Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 10 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 176 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 für die Bibelschule des Vereines wird alljährlich eine Subvention von 2500 Kronen votiert; die Subventionen an die Wohltätigkeitsinstitutionen dieses Bezirkes betragen pro Jahr zirka 13.000 Kronen und außerdem wird von allen dem Kultusvorstande im Laufe des Jahres zur freien Verteilung überwiesenen Spenden und Legaten die Brigittenau mit Rücksicht auf ihre zahlreiche arme jüdische Bevölkerung jederzeit und reichlich bedacht. Berufung von Bethausvorstehern für den XVIII. Bezirk. Ueber Antrag des Vertreterkollegiums werden die Herren Jakob Grotte und Wilhelm Weiner zu Vethausvorstehern für den Währinger Tempel berufen. In der hierauf folgenden vertraulichen Sitzung wurde eine Reihe von Steuer-, Stiftung«- und Personal-Angelegenheiten erledigt. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Das 25 jährige Jubiläum der „Oesterr-Jftael. Union". Aufruf! Am 24. April 1910 wird die „Oesterreichisch- Israelitische Union" das 25. Iahrihres Bestandes vollenden. Was in diesem Vierteljahrhunderl zum Schutze der Ehre und Rechte sowie der materiellen Existenz der österreichischen.Juden von unserem Vereine geleistet wurde, ist in genügendem Matze bekannt. Wir haben den Kampf gegen unsere antisemitischen Gegner, gegen die willkürliche oder lässige Handhabung der Gesetze durch Organe der Staatsgewalt unermüdlich geführt und in mehr als fünftausend Fallen bedrängten und schuldlos verfolgten Glaubensbrüdern ihr Recht und ihre Ehre wiedergegeben. Aber mit diesen positiven Erfolgen ist unsere Wirksamkeit noch lange nicht abzuschätzen. Vielleicht wichtiger und für die Beurteilung der Notwendigkeit unseres Bestandes entscheidender ist all das, was wir verhindert haben, ist der zähe, unbeugsame Widerstand, den wir unausgesetzt dem Eindringen antisemitischer Grundsätze und Neigungen in die Staatsverwaltung, in die bürgerliche Gesellschaft und in den täglichen geschäftlichen Verkehr entgegengesetzt haben. Weniger befriedigt sind wir von der verhältnismätzig geringen Unterstützung, welche uns in diesem aufreibenden Kampfe aus unseren eigenen Reihen zuteil geworden ist. Die Zahl unserer Mitglieder beträgt nur wenig über 7000, und die Mitgliedsbeiträge decken noch immer nicht die jährlichen Kosten des Rechtsschutzes. Wiederholt waren wir in diesen 25 Jahren gezwungen, zur Deckung des Bedarfes außerordentliche Mittel in Anspruch zu nehmen, so daß die Zurücklegung eines, wenn auch noch so kleinen Fonds für außergewöhnliche Ereignisse und Ausgaben ganz unmöglich war. Erwägt man, mit welcher Opferwilligkeit andere Schutzorganisationen durch ihre Volksgenossen unterstützt werden — wir erwähnen nur die erfolgreiche Zwei - Millionen- Sammlung des Deutschen Suchulvereines — so muß dieser Zustand chronisch wiederkehrenden Geldmangels bei einer so unentbehrlichen Institution, wie es unser Rechtsschutzbureau ist, als ein wahrhaft beschämender bezeichnet werden. Der Vorstand der „Österreichisch - Israelitischen Union" hat daher beschlossen, das 25 jährige Jubiläum des Vereines nicht nur durch Veranstaltung einer großen Festversammlung im April d. I. und durch Herausgabe einer Festschrift zu begehen, sondern aus diesem Anlasse auch einen Aufruf an die österreichische Judenschaft zur Aufbringung eines Reservefonds für den Rechtsschutz zu erlassen. Wir leben im Reiche der Unwahrscheinlichkeiten. Die. Zukunft ist uns verhüllt, aber die Erfahrungen der Vergangenheit mahnen zur Vorsicht und zu fteter Kampfbereitschaft! - Haben die Gegner die Schärfe unserer Waffen gefühlt, so ist es Pflicht der Freunde, diese Waffen nicht stumpf werden zu lassen und dafür zu sorgen, daß wir neuen Kämpfen und Gefahren mit erneuter Kraft und verdoppeltem Mute entgegengehen können! Wir richten daher an die österreichische Judenschaft die /herzliche und dringende Bitte, ihrer Teilnahme an dem 25 jährigen Jubiläum der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" durch Widmung von Beiträgen für den Rechtsschutz-Reservefonds Ausdruck zu geben. Geldsendungen sind an das Vereinsbureau: Wien, IX., Universitätsstraße 8 zu adressieren. Der Vorstand der „Oesterr.-JsraeI. Union": Sigmund Mayer, Präsident, Kais. Rat Wilhelm Anninger, Vizepräsident. Dr. Jakob Ornstein, Vizepräsident. Julius Eranichstädten, Schriftführer. Architekt Edmund Melcher, Schriftführer. Richard Teweles, Kassier. Kommerzialrat Eduard Doctor, Dozent Dr. M. Hajek, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Felix Hönigsmann, Med. Dr. I. Samuely, Vorstandsmitglieder. Jüdische Angestellte in dex Oesterr.-nngar. Bank. (Eine Aeußerung des Chefs der Budapester Abteilung.) In der letzten Generalversammlung der Oesterr.-ungarischen Bank hat der Aktionär Brunner darüber Klage geführt, daß Juden in der Oesterr.-ung. Bank keine Anstellung finden. Gouverneur Popovics erklärte dem gegenüber, daß er der Anstellung von Beamten ausschließlich deren Befähigung maßgebend sei. Diese Diskussion veranlaßte einen Budapester jüdischen Journalisten, den Chef der Budapester Abteilung der Oesterr.-ung. Bank, Dr. Friedrich F l i t t n e r, aufzusuchen und ihn zu fragen, was an der vom Aktionär Brunner vorgebrachten Beschwerde wahr sei. Dr. Flittner antwortete hierauf: „Diese Behauptung ist einfach lächerlich: Der Beamtenstatus unserer Bank weist 10—15% Juden auf. Wahr ist, daß wir nicht so viel jüdische Angestellte haben, wie die größeren Budapester Banken, aber wir halten die Konfession der Beamten überhaupt nicht in Evidenz. Uebrigens können Sie sich aus unserer offiziellen Beamtenliste persönlich überzeugen, wie viel jüdische Angestellte unsere Bank hat." Tatsächlich ist Dr. Flittner mit dem Journalisten die Liste durchgegangen und fie konstatierten, daß jeder zehnte Beamte jüdischer Konfession ist. „Sie sehen also, schloß Dr. F l i t t n e r die Unterredung, daß unsere Institution durchaus nicht „judenrein" ist, wie behauptet wird, daß vielmehr die Juden in unserem Beamtenstabe in entsprechender Verhältniszahl vertreten sind." Adolf Hofwan«. Der 60. Geburtstag des Obmannes und Ehrenmitgliedes des Tempelvereines für die Bezirke Wieden und Margareten in Wien, Herrn Adolf Hofmann, "bot seinen zahlreichen Freunden Gelegenheit, diesen Tag festlich zu begehen. Am Vorabende vereinigten sich die Familienmitglieder, die Vorstandsmitglieder des Vereines mit ihren Damen und die engeren Freunde des Jubilars im Restaurant Tonello bei einem solennen Festmahle, welchem die Ueberreichung einer reich ausgestatteten Adresse voranging. Zur Errichtung einer Adolf Karoline Hofmann-Stiftung wurde dem Jubilar ein im Schoße des Vereinsvor-