Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 160 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 9 Ttitut, welches unter seines Direktors Seiler ausgezeichneter Leitung als ein solches bis auf den heutigen Tag geblieben ist und an tausenden von blinden Kindern ungezählte Wohltaten geübt hat. Allgemein bekannt ist, daß Frankl ein musterhafter, liebevoller Gatte und Datei» gewesen ist. Von seinen Söhnen, beide in angesehener Stellung, befindet sich Universitätsprofessor Lothar von Frankl seit einiger Zeit auf einer wissenschaftlichen Reise nach Japan und hat er mich ersucht, seine achtungsvollen, dankbaren Grütze der verehrten Festversammlung zu überbringen (Beifall), während Oberinspektor Dr. Bruno von Frankl heute in unserer Mitte weilt. (Beifall.) Unvergetzlich wird Frankl seinen Freunden bleiben, welchen er in allen Lagen des Lebens als weiser Berater und Helfer zur Seite stand. Gemeinschaftlich mit seiner ausgezeichneten, geistvollen Gattin vereinigte er an Samstagabenden eine auserlesene Gesellschaft in seinem gastlichen Heim: Schriftsteller, Männer der Kunst und der Wissenschaft, ich nenne nur die Namen des Malers Amerling, des Bildhauers B r a n d st ä t t e r, des berühmten Arztes Professors Meynert und noch viele andere, sie versammelten sich bei ihm, lebhafte Gespräche, die weit hinaus ragten Über' das Niveau alltäglicher Salon-Konversation, wurden geführt, Probleme der Wissenschaft, die neuesten Schöpfungen auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Literatur, der Musik und der Schauspielkunst, wurden besprochen und alle Besucher des Fränkischen Hauses vereinigten sich in der Bewunderung dieses seltenen Ehe^ paares. Wir werden die Erinnerung an diesen ausgezeichnetm Mann stets in Ehren halten. Ich lade die geehrte Versammlung ein, ihrer hohen Achtung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck zu geben. (Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen.) Nunmehr ergriff Adolf Weisse, von einem Beifallsstürme begrützt, das Wort. Der Vortrag des Zyklus „Salomo" aus „Tragische Könige" übte einen ergreifenden Eindruck auf das Auditorium aus. Wie der Dichter die Gottesstadt Jerusalem beschreibt mit Zion und Moria, mit dem Kideon-Vache und dem heiligen Oelberge, so kann nur des Dichters Auge sehen und der Mund eines Mannes schildern, der die heilige Stadt in Wirklichkeit erschaut hat. Wie Salomo in den Tagen seines Glanzes den Tempel erbaut: wie er den Wald von Zedern aus dem Libanon herbeiholl: wie er die Königin von Sabba freit: wie er über Anstiften der Weiber den fremden Göttern huldigt: wie er als Kohelet, der einst als König in Jerusalem geherrscht hat. unerkannt und im Vettlergewanbe im Lande umherirrt: wie der müde Greis im Zelte des Beduinen gastliche Aufnahme findet und wie ihm bei seinem frühzeitigen Aufbruche bedeutet wird, datz des Arabers Gastfreundschaft dreifach sei, d. h. drei Tage dauert: dieses und vieles andere hat der Dichter in meisterhafter Weise beschrieben. Jede Einzelnummer wurde von Beifall begleitet und am Schlüsse lohnte stürmischer Applaus den grotzen. Künstler. Aber schon nach kurzer Pause begann Weisse mit dem Vortrage des „Primator", gewitz Frankls bedeutendste Dichtung^ Die Kennzeichnung des Primators, des Fürsten im Ghetto, seine Teilnahme an dem Festgelage in .der Burg, sein Glaubenswechsel, Zorn und Verzweiflung seines greisen Vaters, der Seelenkampf des letzteren und Zeine furchtbare Tat: dies alles hat der Dichter in unvergleichlicher Weise geschildert und der Künstler ergreifend