Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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fir. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 157 Dieses Parnphlet wurde nach Wien gesendet und war Gegenstand der Verhandlung der vereinigten Hofkanzlei unter Vorfitz der Kaiserin Maria Therefia selbst, welche also entschied: „Wien den 22. August 1767. Da besonders die allzugroße gelindigkeit des gaboruio den muthwilligen Pöbel mehreren muth und gelegenheiten zu ausschweifungen gegeben hat, so ist allerdings nöthig, daß das angetragene rescript an selbes erlassen werde. Anbey aber ist auch erforderlich, mit allem ernst und schärfe in dieser sache fürzugehen, wo dann ratione praeteriti der akademische magistret die Untersuchung und erkanntnuß zu vollbringen hat, dabey aber von demselben zu entdeckung derer rädelführer bei Mißhandlung des Wohnhauses des stadthauptmanns und deren Verfassern des letzten aufrührerischen seripti dem mitschuldigen, so die entdeckung macht, die gnad zu versprechen ist. Ration! futuri ist die stöhrung des gemeinsamen ruhestandes unter leibesstrafe und mit dem geschärften beisatz zu verbieten, daß gegen jene, die auf frischer that betretten würden, sogleich standrecht gehalten und die verhängte strafe ohne anstand vollzohen werden solle. Im übrigen ist auf den umstand, daß gegenwärtig die vacanzzeit eintritt, rückficht zu nehmen und Hierwegen sowohl denen studenten in Prag, als auch in allen creisen zu publiciren, daß sie studenten und sonsten jedermann aller Mißhandlung deren unter Meinem schütz stehenden Juden fich unter leib- und lebenstrafe enthalten, und insonderheit die studenten, so außer der stadt Prag einer solchen Mißhandlung sich schuldig machen, aller akademischen freiheiten verlustiget seyn, somit von der bürgerlichen gerichtsbarkeit jederorts ergriffen, an die criminalgerichte überliefert und von diesen mit aller schärfe auch gestalten umständen nach auf leib und leben abgeurtheilet werden sollen. Maria Theresia m. p." Im Sinne dieser Resolution wurde auch am 6. September 1767 oem Gubernium geschrieben. Aber in diesem Zeitpunkte waren die Studenten schon auf Ferien und die Prager Juden konnten aufatmen. (Aus dem Archive der vereinigten Hofkanzlei IV, M. 3.) P. Die jüdischen Helden von Port-Arthur haben kein Wohnrecht. Aus Petersburg, wird gemeldet: In einem . konkreten Falle fällte der Senat das Urteil, daß die jüdischen Mitglieder der freiwilligen Regimenter, die im russisch-japanischen Kriege sich zum Schutze Port-Arthurs gebildet hatten, außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons auch dann kein Wohnrecht besitzen, wenn sie für ihren Heldenmut eine Auszeichnung besitzen, da das diesbezügliche Gesetz sich nur auf diejenigen jüdischen Soldaten bezieht, die in den regulären Truppen gedient haben und Besitzer der Tapferkeitsmedaille sind. Diese merkwürdige Senatserklärung veranlaßte den Redakteur der „Rjetsch", den gewesenen Kommissär von .Port- Arthur, General Werschinin, über das Wesen der freiwilligen Truppen und den Anteil der Juden an der Verteidigung von Port-Arthur zu befragen. „Vor allem", bemerkte der General, „ist die Bezeichnung „Freiwillige" Truppen nicht ganz zutreffend. Die Freiwilligen waren wirkliche Soldaten im wahren Sinne des Wortes und haben im Kriege eine sehr wichtige Rolle gespielt. Die Freiwilligen würden auf die gefährlichsten Punkte kommandiert und halten auch tatsächlich nicht weniger Verluste zu verzeichnen, wie die übrigen Regimenter. Was die Juden betrifft, die den Freiwilligen-Bataillonen angehören, so muß der Wahrheit gemäß konstatiert werden, daß