Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 165 Toynbee-Halle, XVI., Grüllemeyergasse 5. In einem formvollendeten, zu Herzen gehenden Vortrage schilderte am vergangenen Samstag Herr Ewen die Verhältnisse im heutigen Palästina und erntete reichen Beifall für seine Ausführungen. Nach der Panse vermochte die Kunst der Familie Heller die Sinne der Zuhörer im steten Banne zu erhalten. Wenn wir von den Darbietungen nur einige wenige herausgreifen und anführen, daß Herr Leo Heller „Die Grenadiere" von Schumann. Fräulein Numia Heller die Arie der „Königin der Nacht" aus Mozarts „Zauberflöte" virtuos zum Vortrage brachten, so ist damit das Niveau des Abends genügend charakterisiert. In gleicher Höhe hielt sich Fräulein Sophie Heller, welche den Klavierpart trefflich besorgte und mit einer graziösen Auslegung des türkischen Marsches die Zuhörer zu wahren Jubelausbrüchen hinriß. Israelitischer Frauenverein für den 18. Bezirk. Samstag den 12. März 1910 findet im „Cafe Promenade", Wien, I., Aspernplatz 4, ein vom Israelitischen Frauenvereine für den 18. Bezirk veranstalteter Wohltätigkeitsabend (Vorträge und Tanz) statt, dessen Reinerträgnis dem Fände zu Bekleidung armer jüdischer Schulkinder zufällt. Austritte aus dem Judentum Vom 21. bis 26. Februar 1910. Deutsch Josef, Direktor, geb. 9. September 1876, Wien, VII., Kaiserstrasse 30. Ehrenstein Margarethe, geb. 21. September 1887, Konstantinopel, IX., Hernalser Gürtel 24. Frankel Helene geb. Raudnitz, Private, geb. 12. Jänner 1856, Dresden, IV., Gusshausstrasse 11. Halasy Julius, Handelsakademiker, geb. 19. Jnli 1889, Kisvarda in VI., Laimgrubengasse 27, Kuhn Margarethe, Private, geb: 9. September 1883, Wien, II., ßembraudtstrasse 9. Lederer Nikolaus, stud. zur., geb. 21. März 1886, Nyiregyhaza, Ungarn, VI., Laimgrubengasse 27. Sandor Alfred, Privatbeamter, geb. 14. Juni 1880, Drenic, Bezirk Chrudim, Böhmen, V., Wehrgasse 9 Indisches Internat in Prag. Es ist erfreulich, über die Erfolge zu berichten, die das Jüdische Internat an seinen Zöglingen am Schluffe des ersten Halbjahres zu verzeichnen hat. Von den 32 Zöglingen, die heuer im Internate Aufnahme gefunden haben, haben 10 ein Vorzugszeugnis erhalten, einer davon ist in der Schule prämiiert worden; die übrigen haben einen durchweg befriedigende» Fortgang aufzuweisen. Schüler der verschiedensten Kategorien sind im Internate daheim und genießen hier ihre Ausbildung. Dre Schüler erhalten sorgfältigen Unterricht in den einzelnen Schulgegen!» änden, ihre Aufgaben und Pflichten werden streng und gewissenhaft überwacht und den Schülern die entsprechende nötige Nachhilfe geboten. Für das kommende Schuljahr hat das Jüdische Internat, das bisher m gemieteten Lokalitäten untergebracht ist, ein eigenes Heim erworben. Mit der Adoptierung dieser Räume ist schon begonnen worden; es werden hiebei alle gesammelten Erfahrungen verwertet und es ist zu erwarten, daß das Internat seinen Zöglingen dann in hygienischer und pädagogischer Beziehung das Beste wird bieten können, daß dann auch die schönsten Erfolge werden erzielt werden können. So tritt denn das Jüdische Internat in das neue Semester, erfüllt mit Stolz und Genugtuung über das Erreichte und voll Hoffnung auf noch Besseres. Gr.-Meseritsch. Am Montag den 21. Februar d. I. wurde hierorts Herr Jguaz Grotte zu Grabe getragen. Tie überaus große Beteiligung an oem Lelchenbegängnisse, sowie die vielen brieflichen und telegraphischen Kondolenzen an die Hinterbliebenen zeugten von der Achtung und Wertschätzung, die der selige Verblichene während seines fünfzigjährigen eifrigen und ersprießlichen Wirkens als Angestellter dieser Gemeinde sich erworben hat. Ableben eines jüdifchen Philanthropen. Aus Budapest wird geschriebenDer Juwelier und Uhrenhändler Herr Josef Lemberger ist hier im' Atter von 74 Jahren gestorben. Als Oekonom des israelitischen Handwerk- Und Ackerbauvereines, dessen Zögling der Verblichene einst gewesen, als Mitglied des Vorstandes der Wohltätigkeitssektion der israelitischen Religionsgemeinde und als Vizepräsident der Gewerbekorporation