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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-03-04 · 9 (4.3.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 161 Die israelitische Kultusgemeinde in Mielnica. als Repräsentantin des Judentums in Mielnica und der zu diesem Sprengel gehörigen Ortschaften protestiert feierlichst gegen die fragliche Ausdrucksweise des Richters Herrn Tadeusz Jurkiewicz, wodurch das ganze Judentum der Herabwürdigung und Verachtung von Seiten eines öffentlichen Funktionärs ausgesetzt wurde und gegen eine solche Verletzung der Pflichten, die einem Staatsbeamten obliegen, sowie gegen eine derartige, das Vergehen des § 308 St.-G. hart streifende zum Ausdruck gebrachte Verachtung! des Judentums weist dieselbe in vollster Entrüstung zurück und beauftragt den Vorstand, diesen Protest zur Kenntnis des hohen k. k. Justizministeriums -und des hohen k. k. Oberlandssgerichtes in Lemberg zu bringen, mit der Bitte, daß diese hohen Stellen das Geeignete verfügen, damit ein solcher Vorgang sich nicht wiederhole und dem beleidigten Judentum Mielnicas dis entsprechende Genugtuung verschafft werde Sigmund Hermann m. p., Simon Steinholz m. p., Schriftführer. Kultusvorsteher. Auflösung der „Christlichen Nächstenliebe". Aus Brünn wird uns berichtet: Vor einigen Tagen hat die Polizeidirektion auf Grund verschiedener Anzeigen den Begräbniskostenverein „Christliche Nächstenliebe" aufgelöst und den „Direktor" des Vereines, Franz Kunc, verhaftet. Kunc beschäftigte ein ganzes Heer von Agenten, die ihm Mitglieder zuzuführen hatten. Bei der Auflösung des Vereines standen 195 Agenten in seinen Diensten. Früher soll ihre Zahl über vierhundert betrogen haben. Die Mitglieder hatten eine Eintrittsgebühr von 1 bis 2 Kronen zu bezahlen, die der Agent für sich behalten durfte. Der Mitgliedsbeitrag, der dem Kunc abzuführen war, betrug 20 Heller in der Woche. Der Verein hatte zuletzt viertausend Mitglieder. „Direktor" Kunc ist eine Säule der christlichsozialen Partei, der er große Dienste leistete. Seine Zugehörigkeit zur antisemitischen Organisation war auch die Ursache, weshalb sich seinem Verein so viele Mitglieder anschlossen. Johannesburg. Zu Ehren des jüdischen Bürgermeisters. Harry Graumann, wurde ein Festessen veranstaltet, bei dem Seine Exzellenz Lord Selborne und Lady Selborne zugegen waren. Beide blieben bis XI1/9 Uhr nachts. Bei dieser Gelegenheit hielt Lord Selborne eine hochbedeutsame politische Rede, in der er die Juden Südafrikas als einflußreichen Faktor und loyale Bürger bezeichnet^ Nach Sr. Exzellenz ergriff der (Chief-Rabbi Dr. I. L. Landau das Wort, um in längerer Ausführung für die ehrenden Worte zu danken. Er sprach über „Die Juden im öffentlichen Leben", wobei er betonte, daß die Juden die großen Jndustrieguellen des Landes erschlossen haben und auf allen Gebieten des kulturellen Lebens, nicht zuletzt auch auf dem Gebiete der Journalistik, ganz bedeutend tätig sind. Berlin. (Alliance Jsraelite Universelle.) Wir haben den deutschen Mitgliedern der Alliance die erfreuliche Mitteilung zu machen, daß es dem seitherigen Präsidenten Herrn Geheimrat Goldberger gelungen ist. die Neukonstituierung des Vorstandes der Deutschen Konferenz-»Gemeinschaft vorzubereiten. Nach seinem Vorschlag wurde bereits, wie aus dem Bericht über die siebente Tagung vom 8. Februar ersichtlich, Herr Justizrat Max Fuchs-Berlin einmütig zum Mitglied des Präsidiums gewählt. Jetzt ist es Herrn Goldbergers herzlichem Bemühen geglückt, in Herrn Justizrat B e r t h o l d Timendorfer-Berlin, einen hervorragenden Kandidaten für die Präsidentschaft der D. C. G. zu gewinnen. Von den zwanzig stimmberechtigten Mitgliedern der D. C. G. haben achtzehn sofort telegraphisch freudig zugestimmt. Der Kooptierungsoorschlag in das Zentral- Komitee ist zur - Beschlußfassung für die nächste Sitzung nach Paris geleitet worden. Herr Timendorfer ist Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, Großpräsident der U. O. B. B.