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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-11 · 10 (11.3.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 178 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 10 habe. Er gab darauf in großen Zügen eine Uebersicht über die politische, ökonomische und rechtliche Lage der Juden in Galizien und Rumänien und über dieTätigkeit desHilfsvereines derDeutschen Juden in diesen Ländern wie in Bulgarien und der europäischen und asiatischen Türkei, speziell auf dem Gebiete des Schulwerkes. Insbesondere hob er auch hervor, daß ein noch engeres Zusammenarbeiten der großen jüdischen Organisationen als bisher dadurch gewährleistet sei, daß der Hilfsverein durch Vorstandsmitglieder in Personalunion mit ihnen getreten sei. Herr Generalkonsul Eugen Landau berichtete alsdann über 'das H i l f s w e r k des Hilfsvereines der Deutschen Juden in Rußland, und ferner gab er an Stelle des am Erscheinen verhinderten Schatzmeisters im Ehrenamt, Herrn Bankdirektor Ernst Simon, einen Ueberblick über die Finanzen des Vereines. Herr Generalsekretär Dr. Bernhard Kahn sprach über die Organisation und die Fürsorgetätigkeit des Hilfsvereins auf dem Gebiete des Allswanderungswesens. Die Versammlung der Mitglieder genehmigte darauf einstimmig den Geschäftsbericht und erteilte der Verwaltung Entlastung. Zu Bücherrevisoren wurden wurden wiederum die Herren Kommerzialrat Sigmund Pincus und Georg Tietz gewählt. Die auf der Tagesordnung stehende Aenderung des 8 10 der Statuten, die eine Vereinfachung der Geschäftsführung herbeiführen soll, wurde gleichfalls einstimmig genehmigt. Die Versammlung sprach dem Vorstand lebhaften Dank für die erfolgreiche Mühewaltung aus. Die türkische Regierung und die „Alliance Jsraelite". Vor ungefähr drei Monaten entsandte die türkische Regierung etwa 50 Studenten auf Staatskosten nach Paris, um daselbst ihre Studien zu vervollkommnen. Unter den Stipendisten befanden sich auch einige Juden, die nach Vollendung ihrer Studien als Lehrer in türkischen Schulen in Aussicht genommen find. Das Salonicher Jungtürkenkomitee äußerte den besonderen Wunsch, daß einige der in Paris weilenden türkischen Studenten speziell das Lehrerseminar der „Alliance" absolvieren mögen. Die Zentraüeitung der „Alliance" ließ hierauf im Wege des Chacham Baschi der türkischen Regierung mitteilen, daß die „Alliance" bereit sei, drei der besten Studenten ganz unentgeltlich in volle Pension und fünfzehn andere gegen einen minimalen Ersatz der Verpflegung und Kleidung in ihr Institut aufzunehmen. Der Vorschlag der „Alliance" wurde von der Regierung mit Dank angenommen. Meningitis-Epidemie in Jerusalem. Die Meningitis, die im Vorjahre in Palästina so viel Unheil angerichtet hat, ist, wie ein Bericht aus Jerusalem meldet, daselbst wieder epidemisch aufgetreten. Die Krankenhäuser des Vereines „Schaarei-Zedek" sind überfüllt, so daß Viele in häuslicher, allerdings ungenügender Pflege belassen werden mußten. Der Perzentsatz der Todesfälle ist ein unverhältnismäßig hoher. Räuberunwesen in Jaffa. Dem „Jewish Chronicle" wird aus Jaffa gemeldet, daß die Einwohner daselbst von Dieben und Straßenräubern in unausgesetztem Schrecken gehalten werden. Das neue Regime hat dieses schon seit lange bestehende Uebel bisher nicht zu beheben vermocht. Auch die ausländischen Konsulate in Jaffa lassen gegenüber dieser gefährlichen Erscheinung die gebotene Energie missen. Eine Ritualmordhetze in Anatolien. Gegen die Juden von Canea in Anatolien versuchten die dortigen Griechen einen Pogrom zu inszenieren und bloß der Geistesgegenwart der Juden ist es zu danken, daß es nicht zu Blutvergießen gekommen ist. Es war wieder die alte Geschichte von der Blutlüge und wieder waren es die