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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-11 · 10 (11.3.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 172 Dk. Mvchs drücklich in die Welt Hinausrufen, wie er es begreiflicherweise gerne sehen möchte. Daß Dr. Straucher außerordentlich reklamebedürftig ist, war längst ein offenes Geheimnis; er scheut nicht die seltsamsten, absonderlichsten Praktiken, um in die große Trommel für sich zu schlagen. Einem befreundeten Publizisten teilt er — natürlich streng vertraulich — mit, daß seine Klubkollegen samt und sonders unfähig sind und er der Einzige sei, der in politischen Angelegenheiten über Verständnis und Erfahrung verfüge. Merkwürdigerweise wird diese seine überragende geistige Kapazität gerade von seinen Klubgenossen wenig anerkannt und gewürdigt und sie sollen ihm angeblich selbst den Gruß verweigern. Umso mehr hat er das Bedürfnis, sein Lob selber recht laut zu verkünden. Das bleibt ihm unverwehrt. Wir wollen seine Bemühungen nicht stören, nur soll er uns verschonen. Eines muß er wissen: die „Oesterr. Wochenschrift" läßt sich zu Geschichtsfälschungen nicht mißbrauchen. Daß die politische Richtlinie, welche der jüdische Klub unter Führung Dr. Strauchers eingeschlagen hat, mehr vom Bedürfnis diktiert war, populären Schlagworten, als ernsten jüdischen Interessen zu dienen, offenbarte sich, als die Stimmen der „jüdischen Abgeordneten" dem wüsten Rachechor der Hetzer gegen den gemeinsamen Minister B u r i a n ohne Bedenken sich zugesellten. In Burians Ministerpalais hatte man gerade den Verfaffungsentwurf für Bosnien ausgearbeitet. Politische Klugheit hätte den spezifisch „jüdischen Abgeordneten" in einem solchen Moment ein anderes Verhalten, wenigstens eine gewisse Zurückhaltung empfohlen. Die jüdische Wahlkurie in Bosnien war wiederholt in Gefahr; die serbischen Judenhetzer konnten darauf Hinweisen, daß. die nichtjüdische Bevölkerung erst mit 20.000 Stimmen einen Abgeordneten wählte, während die gesamten jüdischen Bewohner Bosniens kaum 12.000 Seelen betragen. Nur den unermüdlichen Bemühungen des Oesterreichisch-Jsraelit. Gemeindebundes und der energischen Intervention der Budapester Juden beim Minister Dr. Wekerle war es zu danken, daß die politischen Fehler Dr. Strauchers keinen größeren Schaden gestiftet haben. Diese historischen Tatsachen hindern Herrn Dr. Straucher nicht, im „Jüdischen Nationalverein" die glückliche, den Juden günstige Gestaltung der bosnischen Verfaffung als sein ureigenstes Werk und Verdienst zu erklären und sich in einer Resolution des Dr. Gabel „Vertrauen, Dank und Anerkennung" votieren zu lassen. Allein historische Tatsachen können durch schnell fabrizierte Resolutionen nicht aus der Welt geschafft werden, und sie laffen sich auch nicht so leicht dementieren, wie etwa „vertraulich" einem Publizisten übermittelte Mitteilungen und sensationelle Enthüllungen über Klubgenossen. Und wenn er in seiner Eitelkeit, um seinem Bedürfnis nach Selbstverherrlichung eine Befriedigung zu gewähren, nicht ansteht, seine Klubgenoffen bloßzustellen, sie der Unfähigkeit anzuklagen — ohne Rücksicht darauf, daß er damit sich selber vor aller Welt der Lächerlichkeit preisgibt — so darf es nicht -wunder nehmen, daß er auch als s^äsident der Kultus - gemeinde Ezernowitz in Wien über den Wiener Kultusvorstand in Aeußerungen sich ergeht, wie etwa über Angehörige des „Jüd. Klubs". Die isr. Kultusgemeinde Ezernowitz deckt ihre finanziellen Erforderniffe in recht beträchtlichem Maße. aus einer indirekten Besteuerung sämtlicher jüdischer Einwohner, nämlich aus dem Ueberschuß der Einnahmen gegenüber den Ausgaben in dem Budget-Kapitel „Koscherfleisch". Der Wiener Kultusvorstand muß m dem gleichen Kapitel ein ansehnliches Defizit decken, wahrend die Kultusgemeinde Ezernowitz hieraus eine Duelle von Einnahmen besitzt, welche zur Befriedigung der Gemeindebedürsniffe verwendet werden. Nach göttlichem und menschlichem Recht sollte demnach das Statut der Ezernowitzer Kultusgemeinde die Kultuswahlen auf Grund allgemeinen Wahlrechtes normieren. Allein Herr Dr. Straucher ist in Bezug auf Ezernowitz ein Anhänger der Zensuswahl, die Prinzipien der. Demokratie empfiehlt er dagegen recht eindringlich — dem Wiener Kultusvorstand. Wochenschrift. Nr. iv Im klebrigen sei nachstehend , über das parlamentarische Wirken des Herrn Dr, Straucher im Dienste jüdischer Interessen ein offizielles . Dokuments produziert. In den „Mitteilungen des Israelitischen Landes-Lehrervereins in Böhmen" Nr. 3 März-.IYLG); .findet man ein Protokoll der Ausschußfitzung vom 2.. Februar mit dem Bericht des Obmannes und der vierte Absatz dieses Berichtes hat solgendenden Wortlaut : - „Es wird sich denn doch die Notwendigkeit ergeben, daß der Lehrerverein in Sachen der beim Reichsrate und bei dem hohen k. k. Kultus- und Unterrichtsministerium eingereichten Petition wieder einmal in einer anderen Weise interveniere, nachdem der jüdische Klub trotz aller Urgenzen nichts geleistet hat. Vielleicht empfiehlt es sich, Abgeordnete anderer Parteien oder noch andere. Korporationen für diese gerechte Sache zu gewinnen und fordere ich Sie auf, Ihre Ansichten hierüber auszusprechen. Ruhen dürfen wir die Angelegenheit nicht lassen. Mit Rücksicht auf den vielleicht doch tagenden Landtag sollen anwesende Reichsratsabgeordnete, vor allem Exzellenz Abgeordneter Dr. Pacak und andere Herren um ihre Intervention angegangen werden," Das ist, Herr Dr. Straucher, ein offizielles Dokument. Lassen Sie sich in der nächsten Versammlung des „Jüdischen Nationalvereines" in einer „Resolution" des Dr. Gabel das Vertrauen, den Dank und die Anerkennung votieren für Ihre unermüdlichen Bemühungen zugunsten der jüdischen Lehrer. , Z« Professor Malaryk'o 60. Wiegenfeste. Am 7. März d. I. feierte der tschechische Gelehrte und Politiker, Universitätsprofessor Dr. Tom. G, Masaryk, sein 60. Geburtsfest Es gehört sicher zu den größten Seltenheiten in Oesterreichs daß bei ähnlichen Anlässen auch nationale Gegner ihre aufrichtigsten Glückwünsche dem Gefeierten darbringen. So waren z. B. der damalige Reichsratsabgeordnete Dr. I. S. B l o.kh und Red. A. Scharf unter deu Gratulanten zu Ri eg er '§ 70. Geburtstage und bewiesen dadurch ihr tiefes Verständnis für Riegers treue Anhänglichkeit an die Ideen Dr. Adolf Fischhofs. Zu M a s a r y-k s 60. Geburtsfeier finden wir eine wohlverdiente Würdigung seiner hervorragenden Persönlichkeit, als auch seines politischen Charakters von Dr. Siegmund Münz im Prager »&a s«-. Wir entnehmen diesem hochinteressanten Festgruße besonders folgende bedeutsame Stellen.: „— Gerne schließe ich mich der Feier an, welche Sie dem hervorragenden Führer und Lehrer veranstalten. Diese Feier wird in demselben Augenblicke vorbereitet, wo die Reichshauptstadt, in der wir leben, und mit ihr ein Teil des deutschen Volkes in Oesterreich sich -tief vor dem kranken Lueger beugen. Beide Männer sind Kollegen im Parlamente und man könnte leicht in Versuchung kommen, zwischen diesen zwei Parlamentariern Vergleiche anzustellen, die nach meiner Ansicht sehr zugunsten Masaryk ausfallen müßten. Bei Prof. Masaryk staune ich fast darüber, daß er sich seinen Glauben an das „Volk" bisher bewahrte, öbschon er die Massen in Bewunderung vor dem „Herrn von Wien" defilieren sieht. Ich gedenke jener Tage, wo die Massen in Prag Prof. Masaryk als „Judenknecht" beschimpften und ihn beinahe gesteinigt. hätten. Ich deduziere freilich aus dieser Erscheinung dep Trost, daß die tschechischen, von ihren Demagogen verführten Massen um gar. nichts besserund auch nicht ärger sind, als das von deutschen Demagogen betörte und verleitete Volk. Wäre Professor Ma sary,k zufällig ein Deutscher, so wie er freilich ein Tscheche ist, er wäre in seinem Vaterlande ebensowenig ein Prophet geworden, wie er es in Böhmen wurde.

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