der Uhrmacher hat sich Herr Lemberger im Kreise seiner Glaubensgenossen und Fachkollegen Anerkennung und Verdienste erworben. Ein jüdisches Gymnasium mit Oeffentlichkeitsrecht. Der Bukowinaer Landesschulrat hat in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, dem Unterrichtsministerium den Antrag auf Erteilung des Oeffentlichkeitsrechtes an das jüdische Privatgymnasium in Storozynetz zu stellen. Die Judenfrage vor einen englischen Gerichtshof. In einem Prozeßfalle, der vor dem Dubliner Geschwornengerichte in Verhandlung stand und in welchem eine der Parteirn ein Jude war, machte dessen gegnerischer Anwalt in seinem Plaidoyer wiederholt abfällige Bemerkungen über das Judentum. Der Gerichtspräsident Mr. Kenny kam in seinem Resume für die Geschwornen auf diese antisemitischen Ausfälle zu sprechen und gab zunächst seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Verteidiger durch Heraufbeschwörung der Judenfrage die Jury zu beeinflussen versuchte. Niemand dürfe es wagen, führte der Redner weiter aus, vor einem Gerichte gegen die Juden zu hetzen. Zu jeder Zeit haben die Juden an der Gestaltung der Geschichte ehrenvollen Anteil genommen, hatten eine führende Rolle in der Entwicklung aller Berufe, ebenso wie sie sich als Staatsmänner den Dank der Staaten verdient haben. Ueber einen Juden wegen seines Glaubens oder seiner Nationalität in verächtlichem Tone zu sprechen, wie dies hier geschehen, sei ein Beweis solcher Rückständigkeit und Engherzigkeit, daß kein Mensch mit gesunden Sinnen sich durch solche Worte auch nur für einen Augenblick könne beeinflussen lassen. Jerusalem. Die Direktion der „Lämelschule" in I e r u s a l e m hat Dr. A. Kaminka's kürzlich erschienene hebräische Dichtungen („Zohoraim“) zum (Bebtaud) in den obersten Klassen für die Uebung im klassischen hebräischen Stile e in geführt. *) Feuilleton. Iiinglingsjahre. Roman von Hermann Blumenthal. XIV. Das ist ein sehr prosaisches Kapitel, denn es handelt von nichts anderem, als von Essen und Trinken. Nun brach für David eine Hungerszeit an. Doch er war nicht stark genug, es mit Geduld zu tragen, wie es sich für einen Menschen geziemt, der nach „höheren Zielen" strebt. Wenn er nichts Warmes zu essen hatte, ließ er den Kopf hängen: ja. er konnte unwillig sein, wenn er seinen Hunger nicht zu stillen vermochte. Mit Tränen in den Augen und sich selbst bemitleidend, verzehrte er seine kärglichen Mahlzeiten und machte Gott und die Menschen dafür verantwortlich. Verdiente er etwas, so führte ihn sein erster Weg in ein Restaurant, und erst, wenn er sich satt gegessen hatte, besann er sich auf sich selbst und auf die Poesie. Wenn er einen Tag nichts gegessen hatte, kannte er sich selbst nicht mehr. Es war. als wenn jedes Gefühl in ihm erstorben wäre. „Nun wäre es das Beste, wenn ich hinfiele," dachte er bei sich. Manchmal konnte er auch über sich zornig sein. Es war gut so, denn lange würde er es wohl nicht aushalten. Alle Menschen arbeiteten und es fehlte ihnen an nichts. Nur er war nicht imstande. sich das bißchen Essen zu verdienen... Er konnte aber auch Gott höhnen und in ohnmächtiger JVut die Fäuste ballen. „Das soll nun ein Gott so bestimmt haben!" Eines Tages nahm ihn Markus in Hie Mensa Akademika mit. Dort bekam Dawid für wenig Geld gutes Essen. Das war ein großer Vorteil, denn auf die Dauer konnte er die trockenen Speisen nicht vertragen. Dawid atz jetzt täglich in der Mensa und es gefiel ihm unter den Studenten. Es war so interessant, ihren Gesprächen zuzuhören. Die meisten halten es schwer, sich durchzuschlagen: doch hier saßen sie glückselig über ihren Portionen, als wenn es keinen Kampf und keine Sorgen gäbe. *) Das Buch, das in diesem Blatte von Herrn Rabbiner Dr. Schmiedel eine glänzende Beurteilung gefunden, ist in Wien in der Buchhandlung Löwit, Rotenturmstraße, sowie bei Schlesinger und Helf vorrätig. Wie wir erfahren, erhalten Schuldirektionen und Lehrer, die sich direkt an den Verfasser wenden, von demselben das Werk zum ermäßigten Preise (die einfache Ausgabe K 1.20, die Kunstdruckausgabe K 2.—).