Griechen, die das Verschwinden eines bei einem Juden bcdiensteten Mädchens und den Zeitpunkt vor den Pessachtagen dazu benützen wollten, um ein jüdisches Blutbad anzurichken. Der Hergang des Vorfalles wird aus einem im „Progres de Salouique" veröffentlichten Schreiben des Grand Rabbin von Eanea, A. Eblagon, an die Pariser Alliance ersichtlich. Das Schreiben lautet: Herr Präsident! Wir halten es für unsere Pflicht, Sie von dem folgenden Vorfälle, der sich mit uns zutrug, in Kenntnis zu setzen. Am letzten Montag verschwand ein bei einem hiesigen, jüdischen Kaufmanne bedienstetes, zwölfjähriges Mädchen griechisch-orthodoxer Konfession. Sie entfernte sich nachmittags 3 Uhr vom Hause und kehrte nicht wieder zurück. Unser Glaubensgenosse fand es geboten, den Grand Rabbin A. Eblagon von dem Vorfälle zu verständigen und Beide begaben sich zur Polizeidirektion in Canea, um die Abgängigkeitsanzeige zu erstatten. Eine Gruppe von Griechen wollte die Gelegenheit benützen, um ihrem Haß gegen die Juden von Canea Luft zu mache und nahm bereits eine bedrohliche Haltung ein, die nichts Gutes ahnen ließ. Dienstag nachmittags hat die Polizei glücklicherweise das Mädchen ausfindig gemacht. Sie befand sich in dem Dorfe unweit von Canea, bei ihren Eltern, denen sie, wie sie sagte, einen Besuch abstatten wollte. Hätten die Juden nicht kaltes Blut bewahrt, so hätten wir sicherlich große Ausschreitungen zu beklagen gehabt. Canea, den 32. Februar 1910. A. Eblagon, Grand Rabbin". Ein bettelnder Invalide aus dem rufsisch-japanifchen Kriege. Der ausgediente Soldat Efrajim Tscherkaß richtete an die „Gesellschaft vom Roten Kreuz" ein Ansuchen um Gewährung einer Unterstützung. Im Gesuche wird angeführt, daß Tscherkaß im russisch-japanischen Kriege sechzehn Wunden erhalten, von denen einige noch bis heute nicht ganz geheilt find, die ihn jedoch für Zeit seines Lebens erwerbsunfähig machen, Tscherkaß, der Besitzer zweier Tapferkeitsmedaillen, ist gezwungen, sich durch Bettel fortzubringen. Die Gesellschaft vom „Roten Kreuze" hat Tscherkaß, nachdem sie dessen Angaben bestätigt fand, eine einmalige Unterstützung von 50 Rubel bewilligt. Juden aus der militär-medizinischen Akademie ausgeschlossen. Aus Petersburg wird gemeldet: Die Duma-Kommission für Landesschutz beschloß, den Antrag zu stellen, daß den Juden der Eintritt in die militär-medizinische Akademie ohne Zugeständnisse einer Perzentnorm verboten werde. Vermischtes. Wien. (Verein zur Abwehr des Antisemitsmus.) Montag den 14. März 1910 findet im Saale des Klub österreichischer Eisenbahnbeamten, I., Eschenbachgaffe Nr. 11, ein Vortrag des Herrn Dr. Max G r u n w a l d : „Aus alten Prozeßakten", statt. Beginn präzise halb 8 Uhr. Gäste bestens willkommen. Chewra Kadifcha. (Wien, I., Seitenstettengasse 2) Donnerstag den 17. März 1910, halb 7 Uhr abends, findet im Gemeindetempel, I., Seitenstettengaffe 2, eine Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Chewra Kadischa statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Paula L ö w y, Tochter des Magistratssekretärs i. R. Herrn Dr. Wilhelm L ö w y, hat sich mit Herrn Richard L i s s a u, Prokuristen der Wiener Kreditgesellschaft für Industrie und Handel, verlobt. Wien. (Trauung.) Am 15. d. findet in Sauerbrunn die Trauung des Fräuleins Reizi Schlesinger, Tochter der Frau Rosa Schlesinger (Verlagsbuchhandlung), mit Herrn Rabbiner Jakob H o f f'm a n n aus Kostet statt. Wien. (Zentralstelle für das jüdische Armenweseu.) Montag den 21. März 1910, 6 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemcinde, I„ Seitenstettengasse 4, eine Delegiertenversammlung statt. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht. 2. Wahlen in das Kuratorium. 3. Eventualia.

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