbener Gatte Herr Bernhard Busztin, welcher durch Jahrzente als Knltusvorsteher wirkte, der allgemeinen Sympathie und Verehrung der jüdischen sowie der christlichen Bevölkerung der weiten Umgebung, wie dies insbesondere auch durch die zahlreiche Beteiligung der gesummten Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession an ihrem Leichenbegängnisse dokumentiert wurde. Die Familie Busztin, welche nachgewiesenermaßen bereits durch mehr als 200 Jahre in O Tura wohnt, zeichnet sich nicht nur durch strenge Religiösität, sondern auch durch Mildtätigkeit aus, und insbesondere geben mehrere Stiftungen religiös-humanitären Charakters in O Tura, Vag-Ujhely und Galgocz Zeugnis von den fromm-religiösen Gefühlen der verblichenen Frau Johanna Busztin. In Gemeinschaft mit ihrem Gatten errichtete sie im Jahre 1891 eine Mauer und eine Todtenhalle an dem bis dahin nicht eingefriedeten Friedhof in O Tura und hat sich auch auf diese Weise ein Denkmal für immerwährende Zeit gesichert. Sw ruhe sanft: Lemberg. (Vom den galizischen Mädchenräubern.) Vor wenigen Tagen hat ein minderjähriges, jüdisches Mädchen ihr Elternhaus neben Huffakow verlassen und erst nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten erfuhren die Eltern, daß ihr Kind sich im Kloster der Felizianerinnen in Krakau befindet. Die Auskunft, ob das Kind sich in diesem Kloster befindet, wurde verweigert, ebenso der Zutritt zu dem Kinde. Erst über Intervention der Krakauer Polizeidirektion und des Regierungskommiffärs hat eine Begegnung des Vaters mit seinem Kinde unter den bekannten Beschränkungen stattgefunden. Advokat Dr. Landau hat nunmehr ein Gesuch wegen zwangsweiser Zurückstellung des Mädchens ins elternliche Haus an das Bormundschaftsgericht in Mosciska gerichtet. Airszeichnung des Asienforschers Aurel Stein. Die italienische geographische Gesellschaft hat den berühmten Zentralasienforscher Dr. Aurel Stein zum Ehrenmitgliede ernannt.