zum Vortrage gebracht. Ein Sturm von Beifall ward am Schlüsse des Vortrages entfesselt und das Auditorium konnte sich erst beruhigen, als Weisse ein Gedicht aus den Mailiedern von Morris Rosenfeld zugab. Auch .diesem Vortrage folgte langanhaltender Beifall, der sich wiederholte, als der Vorsitzende dem grotzen Künstler für seine herrlichen Darbietungen und für die Ehrung, die der Künstler dem Dichter hatte zuteil werden lassen, den Dank der Gesellschaft und der Versammlung aussprach. Gegen zehn Uhr abends endete diese denkwürdige Feier. Justizfunktionär in Galizien. Aus Mielnica in Galizien erhalten wir folgende Dokumente zur Publikation: An den löblichen israelitischen Kultusvorstand in Mielnica. Eine unerhörte, in den Annalen der jüdischen Geschichte zur Zeit der Konstitution in Oesterreich fast vereinzelt dastehende, die heiligen Gefühle unserer Nation tief erschütternde Tatsache, hat sich am 11. d. M. hier zugetragen. Während der Leitung einer'Gerichtsverhandlung in einer Rechtssache zwischen zwei Parteien, Nichtjuden in Gegenwart eines starken Auditoriums, liefe sich der die Toga anhabende Richter Tadeusz Jurkiewicz, in der Absicht, einem dem proponierten Vergleiche abgeneigten Streitteil seinen Unmut zu bekunden, zu folgendem Ausdrucke Hinreitzen: Ty swinia, ty cyhan, ty szcze liirsza jak zyd (Du Schwein, du Zigeuner, du bist noch ärger als ein Jude). Als hierauf der Gefertigte in vollster Entrüstung gegen diese Ausdrucksweise aufs Heftigste protestierte, erwiderte der genannte Richter während der diesbezüglichen scharfen Auseinandersetzung folgendes: „Obstazy przytem com möwit“ („Ich beharre dabei, was ch gesagt.") Es bedarf wohl nicht erst betont zu werden, datz ein derartiger Ausdruck eines Richters während seiner Amtshandlung, durch welchen die grötzte Verachtung des Judentums vor zahlreichen Personen dokumentiert wurde und geeignet ist, die Würde der Juden in den Augen der christlichen Bevölkerung tief herabzusetzen und zu verhöhnen, zumal derselbe hierauf volbewutzt aufrecht erhalten wurde, von uns Juden, wenn wir von unserem einstigen Stolze noch etwas behalten haben, nicht stillschweigend hingenommen werden darf. Die grötzte Entrüstung in unserer Gemeinde, ja sogar schon auch autzerhalb ihrer Grenzen gibt sich bereits kund. ' y;^T r Es mützte jedoch diese Entrüstung auch bei den matzgebenden Stellen den gehörigen Widerhall finden, damit uns zunächst für die uns zugefügte Schmach Genugtuung zuteil werde und um ferner einem derartigen Vorgehen eines Richters, eines auch von unseren Steuergeldern besoldeten Staatsbeamten, gegenüber den Juden auch in Zukunft vorzubeugen. Der verwerfliche und verabscheuenswürdige Fall hat sich hier zugetragen, und daher ist in erster Reihe die löbliche Kultusvorstehung zur Stellungnahme dawider berufen. . '! Der Gefertigte glaubt deshalb berechtigt und verpflichtet zu sein, auf den obgeschilderten Fall den löblichen Kultusrat in der Erwartung aufmerksam zu machen, datz die jüdische Repräsentanz in Mielnica für den moralischen Schutz der Juden das Geeignete veranlassen werde. Mielnica, den 13. Februar 1910. Dr. Moses Feuermann m. p. Protokoll über die Sitzung des israelitischen Kultusgemeinderates in Mielmca vom 19. Februar 1910. Tagesordnung: Beschlutzfassung über das von Dr. Moses Feuermann, Adv.-Kand. in Mielnica eingebrachte Memorial. Nach Konstatierung ber Beschlutzfähigkeit der Sitzung seitens des Vorsitzenden wird nach Verlesung des obigen Memorials und erschöpfter Diskussion folgende Protestresolution giefatzt: