Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 10 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 177 Nr. 10 stand es gesammelter Betrag in Rente mit einer herzlichen Ansprache übergeben und ihm die Widmung dieser Stiftung! überlassen. Bei dem Festmahle, welchem, unter anderem auch die Kultusvorsteher kais. Rat Siegmund Kauders und kais. Rat Wilhelm Pollat, das Vorstandsmitglied des Tempelvereines für den VIII. Bezirk, Herr Philipp Weib, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. £. Reich, sowie der neue Kantor des Tempelvereines, Herr Simon Weih, beiwohnten, hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. L. Reich eine schwungvolle Ansprache an den Jubilar und dessen Gattin. Ebenso begrühten die Herren kais. Rat Wilhelm Pollak, Josef Sonnenschein und Mar Spitzer den Jubilar in herzlichen Ansprachen. In einem sehr launigen, von stürmischer Heiterkeit gefolgten Poem feierte der Schriftführer des Tempelvereines, Herr Franz Frankl, seinen langjährigen Freund, den er als „Kaporehünl" bezeichnete, der als Obmann des Tempelvereines für die Fehler aller anderen zu bühen habe. In herzlicher Weise dankte der Obmann, Herr Adolf Hofmann, für die ihm gewordenen zahlreichen Ehrungen. Samstag, den 5. d.M. fand aus dem gleichen Anlah ein Festgottesdienst in dem festlich geschmückten alten Vereinstempel statt, der in seinen Räumen überfüllt war. Durch die Anwesenheit des Präsidenten der israel- Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, sowie des Kultusvorstehers Herrn S. Steiner wurde der Jubilar besonders geehrt. Am Vorabende wohnte der Präsident des Wiener Kantorenvereines Herr kais. Rat Josef Singer dem Festgottesdienste bei. Als Festgäste waren ferner Vorstandsmitglieder fast sämtlicher Tempelvereine anwesend, und zwar die Herren Obmänner Gottlieb Bettelheim. Hermann Eltbogen, Doktor S. Krenberger. Philipp Nuhbaum, letzterer mit zwei Vorstandsmitglieder des Vereines Machsike Thora; ferner die Herren Vorsteher Hermann Liebermann. Jakob Modern. S. Steiner, Heinrich Münzer. Sekretär Elias Springer. der Vorstand des Frauenwohltätigkeitsvereines für den IV. und V. Bezirk. Der Jubilar wurde zur Thora gerufen und spendete einen namhaften Beitrag für die zu seinen -Ehren errichtete Adolf und Karoline Hofmann-Stiftung. Ebenso benützten die zur Thora gerufenen Festgäste den Anlah zur Widmung gröherer Spenden für den Tempelbau. Der neue Kantor des Vereines Herr Simon Weih, widmete dem Obmanne einen von ihm verfahten Mischeberach, welchen er in gesanglich vollendeter Weise zum Vortrage brachte. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. L. Reich feierte in einer vorzüglich aufgebauten Rede die vortrefflichen Eigenschaften des Jubilars und seiner Gemahlin. Ganz besonders anerkennenswert war die gesangliche Leistung des jugendlichen Kantors Herrn Simon Weih, der den vollsten Beifall seiner Zuhörerschaft errang und seinem Meister. Herrn Oberkantor Mayer Schorr als würdiger Schüler alle Ehre machte. * * * Der israelitische Kranken - Unterstützungsverein für Wieden und Margarethen bat sein verdienstvolles langjähriges Mitglied, Herrn Adolf Hofmann. VI., Worellstrahe 3 anläßlich seines 60 jährigen Geburtstages zu seinem Ehrenmitglieds ernannt. Aus diesem Anlasse erschien am 6. d. M. eine Deputation des genannten Vereines in der Wohnung des Herrn Hofmänn und überreichte demselben das prachtvoll ausgeführte Ehrendiplom. Der Obmann. Herr Simon Spitzer, richtete an den Gefeierten eine schwungvolle Ansprache. Herr Hofmann dankte den Erschienenen in