ihr Verhalten nichts zu wünschen übrig ließ. Unter meinem Kommando standen hundert jüdische Freiwillige und niemals kam es vor, daß sich einer geweigert hätte, auf den gefährlichsten Punkten sein Leben zu riskieren. Die Juden haben sich aus eigener Initiative bemüht, das Los der regulären Truppen zu erleichtern. So haben die jüdischen Pharmazeuten neben der Apotheke von Ginzburg ein Lazarett errichtet, das mit Rücksicht auf seine segensreiche Tätigkeit das Kriegskommando zu einer besonderen Anerkennungserkkärung veranlaßte. Von den 100 jüdischen Freiwilligen hat genau die Hälfte ihr heldenmütiges Leben bei.Port-Arthur geopfert und einen Heldenmut an den Tag gelegt, der mich, im Vereine mit General Smirnow. der dieselben Erfahrungen gemacht hat. wiederholt veranlaßte, höheren Orts vorzuichlagen. daß die Juden für ihr patriotisches Verhalten im russisch-javanischen Kriege eine besondere Belohnung erhalten. Unsere Vorstellungen blieben jedoch stets unberücksichtigt. Desto unerklärlicher ist die erwähnte Senatserklärung." König Eduard und Sir Ernest Cassel. In Kreisen der englischen Hocharistokratie wird jetzt ein Vorfall am englischen Hofe erzählt, der ein neuerliches Zeiten der großen Freundschaft ist. welche König Eduard mit seinem jüdischen Finanzgeber. S''r Ernest Cassel, verbindet. Lady Richardson gehört der höchsten englischen Aristokratie an und gilt überdies als ausgezeichnete Kunsttänzerin. Wiederholt hat sie in intimen aristokratischen Kreisen und auch im königlichen Schlosse zu Windsor ihre Tänze vorgefübrt. Vor einiger Zeit tanzte Lady Richardson in Gegenwart der königlichen Familie den bekannten Salome-Tanz, im Verlaufe dessen Salome vor Herodes niederkniet und den Konf Johann des Täufers verlangt. Lady Richardson. die den großen Einfluß Sir Ernest Caisels am englischen Hofe genau kennt, erlaubte sich nun den Scherz, sich mit theatralischer P«>se vor den König auf die Knie zu werfen und aus'urmen: „Herr aebt mir den Kopf von Sir Ernest Cassel!" König Eduard nahm diesen „Witz" der Lady Richardson. die. wie es scheint, bloß das Svrachrohr einer bestimmten Hofkligue war. nicht von der scherzhaften Seite, sondern gab unumwunden seiner Entrüstung über die Anmaßuna der Lady Ausdruck. Lady Richardson wird so bald nicht mehr bei Hofe erscheinen. Der Mathematiker Selig Brodetsky. Der Mathematiker Selig Brodetsky. der. wie noch erinnerlich, im Jahre 1908 mit dem seltenen Titel Senior Wrangler für Mathematik an der Cambridger Universität ausgezeichnet wurde, erhielt jetzt das vielumworbene Ilaac Newton Stivendium von 900 Pfund Sterlino, jährlich auf die Dauer oon drei Jahren, um seine vielversprechenden Svezialstudim in O"tik und Astronomie, fortietzen zu können. Die Untersuchungen des tnvhofen Fiebers. Die Pariser Akademie des Medirmes hat ein Sve- Zialkomitee?um Studium der Provbnlare gegen das tnvböse Fieber eingesetzt, und. in dasselbe die bekannt-'n Bakteriologen Dr. Arnold Netter und Dr. Ferdinand Widal gewählt. Der Kommission liegt eine neue Ar beit des Dr. Alerander Mannorek über die Diagnose de>- Tuberkulose vor. die als sin groster Forschritt in de^ Tuberkuloseforschung bezeichnet wird. Israels Vater und Israels Sohn. In Budapest ist gegenwärtig eine Ausstellung bK ländischer Maler zu sehen und die gesamte ungarüche Presse beschäftigt sich mit den zwei hervorragendsten Ver tretern holländischer Malkunst: dem Altmeister Josef Israels und dessen Sohn Isaac Israels. Israels v^rs ist mit drei Bildern vertreten, von denen besonders..Die Heimkehr der Fischer" von monumentaler Kraft ist Israels fils ist in der Kollektion der progressivste. Er