-Logen, einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden und war schon immer ein Mitglied und treuer Freund der Alliance. Sein ausgezeichneter Charakter, seine volle Sachkenntnis, seine große Klugheit und Arbeitskraft haben ihm allseitige Anerkennung und Liebe gebracht. In der neuen Stellung, die das öffentliche Vertrauen der Glaubensgenossen ihm zuweist, wird er, wie in den anderen von ihm verwalteten Aemtern, im Verein mit Herrn Justizrat Max Fuchs, den Geist der Brüderlichkeit bewähren, zum Segen für die Alliance Jsraelite Universelle und für ganz Israel. Die Juden in Griechenland. Die Kretagefahr führt wieder einmal das Gespräch auf die Juden in Griechenland. In der Hafenstadt Volo befinden sich rund 1000 jüdische Seelen, zumeist dem Kaufmannsstande angehörig. Sie sprechen zumeist spaniolisch. In der benachbarten Stadt Trikala gibt es 700 Juden. lieber die Juden in Athen und Korfu weiß man keine bestimmten Einzelheiten. In Larissab wohnen 1500 Juden, zumeist Handwerker und Kleinhändler. Die jüdische Gemeinde daselbst ist so arm, daß sie keinen Rabbiner aufnehmen kann. Juden und Griechen in Smyrna. Die Smyrnaer Blätter bringen lange Berichte über die Anteilnahme der Juden anläßlich des Ablebens des Metropoliten dieser Stadt. Einer der beiden Rabbiner, die an dem Leichenbegängnisse teilgenommen haben, hat in der Kirche (?) St. Photini einen hebräischen Psalm gesprochen. Ueberdies hielt der Jude M. Cori, der das Griechische ausgezeichnet beherrscht, eine griechische Trauerrede, die auf die in der Kirche Versammelten einen mächtigen Eindruck machte. Die Londoner Universität und das Wochenfest. Die letzte Nummer der „London Unioersity Gazette" enthält folgende Kundmachung: Mit Rücksicht darauf, daß die ersten zwei Tage der Jmmatrikulierung für das Sommersemester auf den 13. und 14. Juni fallen, an welchen Tagen die Juden das Wochenfest feiern, wird den jüdischen Kandidaten gestattet werden, ihre Aufnahmsprüfungen anstatt an den erwähnten Tagen schon am 9. und 10. Iuni abzulegen." Bemerkenswert ist, daß die jüdischen Studenten, die von diesem Rechte Gebrauch machen wollen, außer den regulären Gebühren nock eine Gebühr von 10 Schilling zu entrichten haben, was bisher in ähnlichen Fällen niemals geschehen ist. Die erste jüdische Gemeinde in Ostafrika. Wie die „Newyork-Times" melden, hat sich in Nairobi. Ostafrika, eine jüdische Gemeinde gebildet. Die Regierung hat der neuen Gemeinde den Grund und Boden für ihre zu erbauende Synagoge unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Große jüdische Farmansiedlungen in Teras. Wie aus Newyork berichtet wird, hat die „Federation of Jewish Farmers of America" beschlossen, im Staate Teigs größere Ländereien anzukaufen, um daselbst die Ansiedlung jüdischer Farmer durchzusühren. Der Präsident der genannten Federation, Mr. Samu'l P. Becker, ist in San Antonio. Ter-as, an gekommen, um die Verhandlungen wegen Erwerbung der in Aussicht genommenen Landstriche zu führen. Sollten die Verhandlungen von Erfolg sein, so wird eine größere Aktion in An-

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