warmen schlichten Worten und versprach, dem .Vereine m bisheriger Weise sein Wohlwollen in jeder Beziehung zuzuwenden. Die Krakauer Kullusgemeinde gegen die Lessing schien Artikel. Aus Krakau wird berichtet: In der letzten Sitzung des Vorstandes der hiesigen Kultusgemeinde kam Präsident Dr. Tilles auf die Lessing'schen Artikel in der „Allgem. Zeitung des Judentums" zu sprechen. In dem Artikel werden über die galizischen Juden und besonders, was Krakau betrifft, notorische Unwahrheiten behauptet. So erzählt Herr Lesfing in einem jener Artikel, daß ihm in Krakau ein gewisser Finkelstein seine eigene minderjährige Tochter verkuppeln wollte. Das Präsidium habe nun sowohl aus den Matrikenbüchern der Kultusgemeinde, wie auch im Meldungsamt der Polizei authentisch feststellen können, daß ein Mann dieses Namens in Krakau überhaupt nicht existiere. Ferner erzählt Lesfing, daß in einer Krakauer Synagoge am Freitag Abend Schuhe feilgeboten wurden, und schildert eine Trauung, die er an einem Freitage selbst gesehen haben will. Nun wisse aber in Krakau jedes Kind, daß hier seit mehr denn hundert Jahren am Mittwoch und Freitag überhaupt keine Trauungen vollzogen werden. Diese Artikel hätten keinen anderen Zweck, als die galizischen Juden vor der übrigen Welt verächtlich zu machen. Dies müsse er als Präsident der Krakauer Kultusgemeinde öffentlich zurückweisen. Ein Antrag des Kultusrates Langwek, sowohl gegen den Autor der Artikel, wie auch den Redakteur der „Allgem. Zeitung des Judentums" bei dem Berliner Strafgerichte die Strafanzeige zu erstatten, wurde der juristischen Kommission überwiesen. Ein Sefer -Thora in einem chriftlichen Hause. Großes Aufsehen ruft in der Stryjer jüdischen Bevölkerung das Auffinden eines zerstückelten Sefer-Thora bei einem dortigen christlichen Müllermeister hervor. Bei dem Müller Suchania wurde infolge einer Anzeige eine Hausdurchsuchung vorgenommen, welche nebst zahlreichen gestohlenen Gegenstände auch ein Sefer- Thora zutage förderte. Der Dieb hat die Thorarolle auseinandergeschnitten und einzelne Teile zu verschiedenen Zwecken zerstückelt. Suchania, der mehrerer Diebstähle überführt wurde, behauptet, die heilige Rolle gefunden zu haben, doch könne er sich an den Fundort nicht mehr erinnern. Die Reste der Thorarolle wurden vorläufig von der Gendarmerie in Verwahrung genommen. Berlin. Am 6. März fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des Zentralkomitees sowie die Generalversammlung des Hilfsvereines der Deutschen Juden im „Hotel Prinz Albrecht" statt, die sich eines guten Besuches aus allen Teilen Deutschlands zu erfreuen hatten. In der Tagung des Zentralkomitees wurde der Geschäftsbericht erstattet. Mit lebhaftem Beifall nahmen die Anwesenden Kenntnis von den Fortschritten des Vereines auf allen Gebieten seiner Wirksamkeit. In das Zentralkomitee wurden die Herren Julian Meisel-Berlin; Sanitätsrat Dr. Siegmund Salzburg-Dresden; Max M. Warburg-Hamburg; Justizrat Placzek-Posen; Julius Cohn-Berlin; Bankier M. A. Strauß-Karlsruhe und Justizrat Holz-Königsberg einstimmig gewählt, die sich sämtlich in verschiedenen Richtungen in hohem Grade um den Hilfsverein der Deutschen Juden verdient gemacht haben. An die Sitzung des Zentralkomitees schloß sich die ordentliche Versammlung der Mitglieder. Herr James Simon stellte zur lebhaften Befriedigung der Versammlung fest, daß die Entwicklung des Hilfsvereines auch im verfloffenen Jahre einen günstigen Fortgang genommen und das Vertrauen und die Anerkennung weiter Kreise in Deutschland wie im Ausland gefunden