Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Jtr. 9 Seite 154 Dr. Blocks Wochenschrift. ZU verlangen. Was nun die Christen anbetrifft, die unter allen Umständen viel empfehlenswerter und sympathischer sind als die Getauften, find wir immer dafür eingetreten, daß sie, entsprechend der Zusammensetzung in der. Wählerschaft, auf der Kandidatenliste erscheinen. Aber die Königsmacher können sich eine moralisch minderwertige Knechtseligkeil vor Paradechristen, eine Krankheit der schäbigsten Assimilation, nicht abgewöhnen. Sie setzen ihre ganze Leidenschaftlichkeit ein, um auf ihrer Seite möglichst wenig Juden und möglichst viele Christen aufzustellen. Wie wir hören, werden sie in dieser Beziehung von jüdischen Hintermännern, welche in ihren reich ausgestatteten Salons außer ihrer eigenen keine krummen Nasen sehen können, gereizt und bestärkt, und wenn die Kandidatenlisten herauskommen werden, wird man manchen Namen eines persönlich ganz reellen, aber politisch bedeutungslosen Christen an der Stelle sehen, wo eigentlich ein befähigter und 'energischer Jude hingehört, die in großer Zahl zur Verfügung stehen. Bevor aber die Kandidatenlisten in Druck gehen, sollten sich die Königsmacher ihre Streiche noch überlegen. Denn von ein paar lächerlichen Assimilantm abgesehen, ist der größere Teil der Wählerschaft jüdisch und nur jüdisch gesinnt, und wird nicht dulden, daß ihre Rechte auf jüdische Kandidaten einfach verachtet werden. Christen mögen immerhin aufgestellt werden, sogar noch etwas mehr als sich gebührte. Aber den Juden mehr wegtragen, als liberal und billig wäre, werden sich diese nicht gefallen lassen. Sie haben mit christlichen Vertretern ihrer Interessen meist schlimme Erfahrungen gemacht, niemals aber gute. Wenn die mit jüdischen Stimmen gewählten arischen Gemeinderäte nicht ganz mit fliegenden Fahnen zu den Christlich-Sozialen übergegangen sind, so haben sie den Schutz der Juden etwa so betrieben, wie ein ex vüo-Advokat die Vertretung des Klienten, d et ihm nichts bezahlt. Die Juden haben aber schwer gezahlt und brauchen sich keine Gnaden erweisen zu lassen. Sie wissen auch recht gut, daß ein aufrechter Jude mit aufrichtigem Bewußtsein und Leidenschaft für sein natürliches Recht bei den Antisemiten weit mehr Respekt erlangen und ausrichten wird, als ein schwächlicher christlicher Pseudoliberaler mit halbem Herzen. Das hat sich in jeder parlamentarischen Körperschaft bestätigt; das wird auch im Gemeinderat der Fall sein, und hier brauchen die Juden ganze Männer und energische Vorkämpfer, nicht die äußerlich verbindlich und innerlich amüsiert über die Juden lächelnden Sesselwärmer aus den Salons der Königsmacher. In bezug auf die Kandidatenliste im ersten Bezirk aber erklären wir nochmals, daß die Juden eher Antisemiten als Fahnenflüchtige und Renegaten wählen dürfen. Die Aufstellung Weier aus dem Judentum geflüchteten Kandidaten heißt nichts anderes, als die Judttl auffordern, den feigen, ehrlosen Verrat durch ihre Abstimmung vor Gott und der Welt zu sanktionieren. Die Königsmacher, die vor der winzigsten christlichen Minorität so viel Respekt haben, scheinen das Ehrgefühl der jüdischen Wähler gar zu gering zu tarieren. vom Jahrmarkt des Lebens. Die jüngsten Vorgänge in Rumänien, Die Vorgänge in Rumänien in den letzten Wochen - sind geeignet, die Aufmerksamkeit Europas und insbesondere der maßgebenden jüdischen Kreise in verstärktem Maße auf sich zu lenken. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Latze der Juden in Rumänien unhaltbarer denn je geworden ist. Man scheint sich in Rumänien mit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Knebelung der Juden nicht mehr zu begnügen, sondern' das mit der Regierung unzufriedene rumänische Volk auf die Entrechteten, Wehrlosen zu hetzen. Denn nichts anderes als eine skrupellose Hetze von der Regierungsbank war die unglaubliche, skrupellose Beantwortung einer von dem bekannten antisemitischen Hetzapostel Jorga bestellten Interpellation seitens des Ministerpräsidenten Bratianu. Jorga hatte nämlich den Ministerpräsidenten wegen der angeblichen Preßagitation der Juden und der Einberufung eines jüdischen Kongresses zur Beanspruchung der politischen Rechte interpelliert. In unerhört zynischer Weise erklärte nun Bratianu: „Die bezüglichen Rechte sind für alle Rumänen gleich. Die Verfassung gewährt Preß- und Versammlungsfreiheit, sowie Freiheit der politischen Betätigung einzig und allein den Staatsbürgern. Die Regierung kennt bei Staatsbürgern keinen Unterschied der Nationalitäten oder der Religion. Was die Agitation der Staatsbürger anlangt, behält sich die Regierung die Entscheidung darüber vor, was zulässig ist. Es wäre im Interesse der Juden gelegen, ihre Solidarität mit den Interessen Rumäniens Zu vereinigen und den Feinden (?) des Landes mit Nachdruck entgegenzutreten. Die Abhaltung eines jüdischen Kongresses werde die Regierung unter keiner Bedingung gestatten!" Es gehört tatsächlich selbst für einen Rumänen viel Mut dazu, den Juden, die von der rumänischen Regierung wie die räudigen Hunde gehetzt und, wenn es ihnen beliebt, in der Donau ersäuft werden, eine Moralpredigt zu halten. Aber man weiß hier sehr gut, worauf Ministerpräsident Bratianu hinzielt, wenn er den Juden droht, nicht „mit den Feinden des Landes" zu halten. Die neugegründete sozialdemokratische Partei, die vorige Woche ihren konstituierenden Kongreß in Bukarest hielt, bereitet der Regierung große Sorgen, umsomehr, als die Juden von den Aktionen der Sozialdemokraten naturgemäß auch die Erkämpfung der 'Gleichberechtigung erhoffen, und es ist nur selbstverständlich, daß das jüdische Proletariat, zu dem der weitaus größte Teil der jüdischen Bevölkerung Rumäniens gehört und in viel größerer Not sich befindet, als die Proletarier der übrigen Völker, der sozialdemokratischen Bewegung ihre ganze Unterstützung leiht. Es scheint jedoch, daß die antisemitische Wühlarbeit der Regierung so sehr in die Massen gedrungen ist, daß selbst die rumänischen Proletarier nicht mehr ganz , frei vom Judenhasse sind. Wie nämlich den offiziellen Berichten über den Kongreß zu entnehmen ist, hat selbst hier die Judenfrage Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen. In dem Bericht heißt es: - „Cocea bekämpft den Passus, worin die politischen Rechte für die Juden verlangt werden, und sagt, daß diese Forderung in die allgemeine Forderung der politischen Rechte für das Proletariat mit eingeschlossen werden müsse. Die jüdische Bourgeoisie stehe dem Proletariat gleichgiltig gegenüber. Nach einer längeren Debatte wird endlich der Passus in folgender Form einstimmig angenommen: „Endlich wird auch die Emanzipierung der einheimischen Juden, die von den ersten liberalen Generationen gefördert und die Europa schon vor dreißig Jahren versprochen wurde, von der rumänischen sozialdemokratischen Partei in ihr Programm ausgenommen, denn die rumänische Sozialdemokratie sowie diejenige aller Völker bekämpft nicht nur die Ausbeutung der Arbeiter, sondernauch jede Ausbeutung und Unterdrückung, sei es einer Klasse^ einer Partei, eines Geschlechtes oder einer Rasse."- - ' Darauf wird der Motivenbericht angenommen und der^ Präsident Frimu erklärt die Partei für konstituiert. Ein Sturm der Begeisterung begleitet seine Worte.